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Mittwoch den 7. October

Nr. 233

1891

Der

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Gießener Anzeiger

Keneral-Mnzeiger.

Vlertcklä-riger

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Durch die Post bezv^v, 2 Mark 50 Pf».

«edacNon, LxpcdNrse und Druckerei :

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Ferutzrrccher 51.

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis ilnefzen.

8«seiet len Anzeige« zu der Rechmittagl für dm selßendm lofl erscheinenden Nummer bi» Bonn. 10 Uhr. wumwMRenMiwpeetBWiewii

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Anrtlichev Theil.

Bekanntmachung,

betr. die Herbstübungen der Großh. (25.) Division im Jahr 1891.

Das nachstehende, an Großherzogliches Ministerium des Innern und der Justiz gerichtete Schreiben des Divisions- CommandoS wird hiermit zur Kenntniß der Kreisangehörigen gebracht.

Gießen, den 5. October 1891.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Darmstadt, den 20. September 1891.

Die Truppen der Division sind während der eben ab­geschlossenen Herbstübungen durchweg in einer so entgegen­kommenden und wahrhaft herzlichen Weise ausgenommen worden, daß es mir eine angenehme Pflicht ist, das Groß­herzogliche Staatsministerium hiervon ganz ergebenst in Kennt­niß zu setzen. Ich beehre mich, dieser Mittheilung die Bitte anzuschließen, unseren wärmsten Dank in geeigneter Weise öffentlich bekannt geben zu wollen. Er richtet sich insbeson­dere an die wackeren Bewohner der oberhessischen Kreise, für welche die Einquartierungslast stellenweise eine recht drückende gewesen ist.

Auch den Großherzoglichen Behörden bitte ich den ver­bindlichsten Dank der Division aussprechen zu wollen für die Bereitwilligkeit, mit der dieselben beflissen gewesen sind, unsere Anforderungen und Wünsche nach allen Seiten zu unterstützen und zu fördern.

von Bülow,

______Generallieutenant und Divisions-Commandeur.______

Gießen, 3. October 1891. Betreffend: Ernteerträgnisse.

Das Großherzogliche Kreisamt Gietzen

<m die Grotzh. Bürgermeistereien des «reife-.

Soweit Sie unserer Verfügung vom 17. September l. I. Kreisblatt Nr. 220 noch nicht entsprochen haben, erinnern wir Sie daran, uns den Bericht über die Ergebnisse der Weizenernte binnen drei Tagen vorzulegen.

Gleichzeitig wollen Sie über die Erträgnisse der Kar­toffel- und Hülsenfruchternte, soweit dies möglich, mitberichten. _______________von Gagern._______________

Bekanntmachung,

betreffend Maßnahmen zur Abwehr von Viehseuchen.

Im Anschluffe an unsere Bekanntmachung vom 12. Ja­nuar 1888 Kreisblatt Nr. 13, die Abänderung der Be­stimmungen über die Verladung und Beförderung von lebenden Thieren auf Eisenbahnen betreffend, bringen wir zur öffent­lichen Kenntniß, daß im Einverständniß mit dem Herrn Reichskanzler bezüglich der für den städtischen Viehhof in Bremen bestimmten Viehsendungen von der Beibringung des thierärztlichen Gesundheitszeugnisses abgesehen werden soll, falls das Vieh ohne Berührung mit anderem in den Schlacht­hof übergesührt und in lebendem Zustande nicht wieder aus demselben entfernt wird.

Gießen, den 5. October 1891.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.__________________

Gießen, 5. October 1891. Betreffend: wie vor.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Grotzherzogl. Bürgermeistereien und Orts- 'polizeibehörden des Kreises.

Unter Bezugnahme auf unsere Verfügung vom 12. Ja­nuar 1888 Amtsblatt Nr. 1 verweisen wir Sie auf vorstehende Bekanntmachung, wonach für die nach dem städti­schen Viehhof zu Bremen bestimmten Viehtransporte die Er­leichterung eingeführt worden ist, daß für dieselben der Besitz von thcerärztlichen Gesundheitszeugnissen nicht verlangt wird. _______________ v. Gagern. _____________

Bekanntmachung,

betr. Bildung einer öffentlichen Waffergenoffenschaft für die Fluren III und XIV der Gemarkung Lich.

An der für die Fluren III und XIV der Gemarkung Lich beantragten Bildung einer öffentlichen Waffergenoffen­schaft sind nach den Acten 235 Grundbesitzer mit 61,6778 ha Fläche betheiligt.

Bei der am 1. September d. I. vorgenommenen Ver­handlungstagfahrt haben sich 16 Grundeigenthümer mit 1,8048 ha Fläche gegen das Unternehmen erklärt, es ist da­her die nach Art. 65 des Gesetzes vom 30. Juli 1887 über die Bäche und die nicht ständig fließenden Gewässer erforder­liche Mehrheit für das Unternehmen vorhanden. Einwend­ungen Dritter sind nicht erhöben worden.

