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Sonntag den 6. September
Beilage zn Rr- 207. - 1891
Das Auftreten des Mutterkornes.
Gin Mahnruf zur Vorsicht.
Von verschiedenen Seiten wird über das starke Auftreten von Mutterkorn Klage geführt.
Drei Gründe sind es, die da zu größter Vorsicht mahnen:
1. die seit Jahrhunderten bekannte Thatsache, daß der Genuß eines mutterkornhaltigen Brodes schwere Erkrankungen bei den Menschen hervorzubringen vermag-
2. die Möglichkeit, daß auch unsere landwirthschastlichen Nutzthiere nicht minder gefährlichen Zufällen durch seinen Genuß ausgesetzt sind, besonders wenn viel Trespe unter dem Roggen gewachsen ist, die oftmals arg von diesem Pilz befallen wird, oder wenn „Roggenabgang", der Mutterkorn enthält, an die Thiere verfüttert wird-
3. die Gefahr der Uebertragung der Mutterkornwucherung von einem Jahr in's andere.
Das Mutterkorn ist kein verunstaltetes Roggenkorn, sondern ein Gebilde, das aus dem Gewebe des in einem oder mehreren Blüthenständen der Aehre sich ansiedelnden Pilzes erwachsen ist und die Aufgabe hat, die Uebertragung des Pilzes von einem Jahr aus das andere zu besorgen.
Gelangt das Mutterkorn in den Boden, oder steht ihm in seiner jeweiligen Lage im Frühjahr eine mäßige Feuchtigkeit zu Gebot, so entwickeln sich aus ihm weitere Pilzkeime: aus einem Mutterkorn oft mehrere Hunderttausende, ja bis zu einer Million. Gelangen diese Keime in die Blüthen geeigneter Gräser, unter denen Raygras, Fuchsschwanz, Knaulgras, Roggen die erste Stelle einnehmen, so treiben sie in den Fruchtknoten weiter aus und entwickeln, bevor sie zum eigentlichen Mutterkorn werden, eine Zwischenform, in der der Pilz in reichlicher Menge eine süße, klebrige Flüssigkeit ausscheidet, die den Landwirthen unter dem Namen „Honig- thau" bekannt ist. Im Honigthau lagern aber ebenfalls wieder Keime des Pilzes und ihre weitere Uebertragung von Aehre zu Aehre kann unmittelbar erfolgen, zumal wenn durch Regen der Schleim verdünnt und unterhalb stehende Blüthen von höherstehenden benetzt werden, oder mittelbar, indem die Keime von den Füßen und dem Rüssel der dem süßen Saft nachgehenden Jnsecten aus andere Blüthen verschleppt werden. Aus jeder so angesteckten Blüthe ragt alsdann seiner Zeit das Mutterkorn hervor.
Das Mutterkorn verursacht nicht nur einen directen Ausfall an Früchten, es setzt auch, diesen beigemengt, ihren Gebrauchswerth herab. Man hat daher allen Grund, der Verbreitung des Pilzes entgegenzutreten, indem man den Ausgangspunkt der nächstjährigen Pilzentwickelung, d. i. das vorhandene Mutterkorn beseitigt. Dazu gibt es verschiedene Handhaben.
Stark befallener Roggen muß zeitig und möglichst rasch geerntet werden, um das Ausfallen von Mutterkörnern auf dem Feld zu verhindern. In der Scheuer und aus dem Boden läßt sich dann mit guten Sieben leicht eine Sonderung bewirken- nöthigensalls kann man die Wirkung noch durch Nachlesen mit der Hand verbessern. Diese Arbeit lohnt sich überdies darum, weil das Mutterkorn von den Droguisten sehr gesucht wird und hoch im Preis steht — 1 Kilo 3,25 Mk.
Das zur Saat bestimmte Getreide muß selbstverständlich vollkommen frei von Mutterkorn sein.
Das ausgelesene Mutterkorn darf unter keinen Umständen verfüttert werden. Man wirst es in die Jauchegrube und läßt es dort verfaulen.
