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Freitag den 6. November

1891

Nr. 259

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Durch die Post bersG« fcSRnrf RA fife.

Äcbaction, und Druckerei:

gjerutzirecher 61.

Amts- und Anzeigeblatt für den Areis Gieren.

lua(st Beu »nzeigen zu der «echmittag» für d« kelG-udoi lag erscheinenden Nummer bis vor«. 10 Uhr.

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Aurtlichev Theil.

Gießen, den 4. November 1891. Betr.: Ausführung der Landesfeuerlöschordnung, hier Ver­pflichtung der Befehlshaber der Feuerwehr für die Orte der Amtsgerichtsbezirke Lich und Hungen.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Grotzh. Bürgermeistereien des Amts­gerichtsbezirks Lich und Hungen.

Nachdem Sie uns die zu der Stelle eines Befehlshabers der Pflichtfeuerwehr und dessen Stellvertreters geeigneten Per­sönlichkeiten in Vorschlag gebracht haben, beauftragen wir Sie, dieselben anzuweisen, sich behufs ihrer Verpflichtung und zwar diejenigen aus dem Amtsgerichtsbezirk Lich Samstag den 7. November, Vorm. 11 Uhr, in dem Nathhause zu Lich und diejenigen aus dem Amtsgerichtsbezirk Hungen Donnerstag den 12. November, Nachm. 21/» Uhr, in dem Rathhause zu Hungen rinzufinden.

v. Gagern.

Bekanntmachung, betreffend Ausführung des Jnvaliditäts- und Altersversiche­rungsgesetzes.

Es wird hierdurch zur öffentlichen Kennkniß gebracht, daß an Stelle des Werksührers Louis Haubach der Fabrikausseher Karl Drescher zu Gießen, Neustadt 59, zum Vertrauensmann aus dem Kreise der Versicherten ernannt worden ist.

Gießen, den 4. November 1891.

Grobherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Deutsches Reich.

Berlin, 4. November. Der Kaiser und die Kaiserin nahmen, begleitet von einer größeren Jagdgesellschaft, am Dienstag Nachmittag an der im Grünewald bei Potsdam abgehaltenen herkömmlichen St. Hubertus-Parfoce-Jagd Theil.

Die seit geraumer Zeit wichtigste Nachricht aus kirchenpolitischem Gebiete ist diejenige von der Er­nennung des Propstes Dr. v. Stablewski zum Erz­bischof von Posen-Griesen, womit der seit dem Tode Dr. Dinders erledigte erzbischöfliche Stuhl von Posen wiederum besetzt worden ist. Wenn man nur die wissenschaftlichen Fähigkeiten und die Charactereigenschaften des neuen Ober­hirten der Posener Diöcese in Betracht zieht, so kann man seine Wahl allerdings eine glückliche nennen, anders stellt sich aber die Sache, wenn die Berufung des bisherigen Propstes von Wreschen an die Spitze der Posener Diöcesanverwaltung vom nationalen und politischen Standpunkte aus betrachtet wird. Denn Dr. v. Stablewski ist ein überzeugter Vertreter des Polenthums, als dessen parlamentarischer Vorkämpfer er ja schon seit Jahren im Reichstage wie im preußischen Abgeordnetenhause auftritt, und der Umstand, daß Dr. v. Stablewski auf dem polnischen Katholikentage in Thorn eine loyale Rede gehalten hat, kann da nicht weiter in Betracht kommen. Jedenfalls ist von einem Manne, wie Dr. von Stablewski, auf dem Posener Erzbischofsstuhle nicht die geringste Förderung der deutschen Interessen in der Provinz Posen zu erwarten, weit eher muß da angenommen werden, daß der neue Kirchenfürst seinen mächtigen Einfluß, wenn auch nur verhüllt, der polnischen Propaganda in dieser Grenzprovinz zur Verfiigung stellt. Auf polnischer Seite scheint man dies schon als ganz selbstverständlich zu betrachten, wie man wenigstens die unverhohlenen Triumphruse der polnischen Presse über die Berufung Dr. v. Stablewskis in sein neues Amt bekunden. Offenbar hat die preußische Re­gierung ihre schwerwiegenden Gründe gehabt, wenn sie schließlich in die Ernennung eines Polen zum Nachfolger des Erzbischofs Dr. Dinder willigte; ihr kommt natürlich auch die Verantwortung für diesen Ausgang der Posener Erz- bischofsfrage zu.

