— Die verlautet, hat der König um 4 Uhr Nachmittags daS Abendmahl genommen.
Reichenberg, 5. October. Der Statthalter von Böhmen erhöhte die Prämie auf die Ermittelung deS Urhebers des Rosenthaler Bombenattentats auf 10000 Gulden.
Rom, 5. October. Heute Morgen wohnten 1200 Pilger aus LangreS und Limoges einer stillen Messe in der Peters- kirche bei. Der Papst, der in offener Sänfte die Pilgerreihen passtrte und lebhaft acclamirt wurde, richtete an einzelne Gruppen Ausdrücke besonderen Wohlwollens. Die Demonstrationen gegen die Pantheon-Asfaire wurden gestern Abend fortgesetzt. Die Ruhe wurde nicht gestört.
Rom, 5. October. Vaticanische Kreise versichern, der päpstliche Secretär sandte ein vertrauliches Schreiben an die Nuntien, in dem er den Standpunkt des Vaticans zu dem Vorfall im Pantheon präcisirt, die Umstände auseinandersetzt, welche dem Zwischensalle vorangingen, ihn begleiteten und ihm folgten. DaS Schreiben schließt daraus, daß der Papst beschränkt sei in der Freiheit, Pilger zu empfangen. Dieselben Kreise nehmen bestimmt an, die kirchliche Gewalt werde kein Jnterdict über das Pantheon aus- sprechen.
Paris, 5. October. Die Boulangtsten beabsichtigen nach der Rückkehr ihrer Führer aus Brüffel bei Champigny eine große Manifestation zu veranstalten.
Paris, 5. Octobcr. Der „Temps" drückt die Hoffnung aus, die Enthüllungsseier in Nizza werde von ausgezeichneter Wirkung auf die Beziehungen Frankreichs zu Italien sein und wenn sie auch nichts auf dem europäischen Schachbrett ändere, die Italiener und Franzosen veranlaffen, sich gerechter und sympathischer gegenseitig zu beurtheilen. Die Rede Rouviers werde den Eindruck corrigiren, welchen der Zwischenfall im Pantheon hervorgerufen habe.— „National" erklärt die Feier in Nizza angesichts der anti- französischen Demonstration in Italien für inopportun.
Kopenhagen, 5. October. Der Reichstag wurde heute eröffnet. Landsthing und Folkething wählten ihre Präsidien wieder. Morgen wird daS Budget vorgelegt.
Petersburg, 5. October. Die finnischen Amtsblätter veröffentlichen kaiserliche Ukase, betreffend die Reform der Geschäftsordnung in den höheren Behörden Finnlands und die Anstellung von Beamten in diesen Behörden. Danach hat der Ministerstaatssecretär für Finnland die finnischen Gesetzvorlagen, welche die Interessen Rußlands berühren, auch den russischen Ministern zur Meinungsäußerung mttzu- theilen. Die kaiserlichen Beschlüsse, die Gesetzentwürfe betreffend Finnland, die Vorlagen für den finnischen Landtag, die Resolutionen und Eingaben des finnischen Senats, sind dem Generalgouverneur in russischer Sprache mitzu- theilen. Als Beamte des finnischen Staatssecretariats und der Kanzlei des .Generalgouverneurs können hinfort nur Russen mit Universitätsbildung oder Finnländer mit höherer Bildung eingestellt werden, die die russische Sprache gründlich verstehen.
Depeschen deS „Bureau Herold"'.
Berlin, 6. October. Nach den „Polit. Nachr." tritt der Bundesrath voraussichtlich nächsten Donnerstag zusammen. Eine Anzahl kleiner Etats werde wahrscheinlich demnächst den Ausschüssen zugehen, die größeren maßgebenden seien noch nicht genügend gefördert. Also seien die Nachrichten von mehr oder neuen Forderungen vorsichtig auszunehmen. Sicher werde der Posten betr. Naturalverpflegung der Truppen erhöht, demgegenüber stehen sichere Mehreinnahmen. Die Behauptung, das Budget pro 1892/93 sei wenig erfreulich, wird als erfunden bezeichnet.
