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Ernährung vollständig zu trennen ist, eher erzeugt. Es ist bekannt, daß Menschen, die durch Magenfisteln ernährt werden mußten, trotzdem sie eine genügende Speisemenge erhielien, doch das Gefühl der Sättigung nicht hatten, weil sie eben nicht kauten. Erst als man sie die Speisen kauen ließ, er­klärten sie sich fürsatt". Da nun das Kauen beim Weizen- brod sehr gering ist, so würde eine größere Menge dazu nöthig sein, um eine Personsatt" zu machen, ein Umstand, der bei den das Brod als Hauptnahrung bevorzugenden ärmeren Klassen sehr ins Gewicht fällt. Da aber das Sättigungsgefühl eigentlich eine Einbildung ist, io wird es vielleicht möglich sein, mit dem Weizenbrod eine Veränderung vorzunehmen, welche seinem Nährwerth nichts schadet und trotzdem dem Gefühle desGesättigtseins" zu Hilfe zu kommen im Stande ist, dadurch eben, daß man es eventuell schwerer kaubar macht.

vermischtes.

* Kaffeeverfälschung. In dem letzten Heft desMonats­blattes gegen Verfälschungen" berichtet Dr. van Hamel-Roos folgenden merkwürdigen Fall der Kaffeeversälschung: Bis jetzt haben wir wiederholt Gelegenheit gehabt, unsere Leser über Kunstkaffeebohnen zu unterhalten, d. h. über nachgemachte Bohnen, welche aus einem Teig verfertigt sind, in welchem ein wenig gemahlener Kaffee vorkommt. Die Erfindungskraft des Betruges kennt aber keine Grenzen, und da sich die berufsmäßigen Verfälscher sagten, daß sie mit der ferneren Lieferung künstlicher Kaffeebohnen auf keinen weiteren grünen Zweig kommen würden, nachdem das Publikum einmal hinter die Schliche gekommen ist, so schlugen sie einen anderen Weg ein, der sicherer zum Ziele führt. Sie lassen nämlich die Bohne in ihrem natürlichen Zustande, fügen derselben einen harmlosen und unschädlichen Firniß bei, entziehen derselben auf künstlichem Wege aber alle die Bestandtheile, welche dem Kaffee den eigentlichen Werth geben. Solche Kaffeebohnen haben eine sehr dunkle Farbe, aber bei der mikroskopischen Untersuchung fällt es alsbald auf, daß trotz der vollständig natürlichen inneren Structur die in gutem Kaffee stets vor­handenen Oelkügelchen vollständig fehlen. Die chemische Analyse bewies sowohl durch den geringen Extractgehalt als durch andere Bestimmungen, daß die Verfälscher auf sehr listige Weise zu Werke gegangen sind; denn der gebrannte Kaffee war augenscheinlich zuerst mit dem einen oder anderen Extractmittel behufs Fabrikation von Kaffee-Extract seiner öligen Bestandtheile beraubt, dann aufs Neue gebrannt (daher die schwarze Farbe) und mit ein wenig Zucker überfirnißt worden, um den Bohnen das echte Aussehen zu geben. Man müßte derartige Bohnen eigentlich alsgefirnißten Kaffeesatz in natürlicher Bohnenform" bezeichnen. Da diese Art der Verfälschung noch sehr jungen Datums ist, wird es gut sein, jetzt schon darauf aufmerksam zu machen.

* Von einer unangenehmen Enttäuschung wird aus Sprottau berichtet: Ein Fleischergeselle wurde bei der letzten Gestellung der Militärpflichtigen zur Kavallerie ausgehoben, bei der Superrevision aber der Infanterie zugetheilt. Hierüber grämte sich der Geselle, welcher gern sein Roß tummeln wollte. Er theilte seinen Kummer auch einem Freunde mit, und dieser rieth ihm, sich schriftlich an den Kaiser zu wenden. Der Freund erbot sich auch, das betr. Schreiben, in welchem der Fleischer die Bitte ausdrückle, ihn bei der Kavallerie und nicht bei der Infanterie einzustellen, anzufertigen. Das Schreiben ging ab, und zwar lautete die eigenthümliche Adresse:An den Kaiser, Kaiser!. Königl. Kabinetsordre." Da die Antwort aber etwas zu lange auf sich warten ließ, wurde schnell ein zweites Schreiben nachgesandt und dem­selben 20 Psg. in Briefmarken zur Rückantwort beigefügt. Endlich traf am 10. August die ersehnte Antwort ein und zwar man denke sich den Schreck des enttäuschten Kavallerie­liebhabers in dem gemessenen Befehle, den Unterzeichner

des Briefes sofort mit 48 Stunden Mittelarrest zu be­strafen. Der Fleischergeselle hatte keine Ahnung, daß er schon im Militärverhältniß stehe und deshalb nicht befugt ist, direct an den Landesherrn zu schreiben, sondern bei etwaigen Wünschen den Instanzenweg einzuschlagen hat.

