)etat täglich, UuLnahm« des Msutg-s.
1891
Wir. 127
Amts- tmb Anzeigeblatt fth? den Uwb Mefzen.
Anrtli^ev Theil
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Feuilleton
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Freitag den 5. Juni
Wüt Wmio*tttv»urtauF des An- und NuM.nde» u*tn* «nzeigea für den „Gießener «vzeiger-
Äfinelmt loe Anzeigen zu der K»chmittags für d« fetgend« Lag erscheinenden Nummer dis vor«. 10 Uhr.
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Vereinsfond: JL 687,66
•k Nehmer 8H*if*t*erattei Mk8 dem Anzeiger dreimal detgelegt.
Ueberschuß aus vorderen Jahren . . Zusckutz aus Großh. Hauptstaatskasse im Ordinarium........
Zuschuß aus derselben für Hebung der
ad 8. lieber die Verwendung fraglicher 7000 Mk. wird demnächst weiter beschlossen werden.
ad 9. Aus dem Betrag von 500 Mk. sollen 100 Mk. zurückgehalten und nur dann ganz oder theilweise ausgezahlt werden, wenn am Ende der Weidezeit die Aufsichtscommission sich über die Haltung der Fohlen und überhaupt die Behandlung derselben während des Aufenthaltes auf der Weide günstig geäußert haben wird.
ad 10. Diese 1200 Mk. sollen wiederum zu gleichen Theilen an die landw. Bezirksvereine dann ausgezahlt werden, wenn dem Präsidium Nachweis über die Verwendung gegeben ist.
ad 12. Aus dem Betrag von 1150 Mk. sollen 550 Mk. zur Verzinsung und theilweisen Rückzahlung des vom Provinzialausschuß unter Zustimmung des Provinzaltages zum Zweck der Errichtung eines pomologischen Gartens zu Friedberg zur Verfügung zu stellenden Kapitals von 11600 Mk. verwendet, die übrigen 600 Mk. aber den Bezirksvereinen nach noch näher zu treffenden Bestimmungen überwiesen werden.
Laubach, den 2. Mai 1891.
Der Präsident des landwirthschaftl. Vereins von Oberhessen: Friedrich Gras zu Solms-Laubach.
Summa .
B. Ausgabe r
1. Bureau, Kasse und Rechnungswesen .
2. Verwilltgungen an die landw. Bezirksvereine ......... •
3. Kosten der Zeitschrift für die landw.
Vereine...........
4. Gehalt des Wtesenbaumeisters . . .
5. Für die landw. Winterschulen . . .
6. Beitrag zu den Kosten des Deutschen
Landwirthschastsrathes .....
7. Beitrag zu den Kosten der Vertretung in den Eisenbahnbeiräthen . . ♦ •
8. Für Hebung der Rindviehzucht . . 9 Unterstützung der Provinzialfohlenweide 10. Beitrag zu den Kosten der landw.
Vorträge...... ♦ • ♦
11. Für die Haushaltungsschulein Lindheim 12. Zur Förderung des Obstbaues und
der Gemüsezucht........
13. Zur Förderung dec Bienenzucht . .
14. Beitrag zu den Kosten des Landesausschusses ...... • • •
15. Für Transportkosten der Ausschutzmitglieder .......
16. Für unvorherzusehende Ausgaben . .
Summa .
Viehzucht......• • * •
Zuschuß aus derselben für Forderung des Obstbaues.........
Beitrag der Aachen-Münchener Feuerversicherungsgesellschaft ......
6. Beitrag des Landespferdezuchtvereins .
7. Beiträge der Mitglieder . ..•
eines Poeten, war stets zur Demuth bereit und lebte ein ruhiges, regelmäßiges Leben. Des Abends umarmte er mit Zartheit und Respect seine junge Frau, Namens Gretchen, blond wie er selber, aber sehr schwach und delicat. Wenn er dazu tüchtig gegessen und getrunken hatte, überkamen ihn wieder die Gedanken von den Leiden der Menschheit, dann improvisirte er ein „Lied", melancholisch und langsam, eine Legende, in der die Elfen und Nixen mit den Kobolden auf Strahlen des Mondes tanzen."
