1891
Donnerstag den 6. August
Mr. 180
Aints- unb Anzrigeblatt füv den Uveis Gieszen.
Grattsöeilage: Gießener ImMtienökätLer. |
LieUeberzeugung gewonnen’ daß die deutsche Regierung ihre 62,251,622 Mk., sonach wird der den Commnnalverbänden
Feuilleton
(Nachdruck verboten.)
Berlin, 30. Juli.
Berliner Brief.
Von Otto Felstng.
theilnehmen.
Berlin, 4. August. Der „Reichsanzeiger" meldet: Der Finanzminister gibt bekannt: Der aus dem Ertrage der Getreide- und Viehzölle für das Etatsjahr 1890/91 aus Preußen entfallende Antheil beläuft sich auf
Neueste Attchrichteir.
WotfiS telegraphisches Torrespondenz-Burkau.
Berlin, 4. August. Das Kreuzergeschwader unter Contreadmiral Valois ist am 2. August in Jquique eingetroffen und beabsichtigt, am 3. d. Mts. nach Coquimbo in See zu gehen.
Berlin, 4. August. Die Chicagoer Ausstellungs- Commission wurde heute Mittag 12^2 Uhr von dem Slaatssecretär Bötticher in Gegenwart des amerikanischen Gesandten Phelps und des Unterstaatssecretärs Rottenburg empfangen. Der Minister begrüßte die Commission, er sprach seine Freude über das Herkommen derselben und die Zuversicht aus, daß die Vertretung Deutschlands aus der Ausstellung eine würdige sein und dadurch die stets sreundschast- lichen Beziehungen Deutschlands zu den Vereinigten Staaten weiterhin gefestigt werden. Das Commissionsmitglied Butterworth dankte und versicherte, die Zusage Deutschlands habe in Amerika große Befriedigung hervorgerufen. Er sei überzeugt, daß die Ausstellung dazu beitragen werde, das Band zwischen allen Nationen fester zu knüpfen. Alsdann wurde die Commission vom Reichskanzler empfangen. Heute Nachmittag finden Besprechungen der Commission mit dem Reichs- commissar Wermuth statt über die Form, in welcher die Verhandlungen sich bewegen sollen. Abends findet Diner bei Phelps statt, an welchem Bötticher, Rottenburg und Wermuth
vierteljähriger
2 Mqrk 20 Pfg. öÄ vringerlohn.
Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Psg.
Redaktion, Expeditio» und Druckerei:
Zchutßratze Ar.H, Fernsprecher 51.
zu überweisende Betrag aus 47,251,622 Mk. sestgesetzt, davon entfallen auf Hessen-Nassau 2,758,889 Mk.
Berlin, 4. August. Der Minister des Innern, Herr- furth, empfing gestern eine Abordnung von Vertretern der Vororte Berlins, welche über die Anwendung der Landgemeindeordnung auf die Vororte und die Einbeziehung derselben nach Berlin anzufragen kam. Der Minister erklärte, die Einverleibung der unmittelbar mit Berlin verwachsenen Gemeinden sei unabwendbar, aber die Zustimmung der städtischen Organe hierzu sei fraglich, weßhalb eine hierauf bezügliche nothwendige Gesetzvorlage verzögert würde. Die Frage würde nur für die ganzen Ortschaften geregelt, die Einbeziehung einzelner Theile wäre nicht beabsichtigt. Der Berliner Magistrat wünsche auch vor der Einbeziehung der ganzen Vororte, wobei es sich um 200,000 Seelen handele, es würde eine gewisse Decentralisation der Verwaltung ein- gesührt, wozu die Vorarbeiten übrigens schon im Gange seien. Berlin sei geneigt, den Grünewald in communales Gebiet einzuverleiben, doch würde hierin schwerlich der Fiskus willigen.
Berlin, 4. August. Mit Bezug aus die Chicagoer Weltausstellung wird verläßlich mitgetheilt, daß während der Dauer der Ausstellung die Arbeitergesetze, welche den Eintritt ausländischer Arbeiter ohne Contract nach den Unionsstaaten verbieten, in Bezug auf Aussteller und deren Angestellte würden suspendirt werden.
