Ausgabe 
7.8.1891
 
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Freitag den 7. August

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1891

Der Ufeitn Anreger erscheint täglich, mit Ausnahme deS MontagS.

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Aentli^ev Theil.

Bekanntmachung,

di« Ausführung des Jnvaliditäts- und Altersversichemngs. gefetzes betreffend.

Es wird hierdurch zur öffentlichen Senntntß gebracht, daß ju Vertrauensmännern der Versicherungsanstalt für die Jnvalidi­täts- und Altersversicherung ernannt worden sind:

1. Für den II. Armenpflegerbezirk an Stelle des Küfers 8eorq Friedrich der Werkführer Wilhelm Werner in der Barnaß'fchen Fabrik zum Ersatzmann aus dem Kreise der Lersicherten.

2. Für den IV. Armenpflegerbezirk an Stelle des Schlossers Ludwig Jung der Schmelzmeister LudwigMüller auf der Margarethen-Hütte zum Vertrauensmann aus dem Kreise der Versicherten.

3. Für den VI. Armenpflegerbezirk: a. an Stelle des Werkführers Rinn der Werkführer Wilhelm Junker in der Georgischen Fabrik zum Vertrauensmann aus dem Kreise der Versicherten; b. an Stelle des verstorbenen Wilhelm Mosler der Buchhalter Edmund Wetter bei dem Gas- und Wasserwerk zum Ersatzmann aus dem Kreise der Arbeitgeber.

Gießen, den 5. August 1891.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

I. V.: Jost.

Gießen, 5. August 1891.

Das Grohherzogliche Kreisamt Gießen au die Bürgermeistereien des Kreises mit Aus nahme der Bürgermeisterei Gießen und an das Polizeiamt Gießen.

Wir bringen zu Ihrer Kenntniß, daß die land- und forstwirthschaftliche Berufsgenossenschaft für jeden Amtsgerichts­bezirk einen Vertrauensmann und Stellvertreter ernannt hat und zwar für den

Amtsgerichtsbezirk:

1. Gießen

2. Butzbach

3. Grünberg

4. Homberg

5. Hungen

6. Laubach

7. Lich

8. Nidda

Vertrauensmann:

Geißler, Karl Bürgermstr. in Lollar

Schudt, W. Gutspächter in

Rockenberg.

Pracht, Bürgermeister in Grünberg.

Junker, Gutspächter in Otterbach (Post Niedergemünden). Bornemann, Richard Gutspächt.inObborn- hofen (Post Hungen).

Jung, Theophil in Freienseen.

Erb, Oberverwalter in Lich.

Braun, Wilhelm Mühlenbes. in Nidda.

Stellvertreter:

Lang, Heinrich Gemeinderechner in Wieseck.

Helfrich, Friedrich Oeconom in Gießen. Reitz, Hermann Gutsbes. in Butzbach.

Kloch, Karl Gutspächt. in Appen­born (Post Londorf).

Lutz, Karl in Elpenrod (Post Niedergemünden).

Bopp, Bürgermeister in Bellersheim (Post Hungen). Bayer, Eduard in Freienseen.

Schön, .Fürstl. Bauinspector in Lich.

I Höres, O. Alexander | in Echzell.

Wir empfehlen Ihnen, diejenigen, welche Unfälle bei Ihnen anzeigen, auszufordern, dem Vertrauensmann eine Abschrift dieser Anzeige zuzustellen, den Vertrauensmann zu der von Ihnen vorzunehmenden Untersuchung des Unfalles (^ 57 des Reichsaesetzes vom 5. Mai 1886) einzuladen und demselben auf Antrag Abschrift der Untersuchungsprotokolle gegen die taxmäßige Gebühr mitzutheilen.

I. V.: Jost.

Gedenket der Gefallenen!

Wiederum stehen wir vor dem Jahresgedächtniß der großen Ereignisse von 1870/71 , und wenn wir auch in diesem Jahre in nicht unterbrochenem Frieden diese Ruhmes- lage mit stolzem Rückblick auf die größte Zeit deutscher Ge­schichte begehen können, so vergessen wir nicht, daß dieser Frieden die goldene Frucht jener blutigen Aussaat ist, wo im harten Männerkampfe deutsches Heldenthum das Vater­

land zu neu geeinter Macht und Herrlichkeit erstehen ließ. Tausende und Abertausende deutscher Helden, die todesmuthig in den Kamps, hinauszogen, dursten die Wiedergeburt des Deutschen Reiches nicht mehr schauen, sie ruhen in Frieden an den Stätten, wo den Tod sie fanden. Das Vaterland aber gedenkt ihrer in treuer Dankbarkeit. Ist es uns auch nicht vergönnt, auf den Gräbern der in fremder Erde ruhenden Helden ein Liebeszeichen anzupflanzen, so bleiben doch auch diese durch das Gedächtniß innig mit dem Vater­lande verwachsen. Wie aber könnte dies schöner zum Aus­druck kommen als durch verdoppelte Sorge für die Grab- tätten ihrer Kameraden in nun wieder deutschem Lande!