In Berlin angekommen, drängt sich dem Autor abermals die Wahrnehmung auf, daß die Deutschen in Allem eine linkische, plumpe, unelegante Manier zeigen, welche der Verkehr mit anderen Völkern und die Civilisation nie haben zu ändern vermocht. Sie sind ein großes Volk, dessen fünf Sinne primitiv geblieben sind. Die deutsche Küche leidet an größter Monotonie und Geschmacklosigkeit,- wenn ein Deutscher an einem Gericht nicht genug hat, so verlangt er davon eine zweite Portion, aber nicht eine andere Speise. Die Stunde und der Ort ist ihnen gleichgiltig, sie essen im Cafe, im Theater, im Museum, ja auf dem Trottyir, wo sie schnell ein Stück Roastbeef sich in einem Laden gekauft haben. Viele Familien haben die Gewohnheit, mit Kind und Kegel täglich im Bierhaus zu soupiren, wo sie in tiefem Schweigen ihre Portionen verzehren. Dann zünden die Männer Cigarren an, die Frauen bleiben aber mit gekreuzten Armen unbeweglich sitzen, bis es zehn Uhr schlägt. Der Gebrauch von Tischtüchern und Servietten in den Restaurants ist noch sehr excepüonell - junge Herren kämmen sich bei Tisch Haar und Bart und allgemein führt man die Bissen mit dem Messer zu den Lippen.
Die Deutschen haben kein anderes Getränk als das Bier. Die Sitzungen der Gelehrten haben keinen anderen Zweck, als Bier zu trinken. Ein anderes Vergnügen kennt man hier zu Lande nicht, auch keine andere Form der Bestrafung, denn jedes Versehen muß immer mit dem Leeren einiger Schoppen gesühnt werden. Wenn nun der Sinn des Geschmackes bei den Deutschen aus so roher Entwickelungsstuse stehen blieb, so eultivirt dagegen kein anderes Volk so sehr den niedrigsten, den Geruchssinn. Ueberall duftet es von Pat- chouli, Muse und anderen Parfums und trotzdem riechen die elegantesten Damen nach Tabak, weil man in ihrer Gesellschaft ungenirt raucht. ^Die entsetzliche Atmosphäre der Bier- verkäuser scheint sie nicht zu incommodiren. Der Gehörsinn hat bei den Deutschen größere Stärke, als bei anderen Nationen, ist jedoch minder nuaneirt. Ihre Stimmen, ihr Lachen, der Vortrag ihrer Schauspieler klingt auch monoton. Die Musik ist aber ein natürliches Bedürsniß dieses Volkes, eher würde der Deutsche aufhören zu trinken als zu singen
Deutsches Reich.
Darmstadt, 3. Juni. Im Laufe dieses Monats wird die Erste Kammer der Stände nochmals zu einigen Sitzungen zusammenberufen werden, um sich über verschiedene von der zweiten Kammer bereits erledigte Regierungsvorschläge, Anträge u. s. w. schlüssig zu machen.
6 Uhr begab ich mich durch die Stadt nach dem hoch gelegenen Exereierplatze, wo die feindlichen Feldwachen einander gegenüberliegen sollten. Die Vierziger, von denen nur das 2. Bataillon in der Stadt, lagerten im Stroh aus dem Platze, die Bevölkerung hatte sich aus dem Abhänge gesammelt, um aus die feindlichen Posten hinabzublicken. Der Lieutenant von der Feldwache erzählte mir, es sei bis jetzt nur Nachricht gekommen, der Feind sei von Sterck mit 1500 Mann bei Perl über die Grenze hereingebrochen, aber von unseren Husaren zurückgejagt worden. Die Garnison von Trier hatte daraufhin schon Ordre zum Abmarsch erhalten.
