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Mit der schwacher werden Tendenz der Wiener Börse begann die Bewegung in deutschen Banken größeren Umfang anzunehmen. Es sind offenbar Deckungen, die hier ihre Wirkung ausüben, denn von günstigeren Aussichten für deutsche Banken ist Nichts zu berichten. Dafür spricht auch die ausgiebige Steigerung vonDisconto- Commandit von etwa 5%, welche die Gewinne aller anderen Banken wett überragt. Handelsgesellschaft, Dresdener und Deutsche Bank konnten ihre Eourse nur um etwa 3Vr % ausbessern. Darmstädter hingegen sind abermals schwächer und zwar im An­schluß an die matte Haltung der Portugiesen. Man hat in dieser Woche von einem Arrangement mit den Inhabern der 3% Bonds gesprochen, denen für die Zukunft eine 2°/g Verzinsung angeboten werden solle; und obgleich diese Gerüchte ein Dementi erfuhren, so mußte doch der Cours der Bons wieder auf seinen tiefsten Stand zurücksinken. Sonst war der Anlagemarkt fest, nicht in dem Maße, daß große Coursgewinne zu verzeichnen wären, doch so, daß die günstige Disposition des Marktes auch hier einen bescheidenen Ausdruck fand. Chilenen gewannen 6% auf die Beendigung des Bürgerkrieges, und indirect übte dieses Ereigniß auch seine Wirkung auf Mexikaner, die etwa 2% avanctren konnten.

