besetzt und ein Kesseltreiben gegen die Briganten veranstaltet werden. Eine sehr exemplarische Bestrafung ist beabsichtigt und in Aussicht genommen, ernstens das Räuberunwesen vollständig zu vernichten. Die Pforte wäre bereit, die hieraus bezüglichen Vorschläge des deutschen Botschafters Radowitz zu befolgen.
Paris, 5. Juni. Infolge einer Unterredung des Ministers Aves Guyot mit einer Arbeiterabordnung und dem Director der Orleanseisenbahn-Gesellschaft ist die Gefahr eines Ausstandes beseitigt.
Paris, 5. Juni. Da der er et en fische Gesund- heitsrath gewisse französische Mehle gesundheitsschädlich erklärte, erhob die Marseiller Handelskammer, eine Schädigung des Mehlimports befürchtend, Beschwerde. Die französische Regierung wies den Consul in Canea telegraphisch an, bei dem Botschafter in Konstantinopel Reclamation zu erheben.
Charleroi, 5. Juni. Die Bürgermeister der umliegenden Ortschaften tratep zu der von den Vereinen der Kaufleute einberusenen Versammlung zusammen, um über Maßnahmen zur Beendigung des Ausstandes zu berathen. Der Vorsitzende des Vereins der Kaufleute von Charleroi theilte mit, die Arbeiter würden auf ihre Forderung verzichten und die Arbeit ausnehmen, wenn sie die Gewißheit erhielten, daß ihre Arbeitgeber keine Vergeltung üben würden. Aus den Mittheilungen der anwesenden Bürgermeister geht hervor, daß die Arbeitgeber bereit sind, ihre Arbeiter, ausgenommen die Bergleute, wieder auszunehmen. Man glaubt, daß die Arbeit am Montag ausgenommen wird.
Bern, 5. Juni. Nach dem großen Eindrücke der gestrigen Rede des Bundespräsidenten Welti, in welcher derselbe die Erfolge der preußischen Staatsbahnen hervorhob, dürfte heute der Ankauf der 50,000 Centralbahn-Actien durch den Nationalrath gutgeheißen werden.
Libau, 5. Juni. Der „Libau'schen Zeitung" zufolge erhielt der englische Consul in Libau von seiner vorgesetzten Behörde die Weisung, die russischen Juden dringend vor der Auswanderung nach England zu warnen, da sie dort wegen Ueberflusses an Arbeitskräften keine Beschäftigung finden würden.
Lissabon, 5. Juni. Die Polizei beschlagnahmte sämmt- liche Exemplare des heute zum ersten Male erschienenen Blattes „Revolte" und verbot dessen ferneres Erscheinen.
Newyork, 5. Juni. 500,000 Dollars Gold sind zur Verschiffung für Samstag bestellt worden.____________
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Gießen, 6. Juni 1891.
— Anfangs Juli findet im Clubsaale ein Abschieds- Concert der Großherzogl. Kammersängerin Fräulein Marie Langsdorfs statt, worauf wir Alle, die die hier so beliebte Künstlerin noch einmal hören wollen, aufmerksam machen.
— Wir machen an dieser Stelle auf das Sonntag Abend in der Stadt-Pfarrkirche stattfindende zweite historische Orgel-Concert nochmals aufmerksam.
— Gestern Abend wurde ein auf dem Fußwege der Rodheimerstraße spielendes Kind von einem Radfahrer überfahren und verletzt. Anzeige gegen denselben wurde erhoben. Es würde überhaupt nichts schaden, wenn einzelne Radfahrer etwas mehr Vorsicht übten.
— Die Leiche des seit 19. v. Mts. vermißten Einjahrig- Freiwilligen Appel vom hiesigen Regiment ist gestern Nachmittag in dem Gießener Stadtwalde durch den Forstwart Herrn Hch. Brück aufgefunden worden. Appel hat sich erschossen. Nach der vorgeschrittenen Verwesung der Leiche zu urtheilen, muß die That bald nach der Entfernung des Appel aus der Garnison geschehen sein.