Ihrer zwanzigtausend ruhen vor den Mauern von Metz. Die deutsche Bürgerschaft von Metz und Umgebung, ver- körpert in ihren Vereinen (Krieger-, Kampfgenossen-, Turn-, Gesangs-, Schützen- und vielen anderen Vereinen), hat vor Jahren eine Vereinigung zur Schmückung und fortdauernden Erhaltung dieser Grabstätten begründet. Dieselbe macht es sich ferner zur Aufgabe, für die Verschönerung der Grab­stätten zu wirken, zu den Unterhaltungskosten für diejenigen von Privaten gefetzten Denksteine beizutragen, für welche eine Unterhaltungspflicht der Behörde nicht obliegt und für welche Angehörige nicht mehr sorgen können, sowie endlich das An­denken an die Gefallenen lebendig zu erhalten und auf kom­mende Geschlechter zu vererben. In Ausübung dieser Pflichten wurden im letzten Jahre im Einvernehmen mit der zuständigen Militärbehörde namhafte Beiträge zur Instandsetzung von solchen Grabstätten verausgabt. Da indessen die Zeit immer mehr ihren zerstörenden Einfluß ausüben wird, so bedarf die Vereinigung der thatkräftigsten Unterstützung aller Vaterlands­freunde, um für eine absehbare Zukunft den Verfall auch des geringsten Wahrzeichens unseres Ruhmes zu verhindern.

i Noch bewilligt zwar die Landesbehörde jährlich Mittel für die Beaufsichtigung und Instandhaltung der Kriegergräber- wenn aber das lebendige Interesse der Nation an der Er­haltung dieser Heiligthümer erkalten sollte, dann steht zu befürchten, daß über kurz oder lang auch diese Mittel werden aufhören zu fließen. Die Aufgabe, welche sich die Ver­einigung für die nächste Zukunft gestellt hat, ist die Um­wandlung des einfachen Kriegerkirchhoses Gravelotte, auf welchen 3000 tapfere Krieger ruhen, in einenEhrenhain", was durch Anpflanzungen und zweckentsprechende Anlagen erreicht werden soll.

Auch in diesem Jahre werden wir, der schon eingelebten Sitte folgend, am 15. August (Landesseiertag) in Schaaren hinauspilgern, um alle Gräber mit Kränzen zu schmücken. Kein Grab, und läge es meilenweit entfernt, am einsamen Waldessaume oder an unwegsamer Stelle, die nie eines Wanderers Fuß betritt, wird vergessen werden- und wenn dann diese hehre Aufgabe erfüllt sein wird, dann werden sich alle vaterländisch Gesinnten der Umgebung, Tausende an Zahl, in der vierten Nachmittagsstunde dieses Tages am Denkmal der Garde bei St. Privat zusammenfinden, um in Rede und Gesang eine ernste Gedächtnißseier zu begehen. Wir richten an alle Vaterlandsfreunde, welche in diesem Jahre eine Reise nach den Schlachtfeldern bei Metz vorhaben, die Bitte, sich fo einzurichten, daß sie dieser Feier beiwohnen können. Alle aber, deren Herz mit einer der Grabstätten verwachsen ist und die in weiter Ferne weilen, mögen als Gruß aus der Heimath einen Kranz senden, den am zu be­zeichnenden Grabe oder Denkmal niederzulegen wir uns zur Ehrenpflicht machen.

Lebhaften Dank sagen wir allen bekannten und unbe­kannten Gebern, die unser gemeinschaftliches deutsches Werk durch Geldbeiträge unterstützt haben, und Denen, welche es ferner unterstützen werden. Briefe und Kränze wollen an den Vorsitzenden derVereinigung zur Schmückung und fort­dauernden Erhaltung der Kriegergräber und Denkmäler bei Metz", G. Fischer in Metz, Gelder dagegen an die per­sönliche Adresse des Kassirers der genannten Vereinigung, C. Jonas ebenda, gesandt werden. Die Verwaltung der Gelder steht unter der Controle von 35 der Vereinigung angehörigen, zusammen 4000 bis 5000 Mitglieder zählenden Vereinen. Nach der Gräberschmückung wird auch in diesem Jahre, wie im Vorjahre, Bericht erstattet werden.

Deutsches Reich.

Berlin, 5. August. Für die nächste Session des preußi­schen Landtages ist bekanntlich eine gesetzliche Abänderung in der Verwaltung des Welsenfonds in Aussicht genommen. Wie man in unterrichteten Kreisen hört, stehen die jetzt in der Provinz Hannover in welfischen Kreisen vor­genommenen Haussuchungen mit dieser Absicht insofern m Verbindung, als man dem preußischen Landtage ein klares

Bild über die welfische Bewegung vorzulegen gedenkt und andererseits selbst eine genaue Uebersicht über die welfische Bewegung zu gewinnen trachtet. Bislang verlautet noch nicht, daß man in welfischen Kreisen wirklich Zustände und Machenschaften vorgesunden, welche Anlaß zu einem Straf­verfahren geben könnten, wenn auch nicht geleugnet werden kann, daß die welfische Agitation gerade in letzter Zeit mit vermehrtem Druck arbeitet.