Radical wird aber selbst das gewissenhafteste Auslesen nicht wirken können, wenn es nicht in Verbindung mit noch anderen Maßregeln geschieht.
An Rainen, Grabenrändern u. s. w. wildwachsende Gräser sind oft ebenso reichlich mit demselben Mutterkorn besetzt wie der Roggen. Da der Pilz von ihnen auf den Roggen übergehen kann und umgekehrt wieder, so müssen sie abgemäht werden und zwar vor der Blüthe oder wenigstens dann, wenn sich die ersten Spuren des Honigthaues zeigen.
Dieser Gesichtspunkt kann auch maßgebend für die Behandlung der Wiesen bezw. die Wahl des Zeitpunktes für die Heuwerbung werden. Herr Geheimerath Dr. Jul. Kühn hat schon 1875 auf die sehr bemerkenswerthe Thatsache aufmerksam gemacht, daß, weil die Mutterkornbildung erst bald nach der Blüthe eintritt, besonders das Heu von einschürigen Wiesen, die in der Regel etwas später gemäht werden, ver- hältnißmäßig häufiger Mutterkorn enthält, als das im Beginn der Blüthezeit gewonnene Heu drei- oder vierschüriger Wiesen. Indessen kann auch das Heu zweischüriger Wiesen dasselbe in beträchtlicher Menge bergen, wenn sehr frühe Gräser, wie Wiesenfuchsschwanz und Knaulgras, mit den Hauptbestand derselben bilden. Zur Vermeidung dieses Uebelstandes empfiehlt es sich, die sonst wohl mit Recht verpönte Frühjahrsbeweidung in Anwendung zu bringen. Den Schafen kommen dabei die zeitig sich ausbildenden Gräser im jugendlichen, nährkräftigsten Zustande zu gut und ihre fernere Entwickelung hält mit der der übrigen Gräser mehr gleichen Schritt. So genützt, besitzen sie auch später im Heu eine vorzügliche Beschaffenheit und, was die Hauptsache ist, die Ausbildung des Mutterkornes ist abgeschnitten. Natürlich darf die Beweidung keine zu scharfe sein und auch nicht länger als etwa bis Mitte April fortgesetzt werden.
Schließlich wird auch unter sonst gleichen Umständen weniger Mutterkorn entstehen, je mehr es gelingt, sämmtliche Getreidepflanzen zu gleichzeitiger Entwickelung zu bringen, weil dann die Zeit, wo für die Ansteckung empsängnißfähige Roggenblüthen vorhanden sind, möglichst abgekürzt ist.
Die Auskunftsstelle der Deutschen Landwirthschafts-Gesellschaft für Pflanzenschutz.
7. Gau.
K. Stimmet.
Locales uttö Provinzielles.
Gießen, 5. September.
— Schenkung. Frau Helene Keller zu Darmstadt, Wittwe des im November v. I. dortselbst verstorbenen in den weitesten Kreisen bekannten und hochgeschätzten Commerzien- : rathes Heinrich Keller, welcher durch seine Sachkenntniß, I unermüdliche Betriebsamkeit und strenge Solidität Darmstadt
zu einer Metropole für den deutschen Waldsamen- und Grassamen-Handel erhob, hat — einem letztwillig ausgesprochenen Wunsche ihres Gatten zufolge — dem akademischen Forst- inftitute der hiesigen Universität eine großartige Schenkung zugehen lassen. Dieselbe besteht aus einer höchst werthvollen Büchersammlung, einem sehr instructiven Grassamenalbum, sowie einigen sonstigen Collectionen (Samen von Unkräutern, Herbarium von Alpenpflanzen :c.) Den ersten Rang in der Büchersammlung nehmen die beiden reich illustrirten zweibändigen Prachtbände von A. Alphand (Lee promenades de Paris und Eugene de Gayffier (Herbier forestier de la France) ein. Hieran schließen sich eine große Anzahl von Jahrgängen der wichtigsten deutschen, französischen und englischen Forstzeitschriften, sowie endlich einzelne werth- volle forstliche und botanische Werke, welche zum größten Theil der neueren Zeit angehören. Die Sammlung umfaßt im Ganzen etwa 190 Bände. Nachdem die erforderliche landesherrliche Bestätigung des Geschenkes erfolgt ist, hat die Sammlung in einem besonderen Schranke in dem forstlichen Auditorium der Aula Aufstellung gefunden, um den Studirenden stets vor Augen zu stehen; und ist ferner von Seiten der Direction des akademischen Forstinstituts die Einrichtung getroffen worden, daß sämmtliche Bände auf Wunsch an die Studirenden der Forstwissenschaft leihweise verabfolgt werden. Die Absicht der hochherzigen Geber, durch diese Schenkung den forstlichen Unterricht zu fördern, dürste hierdurch am vollständigsten erreicht werden.
