Ausgabe 
4.10.1891 Erstes Blatt
 
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rath Professor Eduard Sonne von der Wahrnehmung der Geschäfte des Präsidenten der Centralstelle für die Gewerbe und den Landesgewerbverein vom 1. October d. I. an aus Nachsuchen unter Verleihung der Krone zum Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmüthigen, entbunden und der Generalsecretär Dr. Edmund Hesse bis aus Weiteres mit der Wahrnehmung der genannten Präsidial- Geschäste vom gleichen Tage an beauftragt worden.

Vorsicht. In der Wetterau verendeten einem Oeco-, nomen am 1. d. Mts. acht fette Schweine ohne erkenn­bare Ursache. Der Kreisveterinärarzt Herr Schmidt in Nidda erkannte nach eingehender Untersuchung Kupfer-Vergif­tung. Es stellte sich dann nach angestellten Nachforschungen heraus, daß eine Dienstmagd die Molke, welche wie es häufig geschieht zur besseren Reinigung des Kupfergeschirrs verwandt worden war, den Schweinen zur Tränke gegeben hatte. Auch in Nidda verendeten vor etlichen Jahren einem Oeconomen zwei Schweine, deren Todesursache damals nicht sicher erkannt wurde, vielleicht aber aus ähnliche Ursachen zurückzusühren ist.

Der Getreidemarkt. Die große wirthschaftliche T.ages- srage, ob die Getreidepreise sich auf ihrer Höhe behaupten oder sinken oder gar noch steigen werden, ist auf dem Ge­treidemarkte noch nicht entschieden und legt Käufern wie Verkäufern große Reserve auf. Für die weitere Fortdauer der hohen Preise sprechen der faktische Mangel an wirklich großen Getreidevorräthen in den meisten Ländern, ferner der Ausfall in der Kartoffelernte und die geringe Aussicht, daß das russische Roggenausfuhrverbot bald wieder aufgehoben wird, da in mehreren russischen Gouvernements thatsächlich Hungersnoth herrscht. Ein Sinken der Preise könnte indessen auch eintreten infolge der bedeutenden Getreidezufuhren aus Nordamerika und aus den Donauländern Ungarn, Rumänien, Serbien und Bulgarien und infolge der wahrscheinlich für den 1. Januar 1892 bevorstehenden Zollermäßigungen. Auch könnte der flaue Geschäftsgang in der Industrie und die da­mit verbundene Brodlosigkeit vieler Arbeiter den Consum so beeinflussen, daß die Nachfrage nach den Lebensmitteln ab­nimmt und auf diese Weise auch ein Druck aus die Getreide­preise ausgeübt wird.

Heusenstamm, 27. September. Das hiesige gräfliche Schloß, welches seit langem unbewohnt war, soll in Bälde in ein Asyl für verwahrloste Kinder umgewandelt werden.

Nieder-Liebersbach, 29. September. Hier ereignete sich heute Nachmittag 3 Uhr ein sehr trauriger Todesfall. Der 11jährige Sohn des Schreiners Franz Stäckler IV. weidete auf dem Felde eine Kuh. Dabei beging er die Un­vorsichtigkeit, sich die Leine, die der Kuh um die Hörner ge­bunden war, an sein Handgelenk festzuschnallen. Aus un­bekannter Ursache wurde das noch junge Thier scheu, ging durch und schleifte den Knaben etwa eine Viertelstunde Wegs weit bis ins mittlere Dorf. Erst hier konnte das Thier eingeholt werden, aber es war alle Hilfe zu spät. Der Knabe war ohne Bewußtsein und verschied nach einigen Minuten. Die Mutter war einige Schritte von der Weide­stelle entfernt mit Kartoffelausmachen beschäftigt, konnte aber

das rasende Thier nicht einholen. Herzzerreißend war das Wiedersehen für die Eltern.

