Ausgabe 
8.4.1891
 
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tt Seßel, 6. April. Drei japanische Offiziere, Oberftlieutenant Harapucki, Hauptmann Nambu und Haupt­mann Osaka, sämmtlich aus Tokio, trafen vorgestern hier ein, um sich dem commandirenden General des XI. Armeecorps, von Grolman vorzustellen. Die drei Offiziere sind nämlich in die deutsche Armee eingetreten, um sich nach deutschem Muster militärische Kenntnisie zu erwerben und unsere Organisation kennen zu lernen. Dieselben sind auf Befehl des Kaisers dem hessischen Infanterie-Regiment Nr. 88 in Mainz zugewiesen, weil dessen Commandeur längere Zeit in Japan war und der japanischen Sprache mächtig ist.

* Düsseldorf, 4. April. Eine kürzlich erlassene Verfügung der hiesigen Regierung, durch welche die Kreis-Schulinspectoren angewiesen worden sind, darauf hinzuwirken, daß bei den Schulkindern der Sinn für die Pflege der Blumen geweckt werde, hat erfreuliche Erfolge erzielt. In den meisten Schulen, wo nur immer die Lage der Schulzimmer es gestattet, sind Topfpflanzen aufgestellt, bei deren Pflege die Kinder betheiligt werden. Auf manchen Schulhöfen sind Blumenbeete eingerichtet worden, bei deren Anlegung und Unterhaltung die Schulkinder thätig sind. Aus der Oberstufe der Volksschule wird Unterricht über die Anzucht von Tops- und Gartenpflanzen ertheilt. Der Gartenbau-Verein und bte Localabtheilung des landwirthschastlichen Vereins zu Moers haben die erforder­lichen Geldmittel gewährt, um 'für 100 Kinder je eine Topf­pflanze zu beschaffen. Der Elberfeld-Barmer Gärtner-Verein hat sich erboten, im nächsten Frühjahr einige Tausend junger Pflanzen den dortigen Volksschulen zur Vertheilung an Schüler unentgeltlich zu überlassen. Ganz besonders thätig in der Anregung, die Lust zur Pflege von Blumen bei den Schul­kindern zu wecken, ist der Gartenbauverein zu Hüls. Es ist zu hoffen, daß die Beschäftigung der Schulkinder mit der Pflege der Blumen eine veredelnde Einwirkung auf die Kinder ausüben wird.

* Rostock, 4. April. In der vergangenen Nacht brach Hierselbst, wie derNat.-Ztg." gemeldet wird, in einem Hause der Windmühlenstraße während eines Hochzeitsfestes Feue^r aus. Ein Kind hat in den Flammen den Tod gefunden, eine Frau und ein Knabe sind verletzt, fünf andere Personen, welche durch Gluth und Rauch ihre Besinnung verloren hatten, wurden durch den Muth der Polizeimannschaften und der Feuerwehrleute gerettet.

* Kaiserslautern, 31. März. Der hiesigeKahlkopf- Verein" hielt gestern Abend in der Wirthschaft Luthrings- hausen seine diesjährige Generalversammlung ab. Derselbe wurde im Jahre 1881 von 38 Personen ins Leben gerufen und ist heute auf 116 Mann angewachsen. Es ist dies der einzige Kahlkopf-Verein in Deutschland.

* Saaruuion, 3. April. DerMetzer Zeitung" berichtet man: Dieser Tage wurde einer Wittwe von hier eine große Ueberraschung zuTheil. Ihr schon längst todtgeglaubter Sohn ist auf einmal wieder bei ihr aufgetaucht. Der Sohn, welcher den Krieg von 1870 bei dem französischen Infanterie- Regiment Nr. 56 mitgemacht hat, wurde bei dem Gefecht von Orleans als verschollen erklärt, und es ist auch bereits vor langer Zeit an seine Eltern seitens des französischen Ministeriums ein Todtenschein gelangt, worin erklärt wird, daß ihr Sohn während der Schlacht gefallen sei. Dem war jedoch nicht so. Der junge Soldat hatte den Trubel des Kampfes in jener Schlacht benutzt, um zu desertiren, was ihm auch mit Leichtigkeit gelang. Er ist nachher nach Amerika geflüchtet, wo er sich bis auf den heutigen Tag aufgehalten hat, ohne ein Lebenszeichen von sich zu geben.