— Fernsprech • Verbindung Gießen • Oberheffeu • Frankfurt. Wie bereits mitgetheilt, hat die hiesige Handelskammer an die Stadtbehörde zu Marburg ein Schreiben gerichtet, an dessen Schluß alle Interessenten einer derartigen Anlage ersucht wurden, bis zum 1. Juni eine Mittheilung an das dortige Bürgermeisteramt gelangen zu lassen. Bis jetzt hat sich, wie die „Oberh. Ztg." mittheilt. kein Interessent gemeldet und zwar hauptsächlich aus dem Grunde, weil man selbst annähernd nicht weiß, wie hoch sich die jährlichen Beiträge eines Anschlusses für jeden Teilnehmer belaufen.
— Bachcoucert. Das zweite historische Orgelconcert bringt nur Compositionen von Joh. Seb. Bach. Bon den im Programme enthaltenen Vocalsachen dürste wohl die Arie aus der Lucaspassion „Dein Leib das Manna" hier noch wenig gekannt sein. Die Lucaspassion ist erst in den letzten Jahren durch einen Clavierauszug von Doerffel allgemeiner verbreitet worden. Obwohl der erste Bachforscher und Kenner Pros. Spitta die Lucaspassion für ein echtes Bach- sches Werk hält, so haben doch andere namhafte Musiker die Echtheit derselben bezweifelt. Für beide Ansichten lassen sich wichtige Punkte in's Feld führen. — Wenn in unserem Programme die Arie mit unter den Compositionen Bachs aufgeführt wird, so bat es nur den Grund, aus den mancherlei Schönheiten seiner Passion dem Publikum etwas zu Gehör zu bringen. Man kann dennoch die Entscheidung über echt oder unecht unberührt lassen. Man findet in der ersten Schaffensperiode Bachs für diese Arie manche Analogie in Bezug der musikalischen Ausdrucksmittel, in späteren Epochen Bachs aber fast keine. Bach erscheint hier auch vornehmlich Haendel so verwandt wie sonst selten. — Die Begleitung dieser Arie ist im Clavierauszuge etwas mager, daß dieselbe von Doerffel anders hätte eingerichtet werden können, sieht man namentlich, wenn man die von Rob. Franz ausgesührte Begleitung der beiden geistlichen Lieder in's Auge faßt, die das Programm weiterhin aufweist. Man mag über Franz'sche Bearbeitungen denken, wie man will, für unser heutiges musikalisches Empfinden wirken sie wohlthuender als Bearbeitungen, welche aus knechtischen! Festhalten an der Generalbaßbezifferung entspringen. — Die Jubelarie „Mein gläubiges Herze" mit obligatem Cello dürfte vielen bekannt sein, ebenso
die schöne Sarabande für Violine. — Den Reigen der Orgelsachen eröffnet das große Fs-äur-Praeludium, das in seinen belebten Rythmen und noch mehr durch einige eingestreute melodische Episoden fast an eine spätere Zeit gemahnt. Wären nicht einige markante Bach'sche Fugatoabschnitte darin, so könnte man sich schon ganz in die Haydn'sche und Mozart'sche Zeit versetzt glauben beim Hören des Werkes. Das Prae- ludium mag für Kunstfreunde, die noch wenig mit Bach sich vertraut machen können, eine paffende Ueberleitung zu größerem Eindringen in Bach sein. — Die drei Choralvorspiele des Programms sind so gewühlt, daß sie ihrer Form nach drei vornehmlich von Bach gepflegte Arten der Choralbehandlung klarstellen. Beim ersten (Ach Gott und Herr) werden die Melodiezeilen canonisch eingeführt und dann tritt die Choralmelodie als cantus firmus zu ihnen hinzu. Das zweite (Herzlich thut mich verlangen) bringt vollständig getreu die Melodie, während die begleitenden Stimmen figuriren. — In Nr. 3 (O Mensch bewein' dein' Sünde) wird die Choralmelodie selbst durch reiches Figurenwerk verbrämt, das inhaltlich wunderschön der Grundstimmung des Chorals angepaßt ist. Ganz einzig ist der Schluß dieses Choralvorspiels durch seine ungewöhnliche, aber tief ergreifende Harmonik. Der bearbeitete Choral dürfte hier nicht im Original bekannt sein, sondern vielleicht nur durch die Verarbeitung, welche ihm auch in der Mathäuspassion zu theil wird. — Die fünfstimmige F-molLguge, wie die F-dur-Taccata stehen in der Bach'schen Orgelmusik unter Nr. I. Außer in der großen Passacaglia und der G-molbgantafie von Bach dürste die gesammte Orgelliteratur auch wohl nichts aufweisen, das in technischer Beziehung an die F-äiu'-Taccata hinanrcicht.