Literatur und Aunft.
— Wir wollen nicht verfehlen, unsere geehrten Leserinnen und Leser auf dos soeben in 12. Auflage erschienene Merkchen: »Praktische Anleitung'zur Glanzplätterei — Bügelei — und zur «unft- Plätterei, von Rosa von EichenselS". Preis 1 JL. Vertag von Fritz Schulz jun., Leipzig, aufmerksam zu machen. Schon der Umstand, daß sich eine 12. Auflage nöthig machte, spricht dafür, daß dasselbe bet der geehrten Damenwelt freundliche Beachtung gefunden hat. Auch überzeugt uns ein Durchblättern desselben, baß es eine solche in der That verdient und durch feine gründliche aber faßliche Darstellungsweise wohl geeignet ist, der Damenwelt bei der Aneignung der verschiedenen Plätterei-Methoden, insbesondere der so beliebten Amerikanischen Glanzplätterei, große Dienste zu leisten. — Im Uebrigen erscheint dieses Büchlein in der neuen Auflage, dem gegenwärtigen Geschmack entsprechend, in eleganter Ausstattung, so daß es auch als Gelegenheitsgeschenk an die liebe Gattin oder Tochter gute Aufnahme finden wird.
- Hundert Mark Belohnung. Die Fälle von betrügerischem Mißbrauch mit der Marke „Zacherltn" hören leider nicht auf, sich zu ereignen! Die Firma I. Zach erl in Mim steht sich deshalb genöthigt, allerorts bekannt zu geben, daß sie zur Abwehr solchen Unfuges eine Belohnung von 100 Mark an Jedermann baar auS- bezahlt, durch dessen Informationen ste in den Stand gesetzt worden ist, die gerichtliche Verurtheilung in einem mit ihrer Marke stattgehabten Mißbrauchsfalle herbeizuführen. „Zacherltn" — dieses anerkannt vorzüglichste Mittel gegen alle Jnsecten — darf man ja nicht mit dem gewöhnlichen Jnsectenpuloer verwechseln, denn „Zacherltn" ist eine ganz eigene Spectalität, welche nirgends und niemals anders existtrt als in versiegelten Flaschen mit Schutzmarke und dem Namenszug „I. Zacherl". Mer also „Zacherltn" verlangt und dann irgend ein Pulver in Papier-Düten oder Schachteln dafür anntmmt,--ist damit sicherlich jedesmal betrogen.
Feuilleton.
Der Sanitatsrath.
