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Leute, die offenbar sehr einig sind, werden schon seit Anfang April verfolgt. Sie verfügen über ansehnliche Mittel, die aus der Kasse des Mr. Blonderberg stammen sollen. Man soll bei dem jungen Herrn über 2000 Pfund Sterling gefunden haben. Heute Vormittag wurden die Ueberraschten getrennt. Den Entführer ließ man auf Befehl laufen, während man die junge Dame nach London transportirte. Die beiden Privat-Detectivs zeigen Papiere vor, laut denen sie Auftrag hatten, bei etwaigem Widerstand die Liebenden der staatlichen Polizei zu übergehen. Angesichts dieser Drohung fügten sich die jungen Leute in ihr Schicksal. Die Abschiedsseene, die hunderte von Neugierigen anlockte, war für die Zuschauer höchst peinlich. Man zeigte, als die Thatsache bekannt wurde, größte Sympathie für die Flüchtlinge ; eine Zeit lang schien es, als wollte man die Gefangenen aus den Händen der Privatpolizisten befreien, und erst auf Zureden der Verhafteten beruhigte sich die Menge.
/X Mainz, 4. Juni. Ein Schiffbrand, der Menschenleben zum Opfer forderte, brach gestern Abend in dem Hasen auf der Gustavsburg aus. Aus dem an dem rechtseitigen Ufer, zwischen mehreren Schleppkähnen gelegenen eisernen Dreimastschiff des Schiffers Feudel von Rheindürkheim, das mit 17 000 Gentner englischen Maschinenkohlen und darüber mit einem größeren Quantum Naphta befrachtet war, explo- dirten aus bis jetzt unbekannter Ursache nach 6 Uhr am Abend ein oder mehrere Ballon Naphta, wodurch in wenigen Minuten das ganze Quantum der leicht brennbaren Substanz und das ganze Schiff in Flammen gesetzt wurde. Durch die Explosion, die derart heftig war, daß in Kostheim einzelne Fenster von dem Luftdruck zertrümmert und schwere Eisen- theile des Schiffes auf weite Strecken geschleudert wurden, wurde die den Laderaum und die Vordereajüte des Schiffes trennende eiserne Zwischenwand zertrümmert, so daß sich das Feuermeer auch sofort über die Cajüte ausbrertete und einem in der letzteren befindlichen Schiffsknecht der Ausgang abgeschnitten wurde. Die ganz engen Luken der Cajüte gestatteten auch keinen Ausgang und so mußte der Unglück- liche Schiffskuecht seinen Tod in den Flammen finden. Nach einer unverbürgten Mittheilung soll an einer anderen Stelle des Schiffes auch der Sohn des Schiffseigenthümers den Tod in den Flammen gesunden haben. Da die Ladung des Schiffes selbst nicht zu löschen war, galt es nur die umliegenden Schiffe und große Lagerhallen vor dem Feuer zu schützen, was dadurch betätigt wurde, daß das brennende Schiff durch einen Schleppdampfer in den Rhein gezogen wurde, wo es oberhalb der Eisenbahnbrücke zur Stunde — 4 Uhr Morgens — noch in Hellen Flammen steht.
* Westerland, 30. Mai. Kinder heil st Üttte in Westerland-Sylt. In der diesjährigen ersten Verwaltungssitzung wurde der Eröffnungstermin der Anstalt auf den 15. Juni festgesetzt. Die Pflege und Beaufsichtigung der Kinder werden wie bisher Schwestern der Diaeonissenanstalt Flensburg in Händen haben. An Stelle des ausgeschiedenen Herrn Dr. Wegele wurde der dirigirende Badearzt Herr Dr. Lahusen wieder in den Vorstand gewählt. Auch wurde beschlossen, die behördliche Genehmigung einer Collecte unter den Badegästen wie in den Vorjahren nachzusuchen. Ferner wurde festgestellt, daß durch theils Herrn Pastor Gleiß, theils der Verwaltung selbst zur Verfügung stehende Mittel drei bis vier ganze Freistellen geschaffen seien. Nachträglich hat
i noch die Badedirectiou die unentgeltliche Benutzung des Stahl- । brunnens der Kinderheilstätte in Aussicht gestellt, wodurch den kleinen Insassen der Anstalt, die so blaß und durchsichtig hier anzukommen pflegen, eine weitere Gewähr für die Rückkehr zu ihren Angehörigen mit rothen Wangen und Stahl in den kleinen Gliedern gegeben ist. Möge die eben so junge wie segensreiche Anstalt allen Kindersreunden recht warm ans Herz gelegt sein!