— Postperfonalnachrichten aus dem Bezirk der Kaiserl. Oberpostdirection Darmstadt. Es sind ernannt der Postassistent Schupke in Gießen zum Ober-Postassistenten, der Postassistent Herbert in Darmstadt zum Büreau-Assistenten. — Versetzt wurden der Ober^Postdirectionssecretär Kröschel von Darmstadt nach Frankfurt a. M.-Sachsenhausen behufs Uebernahme der Vorsteherstelle bei dem Postamte daselbst, der Postsecretär Drews von Berlin nach Darmstadt und Schott von Gießen nach Karlsruhe (Baden) behufs Uebernahme von Büreaubeamtenstellen I. Klasse, der Postsecretär Klein von Mainz nach Pforzheim zur Uebernahme einer Ober-Postsecretärstelle, die Postsecretäre Schmidt gen von Pforzheim nach Mainz und Glahn von Mainz nach Hanno« ver, der Ober-Postassistent Hirsch von Mainz nach Alsheim.
— Die von den hessischen Kriegervereinen geplante Feier des 25. Jahrestages des Gefechtes von Laufach und Frohnhofen, welche auf den 12. Juli (das Gefecht selbst fand bekanntlich am 13. Juli statt) verlegt wurde, verspricht großartig zu werden. Bis jetzt haben sich bei Herrn Gerichtsvollzieher Engel in Darmstadt über 1000 Mitglieder von Kriegervereinen gemeldet, welche sich zu der Fahrt nach Laufach, die von Darmstadt aus per Extrazug erfolgen soll, angemeldet haben. Aus einzelnen Gemeinden sind je über 100 Anmeldungen erfolgt und stehen noch zahlreiche solcher aus. Nachdem dort die Gräber der gefallenen Kameraden geschmückt und eine Trauerfeier abgehalten worden, erfolgt die Rückkehr nach Aschaffenburg, woselbst in der Fasanerie (nabe bei dem Denkmal für die gefallenen Oesterreicher) unter Betheiligung zahlreicher Kameraden aus Bayern und der österreichischen Deputation eine weitere Feier geplant ist. Die Oesterreicher begehen ihre Feier am 14. Juli, dem 25. Jahrestag des Gefechts bei Aschaffenburg.
— Verein hessischer Lehrerinnen zur Gründung eines Heims. Die diesjährige Generalversammlung, die im April stattsand, war durch die Anwesenheit Ihrer Durchlaucht der Prinzessin von Battenberg ausgezeichnet und gut besucht. Die Vorsitzende, Frau L. Wolfskehl, begrüßte die Erschienenen, nachdem der Präsident, Herr Stadtpfarrer Pfnor, die Versammlung eröffnet hatte. Dankend gedachte sie aller Derer, welche dem Verein auch im verflossenen Jahr ihr Wohlwollen erwiesen, zuvörderst Seiner Königl. Hoheit des Großherzogs, der durchlauchtigsten Protectorin und des Gräflich Erbach'schen Paares, das noch immer einigen Lehrerinnen während des Sommers freie Wohnung in Schönberg gewährt. Sie forderte alle diejenigen Mitglieder auf, welche das Heim in Schönberg zu benutzen wünschen oder welche Beihilfe zu Kuren aus dem Hilfsfonds begehren, sich deshalb baldmöglichst schriftlich an den Vorstand zu wenden, damit alle Wünsche berücksichtigt werden können. Aus der hieraus erfolgten Abrechnung der Kassirerin, Frl. Wider, ergab sich, daß das Vermögen am 31. December 1890 31257 Mk. betrug. Obwohl es wünschenswerth erscheint, ein „Heim" für einige ältere Mitglieder möglichst bald einrichten zu können, soll doch nicht übereilt vorgegangen werden, um den Verein nicht in Schulden zu stürzen. Derselbe ist jedoch in der Lage, einstweilen aus dem Hilfsfonds Unterstützungen an arbeitsunfähige Mitglieder zu geben und ihre Lage auf diese Weise zu erleichtern. Die Stellenvermittelung für Lehrerinnen und Erzieherinnen wurde als wichtiger Zweig der Vereinsthätig- keit nochmals' warm der Mithilfe aller Mitglieder und Freunde des Vereins empfohlen.