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Eine Woche steigender Course. Das ist ein Ereigniß, das seit langer Zeit nicht gemeldet werden konnte, und nach dem Verlauf der Liquidation muß diese Wendung der Dinge in der That überraschen. Indessen, gerade wie die Bewegung der Vorwoche sich vollzog in völligem Gegensätze zu den sonst maßgebenden Um­ständen, so vollzieht sie sich heute, ohne daß der Grund der Aufwärtsströmung ersichtlich wäre. Man könnte geneigt sein, denselben in den Positionsverhältnissen zu suchen, und in der That wären diese geeignet worauf schon früher hinge- wiesen wurde einen Rückschlag zu verursachen, dann aber wäre doch der Verlauf der Liquidation mit ihren inmitten der höchsten Dcportsätze stark weichenden Coursen nicht recht verständlich, und sieht man selbst davon ab, so würde doch der Anlaß fehlen, da die Speculation zu einer plötzlichen und freiwilligen Aufgabe einer kurz zuvor mit Eifer verthetdigten Position veranlassen könnte. Die ganze Bewegung scheint daher den Stempel der Willkürlichkeit zu tragen, besonders deßhalb, weil die Rollen vertauscht sind, und die Wiener Börse, die bei einer leidlichen Ernte und dem günstigen Verlauf des Saatenmarktes noch Grund zur Festigkeit hat, zu Realisationen neigt, während Berlin offenbar steigende Course begünstigt. Fast scheint es, als ob diese Willkürlichkeit in Zukunft noch eine größere Rolle spielen sollte, als bisher. Zu verwundern wäre dies nicht, denn da aller Einfluß auf das Publikum verloren ist, da die sonst führenden Ftnanzhäuser in Unthättgkeit ver­harren, so ruht die ganze Coursbewegung in den Händen der Speculation, und wie sehr bet dieser Neigungen und Meinungen, auch nur der Wunsch, Bewegung zu schaffen und Positionsverhältnisse mitsprechen und die Coursbewegung von dem Wege, den ihr wtrthschaftliche Gesetze vorschreiben, abdrängen, ist genugsam bekannt. Eine wenigstens zum Theil hinreichende Erklärung für den plötzlichen Tendenz­umschwung vermag man vielleicht in der festen Haltung der auswärtigen Börsen zu erblicken. Es ist bekannt, eine wie reichliche Ernte Amerika in diesem Jahre eingeheimst hat. Seit einigen Wochen bereits haben die Verfrachtungen begonnen und die Ziffern, die da zum Vorschein kommen und mehr noch die Berechnungen, die man über den Gesammtertrag der Ernte anstellt, üben eine ganz außerordent­liche Wirkung auf die Börsen des Landes, und es ist nicht zu verwundern, wenn sie in einen wilden Haussetaumel hineingerissen werden. London, auch nicht Paris, kann sich gegen diesen Einfluß verschließen, denn das Interesse, welches namentlich der erste Platz an amerikanischen Werthen hat, ist außerordentlich groß, aber auf diesem Umweg fällt auch auf die deutschen Börsen ein Abglanz dieser aufstrebenden Tendenz, weil die Gemeinsamkeit der Börseninteressen nicht zuläßt, daß der eine Platz in tiefster Entmuthigung verharrt, während der andere steigende Tendenzen verfolgte. Aber man täusche sich nicht über die Tragweite dieses Einflusses. Was Amerika zum Vortheil gereicht, ist unser Nachtheil, denn die Gelder, die dort befruchtend wirken sollen, müssen hier dem Verkehr eptzogen werden. Zwar liegen die Geldverhältnisse heute günstiger, als noch vor wenig Wochen zu erwarten stand, aber diese Situation ist nur ein Product der Vorsicht, mit der Jedermann für den Herbstbedarf vor sorgte, und es hieße den ganzen Effect dieser Vorsorge auf das Spiel setzen, wollte man auf die gegenwärtige Geldflüssigkeit hin sündigen. Offenbar wird der Herbstbedarf außerordentlich groß, nicht nur wegen der Rimessen in das Ausland, sondern nament­lich wegen der hohen Getreidepreise, die ungefähr ein Dlittheil mehr an Capital absorbiren werden als sie es jemals innerhalb des letzten Decenniums gethan haben. Wie weit die getroffene Vorsorge dem thatsächlichen Bedarf gerecht werden wird, bleibt eine Frage, die selbst nicht schätzungsweise beantwortet werden kann, und wenn auch die Börse selbst einen weit geringeren Geldbedarf fordern mag, als in früheren Jahren, so ist immerhin nicht ausgeschlossen, daß der Octobertermin noch eine empfindliche Versteifung der Geldsätze bringen wird. Noch weniger aber als diese Verhältnisse scheinen die Gerüchte über eine neue russische Anleihe für eine Aufwärtsbewegnng der Course zu sprechen. Dieselben sind im Anfang der Woche aufgetreten und haben sich trotz mangelnder Bestätigung hartnäckig erhalten. Es ist in der That höchst wahrscheinlich, daß der russische Ftnanzminister den gegenwärtigen Verbrüderungs nlhusiasmus der Franzosen dazu benutzt, um sein im Frühjahr dieses Jahres gescheitertes Anletheproject wieder flott zu machen. Wie groß die Anleihe sein, und welche Verzinsung sie tragen wird, das alles steht dahin und ist auch nur von nebensächlichem Interesse, die Hauptsache wird sein, daß dem französischen Markt, der nach all den Schicksalsschlägen, die ihn getroffen und trotz seiner äußerlichen Festigkeit für die heimische Beute schon längst den Krankheitskeim in sich trägt, abermals die Aufnahme neuen Materials zugemuthet wird. Von der Politik soll nicht gesprochen werden, sie ist eine unmeßbare Größe, und wie bedeutungsvoll sie auch sein mag, in börsenmäßige Speculation läßt sie sich nicht einschließen, aber auch ohne den politischen Hintergrund scheint unter den gegenwärtigen Verhältnissen eine neue Anleiheemtssion fein Haussemotiv zu fein, weil sie zu den bestehenden Verpflichtungen dem Markt nur neue Lasten auferlegt. Wozu der russische Finanz- mintfter den Anlehensbetrag benutzen wird, ist nicht klar, daß er trotz einer vollen Kasse und großen Guthaben im Auslande Geld braucht, beweisen die Neuausgaben von Rubelnoten, von denen nun innerhalb 14 Tagen 100 Millionen verfügt wurden. Angeblich erfolgt die Ausgabe gegen volle Gelddeckung, aber dieses Geld kann doch nur der Deckung für die bereits umlaufenden Noten entnommen sein und diese Hinterlegung des Betrags ändert also nichts an der Thatsache der Schaffung neuer Umlaufsmittel mit Hülfe der Notenpresse. Es berührt eigenthümlich, wenn man mit dieser Sachlage die Entwicklung des Notencourses verfolgt. Von 202 in der Vorwoche ist er auf 216 gestiegen, das ist weit mehr als das ganze Ausfuhrverbot den Cours geworfen hat. Man spricht von effectioem Bedarf, und das Verhältniß der Kassa- zur Zeitnotiz scheint in der That darauf hinzuweisen, aber eingestandener Matzen war derselbe in der Vorwoche schon gedeckt, und man steht daher hier wie vor manchem Anderem vor einem Räthsel.

Der Verkehr blieb trotz der theilwelse beträchtlich günstigeren Course eng be­grenzt. Im Anfang der Woche dominirte Wien, wo die beginnenden Getreideexporte und der Saatenmarkt die schon in der Vorwoche constatirte günstige Stimmung er­hielten. Am lebhaftesten beschäftigte sich die Speculation mit der Staatsbahnactie, nicht nur auf Grund der ihr erwachsenden Transporte, sondern namentlich in Hinsicht auf den gesteigerten Ertrag der Domänen und deren schon länger geplante Um­wandlung in eine selbstständige Actiengesellschcfft. Von 239, wo wir ihn am Schluß der Vorwoche ließen, sprang der Cours bis Dienstag auf 248, und die übrigen Course aoancrten im Verhältniß. Seitdem ist eine Ernüchterung eingetreten und die Course sind wieder rückgängig; aber es bleiben immer noch hübsche Gewinne bestehen. Sie betragen bei Böhmische Westbahn 9 fl., Buschtherader 8, Duxer 10 und die beiden Nordwest 2 fl. Lombarden hatten wieder unter Hochwasser zu leiden und sind, obgleich wieder erholt, doch eine Kleinigkeit schwächer.