Rathenow, 4. August. Das Proviantmagazin ist vollständig nied er geb rannt. Bei der sehr schnellen Ausdehnung des Feuers mußten sich die Feuerwehren nur aus die Rettung des Verwaltungsgebäudes und der umliegenden Fabriken beschränken. Gegen 30,000 Centner Hafer, fast sämmtliche Vorräthe an Heu, Stroh und Conserven sind verbrannt. Der Schaden wird auf mindestens iy2 Million geschätzt.
Basel, 4. August. Am Sonntag Abend stieß bei der auf dem Neuenburger See arrangirten venetianischen Nacht ein kleiner Privatdampser, aus welchem els Personen sich befanden, mit einem größeren Dampfboote zusammen und wurde zertrümmert. Drei Damen des Privatdampfers ertranken.
Paris, 4. August. Der „Soir" warnt vor der voreiligen Annahme, daß ein Allianzvertrag zwischen Rußland und Frankreich geschlossen sei. Beide Regierungen ständen auf demselben Fleck, wie vor der Flottenparade. Die einzige sichtbare Folge der letzteren sei ein Ausbruch des Chauvinismus, welcher Schlimmes befürchten lasse. Durch die gegenwärtige Haltung der Franzosen lause das Land Gefahr, sich bloßzustellen, und die Vortheile zu verlieren, welche es sich durch seine Achtung gebietende Ruhe und Besonnenheit erobert habe, und seine Machtstellung nach Außen, seine Freiheit im Innern zu erschüttern.
h-if—11 — , —---
annabm» ton Anzeige» zu der Nachmittag- für den folgenden Lag erscheinenden Nummer dir Vorm. 10 Uhr.
Alle Annoncen-Bureaux de- In» und AuStl^rdeS nehme» Anzeigen für den „Gießener Anzeiger- entgegen.
Eonferenz einstimmig ausgesprochen haben.
— Aus dem Gebiete des deutschen Eisenbahnwesens scheint sich eine außerordentlich wichtige Resorm vorzubereiten. Wie aus Berlin gemeldet wird, will der preußische Eisenbahnminister Thielen versuchsweise den Zonentarif für den Eisenbahnverkehr Berlins mit den nächsten Vororten einführen und zwar vom 1. October d. I. ab. Sollte sich diese Neueinrichtung, mit welcher hauptsächlich billigere Fahrpreise bezweckt werden und wobei natürlich auf steigenden Personenverkehr gerechnet wird, bewähren, so dürfte der Zonentarif wohl bald auf allen deutschen Bahnen eingeführt werden.
— Die in Berlin eingetroffene europäische Commission für die Chicagoer Weltausstellung hat bereits mit ihren Arbeiten begonnen, die darauf abzielen, das Interesse Deutschlands an dieser Ausstellung rege zu gestalten: Die Eommission ist nach Berlin gekommen, nachdem sie in London und Paris bereits in gleichem Sinne und, wie sie überzeugt ist, mit Erfolg gewirkt hat. Die Herren haben schon jetzt
Deutsches Reich.
Berlin, 4. August. Amtlich wird gemeldet, daß das Befinden des Kaisers ein ganz befriedigendes ist, auch die Knieverletzung ist soweit geheilt, daß der Kaiser nur noch zur Schonung des Knies einen Verband trägt. Die Kaiserliche Yacht Hohenzollern befindet sich gegenwärtig mit dem Kaiser an Bord auf der Fahrt nach Bergen. Nähere Mittheilungen über die Ankunst und den Aufenthalt des Kaisers in Bergen sind bis jetzt aber noch nicht eingetroffen, voraussichtlich erreicht aber die eigentliche Nordlandsfahrt des Kaisers mit dieser Woche ihr Ende.