Darmstadt, 2. Ociober. Die unter Leitung des Ober­lehrers Pfaff dahier bestehende Hauswirrhfchafts- schule für Mädchen wird gegenwärtig von 82 Schülerin­nen besucht. Der erste Unterrichtscursus (188990) zählte 36 Elevinnen, der zweite (189091) 70. In der genann­ten Schulanstalt werden die verschiedenen Zweige der Haus- wirthschaft theoretisch und practisch den Schülerinnen nahe gebracht. Genannte Schule ist die erste ihrer Art im ganzen Großherzogthum.

Bingen, 1. October. In dem benachbarten Gau-Atges- heim hat sich ein kaum der Schule entwachsener Knabe in einem Weinberg erhängt, weil seine Mutier zum heiligen Rock nach Trier wallfahrte, ohne den Jungen mitzunehmen.

Xussug aus den Standesaintsregisterw

der Stadt Gieße«.

Aufgebote.

September: 26. Christoph Friedrich Dersch, Schneider zu Marburg, mit Katharine Menkel zu Ockershausen. October: 2. Dr. Emil Bernhard Wehmer, pract.Arzt zu Dietzenbach, mit Martha Georgine Pascoe Hierselbst.

Eheschließungen.

September: 30. Heürrich Friedrich August Christian Müller, Kaufmann zu Kinzmbach mit Clara Eberhard Hierselbst. 30. Wilhelm Heinrich Tränkner, Stattonsgehülfe bei der Main-Weser-Bahn dahier, mit Elisabeth Schmitt Hierselbst. 30. Georg Dietrich Wilhelm Martin Müller, Metzger dahier, mit Marie Wilhelmine Marx von hier. October: 2. Johann Heinrich Müller, Schlosser von Hanau, mit Elisabethe Christine Bechtold Hierselbst.

Geborene.

September: 23. Dem Schlosser Johannes Ommert ein Sohn, Wilhelm Emll Julius. 24. Dem Weber Otto Gaßmann ein Sohn, Karl August Otto. 24. Dem Dienstmann Kaspar Eisenbach eine Tochter. 24. Dem Großherzoglichen Revisor Emil Franz ein Sohn, Paul Heinrich Karl. 25. Dem Metzgermeister Gustav Sack ein Sohn, Carl Emil. 26. Dem Metzgermeister Gustav Trinkaus ein Sohn, Andreas Karl. 26. Dem Weißbinder und Lackirer Karl Volz ein Sohn. 26. Dem Schreiner Kaspar Heinzerling ein Sohn. 28. Dem Taglöhner Johannes Wagner VIII. ein Sohn, Wilhelm. 28. Dem Kaufmann Wilhelm Schuchard ein Sohn. 28. Dem Dienstknecht Heinrich Scharmann eine Tochter. October: 1. Dem Großh. Universitäts-Professor Dr. Wilhelm Sievers ein Sohn, Otto Helmuth Wllhelm. 2. Dem Schreiner Philipp Rühl Zwillinge, zwei todtgeborene Söhne.

Gestorben«.

September: 25. Wilhelm Karl Heuser, 4 Monate alt, dahier. 26. Elise Weisel, geb. Frees, 31 Jahre alt, Ehefrau von Gemüse­händler Jean Weisel dahier. 27. Andreas Karl Trinkaus, 12 Stunden alt, Sohu von Metzgermeister Gustav Trinkaus dahier. 28. Elisabeth Fischbach, geb. Winn, 27 Jahre alt, Ehefrau von Küfer Georg Fischbach dahier. 28. Hermann Fleck, 1 Jahr alt, Sohn von Tag- löhner Peter Fleck dahier. 30. Eleonore Hubeler, geb. Gerhard, 67 Jahre alt, Wittwe von Weichensteller Peter Hubeler dahier. 30. Adam Hinter, 46 Jahre alt, Schutzmann dahier.

Auszug aus den rNrchenHüchern

der Stadt Gieße«.

Evangelische Gemeinde.

Getraute.