Der deutsche Reichscommissar für die Welt­ausstellung in Chicago, Geh. Reg.-Rath Wermuth, erstattete dieser Tage in einer Versammlung eines Berliner gewerblichen Vereins Bericht über seine jüngste Reise nach Nordamerika. Aus den Darstellungen des Herrn Wermuth geht hervor, daß die deutschen Aussteller in Chicago das größte Entgegenkommen finden würden und forderte der Negierungscommissar daher die deutschen Industriellen und

Gewerbetreibenden auf, sich an dem bevorstehenden friedlichen Völkerwettstreite jenseits des Oceans möglichst zahlreich zu betheiligen. In der sich anschließenden Debatte warnte Professor Vogel die Deutschen davor, sich bezüglich der Chicagoer Weltausstellung allzugroßen Illusionen hinzugeben, wobei er namentlich auf die Mac Kinley-Bill hinwies. Dies veranlaßte Herrn Wermuth nochmals, in kräftigen und über­zeugenden Worten für die ausgiebige Beschickung der Aus­stellung seitens Deutschlands einzutreten und in gleichem Sinne äußerte sich auch Stadrath Dr. Weigert, der Vor­sitzende der Berliner Kaufmannschaft.

Dem Bundesrathe ist ein Gesetzentwurf, betr. die Gesellschaften mit beschränkter Haftpflicht, zugegangen, der demnächst veröffentlicht werden soll.

Die Theilnahme zweier elsässischen Fabrikanten, Gros und Dreyer, an den durch Revancheredenausgezeichneten" Eisenbahnfeierlichkeiten in dem französischen Städtchen Bussang wird den genannten Herren schlecht bekommen. Sicherem Vernehmen nach beabsichtigt die reichsländische Re­gierung, Gros, welcher gebürtiger Schweizer ist, auszuweisen, Dreyer aber seines Ehrenamtes als Ergänzungsrichter zu entsetzen.

Ausland.

Rom, 4. November. Friedens-Conferenz. Die deutschen Deputirten legten gestern einen prächtigen Kranz mit einer Schleife in den deutschen Farben am Grabe Victor Emanuels nieder. Da sie die Einzigen sind, welche in dieser Weise ihren Sympathien für Italien Ausdruck gaben, hat der Vorgang überall den besten Eindruck gemacht. Beim Beginn der heutigen Sitzung der Friedensconserenz wurde der von Max Hirsch Namens der Deutschen eingebrachte Antrag, das Französische als Verhandlungssprache zn wählen, angenommen. Alsdann wurde über die Constituirung des internationalen parlamentarischen Comitss verhandelt. Mazzo- leni beantragte die Einrichtung eines internationalen Friedens-' Secretariats zur Ausführung der Conferenzbeschlüsse, zur Agitation für die Friedensbewegung und zur practischen An­wendung des Princips der Schiedsgerichte im Falle inter­nationaler Conflicte. Pandolfi beantragt die Organisation nationaler parlamentarischer Comitös und die Einrichtung eines Generalsecretariats zur Vermittelung zwischen den Völkern. Die Discussion darüber bewegte sich in ruhiger Sachlichkeit, bis Jmbriani das Wort ergriff. Er bestritt die Zweckmäßigkeit der Schiedsgerichte für Fragen, die das Leben der Nationen betreffen und verlangte, daß das Princip der Nationalität unter allen Umständen respectirt und das Recht der Kriegserklärung den Völkern zustehen müsse- erst dann werde das Schiedsgericht möglich sein. Biancherie unterbrach den Redner wiederholt, um ihn aufmerksam zu machen, daß er nicht zur Sache spreche, Jmbriani fuhr aber fort in seinen Ausführungen, die seinen bekannten irredentistischen Ideen entsprechen. In demselben Sinne sprach der Franzose Hubbard; er verlangte gleichfalls, daß zuerst die Principienfragen ent­schieden würden- erst wenn die Rechte der Völker anerkannt seien, wäre die Brüderlichkeit unter den Völkern möglich. Darauf wurde die Sitzung auf morgen vertagt. Die Deutschen sind in ihrer Majorität der Einsetzung eines inter­nationalen Secretariats zur ständigen Geschäftsführung ab­geneigt und wünschen, daß die Organisation auf die Bildung nationaler parlamentarischer Comitäs beschränkt bleibe. Bonghi hat sich gestern mit den deutschen Deputirten bekannt gemacht und denselben Erklärungen gegeben, welche seine bekannten Aeußerungen erheblich modificiren. Fr. Ztg.

Neueste Nachrichten.

WolffS telegraphisches Lorrespondenz-Bureau.

Berlin, 4. November. Der Reichstag beginnt seine Sitzungen am 17. November, Nachmittags 2 Uhr. Tages­ordnung : Erste Berathung des Gesetzes, betreffend die Be­strafung des Sclavenhandels, und Petitionen.

Berlin, 4. November. DieNordd. Allg. Ztg." publicirt ein Schreiben des Handelsministers an den Magistrat, worin für die Berliner Mühlendammbrücke eine lichte Durchfahrtshöhe, 3.7 Meter, als geboten erklärt wird, zumal die von der Regierung unausgesetzt betriebene Verbesserung der Schiffahrtsstraßen hauptsächlich bezwecke, die durchgehende Schifffahrt von der Weichsel und Oder nach Spree und Elbe in Fahrzeugen großer Trag- und Ladefähig­keit zu ermöglichen.

Gera, 4. November. Der jüngstgeborene Sohn des Erbprinzen, Heinrich XXXX., dessen Taufe Ihre Majestät die Kaiserin beigewohnt hatte, ist Nachts gestorben.