— Zur Erleichterung des Besuchs der internationalen Knnstausstellung in Berlin werden auf mehreren Stationen des Directionsbezirks Hannover am 14. und 28. jeden Monats besondere Rückfahrkarten II. und III. Wagenklaffe zu ermäßigten Preisen und mit 8tägiger Gültigkeitsdauer, und zwar erstmalig am 14. Juni d. I. zur Verausgabung gelangen. Dieselben berechtigen zur Benutzung aller an den bezeichneten Tagen fahrenden fahrplanmäßigen Züge, welche die betreffenden Wagenklassen führen und geben Anspruch auf ein Gepäck- sreigewicht von 25 Kg. Vor der Rückfahrt von Berlin, welche innerhalb der 8tägigen Gültigkeitsdauer der Rückfahrkarten ebenfalls mit einem beliebigen fahrplanmäßigen Zuge angetreten werden kann, sind die Fahrkarten abzustempeln. Die vorbezeichnete Fahrvergünstigung wird auch auf die übrigen (Stationen des Directionsbezirks insofern ausgedehnt, als die
Gültigkeitsdauer der gewöhnlichen Rückfahrkarten, welche am 14. und 28. jeden Monats nach einer mit Ausstellungs- Rückfahrkarten ausgerüsteten Station von hintergelegenen Stationen gelöst werden, bei Entnahme einer ermäßigten Rückfahrkarte nach Berlin auf 8 Tage verlängert wird. Die Stationen, auf welchen Ausstellungs-Rückfahrkarten nach Berlin verkäuflich sind, können bei jeder Fahrkarten-Ausgabe- stelle erfragt werden.
-d. Schotten, 4. Juni. Großherzogliches Kreisamt dahier erläßt an diejenigen Großh. Bürgermeistereien des Kreises, in deren Dienstgemeinden das Doppeljoch bei Zug- thieren noch Anwendung findet, Verfügung, gemäß welcher den Betheiligten wiederholt kund zu geben ist, daß die genannten Zuggeschirre vom 1. October d. I. ab nicht mehr in Anwendung gebracht werden sollen, da mit diesem Tage die Bestimmungen einer früher von der genannten Behörde erlassenen diesbezüglichen Polizeiverordnung in Kraft treten. Mit der Abschaffung des Doppeljoches ist somit auch in unserem Vogelsberg einer Thierquälerei begegnet worden.
-r. Schlitz, 3. Juni. Der 14jährige Stiefsohn des Adam Paul, Johann Nuhn, wurde gestern Nachmittag bei dem Gewitter vom Blitz erschlagen. Der Junge war mit Steinschlagen an der Kreisstraße bei Nieder-Stoll beschäftigt, suchte unvorsichtiger Weise unter einem nahen Eichbaume Schutz vor dem Wetter und sand hierdurch seinen Tod.
Wölfersheim, 4. Juni. Gestern Nachmittag entlud sich über unserem Orte während eines furchtbarenGewitters einWotkenbruch. In einem Augenblick waren die Straßen unter Wasser gesetzt und dasselbe drang in die Gebäude ein, sodaß Menschen und Vieh flüchten mußten. In das Haus des Bürgermeisters lief das Wasser zu den Fenstern hinein und es dauerte nicht lange, so waren die Grundmauern unterwaschen und das Haus stürzte zusammen, glücklicherweise sind Menschen dabei nicht verunglückt.
g.- Obornhofen, 4. Juni. Bei dem gestrigen Gewitter schlug der Blitz auf dem Solms-Laubach'schen Hofgut in einen Stall, sodaß derselbe abbrannte. Durch rasches Eingreifen wurde man jedoch bald Herr des Feuers und eine Uebertragung desselben aus die übrigen Gebäude vermieden.