Den 30. September. Georg Dietrich Wllhelm Martin Müller, Metzger in Gießen, und Marie Wilhelmine Marx, Tochter des Fuhr­manns Philipp Marx in Gießen.,

Denselben. Heinrich Friedrich August Christian Müller, Kauf­mann in Kinzenbach, und Aara Eberhard, Tochter des Ingenieurs Wllhelm Eberhard in Gießen.

Den 1. October. Wilhelm Heinrich Tränkner, Stationsgehllfe in Gießen, und Elisabeth Schmitt, Tochter des Briefträgers Ludwig Schmitt in Gießen.

Dm 2. October. Johann Heinrich Müller, Schloffer in Gießm, und Elisabeth Christine Bechtoldt, Tochter deS TaglöhnerS Georg Bechtoldt in Gießm.

Getankte.

Den 26. September. Dem Metzgermeister Gustav TrinkauS ein Sohn, Andreas Karl, geboren dm 26. September.

Dm 27. September. Dem Wirth Georg Pfaff eine Tochter, Auguste, geborm dm 26. August.

Denselben. Dem Former Johannes Lemp ein Sohn, Heinrich Wllhelm, geboren dm 20. Juli.

Denselben. Dem Schuhmacher Caspar Fehl eine Tochter, Hermine Wilhelmine Lina Katharine, geboren de« 26. August.

Denselben. Dem Vorarbeiter-Aspirant Magnus Becker ein Sohn, Ludwig Heinrich, geboren den 25. August.

Denselben. Dem Oeconom Wilhelm Lindmstruth III. ein Sohn, Georg, geboren den 31. Juli.

Denselben. Dem Fuhrmann Johann Heinrich Will II. ein Sohn, Heinrich Philipp, geboren dm 25. August.

Beerdigte.

Den 28. September. Elise Weisel, geb. Frees, Ehefrau deS Gemüsehändlers Jean Weisel, alt 31 Jahre, gestorben dm 26. Sept.

Den 30. September. Elisabeth Fischbach, geb. Winn, Ehefrau deS Küfers Georg Fischbach, alt 27 Jahre, gestorben den 28. Sept.

Sc^iff»nad?rid?ten.

Der Postdampfer23elgenlanb" derRed Star Linie" in Antwerpen ist laut Telegramm am 29. September wohlbehaltm in Philadelphia angekommen.

Der PostdampferNoordland" derRed Star Linie" in Antwerpen ist laut Telegramm am 1. October wohlbehalten in Newyork angekommen.

Verkehr, Land« nnd Volksrvirthschafi.

Gieße«, 3. October. Marktbericht. Auf dem heutigen Wochenmarkt kostete: Butter pr. Pfd. X 1,101,20, Hühnereier 1 ©t 6-7, 2 St.--H, Enteneier 1 St.--H, 2 St. - A,

Käse pr. St. 48 A, Käsematte pr. St. 3 A. Erbsen vr. Liter 25 A, Linsen pr. Liter 29 A, Tauben pr. Paar X 0,500,70, Hühner vr- Stück X 0,901,00, Hahnen pr. St- X 0,500,75, Enten pr. Stück X 1,70-2,00, Ochsenfleisch pr. Pfd. 70-76 A, Kuh- und Rindfleisch 6064 A, Schweinefleisch 6070 A, Hammelfleisch 50'74 A, Kalb­fleisch 56-60 A. Kartoffeln pr. 100 Kilo 7,00-8,00, Weißkraut vr. St.--Ai Zwiebeln per Certtner X 4,005,00, Milch per

Liter 12-18 A.

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Temperatur in Gießen.

September 1891.

Niederste.......+ 1,0 °B.

Mittlere.......+ 11,56

Mittel früherer Jahre.....+ 11,00

Höchste........+ 22,3 ,

Niederschlag an 9 Tagen.....1,23 Par. Zoll.

im Mittel früherer Jahre an 14 Tagen 1,97

Im Namen des Großherzogs!

