Folgendes sagen: Was dem Acker ahgmomme«wird,-aS mutz ihm wieder gegeben werde«. Geschieht dies nicht, so wird der Acker arm und immer ärmer, bis er zuletzt ganz erschöpft ist. Was und wie nehmen wir dem Acker etwas ab? Die Pflanzen brauchen zur Herstellung ihrer Wurzeln, Stengel, Blatter, Holz und Früchte verschiedenartige Stoffe, welche sie meistens aus dem Boden, einige aus der Luft herausziehen. Diese Stoffe müssen wieder in den Acker hineingebracht werden.
Was sind das nun für Stoffe? Woher weiß man, daß es diese wirklich sind? fragen die Leute. Unsere Chemiker sind heutzutage sehr scharfsinnige, kluge Leute. Sie haben die einzelnen Pflanzen verbrannt, haben die Asche gewogen und zerlegt und zuletzt auf das Sorgfältigste herausgerechnet, welche Bestandtheile jede Pflanze für sich besitzt. Das ist eine sehr kttzliche Arbeit, aber sie wurde gethan und wird jeden Tag gethan und deshalb kann sich der Bauer darauf verlassen, daß es richtig gemacht ist.
Alle diese Versuche haben nun bewiesen, daß sich in den Aschen der Pflanzen oder der Pflanzentbetle folgende Stoffe finden müssen: Kieselsäure, Chlor, Schwefelsäure, Pho-phorsäure, Eise«, Ratron, Magnesia, Kalk «nd Kali. Jeder deine Landwirth hat von diesen Stoffen schon sprechen bören, obgleich er sich vielleicht noch nicht vorgestellt hat, daß das Alles in seinen Aeckern stecken soll. Es wird nicht schaden, wenn sich jeder Landwirth diese Stoffe ein klein wenig merkt. Wir scheiden von den neun gleich drei aus, nämlich: Kieselsäure, Chlor ««- Natron, weil diese keine Pflanzennährstoffe sind. Wenn ein Boden diese Stoffe «icht besitzt, so wachsen die Pflanzen doch und gedeihen ganz gut. Aber ihre Asche würde, wenn die Pflanzen verbrannt und analysirt würden, diese Stoffe nicht enthalten. Die übrigen sechs Stoffe, als da sind: Phoshorsäure, Schwefelsäure, Eisen, Magnesia, Katt rr«d Kali sind die eigentlichen Nährstoffe der Pflanzen. Wenn ein Boden diese Stoffe «icht enthält, ist es mit der Pflanze fertig, sie kann nicht vorankommen und muß zu Grunde gehen-
Aus Vorstehendem ist klar, daß man vor den chemischen Experimenten gar keine Furcht zu haben braucht, und noch weniger ist ein Laboratorium nöthig. Die Namen von sechs Stoffen behalten zu können, ist am Ende doch keine Hexerei. Wir machen es dem Bauer aber noch bequemer und scheiden aus den sechs Stoffen noch einmal drei aus, die nicht sehr wichtig sind, nämlich: Schwefelsäure, Eisen und Magnesia. Es bleiben also nur noch drei Stoffe übrig: Phosphorsäure, Katt «nd Kali, oder wenn wir ganz präcise sein wollen, sind es die vier: Stickstoff, PhoSphorsäure, Kali uud Kalk, diese vier Stoffe sind die größten Freunde des Bauern, es sind die Haupttrümpfe, womit er sein Spiel gewinnt.
„Wir haben soeben den Stickstoff genannt. Er kommt unter den oben aufgeführten neun Körpern nickt vor und das hat seinen guten Grund. Der Stickstoff ist nämlich kein fester Körper, wie etwa die Kieselsäure, oder der Kalk, es ist ein luftsörmiger Körper, welcher in Rauch aufgebt, wenn eine Vflanze verbrannt wird. Daher kommt es, daß sich der Stickstoff nicht in der Asche finden kann. Er ist aber mit vielen anderen Elementen verbunden und kann für die zu erziehenden Pflanzen durchaus nicht entbehrt werden. Das geht schon viel eher mit dem Kalk. Wir lassen deshalb auch den Kalk fallen und behalten uns für den Landwirth nur noch drei Dinge zurück, die er seinem Gedächtnisse tücktig einprägen möge, nämlich: PhoSphorfä«re, Stickstoff und Kali.