Berlin, 5. October. Das „Tageblatt" meldet aus Nom: Unser Correspondent erfährt authentisch, das Telegramm des Königs an den römischen Bürgermeister war überaus scharf gegen den Vatican und enthielt einen energischen Hinweis aus die Unantastbarkeit Roms. Der Bürgermeister veröffentlicht das Telegramm abgeschwächt.
— Nach der „Post" ist an amtlicher Stelle über die Einberufung deö Reichstages noch keine endgiltige Bestimmung getroffen.
Köln, 5. October. Die „Kölnische Zeitung" meldet aus Petersburg: Der Kaiser läßt den Winter sämmtliche Hosbälle auSfallen und schenkt die ersparte Summe den Noth- letdenden. Der infolge politischer Verwickelungen seinerzeit eingestellte Bau einer orthodoxen Kirche in Südbulgarien zum Andenken an den Krieg von 1877 soll wieder ausgenommen werden.
Wien, 6. October. Die „Polit. Corresp." meldet aus Petersburg, das russischeKaiserpaar werde seine silberne Hochzeit in Livadia feiern.
Rom, 6. October. Die „Opinionc" schreibt in einem Leitartikel über die Stellung des Papstthums in Rom, die Regierung werde den die Abschaffung der Garantiegesetze Fordernden kein Gehör geben, ihre Pflicht aber sei, fortan nichts zu dulden, was den Staatsgesetzcn entgegenstehe.
— Der Papst sagte in einer Ansprache bezüglich der Nothwendigkeit des Unterbleibens weiterer Pilgerzüge, er müsse auch dieses traurige Zeichen mit Ergebung hinnehmen.
— In einer Studie über das Couclave schreibt der bekannte Politiker Dec esare, daß der künftige Papst weder Ausländer, noch ein starrer Intransigent vom Schlage des Cardinals Puarrocchi sein werde. Der Nuntius Galimberti habe jedenfalls dafür gesorgt, daß der Vertreter des Kaisers von Oesterreich sein Vetorecht im Conclave in diesem Sinne ausübe.
Belgrad, 6. October. Fürst Gagarin weilt hier zwecks Organisirung einer russischen Petroleum Handelö- Gesellschaft für die Balkanstaaten mit der Centrale Belgrad.
Petersburg, 5. October. In Paris bildet sich ein großes r u s s i s ch - f r a n z ö s i s ch e S W v h l t h ä t i g k e i t S- comito mit Filialen in Rußland zur Unterstützung sowohl der Russen in Frankreich als auch der Franzosen in Rußland.
Warschau, 5. October. Die „Gazeta Handlowa"
dementirt kategorisch die durch ausländische Blätter verbreitete Nachricht von einer Ausdehnung des Ausfuhrverbots aus andere Getreidearten.
Stuttgart, 6. October. König Karl ist heute früh 6 Uhr 55 Min. verschieden.
Das kirchliche Volks- intb Missionsfest zu Beuern am 28. September d. I.
Es ist zwar eine Woche her, daß der Festtag in Beuern vorüber ist, ein nachträglicher Bericht wird aber auch jetzt noch den Lesern Ihres Blattes willkommen sein. Ist die Veranstaltung wahrhaft kirchlicher Feste, die ebenso schön als erbaulich verlausen, nachgerade eine Specialität Beuerns geworden, wie neulich Jemand in liebenswürdiger Weise bemerkte, so hat wenigstens der 28. September dies Wort nach keiner Seite hin Lügen gestraft. Man war bei der Veranstaltung der Feier diesmal einen Schritt weiter gegangen und hatte das Missionsfest zugleich zu einem kirchlichen^Volks- seste zu gestalten versucht. Der Versuch ist glänzend gelungen. Licht und sonnig, nachdem es Tags zuvor noch heftig'geregnet hatte, war der Festtag heraufgezogen. Alle Arbeit ruhte in der Gemeinde. Die Straßen waren mit Tannenbäumchen, die Häuser mit Kränzen geschmückt; Ehrenpforten am Eingang unb Ausgang des Dorfes winkten den Gästen ein freundliches „Willkommen!" zu.