Die Großherzogliche Obere landwirthschaftliche Behörde hat daraufhin dem Unternehmen die in Art. 67 des Gesetzes vom 30. Juli 1887 vorgesehene staatliche Genehmigung mit folgenden Bestimmungen ertheilt:

1) daß die beteiligten Grundbesitzer, welche in dem offen­gelegten Verzeichniß aufgeführt sind, Mitglieder der Waffergenoffenschaft werden,

2) daß das Unternehmen nach dem vom Großh. Cultur- ingenieur Wißmann aufgestellten Plane ausgesührt wird,

3) daß bezüglich der Vertheilung der auf 12 500 Mk. veranschlagten Meliorationskosten nach Art. 53 und 68 des Gesetzes vom 30. Juli 1887 verfahren wird.

Vorstehende Entscheidung wird unter dem Ansügen zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß innerhalb 14 Tagen nach erfolgter Bekanntmachung bei Meidung des Ausschlusses gegen dieselbe Beschwerde bei Großh. Ministerium des Innern und der Justiz erhoben werden kann.

Gleichzeitig geben wir öffentlich bekannt, daß das mit den Bevollmächtigten berathene Statut für die zu gründende Genossenschaft vom 8. bis cirrschlictzlich 21. October I. Js. auf dem Büreau der Großh. Bürgermeisterei Lich zur Einsicht der Betheiligten offen liegt und daß Einwendungen gegen dasselbe innerhalb dieser Frist bei Meldung des Aus­schlusses bei uns vorzubringen sind.

Gießen, den 3. October 1891.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Gießen, am 7. October 1891. Betreffend: Kreisconferenz der Volksschullehrer des Kreises Gießen.

Die

Großh. Kreis-Schulcommisfion Gießen

an die Schulvorstände des Kreises.

Die diesjährige Kreislehrerconferenz wird

Samstag den 17. October, Vormittags 8*/, Uhr im Saale des Cafe Leib (Wallthorstraße)

abgehalten werden. Wir erwarten von den Lehrern, daß sie schon mit den ersten Bahnzügen hier eintreffen. Am Nach­mittag 2y2 Uhr Besichtigung der Obstbauausstellung im St ein'scheu Garten und Theilnahme an den Vorträgen über Obstbau.

Sie wollen den Lehrern Ihrer Gemeinden, auch den abwesenden, hiervon Kenntniß geben. Zur Verhandlung kommen bei der Lehrerconferenz folgende Gegenstände:

1. Die Bestrebungen der neueren Zeit bezüglich der Erziehung des Unterrichts und der beruflichen Aus­bildung der Mädchen durch die Volksschule. Referent: Herr Oberlehrer Fuhr in Gießen.

2. Nach welchen neueren Grundsätzen soll der natur- geschichtliche Unterricht in der Volksschule betrieben werden? Referent: Herr Lehrer A d a m in Rüddings- hausen.

von Gagern.

Deutsches Reich.

Berlin, 4. October. Prinz Albert, Herzog zu Sachsen, Generallieutenant und Commandeur der dritten Cavallerie-Brigade des Gardecorps, hat sich mit der Herzogin Helene von Mecklenburg-Strelitz verlobt. Der fürstliche Bräuttgam, ein Vetter des Herzogs Ernst von Altenburg, war schon einmal vermählt mit Prinzeß Marie von Preußen, Tochter des Prinzen Friedrich Carl. Die erlauchte Braut ist am 16. Januar 1857 geboren und die älteste Tochter des 1876 gestorbenen Herzogs Georg von Mecklenburg-Strelitz und dessen Gemahlin, Großfürstin Katha­rina Michailowna von Rußland.

In Hannover fand am Sonntag ein Partei­tag der freisinnigen Partei Hannovers statt. Derselbe war sehr zahlreich besucht, namentlich hatten sich zahlreiche Vertreter ländlicher Districte eingefunden. Unter den gefaßten Befchlüssen befindet sich eine Resolution, welche die Aushebung der Beschlagnahme des Welfenfonds und Aus­lieferung desselben an das Haus Hannover verlangt.

Ausland.

