Padlewski beherbergte, sei gestern Abend verhaftet worden. _ x .
Paris, 6. Januar. Herzog Nikolaus von beuchten- bürg, dessen Kehlkopfleidcn in letzter Zett täglich rapide Fortschritte machte, ist heute Nachmittag gestorben.
London, 6. Januar. Der „Times" wird aus Phtla- tzelphia von gestern gemeldet, daß im Stillen Meere vor dem Beginn der Fangzeit im Behringsmeer eine starke amerika- nische Flotte, bestehend aus 23 Schiffen mit 118 Kanonen und 3000 Mann, zusammengezogen werden soll.
Glasgow, 6. Januar. Auf dem Bahnhofe Klppa bei Loatbridae kam es heute seitens der strikenden Bahn- bediensteten zu Unruhen. Die Ausständischen griffen die Unterkunftshäuser der Weiterarbeitende» bei der North- Lritish-Eisenbahngesellschaft an. Die Polizei machte von der Feuerwaffe Gebrauch, verwundete mehrere Personen und nahm sechs Verhaftungen vor. ,
Kopenhagen, 6. Januar. Die dänische Regierung hat die brasilianische Republik anerkannt.
Athen, 6. Januar. Der griechische Gesandte m Kon- stanünopel, Maurocordatos, theilte telegraphisch hierher nut, daß aus Befehl des Sultans der Streit zwischen der Pforte und dem griechischen Patriarchen in befriedigender Weise geregelt und die Kirchen wieder geöffnet worden sind. ,
Washington, 6. Januar. Der Caucus der republikanischen Senatoren beschloß, mit der Finanzvorlage rasch vorzugehen, um eine Abstimmung womöglich am Donnerstag zu erreichen.____________
Locales unb ^provinzielles,
Gießen, 7. Januar.
w. Theater. Nachdem wir die zwei letzten Aufführungen ohne Weiteres als trefflich bezeichnen konnten, sehen wir uns gezwungen, der gestrigen das Prädicat „halb und halb mißlungen" zu ertheilen. Die Schuld an dem geringen Ersolg trug in erster Linie die Unzulänglichkeit der Aussührung des gesanglichen Theiles. Das Orchester war infolge des Club- eoncertes verhindert zu erscheinen, ein Theil der Mitwirkenden katarrhalisch stark indisponirt und nur gerade die weniger musikalischen Mitglieder des Ensembles in der Lage, zu singen. Unter diesen Umständen hätte Herr Reiners vielleicht am besten die Vorstellung verschoben, wenn er nicht infolge der schlechten Geschäfte, die er so wie so macht, gezwungen wäre, aus jeden Fall so oft wie möglich zu spielen. Einen »ollen und verdienten Ersolg hatte das schöne und warme Spiel von Frl. Elisabeth Bischoff als Hannchen Rebe, ebenso waren Herr Reiners (Stiefelputzer Strobel) und Frl. Unger ganz an ihrem Platze. Das Ensemblespiel der Studenten dagegen war nicht befriedigend. Herrn Winolts Rolle mußte wegen Erkrankung desselben noch in letzter Stunde eine anderweite Vertretung erhalten.