Schon in der Frühe begannen sich die Straßen zu füllen. Wagen auf Wageu brachten namentlich aus dem benachbarten Kurhessen ganze Schaaren von Landleuten herbei, die in ihren mancherlei Trachten dem sonst so stillen Dorfe bunte Farbenpracht und ungewohntes Leben verliehen. Die nächste Nähe, wie die weiteste Ferne war gleicherweise vertreten — zunächst das Busecker- und Lumdathal, aber auch aus dem Schlitzer Lande kamen die Gäste, aus dem Ebsdorfer Grunde, aus dem ehemals hessischen Hinterlande, aus der Wetterau, aus der Wetzlarer Gegend, aus dem Solms'schen, aus dem hohen Vogelsberg. Die Städte Laubach und Grünberg, Alsseld, Wetzlar und Weilburg, Hanau, Frankfurt, namentlich aber Marburg und Gießen waren besonders reichlich vertreten. Es war in der That ein farbenprächtiges Bild, das an diesem Tage die Festgemeinde und ihre Versammlungen boten. Neben schlichten Leuten aus dem Volke sehen wir Damen der hohen Aristokratie, angesehene Beamte, hessische und nichthessische Lehrer und Geistliche in großer Zahl. Es mögen immerhin ein paar tausend Festgäste gewesen sein, die sich so frohbewegt und feiernd zusammengefunden hatten.
Um V2IO Uhr begann der erste Festgottesdienst in der Kirche. Kein Plätzchen war unbesetzt- auch die Treppen und Gänge waren mit Hörern gefüllt. Der Altar prangte im Schmuck blühender Blumen und brennender Kerzen. Eine reich ausgestaltete Liturgie, in jwelcher das Khrie kniend gebetet wurde und in welcher der Kirchenchor liturgische Sätze von Palestrina, Bortniansky u. a. schön und erhebend zum Vortrag brachte, eröffnete den Gottesdienst, der in seiner ganzen hochkirchlichen Gestaltung die Herzen tief bewegte und' zur feiernden Anbetung stimmte. Das Nämliche darf vollauf gesagt werden von den Gemeindegesängen, von den Wechselgesängen zwischen Chor und Gemeinde, die unter Posaunenschall mächtig und jubilirend durch das Gotteshaus klangen, von dem eigentlichen Acte der Anbetung, deren Doxologie von der Gesammtgemeinde gesungen wurde und nicht zum geringsten von der machtvollen Predigt, die Herr Pfarrer Löhr aus Hohensolms über Joh. 17, 17—23 hielt. Es hieße den Eindruck der Predigt zerstören, wenn wir den reichen Inhalt derselben auch nur flüchtig scizziren wollten. „Der Herr betet für die Missionare aller Zeiten, er betet für seine Missionsgemeinde", das war der Grundgedanke, der unter Herbeiziehung zahlreicher Beispiele aus der Missionsgeschichte seine ergreifende Ausführung fand. Der Morgen- gottesdicnst, der gegen 12 Uhr zu Ende ging und der sichtlich den tiefsten Eindruck aus die Gemeinde gemacht hatte, war zugleich die beste Vorbereitung für die kommenden Feiern.