Eingesandt.
-h- Gießen, 3. Juni.
Die Electrotechnische Ausstellung in Frankfurt a. M. wird in allen Städten der Welt gepriesen, auch wir haben wiederholt darauf hingewiesen. Kaufmännisch practisch, wie Alles, was in dieser geschäftstüchtigen Stadt unternommen worden, war schon das LooS mit den 10 Anteilscheinen für 10 Mk., nur schade, daß diese Loose sofort von Unternehmern angekauft wurden und das sogenannte Publikum davon nichts oder nur wenig aus erster Hand bekam. Dafür hat man ja nun freilich den Vortheil, daß man für den Eintritt in die Ausstellung von den Btllethändlern, welche sich zahlreich am Bahnhof und in dessen Nähe aufhalten, je nach der Witterung und anderen Zufälligkeiten eine Karte für 60 bis 80 Pfg. erstehen kann. Mit welcher Freude wird ein Familienvater, der das Glück hat. mit Frau und Kindern in die Ausstellung zu gehen [unb für sie Alle bezahlen zu dürfen, diesen Profit begrüßen. Ja mein lieber Familienvater, wenn Du und die Deinen zu dem kleinen Procentsatz Wissenden gehörst, der wirklich nur die Electrotechnik und ihre Fortschritte bewundern will und kann, dann ist Dir geholfen. Nehmen wir aber mal unbescheidener Weise an. Du verständest davon ebensoviel, wie die meisten der Besucher und Du seiest der Ansicht, Deine wenigen Entrvenickel öffneten Dir alle die vielen schönen Hallen, Höhen, Burgen und Tiefen, so befindest Du Dich in einem sehr kostspieligen Irrtum.
Die electrische Wissenschaft ist sehr billig, aber der electrische Mumpitz kostet viel, viel Geld, Du darfst, ohne an Hunger und Durst zu denken, pro Kopf Deiner Lieben Dich auf 10 Mk. Anrichten. Bergwerk, Panorama, Thurm L la Eifel, Taucher, Irrgarten, Phonograph, lautsprechendes Telephon, Musikübertragungen aus München, aus Wiesbaden, Theater rc. rc., das Alles kostet extra Stück für Stück von 50 Pfg. bis 1 Mk. und darüber.
Und Bester, wenn Du vom Umherwandeln und Schauen ermüdet in der Nähe des Musikpavillons ein Musikstück sitzend mit anhören willst, so vergiß nicht pro Stuhl einen Nickel bereit zu halten, denn die vereinzelt in respectabler Entfernung aufgestellten Gartenbänke kommen nicht in Betracht, die findest Du stets besetzt. Selbstredend winken Dir in nächster Nahe verschiedene Gambrinus- hallen zu, wo man Dir großmüthig einen Stuhl gratis überläßt; auch bekommst Du bei den kernigen, biederen Bayern in wohlgeaichten Krügen edles Bier verzapft; daß das liebliche Naß jedoch dem Aich- strich sich nähert, gelle, das glauben wir beide nicht, aber dafür kostet solche sogenannte Halbe auch 30 Pfg., ist also immer ein werthvoller Genuß.
Also mei- lieber Freund, wenn Du nach Frankfurt wallfahrst, vergiß nicht, Dir eine wohlgespickte Börse einzustecken, wenn Du dann wieder heim kommst, so wirst Du zu Deinem Verwundern entdeckt haben, daß der alte Lehrsatz „Es gibt keinen leeren Raum" grundfalsch ist, dagegen das Sprichwort „Wo viel Licht, da viel Schatten" bei der Electrischen Ausstellung in des Wortes verwegenster Bedeutung zutrifft.
Verkehr, Land« «nd Volkswirthschaft.
Friedberg, 2. Juni. Fruchtpreise. Weizen JC 24.00 bis 00.00, Korn 21.50—00.00, Gerste JL 17.50—18.00, Hafer JL 17.00—17.50. Alle Preise verstehen sich auf 100 Kilo, gleich 200 Zollpfund.
Friedberg, 3. Juni. Buttermarkt. Butter kostete per Pfd. JL 0.90-1.10, Eier 1 St. 6 H, 2 St. 00 H.
Limburg, 3. Juni. Fruchtmarkt. Rother Weizen v4L 2035, weißer Weizen JL 20.25, Korn Jt 16 —, Gerste JL 11.20, Hafer JL 805, Erbsen —, Kartoffeln —.—.