— Theater. Benefiz von Frau Anni Reiners. In „SodomsEnde" von Sudermann wird mit großem sittlichem Ernste, wie in der „Ehre", ein Problem der Moral behandelt: Die Auflehnung wider die allgemein gültigen und natürlichen Sittengesetze wird in dem Schauspiele mit der Zerrüttung von Leib und Seele geahndet- auch das Genie hat nicht das Recht, sich über die Sittengesetze, denen die Allgemeinheit unterliegt, zu erheben: ein Vorwurf also, wie er strenger sittlich nicht gedacht werden kann und von dem es nicht verständlich erscheint, wie seine Behandlung der Polizei derart Anstoß geben konnte, daß die erste Aufführung umersagt wurde. Die Idee ist übrigens nicht neu, neu aber ist ihre wunderbare Gestaltung aus dem Stoffkreise, wie ihn bas wogende Leben der Gegenwart darbietet, und die erschütternde Contrastirung der ungesunden, jede geistige Kraft des Mannes umnachtenden, zerstörenden Welt ziellosen Genuffes zu dem bescheidenen und sorgenvollen, aber gesunden und im Grunde glücklichen Leben in einer schlichten Häuslichkeit voll Arbeit und Mühe. Ein Maler (Willy) ist es, der durch den glänzenden Ersolg eines seiner Bilder aus dem schlichten Glücke eines beschaulichen Familienlebens in die Bannkreise des rauschenden und berauschenden Lebens der großen Gesellschaft hineingeschleudert wird. Schöne und geistreiche Frauen buhlen um seine Gunst; und indem er von dem ungewohnten Glanze und den berückenden Schmeicheleien geblendet, sich widerstandslos von den brausenden Wogen dieses betäubenden Treibens hinreißen läßt und den giftigen Freudenbecher bis zum Grunde leert, verdirbt er sich Leib und Seele. Der Rath seines Freundes: Suche in einem liebenden Weibe deine Stütze- heirathe! kommt zu spät- die.Reinheit seiner Seele ist unwiederbringlich verloren, aber auch die Krast seines Körpers. Der Tod Käthchen Fröhlichs, des Mädchens, das ihn aus tiesster Seele geliebt hat und durch seinen Chnismus zum Selbstmord getrieben wird, vernichtet auch ihn. — Es leuchtet ein, daß der Dichter in der Behandlung eines solchen Stoffes auch ein und das andere starke Wort, eine und die andere drastische Scene einfließen zu lassen aus das Stärkste versucht sein mußte. Alles Derartige wird indessen bei der hiesigen Aufführung nach der eigenen Angabe Sudermanns beseitigt sein, so daß das Schauspiel für schlechterdings Jeden genießbar sein wird. Dabei wird die poetische und dramatische Wirkung nirgends beeinträchtigt werden. Doch darüber morgen mehr.
-8. Wir glauben darauf aufmerksam machen zu sollen, daß es im Interesse der Mitglieder des Theater-Vereins liegt, die gewünschien Abonnements sofort bei Herrn CH all i er ,}u bestellen. Die Verloosung findet (siehe Jnseratentheil) am Donnerstag den 8. d. Mts. statt.
— Wie kommen Kleidermacherinnen, Näherinnen, Wäscherinnen, Büglerinnen und in ähnlicher Weise rhätige Personen, welche keinen bestimmten Arbeitgeber haben, sondern außer ihrer Wohnung bei täglich wechselnden Leuten ihrem Erwerb nachgehen, den Vorschriften des Jnvalidit'ats und Alters- verficherungsgesetzes am zweckmäßigsten nach? Das „Darmst.
Tagebl." gibt darauf folgende Antwort: Dadurch, daß diese Art von Arbeiterinnen sich selbst für eine Quittungskarte sorgen und an jedem ersten Arbeitstag in der Woche eine Quittungsmarke mindestens der II. Lohnklaffe, also über 20 Pfg., in diese Karte einkleben. Diese Versicherten behalten dann ihre Quittungskarte in eigener Verwahrung und führen dieselbe stets bei sich, um bei den Arbeitgebern immer den Nachweis führen zu können, daß der Versicherungspflicht entsprochen worden ist. Die Arbeiterinnen haben das Recht, die Hälfte des geleisteten Wochenbeitrages von dem ersten Arbeitgeber der Woche zurück zu verlangen. Wird dieser von dem Gesetz vorgezeichnete Ausnahmsweg nicht eingeschlagen, so bleibt die allgemeine Bestimmung in Krast, wonach der erste Arbeitgeber der Woche für die An- und Abmeldung zu sorgen und den Beitrag zu entrichten hat. Da dies indessen eine sehr lästige und umständliche Sache wäre, so darf wohl angenommen werden, daß bei allen den hier besprochenen Arbeitsverhältnissen, welche ja so unendlich häufig vorkommen und beinahe in jeder Familie eine mehr oder- minder wichtige Rolle spielen, der Versicherungspflicht in der Eingangs erwähnten Weise entsprochen wird. Dadurch wird die Angelegenheit für beide Theile am einfachsten geregelt. Es ist für die betreffenden Arbeiterinnen nicht schwer, sich daran zu gewöhnen, jeden Montag (beziehungsweise an dem Tage, an welchem sie zum ersten Male in der Woche arbeiten) ihre Marke einzukleben und zu entwerthen. Die Marken sind bei der Post käuflich, die Entwerthung wird dadurch vorgenommen, daß durch die Marke ein Querstrich gemacht, über den Strich der Tag (z. B. 5.), und unter den Strich der Monat (z. B. Januar) geschrieben wird. Ein besonderes Jntereffe haben die Arbeitgeber daran, sich darum zu bekümmern, daß die Arbeiterinnen die Sache in dieser Weise ordnen, denn andernfalls bleiben, wie oben bemerkt, die Verpflichtungen der Arbeitgeber bestehen, deren Nichtbesolgung mit hohen Strafen geahndet werden kann.
