Sonntag den 7 Zum
Als die Unserigen die Stadt geräumt, war Todtenstille in derselben. In St. Johann wußte Niemand, waren die Franzosen eingezogen. Nach einem Imbiß, den man mir dort so gastlich in der Voltzer Mühle gereicht, jenem hübschen Plätzchen, das der letzte Ludwig von Nassau-Saarbrücken einem Vechinger Bauernmädel schenkte und das danach die Gänsegretel-Mühle heißt, begab ich mich also über die ver- barrikadirte Brücke in die Stadt zurück. Die auf dem Abhänge liegenden Tirailleure bestrichen die erstere mit ihren Chassepots,- die feindlichen Geschütze standen noch drohend da oben. — Ich hatte während dieser vierzehn Tage ein warmes Interesse für diese Grenzstadt gefaßt, die ein so unerschrockenes deutsches Herz gezeigt, und wollte ihr Adieu sagen.
Nichts regte sich in der Straße- alle Thüren waren geschlossen, einzelne Dächer waren stark von den Granaten beschädigt. Da öffnete sich ein Fenster, eine Hand winkte mir; auch eine Hausthüre öffnete sich. Man führte mich die Treppe hinauf und zeigte mir die Verwüstung durch ein Wurfgeschoß. Auf meine Frage, ob der Feind in der Stadt, hieß es, einige Offiziere seien allerdings aus dem Ludwigs- Platze gesehen worden, hätten sich jedoch nicht aufgehalten, nur mit Requisition für den General Froffard beschäftigt.
(Fortsetzung folgt.)
Hohlweg; hier kam ihr als Verstärkung ein Zug, der sie, mit dem andringenden Feinde kämpfend, ausnahm, und in die ©tnöt zurücksührte, als die erste seindliche Colonne, vom Spicherer Berg herabkommend, die Höhen gewonnen. Unsere vier Geschütze hatten indeß mit den drei Compagnien, die nur in den Kamps kamen, ein wirksames Feuer gegen einige dreißig vom E^ereierplatze feuernde Kanonen und namentlich gegen die Mitrailleusen begonnen, die über uns auf der Höhe einen Lärm wie das Herablassen einer Ankerkette machten,
I und unter ihrem Schutz geschah denn nach tapferer Gegen- I ^hr der Rückzug mit einem Verlust von zwei Offizieren und sechzig Mann etwa um 2 Uhr in der Richtung nach Lebach. Oberstlieutenant v. Pestel hatte mir bereits vom Sattel die Hand zum Abschiede gereicht und war mit seinen beiden Schwadronen abgezogen, um diese nicht nutzlos den feindlichen Shrapnells auszusetzen.
Feuilleton.
Am Vorabend -rs -rulsch-ftanMschen Feldzuges 1870—71.
(3. Fortsetzung.)
Unsere Truppen sollten ja auch schon in vollem Anmarsch zur Saar und der Pfalz fein. Als ich an der Seite des Commandeurs den General den Winterberg hinaus begleitete, wo er ein Emplacement für die Geschütze suchte, ward er mit einem Hagel von Chasfepotkugeln empfangen, und gut wars, daß der Gedanke aufgegeben ward, denn die Geschütze wären schon nach wenigen Stunden in den Händen des Feindes gewesen. Am nächsten Morgen sandte der Gene- ral die Batterie in die Stadt zurück unb ritt mit dem Oberst- lieutenant v. Pestel nach Brebach. Der letztere hatte bereits am Abend des 31. Juli von Goeben die Mittheilung erhalten, es seien zwei Bataillone des 40. Regiments bestimmt zu seiner Ausnahme, falls er angegriffen werde; er solle die Stadt, eine offene, indeß nicht zu halten suchen, um ihr die Leiden einer Beschießung zu ersparen.
Daß es mit unserem lustigen Vorspiel zu Ende gehe, darauf deutete alles. Im französischen Lager von Saar- gemünd war es in den letzten Nächten sehr lebhaft gewesen. Deutlich hatten wir das Brückenschlägen, das „Vive Fem- pereur“-©d)reien vernommen. Napoleon war also in For- bach bei den Truppen eingetroffen und mit ihm Lulu, der junge Prinz, so ward uns am Morgen erzählt. Der Tanz sollte losgehen; man mochte endlich, sechzehn Tage nach der Kriegserklärung, zum Angriff fertig sein. Wir schrieben den 2. August; am 15. war der Napoleonstag, es blieben also noch gerade vierzehn Tage — genügend, um zur Feier desselben in Berlin einzuziehen; genügend auch für die Kaiserin und alle die Kisten und Kasten mit Toilette, die bei der ersten Siegesnachricht in einem großen Train nach Deutschland abgehen sollten.
General v. Gneisenau und der Vorpostencomrnandeur hatten sich also an diesem Morgen, dem des 2. August, hinüber nach Brebach begeben; ich setzte mich auf dem Exerzier
<5ief|ener Anzeiger. Beilage zu Nr. 129. - 1891.
Platze bei der Feldwache auf den Beobachtungsposten, den Rohrstuhl vor dem Gehöfte, und lugte mit dem Opernglas aus die Forbacher Chaussee hinab. Dichter Staub wirbelte über derselben. Ich machte den Lieutenant der Feldwache von der Berswordt darauf aufmerksam. „Die Ablösung!" meinte er unbesorgt. Die Sonne brannte unerträglich heiß, ich kehrte also durch den steilen Hohlweg in die Stadt zurück.
Kaum eine halbe Stunde aber hatte ich, mit den Osfi- | Zieren plaudernd, vor dem Allarm-Hause auf dem Ludwigs- Platze unter den Platanen vor dem Casino gesessen, als um etwa 91/2 Uhr zwei Reiter ventre L terre die Straße herab aus uns zusprengten. Der erste, ein Husar von General Gneisenaus Begleitung, fragte nach dem Commandeur; der andere, ein Ulan, machte athemlos dem Rittmeister v. Lesort die Meldung, der Feind greife in Brigaden an.
Im Kasernenhof schwang sich alles in die Sättel, die ganze Stadt gerieth in Bestürzung, die Läden wurden geschlossen. Ich eilte hinüber in mein Hotel, gab meinem Burschen die Ordre, den Wagen mit dem Gepäck bereit zu halten, und wenn ich nicht in einer halben Stunde zurück, über die alte Brücke nach der Vorstadt St. Johann zu fahren, die unfehlbar verbarrikadirt werde. Danach eilte ich zum Winterberg hinaus. Fliehende Arbeiter winkten mir von oben, umzukehren, und kaum hatte ich die Höhe erreicht, als ein Hagel von Chasfepotkugeln dieselbe schon bestrich und die Granaten über den Platz dahinschwirrten. Die Feldwache hatte den Kampf schon aufgenommen, aber was waren zwanzig Mann gegen diese Masse, die zum Angriffe bereit in der Waldung versteckt gelegen haben mußte! Auch Rittmeister v- Lesort ritt mit seiner Schwadron bereits den Hohlweg hinaus, aber auch er machte Kehrt, um nicht seine Leute ins Verderben zu führen. Zudem war er ohne Befehl, denn die Ordonnanzen hatten weder den Commandeur noch den General gesunden. Da man den Feind täglich erwartete und sich zum Abmarsch bereit hielt, hatte man wenig beachtet, was dieser während der Nacht und am hellen Morgen vorbereitet; der Angriff.war indeß kein überraschender.
Inzwischen zog sich die Feldwache, die ohne Beseh! geblieben, in Front und Flanke beschossen, zurück bis an den
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