— Im Reichsamt des Innern wird gegenwärtig ein Bericht an den Kaiser über den Verlaus der in Berlin jüngst abgehaltenen Handwerkerconferenz ausgearbeitet. Derselbe soll sich angeblich gegen die Einführung des Befähigungsnachweises erklären, für welchen sich die Mitglieder der
Gießener Anzeiger
General-WnzAger.
Berliner Künstlerschaft einherging, trug sehr viel zu der Eingangs von mir erwähnten Zufriedenheit der Beschicker mit den Ergebnissen der Ausstellung bei- es haben eben ungefähr doppelt so viele Künstler Auszeichnungen erhalten, als das früher möglich war. Daß diese Vereinsauszeichnungen zumeist den „Neuen" zufielen, wie ich oben anführte, wird es ja verhindern, daß die Zufriedenheit allgemeiner wird- denn jeder Nichtprämiirte wird sagen: Ja natürlich, wer nicht zur Clique der Neuen gehört, der kriegt eben nichts! Das aber kann die Zustimmung nicht vermindern, die der Entschluß des diese Jubiläums-Ausstellung ins Leben rufenden Vereins erheischt, auch seinerseits, ohne eine mit Umwerfungs- und Einschiebungsrecht versehene Control-Jnstanz, Auszeichnungen zu ertheilen an Diejenigen, welche die Vereinsvertretung wegen ihrer auf die Vereinsausstellung gesandten Arbeiten für würdig hält, neben den mit „amtlichen" Prämiirungen Bedachten prämiirt zu werden."
Man mag, wenn man will, diese zweite Kategorie von Prämiirungen für eine private anfehen, das mindert ihren Werth nicht im Mindesten; denn sie sind von derselben Körperschaft ertheilt worden, welche die mit Medaillen prämiirten auswählte und dem Kaiser zur Bestätigung der Wabl vorschlug. Es ist durchaus recht, daß die Künstlerschaft auch selbstständig auszeichnete- und weil es recht ist, ließ es auch der Kaiser geschehen — denn andernsalls hätte er, dem ja der Entschluß einer selbstständigen Prämiirung bekannt gegeben war, weder seine Genehmigung zur Uebernahme des Pro- tectorats durch die Kaiserin Friedrich ertheilt, noch auch persönlich die Ausstellung unter so großer, hierbei geradezu, einzig dastehender osficieller Prunkentfaltung eröffnet. Muß somit die Vereinsprämiirung an sich allgemein gebilligt werden, so wird sich über die Auswahl der Prämiirten streiten laffen
anders steht es hierin mit den Ankäufen durch den Staat und die Lotterie, welche in auffälligster Weise die „Neuen" bevorzugen- allerdings nicht ihre krassesten Vertreter, sondern die Gemäßigten unter ihnen. Dagegen sind bei den Prämiirungen die „Neuen" auch in ihren Allerentschiedensten stärker als die „Alten" bedacht worden, ganz besonders bei der Prämiirung, die von der Ausstellungsvertreterschast ausging und nicht, wie die Medaillen-Ertheilung, der Bestätigung durch den Kaiser unterlag- also: während das Publikum, besonders das kaufende, noch in seiner energischen Gegnerschaft gegen die Neuen beharrt (trotzdem bei ihnen im Ganzen und Großen eine entschiedene Mäßigung, ein Nachlassen der anfänglichen Uebertreibung zu bemerken ist), haben sich die Neuen nunmehr auch in Berlin, wie früher schon in Pans und München, unzweifelhaft die officielle Anerkennung ihrer Daseins-Berechtigung errungen- ihre nicht allzu „revolutionären" Anhänger, die amtliche der staatlichen Kunstbehörden und die Uebrigen, so revolutionär in ihrer Schaffensweise sie auch sein mochten, die amtliche Anerkennung der officiellen Künstlervertreterschaft — sie haben mithin in dieser Beziehung so ziemlich ganz erreicht was sie erstrebten! Das läßt sich jetzt nach den Prämiirungen übersehen und muß constatirt werden - es ist eines der allerwichtigsten Kennzeichen der Ausstellung, wenn es auch in seiner Bedeutung allgemein erst später erkannt und gewürdigt werden wird. — Ehe ich mich nun der weiteren Scizzirung der aus dieser Ausstellung zu Tage tretenden besonderen Leistungen zuwende, muß ich noch ein paar Bemerkungen über die bislang noch nicht üblich gewesene Doppclprämiirung machen. Der Umstand, daß nicht wie sonst nur eine Medaillen-Ertheilung (und Er- theilung „ehrenvoller Erwähnungen") stattfand, sondern daneben noch eine Prämiirung von Seiten der Vertretung unserer
Der gtefenet Axzeher erscheint täglich, tsit Ausnahme de- MontagS.