Bad-Nauheim, 4. Januar. Dem hiesigen Gemeinderathe liegt ein Gesuch der hier practicirenden Aerzte Dr. Müller und Dr. Bruck behufs Errichtung eines Sanatoriums für tuberkulöse Personen vor, welche nach der Koch- schen Methode behandelt werden sollen.
Büdingen, 3. Januar. Nach der jetzt vorliegenden Zusammenstellung der allgemeinen Ergebnisse der Volkszählung waren im Kreise Büdingen am I.December 1890 vorhanden: 7125 zur Wohnung dienende oder bestimmte Gebäude, von welchen 7078 bewohnt wurden, 47 aber unbewohnt standen. Haushaltungen wurden gezählt 8239, wovon 7710 auf gewöhnliche Haushaltungen von 2 und mehr Personen, 521 aus einzeln lebende Personen mit eigener Hauswirth- schaft, 8 auf Anstalten entfallen. Die Einwohnerzahl des ganzen Kreises beziffert sich auf 38,045 und zwar 18,838 männliche und 19,207 weibliche Personen- außerdem waren vorübergehend abwesend 372 Personen, 217 männliche und 155 weibliche. Im Vergleich zu den Resultaten der Volkszählung des Jahres 1885 haben zugenommen: die Zahl der Wohnhäuser um 93, die Zahl der Haushaltungen um 88 (31 gewöhnliche, 57 Einzel-Haushaltungen), die Zahl der Seelen um 504 (307 männliche und 197 weibliche), während sich die unbewohnt stehenden Gebäude von 55 aus 42 vermindert haben. In den Einzelnen Gemeinden wurde eine Zunahme der Bevölkerung constatirt in Altenstadt um 94, in Aulendiebach 25, in Bergheim 5, in Bisses 32, in Bleichenbach 3, in Borsdorf 4, in Büches 15, in Büdingen 120, in Calbach 5, in Echzell 11, in Eckartsborn 10, in Effolderbach 15, in Fauerbach b. Nidda 18, in Geiß-Nidda 16, in Gelnhaar 13, in Gettenau 20, in Himbach 11, in Hirzenhain 52, in Hitzkirchen 24, in Höchst 9, in Langenbergheim 19, in Leidhecken 55, in Lißberg 23, in Merkenfritz 14, in Michelau 40, in Nieder-Mockstadt 9, in Oberau 17, in Ober- Mockstadt 26, in Orleshausen 18, in Ranstadt 8, in Rommelhausen 22, in Selters 14, in Stockheim 60, in Usenborn 36- dagegen ist eine Verminderung der Seelenzahl eingetreten in den Gemeinden Bellmuth um 14, Berstadt 18, Bingenheim^^, Blofeld 4, Bös Gesäß 8, Burgbracht 5, Dauern- heim 4, Dudenrod 12, Düdelsheim 13, Eckartshausen 4, Hainchen 15, Hain-Gründau 21, Heegheim 4, Heuchelheim 21, Illnhausen 21, Kesenrod 10, Kohden 23, Lindheim 9, Lor- bach 25, Michelnau 7, Mittel-Gründau 49, Nidda 30, Ober- Widdersheim 38, Ortenberg 8, Schwickartshausen 20, Unter- Schmitten 9, Vonhausen 12, Wallernhausen 14, Wenings 9, Wippenbach 5, und die übrigen Gemeinden in ihrer Seelenzahl gleich geblieben.