* Eine eigenthümliche ^Grabmufik ließ bei einer Be­erdigung eine Capelle in Thalkirchen bei München ertönen. Zuerst brachte sie zum Erstaunen aller Leidtragenden zum Vortrag:Auch ich war ein Jüngling mit lockigem Haar" und dannFrisch auf Kameraden auf's Pferd, auf's Pferd!" Dies erinnert an die Feuerwehrcapelle, welch einem Mitgliede zur Feier seiner silbernen Hochzeit ein Ständchen brachte, nach der Melodie:Zu Mantua in Banden!"

Landwirthschaftliche Winke und Rathschläge.

UrrS Oberhefsen, Anfang September.

In Nr 197 dieser Zeitung vom 26. August d. I. wird die Nachricht gebracht, daß der Antrag der beiden Landtaqsabgeordneten Haas und v. Rabenau betreffend die gesetzliche Regelung des BieheinftellnngSwesenS von Großh. Staatsregierung abgelehnt worden fet.

Im Herbste v. I. brachte derGießener Anzeiger" über die Vieheinstellung eine Mittheilung. Kurz darnach wurde dieser hoch­wichtige Gegenstand von dem landwirthschastlichen Vereine Büdingen auf der Versammlung in Nidda behandelt. Wenn wir nicht irren, war Herr Landwirthsckastslehrer Andrä in Büdingen Referent in der Sache. Unseres Wissens ist in anderen Vereinen noch nicht darüber beratben worden. Wir wollen nicht ermangeln, uns über den Gegenstand kurz auszulprechen. Wenn sich ein Bauer von einem Viehhändler Vieh einstellen läßt, steht es übel mit ihm. Unter hundert Fällen kommt es neunundneunzig Mal vor, daß der Bauer am Fälligkeitstermin kein Geld hat. Gegen dieses Unheil ist kein Kraut gewachsen und kein Gesetz auf der Welt existirt und keins könnte von Solon und den übrigen Weisen Griechenlands erdacht werden, welches den üblen Folgen des Geldmangels die Spitze abbrache.

Nun sind aber die Verheerungen, welche durch das heillose Vieheinstellungsgeschäft verübt werden, so traurige, daß man nicht warten soll, bis die Sache durch ein Reichsgesetz geregelt wird, denn bis dies geschieht, können zehn Jahre und mehr darüber htngehen und in dieser Zeit werden Dutzende von Bauern ausgesaugt, sie sterben und verderben und ihre Familien kommen an den Bettelstab.

Hilf Dir selbst, so hilft Dir Gott!" sagt ein gutes deutsches Sprichwort, das uns unmittelbar auf das landwirthschaftliche Genossenschaftswesen hinweist. Es müssen Kassen gegründet werden, die dem Bauer das Geld vorschteßen, das ist die Artillerie, mit welcher Bresche in das Wucherbollwerk gelegt werden kann. An Beispielen hierzu fehlt es nicht. Elsaß und Würtemberg liefern erschreckende Exemvel darüber, wie die kleinen Landwirthe (in der Regel die ärmsten) von üen Viehhändlern erbarmungslos ausgesogen wurden; Jahrzehnte lang hingen die Letzteren wie Blutegel, wie Schröpfköpfe an ihren bedauernswerthen Opfern, bis endlich die Kassen entstanden.

Unsere Verhältnisse im Vogelsberge sind ähnlich wie diejenigen in Würtemberg und im Elsaß. Spar- und Darlehnskassen können zugleich als VieheinstellungS- oder Vtehanschaffurrgskaffen fungiren. Der Bauer muß setn angeschafftes Stück Vteh versichern. Rückzahlungstermine sind festzusetzcn. Wenn diese aber wegen ver­späteter Ernte, wie wir sie beispielsweise in diesem Jahre haben, ob r wegen eines sonstigen Mißgeschickes nicht auf Stunde und Minute eingebalten werden können, so ist es keine Sünde für die Kasse, wenn sie sich die Nothlage des Bauern nicht zu Nutz macht, sondern lieber noch acht oder vierzehn Tage zuwartet.