Schweizer Bahnen, namentlich Gotthardt, sowie auch die italienische Mittel­meerbahn, profitirten durch zunehmenden Waizenexport von Indien, der, wie man ' erwartet, in diesem Jahre die jemals erreichte höchste Ziffer liefern wird.

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Cours vom

28./YIIL 4./IX.

Cours vom 28./VHI. 4./IX.

ro/v Hessische Obligation.

103.70

103.50

4Vs°/oPortug.-A.88u.89

57.

55.75

Bauern ....

104.70

104.90

5% amort. ©erb. Gold-

Baden ..... 3o/o Sächsische Rente. .

102.50

102.60

Rente ....

86.

85.95

84.10

84.90

5o/o SerbtscheEtsenbahn-

3V,% BremerStaatsanl.

------.------

.

Hyv.-Obl. L. A. .

87.50

87.35

Hamb.Staatsrente

95.40

-

4o/oSchwed.Oblig.1880r

100.75

100.65

4"/o Oestr. Goldrente .

95.20

95.05

l°/o Türken conv. Lit. D.

18.05

18.05

GrtechischeMonopol-

50/0 Argent. Gold - Anl.

44.90

45.90

Anleihe . . .

62.50

63.

v. 1887 . . .

5% Rumänische Rente .

97.50

98.10

3V?/o Egypt. prio. Anl.

91.50

91.55

4o/o Russ. Consols S. III

.

97.30

«isenbahrr-PrioritLfen.

40/0 Pfälz. Ludwigsbahn

5% Südbahn Lombarden

102.20

102.30

(Bexbach) . . . , Hessische Ludwigsb.

102

101.95

4% do. do.

93.75

94.40

3% do. do.

62.40

63.20

68/69 garant. . Elisabethb. steuerfrei

100.60

100.95

40/0 Prag-Duxer Gold .

98.

98.20

Rudolf Gold (S-lzk.»

99.40

99.30

Gold ....

99.30

98.90

Franz-Josef Silber

82.25

83 60

5% Oestr. Staatsbahn.

104.90

105.15

3% staatl. garant. Jtal.

4% do. do.

98.05

98.25

Eisenbahn . .

53.90

54 85

3% do. do.

3% Livorneser . . .

62.40

63.10

I.-VIII.Emiss.

84.25

84.

4o/g Ruff. Südw Eismb.

93.05

93 80

3% do. Ergänzungsnetz

5% Nordwestbahn Gold

81.60

104.80

81.-

104.90

4o/g Wladikawkas garnt.

40/0 gar. Sardin.Sec.stfr.

92.50

80.80

92.50

80.

«isenbahrr-Aetierr.

Ludwigshafen-Bexbach. Hessische Ludwigsbahn'.

221.50

221.90

Galiz.CarlLudw.-B.-Act.

177.

1778/4

108.60

111.20

O st Nordw.-BahnLtt.B.

1833/8

1871/4

Pfälzische Nordbahn .

114.

113.90

Gotthardt.....

126.60

130.45

Lübeck-Büchner . . .

147.

148.

Jtal. Mittelmeer . .

90.

93.40

Batlk-Aetien.

Deutsche Reichsbank . Berlin. Handelsgesellsch.

142.50

141.80

Dresdener Bank. . .

130.70

133.55

128.35

131.95

Mitteldeutsche Creditb. .

97

98 20

Deutsche Bank . . . DeutjcheGenossenschftsb.

142.30

145.20

Wiener Bank-Verein .

925/8

94 50

Württemb. Vereinsbank

122.70

122.10

v.Soergel,ParrtstusLCo.

119.70

121.

Deutsche Vereiusbank .

103.50

104.

Andrrstrle-Aetterr.

Binding-Brauerei . . Stern- do. (Oberrad)

159.

155.20

Deutsche Verlagsanftalt

197.

196.70

135.20

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v. 91 ab . . .

102.

Bk.-Pfandbr. .

101.

101.

3V-o/gFrnkf.Hyp.-Pfdbr.

95.40

95.50

3</?Vo do......

94.80

94.50

4v/oPreuß.Hvp.-Act.-Bk.-

31/ Vo Rhein. Hyp.-Bank-

Pfandbr. . . .

101.30

101.30

Pfandbr. . . .

92.40

92.40

3M do......

4o/o Preuß. Centr.-Bod.-

95.

94 50

Meininger Pfandbr.

100.50

100.80

Cred.-Pfandbr. bis 1885 .....

100.25

100.30

Loose.

Oestr. 1860rfl.500-Loose

119.50

120.45

Braunschweig. 20 Thlr.-

1854rfl. 250-

117.50

117.

Loose ....

104.

104.35

4P/o Meininger Prämien-

3% Oldenburger Loose.

126.30

126 40

Pfandbr. . . .

127.50

127.75

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111.60

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82.10

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Prt., rückzahlb. 1921 .

6% Centr. Pacif. I.Mrtg.

102.70

102.80

I. M., rückzahlb. 1912 60/oPactf.of Missouri con-

102.40

102.60

rückzahlb. 1896 . .

105.10

105.

solidated I. M. r. 1920

104.90

105.50