Die Gießener fctmimxlUUet »erden dem Anzeiger »kchmtlich dreimal drigckegt.
Aufgabe erleichern wird, und hofft umsomehr aus eine Be- I theiligung der deutschen Industriellen, als bei der hervor- \ ragenden Rolle, die das Deutschthum in Amerika spielt, gerade auf die deutsche Abtheilung der Ausstellung besonderes Gewicht gelegt werden muß. Am Montag Abend hatte die Commission eine längere Zusammenkunft mit dem Reichs- commissar für Chicago, Geheimen Regierungsrath Wermuth, der in entgegenkommendster Weise seine Unterstützung zusagte. Ein offizieller Empfang der Commission bei dem Staatsminister v. Bötticher, ebenso beim Reichscanzler v. Caprivi hat am Dienstage stattgefunden.
— Der deutsche Anthropologen-Congreß ist am Montag m Danzig im Festsaale des Landeshauses unter zahlreicher Betheiligung eröffnet worden. Die Eröffnungsansprache hielt Professor Virchow. Namens der Staatsregierung wurde der Congreß vom Oberpräsidenten Dr. v. Goßler begrüßt, welcher die rühmlichen Bestrebungen der Gesellschaft in anerkennendster Weise hervorhob.
In diesem Jahre können sich die Beschicker der Berliner Kunstausstellung nicht über die sonst so oft beklagte „Resultatlosigkeit" beklagen- denn nicht allein, daß diesmal eine ungewöhnlich große Zahl von Werken vom Staate wie auch vom Kaiser persönlich angekauft wurden und noch weiter werden, auch für die Lotterie werden ungewöhnlich viele und ebenso auch von Privatpersonen ganz überraschend viele Arbeiten erworben, was vielleicht zu einem nicht kleinen Theile daher kommt, daß die Ausstellung, als eine internationale, auf eine größere Anzahl von Ausländern als sonst ihre Anziehungskraft ausübt und durch die Fülle des vorhandenen Schönen die Kaufkräftigen unter jenen Ausländern zu Erwerbungen öfter denn früher reizt.....Die intereffante
Frage, welche Kategorien von Bildern das nicht nach Kunst- Principien, sondern nach persönlichem Geschmacke kaufende Publikum bevorzugt und welch andere Bilderarten es ^diesem Punkte ganz „links liegen läßt", sie wird sich erst nach Schluß der Ausstellung an der Hand einer vollständigen Verkaufsuste richtig beantworten lassen- das aber drängt sich auch ichon jetzt dem aufmerksamen Beobachter des Ausstellungsganzen auf, daß neben der immer „gehenden" eigentlichen Verkaufs- waare fast ausschließlich, bis auf höchst vereinzelte Ausnahmen sogar, nur Werke an das Publikum verkauft wurden, die sich von der „neuen Richtung", ganz besonders aber von der starken Betonung der neuen Principien, fern halten. Ganz
AnrLlicher Theil.
Nr. 24 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 31. Juli, enthält . Bekanntmachung, betreffend die Vorschriften über den Befähigungsnachweis und die Prüfung der Maschinisten auf Seedampsschiffen der deutschen Handelsflotte. Vom 26. Juli 1891.
(Nr. 1972.) Bekanntmachung, betreffend die Neubefesn- auna von Helgoland. Vom 28. Juli 1891.
Gießen, am 5. August 1891.
Grobherzogliches Kreisamt Gießen.
I. V.: Jost.