* Bei« Son»tag8-Appell der Landwehr. Der Sonntags­dienst war beendet. Der Landwehr-Compagnieführer salutirte, die Subalternosfiziere erwiderten den Gruß und schritten dem Ausgang der Kaserne zu. Vom Feldwebel begleitet, folgte ihnen der Hauptmann. Nach einigen Minuten kehrte der Spieß" wieder nach dem Appellplatz zurück und comman- dirte:Stillgestanden! Daß Ihr Euch rühren könnt, habe ich jesehen, aber das Stillstehen scheint Ihr in Euer Civil- verhältniß jänzlich verlernt zu haben," polterte der Gestrenge los, ließ dieantike Blase" eine Zeit lang auf einem Bein stehen und fuhr dann fort:So, nu werd't Ihr wohl die nöthige Ruhe zu's Stillstehen haben." Hieraus schlug die provisorische Landwehr-Compagniemutter ihr mächtiges Dienst­buch auf und befahl:Wer von Euch für heute Urlaub haben will, der trete vor!" Die beiden langen Glieder lich­teten sich gewaltig, und nach und nach stand fast die ganze Compagnie vor der Front.Halt! So jetzt die Schose nich. Kehrt! Marsch! Wieder anjetreten! So! Und nu treten mal fix Diejenigen vor, welche keinen Urlaub wollen." Nur etwa ein Dutzend Wehrmänner meldeten sich. DerSpieß" ließ diese Leute abtreten und fragte hierauf die Zurückbleibenden, wie lange sie Urlaub wünschten. Bis 11 Uhr!" tönte es fast wie aus einem Munde ihm entgegen.Bis 11 Uhr?" wiederholte der Gestrenge.Aber ich bitt' Ihnen, meine Herren, das jetzt nich, absolut nich, weil weil der Herr Hauptmann, ohne animus Ihrer land­wehrmännlichen Bescheidenheit, sämmtliche Urlaubskarten schon bis 12 Uhr Nachts hat ausstellen lassen." Großer Beifall folgte dieser Erklärung. Aber nicht alle Wehrmänner nutzten den bis Mitternacht gewährten Urlaub aus, wie wir zur Beruhigung der vielen in der Provinz Hinterbliebenen Ehe­hälften hier gleich der Wahrbeit gemäß bescheinigen.

* Wunderliche Heilige. Aus Zwickau wird geschrieben: Am vergangenen Montag erschienen abermals und zwar zum sechsten Male Anhänger der neuen SecteBrüder und Schwester­gemeinde" vor dem Außenthor der hiesigen Strafanstalt und begehrten Einlaß, um mit ihren gefangenen Brüdern zu beten. Das Thor öffnete sich natürlich nicht, und die Sectirer ent­fernten sich nach längerer Zeit mit der Ankündigung, jetzt noch vier Mal zu erscheinen, dann würde dasjüngste Ge­richt" kommen.

* Wie schwer es ist, das große Loos zu gewinnen, hat ein russischer Statistiker dieser Tage herausgerechnet. Nach Professor Janson werden in Rußland alljährlich auf 1,000,000 Menschen im Durchschnitt 30 Männer und 10 Frauen er­mordet. Nach statistischen Daten, die darüber in ganz Europa gesammelt wurden, hat von je 33,338 Männern und je 100,000 Frauen alljährlich ein Mann und eine Frau die unangenehme Chance, ermordet zu werden. Am l.Juli 1891 wird in Petersburg das große Loos eine Person von 846,400 Bewerbern gewinnen: im ganzen Jahre also eine Person von 423,200. Auf diese Weise hat jeder Mann 15mal mehr Chancen und eine Frau 4mal mehr Chancen, ermordet zu werden, als das große Loos zu gewinnen.

* Kopenhagen, 4. April. Bei der Zuckerfabrik Nykiöbing (auf Falster) wurde gestern eine Brieftaube des Lübecker Vereins gefangen, die eine Depesche des deutschen Kaisers an Königin Carola von Sachsen mitführte, worin der Kaiser der Königin seine Grüße sandte und ihr mittheilte, daß er bei Langeland die heimkehrende KreuzercorvetteCarola" in- spicirte.