Es war um Mitternacht. Tiefe Stille herrschte in dem einfach eingerichteten Zimmer. Ein mildes Licht flnrhete wie Mondschein durch den Raum und ließ die einzelnen Gegenstände klar und deutlich hervortreten. Der Sanitätsrath saß vor dem Bette seiner schwerkranken Tochter. Das junge Mädchen schien zu schlummern; sanft, kaum merklich hob und senkte sich die Brust. Blonde, lockige Haare umrahmten das schöne marmorblaffe Antlitz und fielen in langen Wellen bis auf die Schultern nieder. Isolde war das einzige Kind des alten Mannes, der Sonnenschein seines Hauses, seitdem die । Gattin und Mutter einer heftigen Krankheit erlegen war. Mit sorgenvollen Blicken beobachtete der Vater das Gesicht seines Kindes. Zuweilen fühlte er nach dem Pulse oder legte kühlende Compreffen auf die Stirn der Sterbenden. Er wußte als erfahrener Arzt, daß keine Menschenkunst mehr za helfen im Stande war. Da wurde plötzlich die Hausschelle gezogen. Schrille Glockentöne drangen bis in das Zimmer der Kranken. Der Sanitätsrath schreckte empor und erhob sich. Nach Verlaus einiger Minuten schon trat eine ältere Frau, die Schaffnerin des Hauses, leisen Schrittes in das Zimmer. „Was gibt es, Bertha?" fragte der Sanitätsrath mit gedämpfter Stimme.. „Es war ein armer Mann da, ein Arbeiter, wie es schien, und bat, Sie möchten zu seiner Frau kommen, die in Kindesnöthen liege. Ich habe ihn aber abgewiesen und gesagt, Sie könnten von Ihrer todt- kranken Tochter nicht fort- Sie säßen oben im Krankenzimmer. Da ist der Mann wieder gegangen. Er will einen anderen Arzt suchen." Die armen Leute gingen am liebsten zu dem Sanitätsrath- sie wußten, daß sie hier immer eine offene Hand und ein warmes Herz fanden. Der Sanitätsrath nickte feiner Haushälterin mit dankbaren Blicken zu und setzte sich wieder an das Krankenlager seines Kindes. Eine ehrfurchtgebietende Erscheinung: das Haar schneeweiß, Stirn und Wangen tief gefurcht. Es lag ein Zug von Wehrnuth und sanfter Trauer auf dem ganzen Gesicht, aber aus den klaren Augen leuchteten Freundlichkeit und Herzensgüte.
WaS mochte wohl in der Seele des Mannes vorgehen, während er mit zitternden Händen die Rechte feines Kindes umschlungen hielt? Alte Erinnerungen, freudige unb traurige, stiegen ans und leuchteten in verklärtem Glanze. Er über
dachte noch einmal fein Leben, das ihm Tage der Lust und ein Ucbermaß von Leid gebracht hatte. Er gedachte der Zeit feiner Liebe, wo er Isolde, deren^Ebenbild jetzt vor ihm lag und mit dem Tode rang, zuerst gesehen und kennen gelernt; wie er um sie geworben- wie er sie in der süßesten Stunde seines Lebens an die Brust zog und in ihren blauen Augen einen ganzen Himmel voll Seligkeit erschaute und dann den ersten heiligen Kuß auf ihre reinen Lippen drückte. Festlich geschmückt sah er sie an feiner Seite zum Altar schreiten, eine strahlende, glücklächelnde Braut. Noch einmal erlebte er im Geiste all die Tage des Glückes, all die Stunden höchster Seligkeit, die Geburt seines Kindes, die reichen Freuden, die er im Kreise seiner Familie genossen hatte. Dann kamen traurige Zeiten, trübe Stunden, die böse, heimtückische Krankheit, die ihm sein Weib, sein Alles nahm. Wieder erklangen die dumpfen Trauertöne der Sterbeglocken- er sah, wie der Sarg in das Grab hinabgesenkt wurde- er erlebte noch einmal die entsetzlichste Stunde seines Lebens, als er sein Kind, das kostbare Vermächlniß seines Weibes, am offenen Grabe unter heißen Thränen an die schmcrzzerrifsene Brust preßte. Der alte Mann stützte fein müdes Haupt in beide Hände und brach in Schluchzen und Thränen aus. So verrann Minute auf Minute. Man hörte nur das leise Ticken der Wanduhr. Da wurde noch einmal an der Hausglocke gerissen, gewaltsam, heftiger als das erste Mal, so daß die Kranke erwachte und die Augen auffchlug. Sie sah mit liebevollen Blicken ihren Vater an und lispelte kaum hörbar: „Vater, geh! ein Kranker verlangt Dich." Mittlerweile war Bertha wieder ins Zimmer getreten. „Herr Sanitätsrath, der Mann ist wieder da und will sich durchaus nicht abweifen lassen. Er kann, wie er sagt, in der ganzen Stadt keinen Arzt finden. Doctor Müller ist verreist, Doetor Schulze will nicht mitkommen, da der Mann nicht sofort bezahlen kann. Die Frau ist Mutter von fünf Kindern und muß sterben, wenn nicht schleunigste Hilfe kommt." „Vater, geh! Vater, geh!" hauchte Isolde. Der Sanitätsrath küßte sein Kind, drückte noch einmal ihre Hand und verließ dann festen Schrittes, ohne noch ein Wort zu sagen, das Zimmer. Vor der Hausthür übergab er dem Manne, der sich in Dankes- worten erschöpfte, seine Jnstrumententasche und bann schritten sie beibe in die Nacht hinaus durch die menschenleeren, hallenden Straßen.
