Ausgabe 
5.7.1891 Zweites Blatt
 
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dieser neuartigen Weise ausschmücken will, verfehle nicht, diese interessanten Erzeugnisse der Galvanoplastik anzusehen, welche sich namentlich auch wie die aus Aluminium als Geschenke eignen.

VevMtschtes.

* Kassel, 30. Juni. Das Hess. Feld-Artillerie-Regiment Nr. 11 ließ am Freitag zwei große Gedenktafeln unter dem Thorweg der Artillerie-Kaserne anbringen. Es sind auf denselben sämmtliche Schlachten und Gefechte der letzten drei Feldzüge, welche das Regiment mitgemacht, sowie die Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften verzeichnet, welche den Heldentod für König und Vaterland vor dem Feinde starben.

* Hamburg, 27. Ium. Der 22 jährige Steinhauer Theodor Herold und die 18jährige Zimmermannstochter Ida Schildknecht, von ihren Eltern an der ehelichen Verbindung gehindert, wurden gestern Nachmittag, mit Stricken um den Hals zusammengebunden, tobt aus der Bille gezogen.

* Hamburg, 27. Juni. In der Generalversammlung der von den Socialdemokraten gegründeten Genossenschafts- bäckerei ist beschlossen worden, eine Bäckerei in großem Stile zu errichten. Die Genossenschastsbäckerei hat jede Woche für 12,000 Mk. Backwaare geliefert.

* Was wird aus unseren Eisenbahnbrücken werden? Die Katastrophe von Mönchen st ein drängt unwillkürlich die Frage auf: Was wird aus all' den vielen eisernen Kunst­bauten, welche das letzte halbe Jahrhundert geschaffen, einmal werden? Wenn die durch einzelne badische Blätter gehende Nachricht richtig ist, scheint Physikprosessor Eisenlohr zu Karlsruhe im Jahre 1851 bereits ein prophetisches Wort gesprochen zu haben:Meine lieben Freunde", begann er einst,nach ungefähr 30 Jahren werden die Eisenbahnbrücken plötzlich zusammenstürzen, und zwar in Folge dessen, daß durch die gewaltigen Erschütterungen, sowie durch die Sommer­hitze und Winterkälte die Moleküle des Eisens gleichsam cristallisiren und mürbe werden. Dasselbe findet statt bei stark benützten Kanonen, die man schließlich mit einem Hammer wie Glas zerschlagen kann." Das ist eine verhängnißvolle Prognose, welche der bedeutende Physiker unserem Eisenbahn­verkehr stellt, und man muß zugeben, daß dieselbe nicht nur theoretisch ist, sondern daß deren Nichtbeachtung zu den schwersten Folgen führt, wie wir aus der Mönchensteiner Katastrophe gesehen. Was läßt sich gegen solche mit dem Ver­kehr wachsenden Gefahren thun? Darauf hat derReichs­anzeiger" kürzlich bereits eine beruhigende Antwort gegeben. Sollten die verschärften Controlvorschriften bezüglich der Trag­

fähigkeit der Eisenbahnbrücken größere Neubauten in naher Zeit nothwendig machen, so dürste sich ergeben, daß die so­genannte Reädificationsquote der meisten Eisenbahnverwal­tungen zu nieder angesetzt worden ist, was für die Rentabilität von Privat- und von Staatsbahnen von größter Bedeutung sein wird. Andererseits könnte die durch die Erschütterung hervorgerufene molekulare Veränderung des Eisens einiger­maßen durch schonendere Benutzung, das ist durch lang­sameres Fahren, geschwächt werden, und dürsten Vorschriften, welche die Maximalgeschwindigkeit für das Befahren von Eisenbahnbrücken feststellten, sich zweckmäßig erweisen. Mit einem steigenden Verkehr wächst die Rentabilität; es werden in diesem Falle die Neubaukosten leicht aus dem Ertrag zu beschaffen sein. Anders ist dies bei sinkendem Verkehr, welcher freilich vorerst aus den Bahnen nicht zu erwarten steht. Nichtsdestoweniger wäre die Möglichkeit dazu vorhanden, in manchen Fällen sogar zu befürchten. Hier dürften die Eisen­bahnbrücken dem Schicksal älterer Monumentalbauten, von denen wir noch die Ruinen anstaunen, nicht entgehen, nur daß deren Verfall um so rascher sich vollziehen wird.

Verkehr, £anö» und Volksrvirthschaft.

SchLdlichkett des frischen Heues. Da alljährlich noch Unglücksfälle durch Berfütterung von frischem Heu vorkommen, erinnern wir unsere Leser an die Gefahr, welche dieselbe mit sich bringt. Wodurch die schädliche Wirkung bedingt wird, ist noch wenig bekannt; vielleicht sind es niedrige Lebewesen, vielleicht müssen gewisse Stoffe, Amide usw. erst eine Umsetzung erfahren, um unschädlich zu werden. Die schwere Kaubarkeit trägt auch wohl mit dazu bei, um leicht (Sollten hervorzurufen, wie das für dumpfiges Grunfutter, welches längere Zeit im Hausen gelegen, ja allgemein bekannt ist.