Zürich, 4. November. Die Hauptversammlung des schweizerischen Vereins zum Rothen Kreuz nahm die Ver­einigung des Vereins mit dem Samariterbund als Abtheilung mit selbstständiger Organisation auf.

Rom, 4. November. Der Präsident des österreichischen Abgeordnetenhauses Smolka hat an das Comitö des inter­parlamentarischen Friedenscongreffes ein Schreiben gerichtet, in welchem er sein lebhaftes Bedauern ausdrückt, durch Be­rufsgeschäfte verhindert zu sein, der Versammlung persönlich beizuwohnen und zugleich den Wunsch ausspricht, daß durch den persönlichen Contact der Vertreter aller Völker viele Miß­verständnisse beseitigt und mancher Antagonismus, mancher Widerstreit der Meinungen in dem gemeinsamen Streben nach dem hohen Ziele ausgeglichen würde.

London, 4. November. DasReuter'sche Bureau" meldet aus Rio de Janeiro von heute: Der Congreß ist aufgelöst, das Kriegsrecht proclamirt und die Dict at ur wieder hergestellt.

Lissabon, 4. November. Die Regierung wird dem Parlament einen provisorischen Vertrag mit einer Gesellschaft betreffs Ueber nähme desZündholzmonopols unter­breiten.

Newyork, 4. November. Bei den gestrigen Staats­wahlen siegten in Virginia die Demokraten mit großer Majorität. In Columbus (Ohio) wurde der Republikaner Mac Kinley, der Urheber des neuen Zolltarifs, mit etwa 10,000 Stimmen Mehrheit zum Gouverneur anstatt des bis­herigen demokratischen Gouverneurs gewählt. Die Repu­blikaner siegten im Staate Pennsylvanien mit insgesammt etwa 40,000 Stimmen Mehrheit.

Newyork, 4. November. Die vorliegenden Wahl­resultate lassen die Wahl des demokratischen Candidaten für den Gouverneursposten des Staates Newyork mit einer Majorität von 40,000 Stimmen als wahrscheinlich erscheinen. Zum Gouverneur von Maryland ist Brown (Demokrat) ge­wählt. Die demokratischen Blätter behaupten, daß die Demo­kraten auch in beiden Häusern der Legislatur des Staates Newyork gesiegt haben. DieTimes" meint, die Majorität Mac Kinleys sei kaum groß genug, um als Rechtfertigung der Fiscalpolitik, mit welcher sein Name eng verbunden sei, angesehen zu werden.

Newyork, 4. November. Zufolge Nachrichten aus Iowa ist boxt der demokratische Gouverneur wiedergewählt und in New-Jersey sind sämmtliche demokratische Candidaten für den Senat gewählt worden. Von 60 Mitgliedern des Repräsentantenhauses von New-Jersey sind 44 Demokraten.

Depeschen desBureau Herold".

Berlin, 4. November. Präsident L e v e tz o w lud die Reichstagsmitglieder zum 17. November ein.

Berlin, 5. November. Nach demBörsen - Courier" finden im Reichsamt des Innern Konferenzen statt über einen Patent- und Markenschutz mit Oesterreich-Ungarn. Die Convention hierüber soll zugleich mit der Veterinär-Con­vention in Kraft treten.

Berlin, 5. November. DasBerl. Tagebl." meldet aus Goslar die Auffindung der zernagten Leiche eines feit August 1890 vermißten Soldaten des 82. Regiments im Granhöfer Holz.

Köln, 4. November. Ein Mailänder Telegramm der Köln. Ztg." besagt, im neuen Handelsvertrag wurde der Eingangszoll auf italienische Weine für Deutsch­land von 24 Mk. auf 15 Mk. herabgesetzt.

München, 4. November. Die Abgeordneten nahmen einstimmig den Antrag beider Parteien, betreffend die Grund­sätze des neuen Militär-Strafprozesses, an. Der Kriegsminister erklärte, der Regierung sei ein endgiltiger Ent­wurf der neuen Militär-Strafgerichts-Ordnung bisher nicht zugegangen. Die Regierung werde das Princip der Oeffent- lichkeit und Mündlichkeit des Verfahrens zu wahren streben.

Myslowitz, 4. November. Bei Olkuß auf der Linie IwangorodSosnowice entgleiste ein Militärzug. Drei Personen wurden getödtet, 50 verwundet.

Czernowitz, 5. November. Eine soeben herausgegcbene Broschüre schildert die traurige Lage der Ruthenen in der Bukowina und verlangt die Theilung der Erzdiözese in eine rumänische und ruthenische.

Budapest, 5. November. Es wird ein russisches Weizen-Ausfuhrverbot für Mitte November erwartet. Für die Nothleidenden hat die russische Regierung bisher 60 Millionen Rubel verwendet.

Krakau, 5. November. Zur Verhütung geheimer Getreide-Ausfuhr wurde die russische Grenzwache, verstärkt.