Berlin, 5. August. Die socialdemokratische Ge­werkschaftsbewegung macht den Leitern derselben recht viele Sorgen, da sie absolut nicht vorwärts will. Der ge­plante große Gewerkschastscongreß wird in diesem Jahre nicht abgehalten werden, sondern ist bis zum Frühjahr nächsten Jahres verschoben worden. Es soll zunächst eine Conferenz der Leiter der Centralverbände stattfinden und soll dieselbe in Halberstadt am 7. September abgehalten werden. Die Conserenz wird also die Vorarbeiten für den großen Gewerkschastscongreß machen und bann darüber Be­ratungen pflegen, wie eine einheitliche Agitation für die Gewerkschaften entfaltet werden kann. Diese Agitation ist in der letzten Zeit so verschieden betrieben worden, die localen Führer haben sich oft so entgegengearbeitet, daß fast überall die Fachvereine einen großen Bruchtheil ihrer Mit­glieder verloren haben und heute in der Mehrzahl ohne jede Bedeutung sind.

Berlin, 5. August. Von anscheinend competenter Sette geht derMünch. Allg. Ztg." folgendes Schreiben zu: Durch die Zeitungen läuft die Notiz, daß die Taufe der griechi­schen Kronprinzessin Sophie, die sich bekanntlich der griechischen orthodoxen Kirche angeschlossen hat, nachträglich von der griechischen Kirche nicht anerkannt werde, und daß die Kronprinzessin aufs Neue getauft werden soll. Die ganze Nachricht ist aus der Luft gegriffen. Die Taufe der Kronprinzessin ist von der griechischen Synode anerkannt worden. Den Patriarchen von Konstantinopel geht die Sache gar nichts an, da die Kirche des Königreichs Griechenland autokeopal, d. h. selbstständig ist, unabhängig von dem Patri­archen von Konstantinopel, Dr. Dom. SpiliotopouloS, Archimandrit der griechischen Kirche. *

Berlin, 5. August. Die Getreideeinfuhr nach Deutschland betrug im Juni d. I. im Vergleich zu den in Klammern beigefügten Einsuhrmengen des Vorjahres: 621,153 (465,479) Doppelcentner Weizen, 1,182,399 (1,006,595) Doppelcentner Roggen, 226,497 (260,368) Doppelcentner Hafer, 247,081 (281,837) Doppelcentner Gerste, 231,220 (521,655) Doppelcentner Mais und Dari. In der Zeit vom 1. Januar bis 31. Juni d. I. wurden eingeführt 2,706,298 (2,938,826) Doppelcentner Weizen, 3,496,016 (4,534,840) Doppelcentner Roggen, also 1,048,824 Doppel­centner weniger als im Vorjahre, 619,770 (1,119,330) Doppelcentner Hafer, 2,730,171 (3,127,913) Doppelcentner Gerste, 1,525,031 (3,123,393) Doppelcentner Mais und Dari.

Neueste Nachrichten.

WolffS telegraphische« Torresponvenz-Burrau

Berlin, 5. August. In der heutigen Konferenz der Chicagoer Ausstellungs-Commissare mit dem Reichscommissar Wermuth wurde der wesentlichste Theil der Fragen in 31/2ftünbigen Besprechungen erledigt, namentlich die Platzfrage. Nachdem der Reichscommissar den ungefähren Raumanspruch Deutschlands angegeben, versicherten die Cvm- missare, daß die für Deutschland in Aussicht genommenen Gebäude diesen Ansprüchen vollauf entsprächen, daß auch etwaigem Mehrersorderniß entsprochen werden würde. Die übrigen Fragen, betreffend den Transport von Ausstellungs­gütern, deren Versicherung, Patentschutz, das Mitbringen von Arbeitern, Einrichtung besonderer Räumlichkeiten für Gebäude nationalen Characters, für Getränkeausschank wurden in be­friedigendster Weise geregelt. Bezüglich der Teilnahme der Kunst an der Ausstellung wurden besondere Verabredungen Vorbehalten, da ein eigener Abgesandter hierfür nach Berlin unterwegs fei. Eine Zusammenkunft der Vertreter aller Nationen drüben sei späterer Jahreszeit Vorbehalten, wobei auch die Platzfrage definitiv zu regeln fei. Die Commissare reifen zum Theil morgen ab. Die meisten begeben sich zunächst nach Frankfurt zur internationalen electrotechnischen Aus­stellung, sodann reifen sie nach Oesterreich-Ungarn, Schweden, Norwegen, Dänemark und der Schweiz.

Berlin, 5. August. Minister Thielen empfing gestern eine Deputation, welche Tarif ermäß i gung im Vorort­verkehr erbat. Der Minister erklärte, spätestens am 1. April 1892, wahrscheinlich noch früher, werde mit einer Vereinfachung des Fahrkartenwesens eine Ermäßigung des Fahrpreises für