Um V22 Uhr versammelte sich Alles vor dem Eingang des Dorfes aus einer großen, mit Bäumen umgebenen Wiese. Nach dem Vortrag eines LiedeS durch den Kirchenchor sang die Gemeinde, die man aus 2—3000 Personen geschätzt hat, unter Posaunenbeglcitung daS siegesprächtige Lutherlied: „Ein feste Burg ist unser Gott!" Welch eine Macht liegt doch in den Chorälen unserer lutherischen Kirche! Wie das so tausendstimmig und stnrmwindartig unter freiem Himmel dahinbrauste, gedachte« wir unwillkürlich an jene Frühlingstage der deutschen Reformation, und wie gerade die neuen Weisen es waren, die damals dem wiedererstandenen Evangelio nicht selten die Bahn brachen und Eingang verschafften in den Herzen der Hörer. Ebenso hätten die Gegner des rhythmischen Gesangs, die ja freilich mehr und mehr im Zurückweichen begriffen sind, hier thatsächlich erfahren können, daß auch eine tausendköpfige Menge keineswegs ein Hinderniß ist für die bewegte, echt volksthümliche Weise des rhythmischen ChoralS und für die musikalische Ausführung desselben. Es folgte eine vortreffliche, die Gewissen anrührende, volksthümliche Ansprache des Herrn Pfarrers Dr. Naumann aus Gießen, der an der Hand von Psalm 139, 23. 24 die lustigen, die traurigen und die sicheren Sünder schilderte mit dem heißen Wunsche, daß der ersteren auch heute wieder weniger und der letzteren mehr werden möchten. Ein Wechselgesang zwischen Chor und Gemeinde bereitete nun das Auftreten des HauptpredigerS vor, des Herrn Hofpredigers Stöcker aus Berlin, der in seiner Zuschrift an den Ortsgeistlichen der Festgemeinde zu „jeder Zahl von Ansprachen und Predigten sich bereit erklärt" hatte, eine Zusicherung, die im Lause des TageS denn auch reichlich ausgenutzt wordeu ist. Der gefeierte Manu legte in seiner mehr alS einstündigen Predigt über Joh. 5, 39 ein herrliches Zeugniß ab von dem Wesen, von der Macht und von der Bedeutung des wahren Christenthums, das Leben sei und im Glauben an den lebendigen Gottessohn seinen Quell und seinen Inhalt hat. Auch hier ist eß geradezu unmöglich, den
reichen Inhalt der überwältigenden Predigt in einem kurzen Referate auch nur andeutend zu streifen. Wir unterlassen den Versuch um so lieber, als uns versichert worden ist, die nachgeschriebene Predigt werde voraussichtlich bald im Druck erscheinen. Es war wie ein Echo, das dem gepredigten Worte aus den Herzen der Hörer entgegenklang, als nun das Lied: „Wach aus, Du Geist der ersten Zeugen" und zwar wieder unter Posaunenschall von der Gemeinde gesungen wurde. Gebet und Segen, von Herrn Hofprediger Stöcker gesprochen, machten den Schluß dieser denkwürdigen Feier unter Gottes freiem Himmel.
Nach einer kurzen Pause, die man zur leiblichen Er- srischung benutzte, fand um V25 Uhr auf dem schön gelegenen Kirchenplatz eine freie Versammlung statt, woselbst Herr Hos- prediger Stöcker der Ankündigung gemäß eine Volksrede hielt für alles Volk. Auch diese Versammlung war gleich der vorausgegangen wiederum von Tausenden besucht. Geistliche Volkslieder, von Chor und Gemeinde gesungen — das „Schönster Herr Jesu" der Festgemeinde war von eigenartiger und ergreifender Wirkung — bildeten den Eingang. Auf einem schnell herbeigeschafften Tisch stand und redete nun der auch als Volksredner hinlänglich bekannte Hofprediger bald in tiefernster, bald in humoristischer Weise zu der Versammlung, die wie gebannt an seinen Lippen hing und in tiefer Ergriffenheit seinen Ausführungen folgte über die deutsche Volksseele, die besonders von zwei Seiten aus (Judenthum und Socialdemokratie) in ihrem innersten Wesen bedroht werde. Er schloß mit der Mahnung zu rechter Einigkeit, zu Gottesfurcht und Vaterlandsliebe, zu echter deutscher Treue gegen Kaiser und Reich. Nach der wiederholt von lautem Beifall unterbrochenen Rede, die in ihrer edlen Kernigkeit, mit ihrer warmen Gemüthstiese in der That das Muster einer christlichen Volksrede war, stimmte die festlich erregte Menge das Lied an: „Deutschland, Deutschland über Alles". Ein Strom vaterländischer Begeisterung durchfluthete die Herzen. In manchem Auge sahen wir Thränen der Rührung- und nicht wenige haben uns nachher gestanden, es habe sie in jenem Augenblick etwas von der Begeisterung aus den 70er Jahren wieder erfüllt, wenn damals die Volksstimmung urplötzlich sich Lust machte, wenn die Wacht am Rhein oder sonst ein vaterländisches Lied zum Himmel hinausdrang. Die Begeisterung wuchs, als hieraus ein Schuljunge aus Beuern den Tisch bestieg und dem Festredner einen Strauß rother und weißer Rosen überreichte mit der nachfolgenden, laut und überallhin verständlich vorgetragenen Widmung, deren Verfasser nicht schwer zu erratheu ist:
Ein schlichter Strauß nur, theurer Mann, Jst's, den Dir Beuern bieten kann;
Doch deuten mag er immerhin, WaS unser Herz erfüllt und Sinn.