Als der Sanitätsrath nach einigen Stunden zurückkehrte, war Isolde bereits verschieden. Um das Sterbelager standen
die Hausbewohner, ergriffen von der gewaltigen Majestät des Todes, und weinten. Der alte Mann aber brach im Ueber- maße des Schmerzes zusammen. Nach einigen Wochen entschlief auch er. In den Zeitungen wurden die Verdienste gepriesen, die der Verstorbene sich um das Wohl der Menschheit erworben hatte. Selbstverständlich war die Theilnahme an der Beerdigung eine großartige. Voran zogen Vereine mit umflorten Bannern und Fahnen, dann kam der Leichenwagen, von vier Pferden gezogen, mit kostbaren Kränzen, Schleifen und Palmwedeln geschmückt, dann die trauernden Verwandten mit nachdenklichen Gesichtern. Vielleicht mochte der eine oder andere von ihnen berechnen, was ihm aus dem Nachlasse zufallen würde, wenn der Alte der Noth und dem Hunger der Armen gegenüber nicht gar so verschwendungs- süchtig gewesen wäre. Dann folgte die übrige Menge der Leidtragenden, paarweise, schwarz gekleidet unb stumm. Am offenen Grabe hielt der Pfarrer eine nach Form und Inhalt vollendete ergreifende Rede, sprach ein Gebet- die Fahnen wurden geschwenkt und hierauf der Sarg an den knarrenden Seilen in die dunkle Gruft hinabgesenkt. Verwandte unb Bekannte warfen, gleichsam als letzten Gruß, drei Spaten voll Erde auf den Sarg und drückten sich gegenseitig die Hände mit unendlich traurigen Mienen unb Gesichtern. Allmälig verlief sich die Menge. Nur der Todten- gräber war noch mit dem Zuwerfen des Grabes beschäftigt. Da kam eine ärmlich, aber sauber gekleidete Frau geschritten. Auf den blaffen Wangen lagen noch die Spuren einer schweren, erst kürzlich überstandenen Krankheit. Sie trug einen Säugling auf dem Arme, während fünf Kinderchen, Knaben unb Mäbchen, nebenher gingen. Jebes Kinb trug ein einfaches Sträußchen von Feldblumen, wie sie am Wege wachsen, in ber Hanb. Die grau ging schüchtern unb ängstlich auf bas Grab zu unb wies bie Kleinen an, ihre Sträußchen nieder- zulegen. Alle fünf, ber Reihe nach, bie größten zuerst, befolgten bas Gebot ber Mutter, bie unterdessen mit gefalteten Händen dastand unb finnenb in bie Grube hinabsah. Erstaunt beobachtete der Tobtengräber bas ihm sonderbar vorkommende Treiben. Als die Frau sich daher zum Gehen wandte, fragte er: „Sie haben den Sanitätsrath wohl auch gekannt?" Wie Sonnenschein zuckte es über die blassen Züge ber Frau unb tnbem sie mit leuchtenben Augen die Schaar ihrer Kinder überblickte, antwortete sie: „Der gute Doctor hat diesen Kindern die Mutter gerettet."