Wenn ein Bauer seine Felder düngt, führt er ihnen diese drei Stoffe zu. Das Düngen hat man schon vor vielen Hunderten von Jahren ausgeübt. Man wußte, daß die Pflanzen besser, schöner und kräftiger, reicher an Körnern, stärker im Halm und besser in ihren Eigenschaften wurden, sobald man die Felder mit Mist, Jauche, Schafpferch und anberen Dingen überfuhr. Es gibt sogar Mergelböden, welche jene drei Hauptstoffe: Phosphorsäure, Stickstoff und Kali in so reichem Maße enthalten, daß man Jahrzehnte nichts als zu ernten brauchte. Die jungfräulichen Böden in Amerika und Australien bieten solche Beispiele. Das ununterbrochene Ernten nimmt aber doch ein Ende; die Pflanzen nehmen alljährlich Phosphorsäure, Stickstoff und Kalt aus dem Boden und es kommt ein Zeitpunkt, wo nichts mehr oder doch nur sehr wenig von bieten unentbehrlichen Stoffen vorhanben ist. Der Boben verarmt, wirb mager; bie Ernten werben immer schlechter, ber Acker ist schließlich unfruchtbar geworben unb er wirb es bleiben, wenn ihm bie entzogenen Stoffe nicht ersetzt, ober ihm nicht Ruhe gelassen wirb, baß er sich wieber erholen kann.
Auf biesen Punkt werben wir noch einmal zurückkommen. Einstweilen kann sich ber freundliche Leser bie brci Stoffe: Phosphorsäure, Stickstoff unb Kali tüchtig einprägen.
Literatur und Aunft.
— Baben-Baben. Die Reize bes prächtigen Weltbabeortes Baben-Baden schildert ein Artikel in dem neuesten Hefte von ,3«? guten Stunde^ (Berlin, Deutsches Verlagshaus Bong & Co.) Der v. G. Reckeis verfaßte Text ist flott und amüsant geschrieben und bie von Friebr. Stahl gelieferten Stabt- unb Naturansichten, sowie Typen aus bem Babepublikum sinb von ganz modernem Chic. Einzelne Bilder, wie namentlich die Darstellung des abendlichen Lebens vor dem Curhause, sind von größtem künstlerischen Reiz, daher denn auch das Original dieses Bildes auf der Berliner Kunstausstellung sich befindet. Paul Dobert gibt in dem Hefte eine Schilderung der Dressur der Elephanten, auf Grund der Mittheilungen des bekannten Elephantendresseurs Sam Lockhart, deffen Thiere jetzt im Berliner Hippodrom so großen Beifall erringen. Auch dieser Artikel ist mit zum Theil in farbiger Reproduction hergestellten Illustrationen geschmückt. Das vorliegende Heft beschließt den lausenden, vierten Jahrgang von „Zur guten Stunde"; für den nächsten sind ganz besondere Ueberraschungen zu erwarten.