Liudheim, 3. Januar. Gestern Nachmittag 2 Uhr wurde der erste 1891er Cursus der hiesigen landwirtschaftlichen Haushaltungsschule, der fünfte seit ihrem Bestehen, durch den Vorsitzenden des landwirthschaftlichen Bezirksvereins Büdingen, Herrn Kreisrath Klietsch, von Büdingen, in Anwesenheit der Mitglieder des Ortscomitös eröffnet. Es waren die zu dem Cursus zugelassenen 32 Mädchen, begleitet von ihren Eltern, Geschwistern oder Vormündern, sämmtlich erschienen und der Anstalt übergeben worden. Von den Mädchen sind ihrer Heimath nach 22 aus der Provinz Oberhessen, 8 aus Starkenburg und 2 aus Rheinhessen- 4 davon waren schon Schülerinnen des zweiten 1890er Cursus gewesen. Die Eltern derselben gehören meist dem landwirth- schastlichen Mittelstände an. Für den Sommercursus 1891 ist jetzt schon 19 Mädchen die Aufnahme zugesagt, weßhalb weitere Anmeldungen, wenn solche Erfolg haben sollen, zu beeilen wären. Während der Decemberferien wupde die Küche in einem größeren Raume als dem seitherigen untergebracht und in solcher zwei Röder'sche Herde aufgestellt, so daß anstatt wie seither fünf nun zehn Mädchen gleichzeitig daselbst unterrichtet werden können, auf die Erlernung des Kochens daher die doppelte Zeit gegen früher verwendet werden kann. Auch die etwas beengt gewesenen Schlasräume haben eine Erweiterung erfahren und gute Ventilationseinrichtungen erhalten, es ist daher jetzt auch allen Ansprüchen, welche in dieser Beziehung an eine solche Anstalt gestellt werden können, volle Rechnung getragen.
Lauterbach, 6. Januar. Ein zwölsjähriger Junge verunglückte dadurch, daß er einen Theil einer Dynamitpatrone/ welche wahrscheinlich von seinem unlängst verstorbenen Vater, einem Erdarbeiter, mit nach Hause gebracht worden war, entzündete. Durch die Gewalt der Explosion wurden dem Unvorsichtigen drei Finger abgeriffen und die Mittelhandknochen zerschmettert. Mit bluttriesender Hand lief er schreiend durch die Straßen zu einem Arzte, welcher ihn verband und ins Krankenhaus bringen ließ.
-r. Lauterbach, 6. Januar. Heute Morgen verstarb dahier im 69. Lebensjahre der Buchdruckereibesitzer und Herausgeber des „Lauterb. Anz." Herr L. May. Der Dahingeschiedene war ein Muster für Jeden, liebreich und freundlich gegen Jedermann.
— Kleine Mittheilungen aus dem Großherzogthu«. In Rimbach brannten in der Nacht vom 4. auf den 5. Januar sechs wohlgefüllte Scheuern nieder. — In Mainz wurde am 4. d. Mts. Abends die bejahrte Mutter eines Schiffsbesitzers von drei Strolchen überfallen und ihr ein Korb mit Lebensmitteln abgenommen. Die Räuber drohten mit Schlägen, falls die Alte um Hilfe rufe. — An demselben Tage glitt am hohen User ein Knabe aus und stürzte in den Rhein. Trotz einer großen Zuschauermenge wäre der Junge ums Leben gekommen, wenn nicht zwei beherzte junge Leute, Philipp Schlegel und Friedr. Bohn von Mainz, denselben mit eigener Lebensgefahr — sie brachen mehrere Male ein — gerettet hätten. — In der Kgl. Conservenfabrik in Mainz wurden im Lause der Woche wieder viele Arbeiterinnen eingestellt, dieselben erhalten 1.50 Mk. Taglohn. — In der Mainzer Diöcese sind zur Zeit 264 Priester thätig. Während des Jahres 1890 erhielten 6 Alumnen die Priesterweihe. — Die Handelskammer zu Worms ist bei Großh. Ministerium wiederholt um Erweiterung des Wormser Bahn- Hoses eingekommen, da sich besonders der Mangel an AuSlade- geleisen bemerkbar macht. — In Esselborn schoß ein Jäger einen Wanderfalken, welcher eine Flugspannweite von 1,40 Meter hatte. — In Guntersblum wurde am 3. Januar die erweiterte Volksschule eröffnet. — In Eb erst adt (Starkenburg) fiel am 5. Januar ein Junge beim Tannäpfelbrechen so unglücklich vom Baum, daß an seine« Auskommen gezweifelt wird. — In Offenbach a. M. sand man am 3. Januar ein älteres Mädchen besinnungslos zwischen Eisschollen im Maine liegen. Die Unglückliche war von der Brücke in selbstmörderischer Absicht in den Main gesprungen. Das Mädchen wurde, noch lebend, aber völlig erstarrt, ins Hospital gebracht- es hatte über 10 Stunden im Eise gesteckt.
