6200, in Starkenburg 8600 ha mit Winterfrucht bestellter Fläche umgepflügt. Was die Aussichten für die Ernte hinsichtlich der nicht ausgemachten Wintersaaten in den Provinzen Starkenburg und Rheinhessen betrifft, so weichen dieselben im Großen und Ganzen nicht von denjenigen in Oberheffen ab. Im Kreise Dieburg wird wohl kaum der Bedarf an Saatgut für Winterweizen gedeckt werden. Im Kreise Groß-Gerau sind die Aussichten für die Ernte gering, nur in einzelnen Fällen gut. Im Kreise Bingen ist der Weizen fast durchweg eingegangen.
— Was ein Vogelnest werth ist. Lieber Landmann! Dein Knabe nimmt aus Langeweile ein Vogelnest, Grasmücken-, Spatzen-, Rothschwanznest oder ein anderes, sagen wir mit fünf Eiern oder Jungen aus. Jedes dieser Jungen braucht täglich im Durchschnitt 50 Stück Raupen und andere Jnfecten zur Nahrung, die ihm die Alten zutragen- macht täglich 250 Raupen. Die Aetzung dauert durchschnittlich vier bis fünf Wochen, wir wollen sagen 30 Tage, macht für das Nest 7500 Stück. Jede Raupe frißt täglich ihr eigenes Gewicht an Blättern' und Blüthen. Gefetzt, sie braucht, bis sie ausgefreffen hat, auch 30 Tage, und frißt sie täglich nur eine Blüthe, die eine Frucht abgegeben hätte, so frißt sie in 30 Tagen also 30 Obstfrüchte in der Blüthe und die 7500 Raupen zusammen fressen 225 000 Stück solcher Blüthen. Hätte Dein Sohn das Vogelnest in Ruhe gelassen, so hättest Du und Deine Nachbarn um 225 000 Stück Aepfel, Birnen, Pflaumen, Kirschen 2C. mehr geerntet. Frißt die Raupe aber mehr, als eben veranschlagt, so ist Euer Verlust noch größer. Jetzt wirst Du wissen, daß die Zerstörung eines Vogelnestes keine gleichgültige Sache fei.
Schotten, 6. Juli. Der gestrige Gesammtausflug der Zweigvereine des Vogelsberger Höhenclubs auf den Hoherodskopf war von Nah und Fern recht stark besucht. Das Clubhaus und das Zelt vor demselben faßten kaum die Festtheilnehmer - außerdem erfreuten sich die Wirthschaften im Walde lebhaften Zuspruchs. Der Vorsitzende des Ge- sammtvereins, Herr Oberförster Diefenbach, begrüßte und bewillkommnete die Festgäste, er betonte in seiner Rede, daß der Club heute über ein zehnjähriges segensreiches Wirken zurückblicken könne. Der Redner gab dem Wunsch Ausdruck, daß unser Hauptausflug mit dazu beitragen möge, das Interesse am Club zu wecken und wach zu erhalten, und schloß mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf Se. Kgl. Hoheit den Großherzog, den hohen Protector des Clubs. Der Ausflug war vom besten Wetter begünstigt, der Fernblick jedoch etwas unklar. Die Stimmung war permanent eine sehr animirte und mag wohl Manchem das Scheiden von den schönen Höhen schwer geworden sein.
-r Bufenborn, 5. Juli. Der 67 Jahre alte Landwirth St. von hier wurde gestern in der Hofraithe eines seiner Verwandten erhängt aufgefunden. Eine Gerichlsdeputanon aus Schotten nahm untör Zuziehung eines Arztes an Ort und Stelle Ermittelungen vor und wird angenommen, daß St., der lange Zeit kränkelte, freiwillig den Tod gesucht hat.
8. Nonnenroth, 5. Juli. Heute fand dahier das Bezirks fest des Kriegervereinsbezirks Lich, verbunden mit Fahnenweihe des hiesigen Kriegervereins, statt. Von 11 bis 1 Uhr Mittags fand der Empfang der auswärtigen Kameraden, später der Festzug, welchem 22 auswärtige Krieger- wie auch einige benachbarte Gesangvereine sich anschloffen, statt. Der Zug bewegte sich durch die schön geschmückten
Straßen des Ortes nach dem Festplaye. Hier sand die Begrüßung der Festgäste, sodann Weiherede und Uebergabe der neuen Fahne statt, worauf die Musik zum Tanzen aufforderte und bald auf den Tanzböden, wie auch in den Festhallen bis zur Abendstunde das fröhlichste Treiben herrscht.'.