§ Vom höchsten Vogelsberg, 5. Juni, wird uns bezüglich der vor einiger Zeit erwähnten hohen Butterpreise, die denen in Gießen und Frankfurt gleichkämen, mitgetheilt, daß sich im Vogelsberg Händler emgefunden, die sich durch Bieten hoher Einkaufspreise Eingang bei den dortigen Butterproducenten verschaffen wollen und diesen thatsächlich auch gefunden haben. Den Landwirthen sei es einerlei, woher die Preissteigerung komme, sie wünschen, daß die Preise auf der Höhe bleiben möchten.
t Büdingen, 4. Juni. Heute Vormittag brach in dem Wohnhause des Straßenwarts Christian Glanz II. dahier, angeblich durch Herausfallen einer glühenden Kohle aus dem Feuerherd, ein Brand aus, der jedoch, da er alsbald gelöscht wurde, nennenswerthen Schaden nicht verursachte.
Friedberg, 3. Juni. Gestern kaufte die Gemeinde Stammheim das dem Baron Victor v. Rabenau in Gießen gehörige, in ihrer Gemarkung gelegene Gut von ca. 450 Normalmorgen für 300,000 Mk. mit der Bedingung, dem seitherigen Pächter eine Abfindungssumme zu zahlen oder ihn seine contractmäßige Pachtzeit (noch 5 Jahre) aushalten zu lassen. Das Gut soll parcellirt und öffentlich versteigert werden. Vor 43 Jahren kaufte dieselbe Gemeinde das in ihrer Gemarkung gelegene Görz'sche Gut. Auch von dem vor vier Jahren verkauften v. Stein'schen Gut in Staden wurde ein Theil von Stammheimern erworben.
Vermischtes.
* Wer mit einer Einladung zur Kaiserlichen Tafel be- ehrt wird, erhält eine große Karte von Velinpapier, auf welcher unter dem Alliancewappen der Majestäten Folgendes steht: „Aus Allerhöchsten Befehl Ihrer Kaiserlichen und Königlichen Majestäten beehrt sich der unterzeichnete Ober-Hof- und Haus-Marschall.....zur Mittagstafel am . . . . um . . . Uhr im........einzuladen."
Auf der Rückseite befinden sich Angaben über „Anzug", sowie bei Einladungen nach dem Neuen Palais noch Bemerkungen über Wagen und Eisenbahn. Die Pracht, welche unser Kaiserpaar bei großen Festtafeln entfaltet, ist wohl ziemlich bekannt- umsomehr dürfte die Schilderung einer kleineren Mittagstafel interessiren, wie solche häufig im vertrauteren Kreise stattfindet. Bei solchen Gelegenheiten werden in 50 bis 55 Minuten ungefähr 10 Gerichte für 60 bis 80 Personen ser- virt. Für je 2 Personen ist ein Diner bestimmt; ferner ist noch eine Anzahl von Leibjägern zur Bedienung vorhanden, während die Speisen von Lakaien zugetragen werden. Die Küchen des Neuen Palais bei Potsdam befinden sich bekanntlich in den gegenüberliegenden Communs, und die Speisen werden durch eine unterirdische Bahn befördert. Die Hauptgerichte werden auf silbernen Tellern^dargereicht, die Zwischengerichte aus Porzellantellern der Königlichen Berliner Manu- factur. Die Crystallgläser haben oben einen goldenen breiten Rand und sind mit dem in Gold eingravirten Monogramm des Kaiserpaares geschmückt. Außer den seltensten und ältesten Weinen wird auch französischer Schaumwein gereicht, sowie zur Suppe meistens deutscher. Der Tisch ist geschmückt mit großen Tafelaufsätzen, auf welchen herrliche Blumenzusammenstellungen prangen, gewöhnlich in einer Schale dreierlei Arten von Rosen; je 50 bis 60 Stielrosen von einer Farbe werden dabei zusammengebunden und nebeneinander gelegt. Vor den einzelnen Gedecken stehen Gläser mit Stielrosen. Silberne Armleuchter mit Hunderten von Wachskerzen beleuchten die Tafel. Vor jedem Gedeck liegt die Speisekarte, die auf weißem Velinpapier mit breitem Goldrande lithographirt ist und neben ihr befindet sich in derselben Weise das Musik-Programm, beide geziert durch das Alliancewappen des Kaiserpaares und in deutscher Schrift gehalten. Die Speisekarte ist frei von jedem fremden Ausdruck und trägt als Ueberschrift die Worten