Um mich sofort an der Grenze zu orientiren, saß ich um 8 Uhr bereits in einem nach Trier abgelaffenen Militärzüge, dem letzten, wie man glaubte. Auch auf diesem Wege fand ich noch alles still- nur an einzelnen Punkten, an welchen die Bahn die französische Grenze streifte, schossen die französischen Feldwachen in unsere Coupes. In Trier, meiner Vaterstadt, am Abend eintreffend, suchte ich den Com- mandirenden, den General von Barnekow, mit dem ich 1866 in Waldenburg das komische Rencontre gehabt. Die Garnison stand marschbereit, die Bevölkerung war in banger Erregung, die Stadt aber war finster, daß ich, nachdem ich im Rothen Hause mit den Offizieren verschiedene „Miseräbelchen" getrunken, die breite Simeon-Straße nicht erkannte, als der Adjutant Lieutenant Gisevius so freundlich war, mich zu seinem Vater, einem höheren Justizbeamten, zu führen, wo ich auch Nachricht erwarten sollte, ob in der Nacht noch ein Militärzug nach Saarbrücken zurück abgelassen werde.
Der alte Herr und seine Gattin empfingen mich sehr liebenswürdig in ihrer Wohnung, in der alles Transportable zur eventuellen Abreise gepackt war. „Sie erkennen nicht, wo Sie sich befinden?" fragte er, als er mich durch die Räume führte. — „In der Behausung eines gastfreundlichen Ehepaares," erwiderte ich. — „Das wollte ich nicht hören," meinte er, „Ihnen vielmehr nur sagen, daß in diesem Zimmer da Ihre Wiege gestanden, wie mir der Hauswirth, unser
„Ueber Deutschland."
Ein französischer Tacitus ist unserem lieben Deutschland in der Person eines Mr. T. de Wyzewa erstanden, der seine „impressions“ in der „Revue des deux Mondes“ veröffentlicht. Die Tollheiten dieses französirten Slaven setzen all dem Unsinne, der in der Pariser Tagespreffe über dieses Thema zu Tage gefördert wird, die Krone auf. Seine Schilderungen sind so komisch, daß sich ein Commentar dazu oder eine Critik von selbst vorbereitet. Sehen wir zu, was Herr Wyzewa über das Leben und die Sitten von heute in Deutschland zu berichten weiß. Er beginnt also:
„Es war einmal ein Deutscher, Namens Michel. Ein großer, grober, vierschrötiger Kerl mit rundem, geschwollenem Kopf, schweren Geistes, aber voll Leidenschaft für die Wahrheit. Er ging immer geradeaus, ohne sich um die Meinungen der Anderen zu kümmern, hatte das Herz eines Kindes ober
Bemerkungen zur Ausgabe.
ad 5. Die hier eingestellten 300 Mk. sollen zu gleichen Theilen den landw. Winterschulen zu Alsfeld, Büdingen und Friedberg überwiesen werden.
alter Herr G., erzählt, der sich übrigens vor den Franzosen heute schon davon gemacht." Jetzt erst erfuhr ich den Namen der Straße, und wie ich da stand in dem von einem Kerzenlicht nur matt erhellten Raume, in welchem Kisten und Kasten gepackt waren, dämmerte allerdings in mir eine melancholische Erinnerung. Ich sah mich hier noch auf den Knieen der Kameraden meines Vaters oder auf ihren Säbeln reiten, sah mich, den alten treuen Bärwald zur Seite, mit meinem Ziegenbocksgefährt in der Straße kutschiren.--Aber hier
blieb keine Zeit zur Melancholie- beunruhigende Meldungen hatten die eilige Ablaffung des Militärzuges nothwendig gemacht- ich konnte nur noch dem freundlichen, würdigen Ehepaare dankend die Hand drücken und in der Straße der in tiefem Dunkel liegenden Porta nigra einen Gruß winken, in deren Schatten ich als Kind gespielt, denn jede feindliche Demonstration über die Grenze hinaus würde mich vom Schauplatze der Thatsachen abgeschnitten, auf den unbequemen Weg durch die Eifel verwiesen haben.