-a- Altenstadt, 5. Juli. Gestern verunglückte das zehnjährige Mädchen des Landwirths K. zu Höchst a. d. Nidder dadurch, daß es in Abwesenheit der Eltern Petroleum in das bereits erloschene Feuer goß. Die emporschlagenden Flammen ergriffen die Kleider des Kindes und erlitt dasselbe schwere Brandwunden am Körper, namentlich im Gesicht. An seinem Aufkommen zweifelt man.
vermischtes.
* Marburg, 6. Juli. Eine kühne That vollbrachte dieser Tage der Jäger Simon von der 4. Compagnie des hiesigen Jägerbataillons. Ein Kamerad desselben, der Jäger Bangert, war bei der Militärbadeanstalt am Ufer sitzend ab- gerutscht und in die gerade an jener Stelle hochgehenden Fluthen der Lahn gestürzt. Simon sprang seinem Kameraden sofort nach und es gelang demselben auch, den Verunglückten zu erfassen und trotz der starken Strömung schwimmend ans Land zu bringen; eine Leistung, welche nm so mehr Anerkennung verdient, als an jener Stelle der Fluß gegenwärtig eine durchschnittliche Tiefe von 3—4 Meter aufweist und diejenige Stelle, wo Bangert hineinrutschte, von derjenigen, wo er von Simon erfaßt wurde, 55 Schritte entfernt liegt.
* Wetzlar, 6. Juli. In der Lahn unterhalb des Luy- fchen Felfenkellers wurde gestern Nachmittag die Leiche eines etwa 50jährigen Mannes aufgefunden. Der Mann war bekleidet mit blauem Kittel, dunklen Tuchhosen, genagelten Schüben u. s. w. Die Kopfbedeckung des Mannes, der einen rothblonden Bart trug, war verloren gegangen. Die Leiche wurde in die Todtenkammer des Friedhofs verbracht. Bisher ist ihre Herkunft noch nicht genau sestgestellt- man nimmt an, daß der Mann aus Waldgirmes stamme.
* Frankfurt a. M., 6. Juli. Der Schriftsetzer Francois Martin, ein geborener Luxemburger, in den Buchdruckerkreisen bekannt als Gründer und früherer Redacteur des in Basel erscheinenden „Internationalen Buchdruckerverbandes", ist von der hiesigen Polizei ausgewiesen worden und mußte heute die Stadt verlassen. Martin hatte, nachdem er vor Kurzem aus Stuttgart ausgewiesen worden war, hier eine Stellung gesunden. — Am Samstag Mittag bemerkten Arbeiter auf dem Felde in der Nähe der Militär-Schwimmanstalt zwei Frauen, welche aus einem Korbe etwas auf die Erde niederlegten und sich dann wieder entfernten. An der betr. Stelle wurde alsdann die schon stark in Verwesung übergegangene Leiche eines Kindes weiblichen Geschlechts aufgefunden. Die Leiche, welche in schwarzes Glanzpapier, eine blau und weiß gestreifte Schürze und ebensolchen Unterrock eingehüllt war, wurde nach dem Sachsenhäuser Friedhof verbracht.
Verkehr, Land- unö Volkswirthschaft»
Gießen, 7. Juli. Marktbericht. Auf dem heutigen Wochenmarkt kostete: Butter pr. Pfd. X 1,00—1,20, Hühnereier 1 St. 0, 2 St. 11-13 4, Enteneier 1 St. 7- 4, 2 St. - 4, Käse pr. St. 5—8 4, Käsematte pr. St. 3 4, Erbsen pr. Liter 18 4, Linsen pr. Liter 30 4, Tauben pr. Paar X 0,70—0,90, Hühner pr. Stück X 1,00—1.30, Hahnen pr. St. X 1,00—1,20, Enten pr. Stück
X 2,00—2,20, Ochsensteisck vr. Dfd 70—74 4, Kuh- und Rindfleisch 60—64 4, Schweinefleisch 56-64 4, Hammelfleisch 50—76 4, Kalbfleisch 50- 56 4, Kartoffeln pr. 100 Kilo X 9,00-9 50, Weißkraut vr St.--4, Zwiebeln per Eentner X 13,0—14,0, Milch per
Liter 12-18 4, Kirschen per Pfd. 15-20 4
Butzbach, 4. Juli. Wochenmar^kt. Butter kostete per Pfund X 0.95—1.00, Käst per Pfund 46—47 4, Eier zwei Stück 11 4-
Krankfrrrt a. M., 6. Juli. Der samstägige Sch w ei ne - markt im städtischen Viehhof war befahren mit 264 fetten Thieren und 42 Zuchtferkeln. Fette Schweine wurden zu den freitägigen erhöhten Preisen umgesetzt: erste Sorte zu 57 bis 59 Pfg., zweite Sorte zu 55 bis 56 Pfg. pro Pfund; wenige Ferkel, 6 bis 7 Wochen alte Thiere, brachten 8 Mk. pro Stück.