£iteratnr uitö Kunft

Das jüngste, 23. Heft der beliebten reich illustrirten Familien- Zeitschrift «Untoetfum* enthält folgende Beiträge:Gretchen", Novelle von Emil Peschkau;Das Zeitalter der Electricität" von M. Jlpe, mit Original-Illustrationen von Otto Strützel;Räuber­unwesen und Gaunerthum in der guten alten Zeit" von R. Mahren- holtz:Eine mtßrathene Landparthie" von E. Liß-Blanc;Der blinde Musiker", Erzählung von W. Korolenko;Radu Gleoa", ein Roman aus Rumänien von Marco Brociner; Rundschau, Miscellen. Räthsel ?c. Von den Illustrationen sind als ganz hervorragend zu erwähnen:Ein wichtiges Document" von B. von Loefen;Eintritt verboten" von H. Zügel;Großvaters Märchen" von W. B. Leigh. Der Preis für jedes Heft ist nur 50 Pfg.

Das soeben ausgegebene siebente Hest von ^Unsere Zeit" (Leipzig, F. A. Brockhaus) enthält den ersten Theil einer schön ge- schrtebmen und sehr spannenden Erzählung von A. von der Lahn Aus dem Leben eines Einsamen". Adolf Brieger behandelt in eingehender KritikDie Verfasfungsgefchichte von Athen nach Aristoteles' neu aufgesundener Schrift", unter Berücksichtigung der

d-utich-n Ausgabe K-ibels und Kießlings und der gegen »le Autor- schäft des Aristoteles erhobenen Einwendungen von Friedrich (Sauer. DaS Seengebiet von Deutsch-Ostaftika" wird von Brix Förster auf Grund der Vergleichung aller seit 1858 erschienenen Reiseberichte geographisch dargestellt und durch eine beigefügte Kartenfcizze erläutert. In Anknüpfung an Robert Hamerltngs nach seinem Tode erschienenes WerkDie Atomistik des Willens" legt Dr. Bernhard Münz die sestgeschlossenen philosophischen Anschauungen des Dichters aus­einander. O. Otfried macht im AufsatzeMythologie und Ur­geschichte" auf die Anschauungen des dänischen Gelehrten Vodskov aufmerksam, die dieser in seinem WerkeSeelencult und Naturcult zu entwickeln begonnen hat. HeberDie Malerei auf der inter­nationalen Ausstellung in Berlin" berichtet H. A. -Lier. Bernhard Deffau weist auf das gesteigerte Bedürsnitz der Großbetriebe nach Künstlicher Kälte" und deren Anwendung hin. Ludwig Fuld spricht in Anlaß der im Herbste in der Schweiz bevorstehenden Volks­abstimmung über den Gesetzentwurf, den Urwählern das Recht deS Initiativantrags zu gewähren, überDas Referendum in der Schweiz". Eine Todtenschau schließt das Hest.

Temperatur in Gießen.

Juni 1891.

Niederste.......4- 5,0 °B.

Mittlere.......4- 13,20

Mittel früherer Jahre.....4- 13,12

Höchste ........ 4- 25,0

Niederschlag an 16 Tagen.....4,31 Par. Zoll.

im Mittel früherer Jahre an 14 Tagen 2,90

Der Stand der Vegetation ist am Ende des Monats im Durchschnitte noch um 11 Tage verspätet oder verzögert in, Vergleiche rum mittleren oder durchschnittlichen Stande früherer Jahre um dieselbe Zeit.

Brodpreise

vom 5. Juli bis 19. Juli 1891.

Bei den Bäckern.

1 Kgr. (2 Psd.) Weißbrod . . .

.....31

bei I. Horn 30

2

1

2

1

2

3

(4

(2

(4

(2

(4

(6

) Weißbrod............ . 62

bei I. Horn 60

) Schwarzbrot) 1. Sorte.........29

) Schwarzbrot» 1. Sorte.........58

) Schwarzbrot) 2. Sorte.........27

) Schwarzbrot) 2. Sorte .........54

) Schwarzbrot) 2. Sorte

bei L. Keil, I. Lein, K. Haas 81

1 Kgr.

2 w

1

3 "

3 :

Bei den Brodverkänfer«. Weißbrod........

Schwarzbrot) 1. Sorte . . .

1. Sorte . . .

1. Sorte . . .

2. Sorte . . .

2. Sorte . . .

2. Sorte . . .

27

54

4

31

62

29

58

Gießen, den 4. Juli 1891.

Großh. Polizeiamt Gießen.

I. V-: Schliephake, Reg.-M.

Bekanntmachung.

Die Kirschenernte von den Bäumen auf dem Schulberg, Trieb, Lärchenwäldchen und Lutherberg soll Montag den 6. ds. Mts., Nachmittags 5 Uhr, versteigert wer­den. Zusammenkunft am Schulberg im Oswalds Garten.

Gießen, den 3. Juli 1891. Großh. Bürgermeisterei Gießen. _______Gnauth.______7036

TVaaren-Versteigerung.

Dienstag den 7., Mittwoch den 8., und Donnerstag den 9. Juli, Vormittags 9 Uhr und Nachmittags 2 Uhr, werben SelterSweg 68 die ganzen Vor- räthe des Meyer'sche« Waarenhanse-, bestehend in HanShaltnngsgegen- PLuden aller Art, als: Blech- «nd Ewaille-Kochgeschirr, Gießkannen, Lampen, Kohlenträger, Eimer, Züber, Porzellan, Rauchservice, Koffer, Körbe, Bürsten, Spiegel, Spielwaaren u. f. w. versteigert.

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