Nizza, 4. October. Bei der heutigen Enthüllung des Garibaldi ^Denkmals hielt der Maire von Nizza, Malaussena, sowie die Deputaten Raiberti und Borriglione Ansprachen, in welchen sie den Manen Garibaldis für die einst Frankreich in den Tagen des Unglücks geleistete Hilfe dankten und in seiner Person das Symbol der Einigung zwischen den Völkern begrüßten. Der General Canzio über­brachte zunächst den Erinnerungsgruß der Familie Garibaldis. Auf die politische Lage übergehend, betonte er dann, daß man sich die gegenwärtigen Schwierigkeiten in der europäischen Lage nicht verhehlen könne. Gemeinsame Feinde versuchten Verdächtigungen auszutragen zwischen Frankreich und Italien. Diese Verdächtigungen gelte es, als verderblich für die Größe Frankreichs und feine Aufgabe in der Welt, zurückzuweisen. Die Enthüllung des Denkmals biete eine günstige Gelegenheit, feierlich die Eintracht in den Empfindungen und Entfchließugen beider stammverwandten Nationen zu betonen, die bestimmt feien, ohne gegenseitige Eifersucht ein gemeinsames großes Ziel zu verfolgen. Der Senator Ranc sprach im Namen der französisch-republikanischen Presse. Nach Erwähnung der Tage der nationalen Vertheidignng von 1870 wies der Redner die Anschuldigung zurück, als beabsichtige die Republik eine Wiederherstellung der weltlichen Machtstellung des Papstes, und forderte die Italiener auf, sich nicht durch eitle Mani­festationen einnehmen zu lassen. Es sei die Pflicht der freien Presse in beiden Ländern, den Nebel gegenseitiger Ver­dächtigungen zu zerstreuen und klar zu stellen, daß die Interessen des französischen und italienischen Volkes einander nicht widerstreitende seien und daß ein Kampf zwischen beiden Nationen ein Verbrechen gegen die Civilisation, die Freiheit und Unabhängigkeit Europas wäre. Der Finanzmininister Rouvier hob hervor, die heutige Feier bringe in dem ge­meinsamen Gefühl der Dankbarkeit und Bewunderung die Söhne der beiden durch das unvergängliche Band gemein­samer Abstammung geeinigten Nationen näher. Ganz Frankreich theile dieses Gefühl; es könne nicht vergessen, was Garibaldi für dasselbe in den Tagen des Unglücks gethan. Der Minister erinnerte dann an die außergewöhnliche Laufbahn Garibaldis und deren Höhepunkte, die Einigung Italiens und die Erhebung Roms zur nationalen Hauptstadt. Garibaldi, so fügte er hinzu, hätte selbst eine schönere Apotheose für sich nicht gewünscht, als diesen demokratischen Staat mit einem starken Heer zu sehen, welcher in Ordnung, Freiheit und Frieden sich entwickele, und diese Republik, deren Dauer, Weisheit und Kraft Europa Gefühle der Herzlichkeit und Achtung einflößten. Den Rednern wurde lebhafter Beifall gezollt. Unter den Rufen:Es lebe die Republik! Es lebe Frankreich! Es lebe Italien!" schloß die Feier.

Nizza, 5. October. Bei dem gestrigen Bankett der Munizipalität zu Ehren der anläßlich der Enthüllung des Garibaldi-Denkmals anwesenden italienischen und französischen Delegirten wurden mehrere Reden gehalten, worin hauptsächlich die Gemeinsamkeit der Interessen Frank­reichs und Italiens gefeiert wurde.

Netteste Nachrichten.

Wolfiö telegraphisches Torrespondenz-Burrau.

Berlin, 5. October. DasMarineverordnungsblatt" veröffentlicht einen Erlaß des Kaisers an den Reichs­kanzler, wonach die KreuzersregatteBismarck" aus der Liste der Kriegsschiffe zu streichen ist. Der Reichskanzler wird beauftragt, wegen des Weiteren das Erforderliche zu veranlassen.

Herr Halsey e Jves, der Vorsitzende der Kunst- commission für die Chicagoer Weltausstellung, ist in Berlin eingetroffen, um sich mit den Künstlern und dem Kunstgewerbe Deutschlands wegen der Beschickung der Aus­stellung in Verbindung zu setzen.

Berlin, 5. October. DerPost" wird betreffs des gegenwärtigen Aufenthalts Emin Paschas ge­schrieben, aus den vorliegenden neueren Nachrichten gehe die Möglichkeit hervor, daß Emin auf englischem Gebiete sich befinde. Trotzdem liege für die Engländer nicht der geringste Grund vor, beunruhigt zu fein, da Emin wahrscheinlich nur deshalb das englische Gebiet betreten habe, weil er den Berg Msumbiro umgehen mußte.

Hamburg, 5. October. Die Regierung des Congostaates ernannte Eduard Bohlen hier zum Generalconsul des Cnngostaates für Deutschland mit dem Sitze in Hamburg.

Stuttgart, 5. October. Das 6 Uhr Abends ausgegebene Bulletin lautet: Der König hat keine Schmerzen unb schlummert viel. Die Nahrungsaufnahme ist sehr gering.