Nach Saarbrücken zurückgekehrt, fand ich alte Freunde in den Offizieren des 7. rhein. Ulanen-Regiments, mit denen ich in Böhmen manchen schweren Tag verlebt. Sie lagen hier nur in zwei Schwadronen zur Unterstützung des Infanterie-Bataillons unter Befehl ihres Majors v. Pestel, des VorpostewCommandeurs, der selbstverständlich nicht die Ausgabe hatte, einen so unmittelbar an der Grenze gelegenen Platz zu halten, während unsere Armee erst in der Mobilmachung begriffen und die Reservisten noch umherliefen, um ihre Regimenter zu suchen.
Auf Einladung des Majors v. Pestel bezog ich das Hotel zur Post, in welchem er fein Hauptquartier aufgeschlagen, den Sammelplatz namentlich der Ulanen - Offiziere während dieser unruhigen Tage. Unwillkürlich erinnerte ich mich in ihrer Gesellschaft eines Moments aus der Schlacht von Königgrätz. Ehe ich mich nämlich am Nachmittage der Attaque auf Problus anschloß, hielt ich an der Seite des Generals v. Below. Dieser sammelte, die Ordre zum Ein-
JHeewmtetsyrfM’ 2 Mark 20 W vringerloyn.
Durch bte Post bez«I« 2 Mark 50 Pftz.
«ebacticm, uttb Druckern:
-ch»tftr«ße
Amchrrtcher 51.
Bekanntmachung, den Voranschlag des landw.Vereins vonOberheffen für 1891/92 betreffend.
Nachdem Großh. Ministerium des Innern und der Justiz den vom Ausschuß des landw. Vereins von Oberhessen ausgestellten Voranschlag genehmigt hat, wird derselbe hiermit
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zur öffentlichen Kenntniß gebracht.
A. Einnahme^
Staatssond:
Meßmer Anzeiger
Keneral-Mnzeiger.
Am Vorabend des deulsch-stsnpfischen Feldzuges 1870—71.
(1. Fortsetzung.)
Zu Tausenden strömten sie hier bereits zusammen auf des Königs Ruf. Auf der Rhein-Nahe-Bahn brannten die Pechfackeln die Nacht hindurch, in der mich em schwer belasteter Zug zur Grenze trug, und auch hier sammelten sie sich aller Orten zu den Fahnen. Tausendstimmtg schallte die „Wacht am Rhein" durch die Nacht, tiefe Stille aber herrschte in Saarbrücken, als ich im Morgendunkel von dem schloßarttg dalieaenden Bahnhofe in die Stadt schritt.
Die Gerüchte waren natürlich den Ereigmffen voran- geeUt; Saarlouis, so hieß es unterwegs, sollte durch eine Überrumpelung schon genommen, Saarbrücken bereits in den Händen der Franzosen sein. Ich selbst hätte mir m diesem Morgendüster nicht sagen können, in wessen Händen diese Stadt, denn kein lebendes Wesen begegnete mir. £*ote
Hagen zuschreitend, sah ich vor demselben ein Strohlager, zweifellos ein Posten - aber wars Freund oder Feind ? Zu meiner Beruhigung erkannte ich im Halbdunkel die preußische Uniform, einen Unteroffizier des 40. Regiments, der am Pfosten des Thorweges lehnte, während die Schildwache zur Seite träge hin und her schritt. Auf meine Frage, wie es hier stehe, sagte er mir, es sei noch nichts weiter vorgefallen, als daß draußen von der Feldwache ein französischer Chasseur vom Sattel geschaffen worden- indeß sei gestern Abend die Meldung gebracht worden, die Stadt solle in dieser Nacht überfallen werden.
Diese Nacht war nun schon vorüber - das erste Morgengrauen erhellte den Himmel. Ich warf mich in meinem Zimmer auf ein Sopha, um den Tag zu erwarten. Um
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