Bet dem Vieheinsteller ist dies etwas ganz anderes. Gerade die Nothlage bietet ihm die schönste Gelegenheit, sein Opfer aus­zuwuchern; auf Mißgeschick in des Bauern Familie, schlechten Ver­dienst, geringe Ernte u. dgl. m. nimmt er nicht allein keine Rücksicht, im Gegentheile sind ihm derartige Zufälle sehr erwünscht, weil er dadurch den Schuldner immer tiefer in seine Netze hineinziehen und verstricken kann.

In Betreff der Spar-, Darlehns-, Viehnnkaufs- rc. Kassen ist dafür zu sorgen, daß diese schon kleine Beiträge, wenn möglich von 2 Mark, unter Umständen von 1 Mark als Rückzahlung annehmen. Wo solche Kassen vorhanden sind, oder entstehen, weichen die Wucherer und Blutsauger zurück wie die Käuze und Nachteulen vor dem aus­gehenden Tagesgesttrn. Alles Uedel können die Kassen auch nicht beseitigen; es flieht immer noch Dumme genug in der Welt und von was sollten denn die Gescheiten leben, wenn es nicht zu­weilen noch Dumme in der Welt gäbe?" fragte kürzlich ein Hauptschtarmeimer den Schreiber dieser Zeilen. Mundus vult decipi d. b. die Welt will betrogen sein, das ist einmal so und wird sich nicht viel ändern. Aber daß der Arme, der Darbende von Vieh­

einftellern gemißbraucht wird, daß der Letztere sich vom Schweiße des hart arbeitenden, kleinen Landwtrths mästet: das braucht nicht zu sein und dem muß mit aller Macht entgegengearbeitet werden.

Hniverfitäts - Nachrichten.

G. Erlangen, 1. September. In die philosophische Facultät der Universität Erlangen wurden als Pcioatdocenten die Herren Dr. Blankenhorn von Siegen und Dr. Knoblauch von Halle a. S. ausgenommen und zwar ersterer als Docent der Geologie und Pa­läontologie und letzterer als Docent für Physik.

Literatur mmO ICnttft

Einen eigenartigen starren ter Dichter selbst nennt ihn pedantischen Menschen schildert der liebenswürdige Wiener Erzähler Balduin Groller in seinem novellrstiscben CharacterbildeAus dem Vollen", das das neunte Heft der MonatsschriftUnfete Zeit" (Leipzig, F. A. Brockhaus) eröffnet. Man weiß nicht, haben wir Erfindung, haben wir den Lebenslauf eines geschichtlichen ManneS^ wenn auch unter anderem Namen, vor uns. Setn Ziel war von Kindheit auf, nuraus dem Vollen" sein Glück zu genießen und dieses Ziel erreichte er am späten Lebensabende. Ein anderer Wiener, der Geograph Reinhard Petermann, bietet in dem AussatzExotische Touristik" eine vergleichende Studie über die Hochgebirge der Erde. Dr. Georg Winter beleuchtet Wtldenbruchs SchauspielDer neue Herr" durch die Ergebnisse brr neuesten geschichtlichen Forschungen über die Lage Brandenburgs beim Regierungsantritte des Großen Kurfürsten und die Politik Schwarzenbergs. Von Alexander Winter wirdDie heutige Localverwaltung in England und Wales nach dem Localoerwaltungsgesetz von 1888" dargestellt. Eduard Grün.. der Uebersitzer des tschechischen Dichters Jaroslav Vrchlicky, macht den Leser mit dem poetischen Schaffen und der dichterischen Persön­lichkeit seines Helden btkannt. Ein abgerundetes Eapitel eines größeren unvollendeten Werkes des am 19. März 1890 verstorbenen Würzburger Professors des Staatsrechts Dr. Joseph von Held wird durch Dr. Ludwig Hubertt veröffentlicht:Die Verantwortlichkeits­frage", deren Behandlung in einer eingehenden Prüfung der Sach­lage nach dem deutschen Reichsftaatsrecht ausläuft. Daß dieser Beitrag zur liefern Erkenntniß des Rechiswesens unseres Reiches bervorgezogen ist, erscheint uns sehr dankenswerth.Ein modernes Ideal", die Volkserztehung, - wird endlich von A. von der Lahn in gedankenreicher und chgractervoller Weise unter die Loupe genommen Nach dem Verzeichnisse der neuesten Acte der Reichsgesetzgebung durch Ludwig Fuld macht die Todtenschau den Schluß.

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