Fraukfurt, 3. Juni. Am Bebraer Bahnhof wurde gestern ein Jungschweine - Markt abgehalten. Zugefahren waren 267 Thiere: 21 Läufer und 246 Ferkel. Für erstere Sorte (Zucht- tbiere über 30 Wochen alt) wurden 24—54 jH. für letztere Sorte (Thiere 10 bis 15 Wochen alt) 20—32 X per Stück bezahlt und in größeren Partien verhandelt.
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Süßer Natur-Medicinal-Nngarwein
von I. Leuchtman«, Wien
zeichnet sich ben anderen im Handel vorkommenden Ungarweinen (Lokayer) gegenüber aus:
I. durch seine natürliche ausschließlich edlen Trauben verdankende Süße, während der allermeiste als Lokayer verkaufte Wein mit Zucker versüßt, daher als Medirinalwein wertblos ist.
II. enthält LeuchtmannS Süßer Natur Medicinal Ungar- Wei« laut Gutachten der Autoritäten der Wissenschaft im höchste« Matze alle diejenigen Bestandtheile, die geeignet sind, Kinder und Kranke zu nähren, Schwache zu kräftigen und den ganzen Organismus zu beleben.
LeuchtmannS hochinteressante Broschüre „Süße Medicinal- weine und ihre Verfälschungen", sowie die hochehrende« Anerkennungen von Seiten der Wiffenfchaft für die hervorragenden Leistungen zur Förderung des reellen Handels mit füßen Natur- Mcdicinalweinen stehen Jedermann gratis zur Verfügung.
Niederlage: Carl Schwaabs Delikatessenhandlung in Gießen.4672
— ES unterliegt Wohl keinem Zweifel, daß alle Products vegetabilischer Herkunft im Laufe der Zeit vervollkommnet find, «nd auf keinem Gebiete dürfte ein Fortschritt freudiger begrützt werden, alS auf dem der menfch- lichen Ernährung. Schon bei der Erzeugung der Rohproducte wirb auf bessere Qualität mehr unb mehr größeres Gewicht gelegt. Besonbers finb auf bem Gebiete der Herstellung von Mehl, Reis, Zucker rc. in der letzten Zeit große Fortschritte zu verzeichnen. Deutschland blieb bis vor 20 Jahren mit seinen Neuerungen auf dem Gebiete der Mehlproduction gegen Ungarn, Frankreich und Amerika erheblich zurück und die Folge war natürlich, daß von bleien Ländern eingeführt werden mußte. Im Laufe der letzten Jahre ist es aber der heimischen Industrie gelungen, durch bessere technische Einrichtungen sich den Anforderungen der Eonsumenten anzupassen und das Ausland vom deutschen Markte zu verdrängen. Trotz der allseitigen Fortschritte der Mehlindustrie war es btS dahin nicht gelungen, einen Artikel, den sogenannten französischen Hartgries, vollendet herzustellen. Wie uns nun aber mitgetheilt wird, soll eS der Wesermühle i« Hameln gelungen sein, HartgrieS in einer ausgezeichneten Qualität herzustelle«. Dieser Gries, der nicht zu verwechseln ist mil dem gewöhnlichen weißen Suppen- gries, hat eine hellgelbe Farbe und wird in hübsch beeorirte« Eartons in ganzen «nd halben Packete« in allen größeren Colonialwaaren-Geschäften zum Verkauf angeboten. Dieses Nahrungsmittel hat einen autzerordentlich hohen Nährgehatt, ist leicht verdaulich, eignet sich zu Suppen, Klötze«, Puddings, Torte« u. s. w. und sollte daher in keinem Haushalte fehlen. Besonders machen wir noch einmal auf die zweckmäßige Packung aufmerksam, da auf den Eartons in practifcher Weife zur Anleitung die verschiedensten KÜcherrrecepte angebracht sind und die Haltbarkett der Waare verbürgt wird.
Gottesdienst der israelitischen Keligionsgesellschast.
Freitag Abend 73° Uhr, Samstag Vormittag 800 Uhr, Samstag Nachmittag 400 Uhr, Samstag Abend Uhr.
Temperatur der Lahn und Lust
gemessen am 4. Juni, Vormittags zwischen 11 und 12 Uhr:
Wasser 16, Luft I8V2 Grad Reaumur.
L. Ebr. Rübsamen Wwe.
Submission.