In der Privatklagesache der Konrad Müller Chefrau zu Gießen, vertreten durch Rechts­anwalt Labroiffe, Privatklägerin gegen

den Wirth Eduard Riemer zu Gießen, vertreten durch Rechtsanwalt Grünewald, Angeklagten

wegen Beleidigung, hat das Großh. Schöffengericht zu Gießen in seiner Sitzung vom 11. Sep­tember 1891 für Recht erkannt:

Der Angeklagte Eduard Riemer, Wirch zu Gießen, 33 Jahre alt, evangelisch, verheirathet, nicht bestraft, wird wegen Beleidigung nach §. 185, 200 St.G.B. in eine Geldstrafe von zehn Mark, im Falle der Nichtein- bringlichkeit zu verbüßen mit zwei Tagen Hast, und in die Kosten des Verfahrens mit Einschluß der der Privatklägerin erwachsenen nothwen- digen Auslagen verurtheilt.

F. d. A.:

L a b r o i s s e , __________Rechtsanwalt. 8819 Obstversteigerung.

Dienstag den 6. ds. Mts., von Morgens 9 Uhr anfangend, soll das hiesige Gemeinde-Obst, bestehend in Aepfeln, Birnen und Zwetschen, an Ort und Stelle meistbietend ver­steigert werden.

Die Zusammenkunft ist im Ort. Bersrod, am 1. October 1891. Großh. Bürgermeisterei Bersrod. __Bocher._______8799 Anmeldungen v Schülerinnen nehme jederzeit entgegen.

Charlotte Müller, Handarbeitslehrerin, Marktsttatze 3, II. [8835

Submission.

Für unsere Kliniken soll pro 1891/92 die Lieferung von

12 Ctr. Aepfeln,

550 Kartoffeln,

10 Kornstroh,

10 untererd. Kohlraben, iy2 i/ obererd. Kohlraben,

9 Zwiebeln,

1 rother Rüben,

1 Meerrettig,

6 weißer Rüben,

10 gelber Rüben,

36 Weißkraut,

100 St. Rothkraut,

300 Wirsing,

350 ,, Lauch und

250 Sellerie

auf dem Wege der Submission ver­geben werden.

Lieferungsbedingungen können auf dem Verwaltungsbureau Nachmittags von 3 bis 5 Uhr eingesehen werden.

Offerten sind versiegelt und mit entsprechender Aufschrift versehen, bis zum

15. d. Mts., Vormittags 12 Uhr,

aus dem erwähnten Bureau abzugeben.

Gießen, den 2. October 1891.

Großh. Verwaltungs - Direction der chimrg.-ophthalm. Universitäts-Klinik. __________Vossius. 8798

Ein der Gemeinde Wieseck gehörender schwerer Faselochse soll nächsten Donnerstag den 8. October, Vormittags 10 Uhr, auf dem Bürgermeisterei-Bureau dahier ver­steigert werden.

Wieseck, den 2. October 1891.

Großh. Bürgermeisterei Wieseck.

__Sommerlad. 8796

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Bekanntmachung.

Für die Grobherzoglichen neuen Kliniken sollen auf dem öffentlichen Submissionswege vergeben werden ca.:

16 Gentner gebrochene Aepfel ver-

schiedener Sorten,

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gute Speisekartoffeln,

20

ii

sog.Mäuschenkartoffeln,

6

ti

untererdige Kohlrabi,

1

ii

obererdige Kohlrabi,

7

ii

Zwiebeln,

2

ii

rothe Rüben,

2

ii

Meerrettig,

6

n

gelbe Mben,

400

Stück

Weißkraut,

100

n

Rothkraut,

300

il

Wirsing,

200

ii

Lauch und

300

li

Sellerie.

Die Lieferungsbedingungen können auf dem Verwaltungsbureau der neuen Kliniken an den Wochentagen Nach­mittags von 3 bis 6 Uhr eingcsehen werden.

Offerten sind versiegelt und mit ent- sprechender Aufschrift versehen bis zum

17. Oetober 1891, Vormittags 12 Uhr, auf dem erwähnten Bureau abzu­geben. 8848

Gießen, den 3. October 1891. Großh. Direction der neuen Kliniken.

Donnerstag den $. Oktober,

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