Sieh, Rosen sind es, roth und weiß, Durch ihre Farben schon ein Preis DeS Hessenlandes — 0 wie schön Krönt HerbsteSschmuck jetzt Thal und Höh'n. Doch weisen sie auch himmelan
Und deuten hin auf jenen Mann, Der unS durch seinen blut'gen Tod Erlösung schuf aus aller Noth.
Dem gilt Dein Wort, dem gilt Dein Preis, Dem Freund und Bräut'gam roth und weiß
(Hohel. ©al. 5, 10), Und daß sich unser Volk aufs neu
Ihm angelob in Lieb und Treu.
Wir danken Dir, waS Du getban. Gott segne ferner Deine Bahn!
Ob auch die Welt Dir Dornen flicht — Der Herr belohnt, wer für ihn ficht.
Von Dornen frei — das weiß der Christ — Hier nicht einmal ein Röslein ist;
Dort erst im Himmel finden wir Die bornenlofe Kronenzier.
Und nun Ade! Auch in der Fern' Gedenk an uns und Beuern gern.--
Hilf (Sott, daß wir uns all einmal Einst wiederfehn im Himmelssaal.
Lautes Bravo belohnte den jugendlichen Sprecher, und das dreimalige Hoch, von Herrn Pfarrer Naumann aus den Festprediger ausgebracht, sand begeisterten, brausenden Widerhall in der Versammlung. Sofort bestieg Herr Hofprediger Stöcker wieder den Tisch, um der Versammlung für die ihm dargebrachte Ovation seinen Dank abzustatten. Anknüpsend an das Luther'sche Wappen — die Rose mit dem Kreuze — deutete er den Luther'schen Wappenspruch: „Des Christen Herz auf Rosen geht, auch wenn es unter'm Kreuze steht" in sinniger Weise aus, begrüßte in dem Knaben einen Vertreter des jungen Deutschlands und schloß mit dem „Ade" des Gedichtes, das er in humoristischer Weise als a. D. (Hofprediger a. D.) deutete unter dem wiederholten jubelnden Zuruf der Menge. Damit endete der allen Anwesenden unvergeßliche Auftritt und mit ihm zugleich diese freie Versammlung auf dem Kirchenplatz. Den Schluß machte der Liedervers: „Jesu, geh' voran, auf der Lebensbahn".
Es war mittlerweile 6 Uhr geworden. Die meisten der weit hergekommenen Gäste rüsteten sich zur Heimfahrt - andere wieder blieben zurück, als sie vernahmen, daß auch in der kirchlichen Nachfeier Herr Hofprediger Stöcker noch einmal reden werde. Diese Nachfeier fand in der erleuchteten Kirche und kurz nach 6 Uhr statt. Sie war hauptsächlich und zunächst berechnet für die einheimische Gemeinde, wie für die Festgäste aus der nächsten Umgebung. Sie verlies in freieren liturgischen Formen, als der Hauptgottesdienst am Vormittag und bestand durchweg in kurzen Ansprachen, die von geistlichen Volksliedern (Chor- und Gemeindegesang) umrahmt und durchflochten waren. ES sprachen: Hofprediger Stöcker über die Berliner Stadtmission, Pfarrer Widmann aus Büdingen über daß Bibelwort Gal. 6, 2: „Einer trage des andern Last", Pfarrer Bernbeck auL Staden über die Presse. Zuletzt forderte der Ortßgeistliche, der um */88 Uhr die Feier beschloß, die Gemeinde auf, laut und gemeinschaftlich mit ihm das „Vater Unser" zu beten. Wie sämmtliche Gottesdienste, wie namentlich die Liturgie am Morgen, so bewies