Zur Vergrößerung des Maschinenhauses in dem hiesigen Schlachthofe sollen nachstehende Arbeiten vermittelst Submission vergeben werden:
veranschlagt zu Maurerarbeit 2662,95 v4L
Steinhauerarbeit 205,46 „
Zimmerarbeit 486,91 „
Dachdrckerarbeit 218,48 „
Spengleratbeit 169,— „
Schreinerarbeit 99,— „
Schlosserarbeit 119,50 „
Weißbinderarbeit 227,06 „
Pflasterarbeit 107,90 „
Jnstallationsarbeit 553,86 „
Die Angebote für die bezüglichen Arbeiten find spätestens am Mittwoch den 10. I. Mt-., Vormittags 11 Uhr, auf dem Stadtbauamte einzureichen, woselbst vorher in den üblichen Amtsstunden die einschlägigen Voranschläge, Zeichnungen und Uebernahmsbedmgungen offen liegen.
Gießen, den 2. Juni 1891.
Großh. Bürgermeisterei Gießen.
Gnauth. 5453
Bekanntmachung.
Die diesjährige GraSsamen- ernte in der Freiherr!. Obersörsterei Rabenau soll aus dem Submisfions- wege vergeben werden. Angebote sind schriftlich mit entsprechender Aufschrift bis zum 10. Juni, Vorm. 10 Uhr, an unterzeichnete Stelle zu richten. Die Eröffnung der Gebote findet IOV2 Uhr in Gegenwart etwa erschienener Submittenten auf unserem Bureau statt.
Papiermühle (Post Londorf), den 3. Juni 1891.
Freiherr!. Oberförsterei Rabenau.
Schlotterer. 5204
Aeilgeöotenes.
Weisswein
garantirt rein, per Liter von 50 Pf. an, in Fässern von 25 Liter an.
Proben gegen Einsendung von 30 Pf. frc.
Wörrstadt (Rheinhessen). (1611
| Lorenz Eder.
Freitag den 26. Juni,
Nachmittags 2i/z Uhr, sollen auf dem hiesigen Ortsgericht die den Erben des Georg Kranz dritter in Gießen gehörigen JmmobUien: Flur 17 Nr. 27si/i*o — 378 Meter Grabgarten am Hamm am Neustädter Thor, _ ,
Flur 17 Nr. 27«/ioo — 170 Meter Hof- raithe daselbst,
Flur 17 Nr. 21^/m — 293 Meter Grabgarten daselbst,
Flur 17 Nr. 28s/io — 323 Meter Hof- raithe daselbst,
Flur 17 Nr. 83/10 — 373 Meter Grabgarten daselbst und dem Mühl- wegsgarten
öffentlich meistbietend versteigert werden. Gießen, 4. Juni 1891.
Großh. Ortsgericht Gießen.
___________I. A.: Vogt. 5231
Verdingung
Die Lieferung von 45,4 cbm kiefernen Brückenbalken soll unter Zugrundelegung der in Nr. 295 oer Kölnischen Zeitung vom 24. October 1889 veröffentlichten Bedingungen un- getheilt vergeben werden. Verdingungsunterlagen können bei unterzeichneter Dienststelle eingesehen, auch gegen Erstattung von 0,75 Mark von dort bezogen werden.
Mit entsprechender Aufschrift versehene Angebote sind versiegelt und kostenfrei bis Mittwoch den 24. Juni 1891, Vormitt. 11 Uhr einzureichen. Zuschlagsfrist 4 Wochen. 5223
Wetzlar, den 26. Mai 1891.
Königliche Eisenbahn-Bau-Jnspection III.
Holzgelderhebung!
Künftigen Freitag den S. Juni d. I., von Vormittags 9 bis Nachmittags 2 Uhr, soll eine weitere Erhebung von Freiherrlich von Rabenau'fchen Hohgelderu in der Wirtschaft des Herrn Karl Ranst in Beuern stattfinden.
Londorf, 1. Juni 1891.
Der Rentmeister: 5163____________Schmidt.___
Gutsverkauf! Die Erben der Eheftau des Müllers Bolinger wollen das in Wehrda bei Marburg belegens Gut, bestehend aus Wohnhaus, Hoftaum, Scheuer rc., die Mühle mit drei Mahlgängen, Oel- und Schneidemühle, Gärten u. Wiesen beim Hof und die dazu gehörigen Grundstücke (ungefähr 20 Hect.) freiwillig verkaufen. Die Hälfte des Kaufgeldes kann stehen bleiben.
Auskunft ertheilt
Textor, Administrator, 5208 Marburg a/L.
billig zu verkaufen. VromenadehauS. Beste
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