Univcrfitäts - Nachrichten.
— Der Privatdocmt der Zoologie, Dr. Joh. Felix in Leipzig, ist zum außerordentlichen Professor daselbst ernannt worden.
— Der berühmte Würzburger Anatom, Prof. A. v. Kölliker, feierte kürzlich den Tag, an welchem er vor 50 Jahren an der Universität Zürich den philosophischen Doctorgrad mit einer Arbeit aus dem Gebiete der Zoologie erlangte.
— Der erste Assistent an der psychiatrischen Klinik zu Straßburg, Dr. Alfred Hoche, hat sich als Privatdocent für Psychiatrie habilitirt.
— Dr. R. Schmidt, bisher außerordentlicher Professor in Leipzig, ist zum ordentlichen Professor für Civilprozeß, Staats- und Völkerrecht nach Freiburg i. Br. berufen.
— Der „Jenaer Zeitung" wird geschrieben, daß die Nachricht, Professor Brückner in Dorpat sei seines Lehramtes entsetzt worden, noch der Bestätigung bedürfe. B. führe allerdings einen deutschen Namen, gehöre aber dem Russenthum an. Es sei wahrscheinlich, daß nicht eine Amtsentsetzung, sondern eine Versetzung an die Universität Kasan erfolgt sei. — Wir sind nicht in der Lage, diese Mtttheilung zu controliren, der Sachverhalt dürste ja bald aufgeklärt werden.
— Der Prosector der medicinlschen Facultät zu Paris, Dr. Castex, hat von der französischen Regierung den Auftrag erhalten, an deutschen und österreichischen Universitäten die Unterrichtsanstalten für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten zu studiren.
— Privatdocent Dr. Klaußner wurde als Nachfolger des Professors Angerer zum außerordentlichen Professor der Chirurgie und zum Vorstand der chirurgischen Poliklinik an der Universität München ernannt.
— Der sehr fühlbar werdende Mangel an Kartoffeln und die empfindliche Preissteigerung für dieses wichtige Lebensmittel hat naturgemäß die Aufmerksamkeit mehr und mehr auf andere Ernährungsmittel gelenkt, welche geeignet erscheinen, den besten und für die Ernährung werthvollsten Ersatz für die Kartoffeln zu schaffen. Während in den südlicheren Ländern — Oesterreich, Italien und Frankreich — die Kartoffeln kaum bekannt sind und Mehlspeisen, Klöße und Nudeln deren Stelle vertreten, ist in Norddeutschland die Kartoffel das hervorragende Volksnahrungsmittel geblieben, weil sie, wenn auch als Nahrungsmittel geringwerthiger, doch bis jetzt auch erheblich billiger war als Getreidefabrikate. Heute kosten aber Kartoffeln, die sogar während des strengen Winters vielfach beschädigt sind und schlecht schmecken, einen so abnormen Preis, daß Brodftoffe sich billiger stellen. In Oesterreich, Italien und Frankreich bilden Grießklöße, Maccaroni die tägliche Nahrung, und darüber, daß deise Stoffe zur Ernährung den Vorzug vor den Kartoffeln verdienen, besteht nirgends ein Zweifel. Zu Suppen und Klößen eignet sich in hervorragender Weise der erst neuerdings in Deutschland probucirte Hartgries aus kleberhaltigen russischen und orientalischen Weizensorten. Derselbe ist sehr billig, äußerst ergiebig im Gebrauch, besitzt zweifellos einen höheren Nährwerth als die Kartoffel und ist besonders in der Form von Klößen der beste Ersatz für diese, wie das die Erfahrungen in anderen Ländern bewiesen haben. Verkauft wird Hartgries in allen größeren Colonialwaarengeschäften in der Originalverpackung der Wesermühle in Hameln.
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