— Das zehnte Heft der Monatsschrift ,U«fete Zeit* (Leipzig, F. A. Brockhaus) enthält den ersten Theil einer Novelle Otto Roquettes „Der weiße Rabe", die unverkennbar ihre Idee den gesellschaftlichen Anschauungen Leipzigs entnommen hat. In einem sehr lesbaren Aussätze erzählt weiter Ingenieur W. Berdrow, wie „Die electrische Kraftübertragung", deren erstaunliche Leistungsfähigkeit zu Frankfurt a. M. bewundert wird, ihren Weg bis zu diesem Ergebnisse zurückgelegt hat unb wie sie in höherem Maße, als geschieht, in Deutschland zur Verwendung kommen könnte. Unter dem Titel „Arbeiterschutzfragen" vergleicht I. Sabin die Festsetzungen der deutschen Arbeiterschutznovelle mit den auf ber Internationalen Con- serenz im Februar 1890 ausgestellten Forderungen unb ber Stellung der verschiedenen Staaten zu den Fragen und gelangt wohlweislich zu dem Schluffe, daß einstweilen das Menschenmögliche geschehen sei. Von dem im Frühjahr 1890 verstorbenen Staatsrath Dr. O. Heyfelder,
dem alten Mitarbeiter der Zeitschrift, liegt vielleicht seine letzte Arbeit vor, eine ethnographisch-zeitgeschichtliche Studie „St. Petersburg feit 30 Jahren", die in den Satz ausläuft: St. Petersburg ist europäischer geworden, nur daß es zugleich russischer, nationaler Erscheint. Eine zur Zeit viel erörterte unb ber gesetzgeberischen Reform bebürftige Frage behanbelt Lubwig Fulb: „Die Waarenabzahlungsgeschafte unb ihre rechtliche Behanblung". Dr. Alfred H ttner schildert nach eigener Anschauung „Die Städte des südlichsten Brasiliens", nicht ohne dem Hauptvertreter deutschen Wesens daselbst, dem plötzlich unter den Wirren der Revolution gestorbenen Karl von Koseritz, warme Anerkennung zu widmen. Der Stand der wissenschaftlichen Anschauungen über „Schlaf und Traum" gelangt durch Dr. med. Moritz Alsberg zur allgemein-verständlichen Darstellung, worauf Anton Schmitter in Belgrad „Die Mittelschulen in Serbien" und Dr. Kuno Frankenstein „Die deutsche Auswanderung" ^besprechen.
— Kaum irgend eine neu begründete Zeitschrift ist mit einer solchen Bewegung der Geister empfangen worden als ,Aus fremde« Z««ge«* (herausgegeben von Joseph Kürschner, redigirt von Otto Baisch, Stuttgart, Deutsche Verlags-Anstalt). Jetzt liegt der erste Band der [neuen Zeitschrift (12 Hefte ä 50 Pfg. ober sein ge- bunben in Leinwanb für 8 Mk.) abgeschlossen vor, unb man muß gestehen, baß er eine Fülle bes geistvollsten unb interessantesten Stoffes, eine Reihe ausgezeichneter Kunstwerke enthält. Zola schllbert in „Das Gelb" bas Börsentreiben mit einer Sachkenntniß, Anschaulichkeit unb brastischm Kraft wie feiner vor ihm. Tolstois „Wandelt im Lichte!" gibt ein ernstes, ergreifmbes Bilb aus den Anfängen bes Christenthums mit moralisirenber Grunbtendenz. Ouibas „Syrlm" fesselt vor Allem durch lebendige unb naturwahre Zeichnung typischer Charactere aus ber englischen Gesellschaft, unb „Phantasie" von Mathilbe Serao erzählt anmuthig unb unterhaltend aus bem Leben unb Treiben einer italienischen Mädchenpension. Neben diesen vier großen Romanen enthält der Band noch 15 kleinere Novellen aus fast allen Sprachen der civilisirten Welt, die ebenso charakteristisch für die Literaturen als für bas Volksleben der verschiedenen Nationen sind. Das Gemeinsame sämmtlicher Werke ist die künstlerische Vollendung und so bietet „Aus fremden Zungen" in der That mehr des zugleich Unterhaltenden und geistig Hervorragenden wie irgend eine andere Zeitschrift. Der nächste Band wird neben einer entsprechenden Reihe kleinerer Novellen folgende Romane enthalten: „Weiblichkeit und Erotik" von Leffler, „Ohne Dogma" von Sienkiewicz, „Beatrice" von Rider Haggard, „Der Schüler" von Paul Bourget und „Die Schwestern Verdan" von T. Combe.
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