* Offene Stelle« für Milit'äranwärter im Bezirk des 11. Armeecorps: 23 Postschaffner, 27 Packetträger und Stadt­

postboten und 7 Landbriefträger bei der Ober-Postdirection in Frankfurt a. M., ad 1 je 900 Mk., ad 2 je 700 Mk., ad 3 je 650 Mk. und den gesetzlichen Wohnungsgeldzuschuß. Packetträger bei den Postämtern Kirchhain und Treysa (Be­zirk Kassel), Rotenburg (Fulda), Wildungen und Witzenhansen, je 700 Mk. Gehalt und den gesetzlichen Wohnungsgeldzuschuß. Landbriefträger bei den Postämtern Lüdenscheid, Marburg, Mengeringhausen, Neustadt, Oberaula, Orb, Rhoden, Sachsen­berg, Schenklengsfeld, Schwarzenborn, Trendelburg, Witzen- hauseu, Wüstensachsen und Zierenberg, je 650 Mk. Gehalt und den gesetzlichen Wohnungsgeldzuschuß. Postschaffner bei den Postämtern Marburg (Bezirk Kassel) und Weimar, je 900 Mk. Gehalt und den gesetzlichen Wohnungsgeldzuschuß. Postschaffner bezw. Briefträger beim Postamt Marburg (Be­zirk Kassel), 900 Mk. Gehalt und 144 Mk. Wohnungsgeld­zuschuß. 12 Aspiranten für den Stations- und Expeditions­dienst beim Eisenbahn-Betriebsamt Altena (Directionsbezirk Elberfeld), beim Eintritt je 1140 Mk. Jahresbesoldung. Im Bezirk der Großh. Hess. (25.) Division: Kanzleigehilfe beim Landgericht Mainz, 650 Mk. Gefangenwärter am Großh. Hess. Landeszuchthaus Marienschloß, eine baare Remuneration von 1000 Mk. jährlich.

* EinRealgymnafialoberlehrersgattinnenmittwochsnach- mittagskaffeekr'änzchen" existirt in Berlin. Hoffentlich ist die Gesellschaft kurzweiliger als ihr Name.

* Für Briefmarkensammler. Die luxemburgische Post- verwaltung hat neue Briefmarken mit dem Bilde des Groß­herzogs ausgegeben.

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Gie»e«, 7. April. Marktbericht. Auf dem heutige» Wochenmartt kostete: Butter pr. Pfd. X 0,951,06, Hühnereier 1 St. 5-6, 2 St. A, Enteneier 1 St. 7--H, 2 St. A,

Käse pr. St. 510A, KLsematte pr. St. 3 A, Erbsen pr. Liter 20 A, Linsen pr. Liter 28 A, Tauben pr. Paar X 0,801,00, Hühner pr. Stück X 1,201.40, Hahnen pr. St- X 1,50-2,00, Enten pr. Stück X 1,802,20, Ochsenfleisch pr. Pfd 7074 A, Kuh- und Rindfleisch 6064 Ar Schweinefleisch 6070 Ar Hammelfleisch 5070 A, Kalb» fleisch 60-00 A, Kartoffeln pr. 100 Kilo 7,007,50, Weißkraut pr. St. 37 A, Zwiebeln per Centn er X 7,008,00, Milch per Liter 12-18 A, Ganseeier 11-12 A-

Herborn (an der Köln-Gießener Eisenbahn), 6. AprU. Auf den heutigen hiesigen Markt wurden gebracht: 376 Ochsen, Kühe und Rinder, und 663 Schweine. Der nächste Markt ist am 4. Mai l. I.

Promeuaden-Concert Mittwoch den 8. April. Programm: 1. Fest-Ouverture von Lortzing. 2. Touristen-Quadrille von Krauße. 3. Jntroduction a. d. Op.Traviata" von Verdi. 4. Finale a. d. Op.Lohengrin" von Wagner. 5. Der Coburger Josias-Marsch.

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