Vermischtes.
* Darmstadt, 6. Januar. Der Historische Verein für das Großherzogthmn Hessen hält seine nächste MonatS- versammlung Montag den 12. Januar, Abends 6^ Uhr, i« Hause der Vereinigten Gesellschaft ab. Auf der Tagesordnung stehen: 1) Vortrag des Herrn Gymnasiallehrers Dr. K. Lindt: „Die Vorgeschichte des deutschen Bauernkrieges." 2) Vortage neuerer baugeschichtlich interessanter Werke auS dem Verlage der Hosbuchhandlung von Arnold Bergsträßer.
* Mainz, 6. Januar. Mit dem heutigen Tage befinden sich 190 Schreinergehilsen von acht Möbelfabriken, Billardfabriken und größeren Schreinereien im Ausstand.
* Worms, 3. Januar. In einer Ausschußsitzung des landwirthschaftlichen Vereins für Rheinhessen, welcher als Vertreter der Regierung Geheimrath Dr. Jaup beiwohnte, wurde der Antrag angenommen, in Rheinheffen zwei landwirthschastliche Schulen zu gründen. Wie Herr Jaup mittheilte, hat das betreffende Ersuchen an die Regierung alle Aussicht aus Erfolg. Der Staat sei bereit, die Besoldung eines ersten landwirthschaftlichen Lehrers mit Mk. 3000, sowie für jede Schule einen Beitrag von Mk. 1000 zu bewilligen, in der Voraussetzung, daß von anderer Seite (einer Stadt oder Provinz) als Beitrag Mk. 2500 zugeschossen und freies Local und Heizung gestellt würden. Dazu haben sich bereits drei Orte erboten, nämlich Alzey, Wöllstein und Ober-Ingelheim. Im Laufe der Debatte stellte sich heraus, daß der Wunsch vorherrsche, von den beiden land- wirthschastlichen Schulen solle die eine eine Weinbauschule sein. Die Attsschußmitglieder erklärten sich schließlich damit einverstanden- es wurde beschlossen, in Alzey eine landwirth- fchastliche Winterschule zu gründen und zur Prüfung der Frage, wo und wie eine Obst- und Weinbauschule gegründet werde, eine Commission zu wählen. Auch wurde eine Resolution angenommen: daß der Ausschuß erklärt, unbeschadet des Beschlusses betreffs der Errichtung von zwei landwirthschaftlichen Schulen an dem Anschluß einer zu erstrebenden Weinbauschule sesthalten zu wollen. In derselben Sitzung wurde auch die Anstellung eines zweiten Landwirthschafts- lehrers in Rheinhessen beschloffen.
* Berlin, 5. Januar. Der durch die Post vermittelte Neujahrsbriesverkehr ist in diesem Jahre in Berlin von einem Umfange gewesen, der denjenigen früherer Jahre wesentlich überragt. Während des Zeitraums vom 31. De- cember 1890 5 Uhr früh bis einschließlich 1. Januar 1891 11 Uhr Abends sind über 2J/< Millionen Stadt brief- sendnngen, d. h. solche Briefschaften, welche bei hiesigen Postämtern aufgeliefert und für Einwohner Berlins bestimmt waren, zu bearbeiten gewesen. Berücksichtigt man, daß zugleich mit den Ortssendungen Briese von außerhalb in noch erheblich größerer Zahl an die Einwohner Berlins eingehen, und daß diese Fluth von Briesen in dem kurzem Zeitraum von zwei Tagen ansteigt und abfließt, so gewinnt man eine Vorstellung von der Aufgabe, welche während der letzten Neujahrszeit die Berliner Postanstalten zu lösen hatten.
* Wiesbaden, 6. Januar. Als gestern Abend 10 Uhr 30 Min. der Schnellzug Nr. 105 hier ankam, entstieg aus einem Coupe erster Klasse ein blutüberströmter junger Mann, eilte in die seitwärts gelegene Bedürsnißanstalt und schoß sich dort aus einem Revolver eine Kugel in den Mund, worauf


