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9?un ist eS eine unumstößliche Wahrheit, daß Diejenigen, die de- Schutze- am meiste« bedürfe«, am wenigsten Gebrauch von den so reichlich dargebotenen Gelegenheiten machen. Wir lasen kürzlich in dieser Zeitung, daß reiche Engländer und Amerikaner ihr Leben mit Hunderttausenden, ja mit Millionen versichern. Für solche Posten könnten sich 50 bis 100 kleine Bauern, in unserer Provinz Sicherheit und ruhigen Schlaf verschaffen, sie hatten es viel nöthiger als die englischen Lords oder die amerikanischen Yankees mit ihren riesigen Geldsäcken.
Sehen wir uns die Sache etwas genauer an. In der Regel wird gefragt: Wa-soll man versichern? Antwort: Alle-! Haus und Hof, Aecker und Wiesen, Vieh, Schiff und Geschirr, Leben und Gesundheit. Man soll gegen Feuer, Hagel, Blitzschlag, Wasser, Viehseuchen, Unfälle und gegen den Tod versichern.
Betrachten wir das Letztere zuerst. Angenommen ein gesunder, kräftiger Mann, der ein mäßiges Vermögen besitzt, dessen Kinder heranwachsen, bat sein Lebe« mit einigen Tausend Mark 'versichert. Das scheint ihm und seinen Nachbarn schon ein großes Stück zu sein. Nun will es das Unglück, daß er unter einen Wagen kommt oder daß er von der Scheuer herabstürzt oder in einer anderen Weise derart beschädigt wird, daß er lebenslänglich ein Krüppel bleibt und nichts mehr leisten kann. Solche Fälle kommen hundertfach vor. Was nützt ihm nun zuvörderst die Lebensversicherung? Nichts! Er muß noch viele Jahre lang die Prämie entrichten und das wird ihm drückend, weil er selbst nichts mehr verdienen kann.
Wäre es daher nicht viel richtiger r die Leute gingen in eine Unfallversicherung, bet der sie auch auf den Todesfall versichern können! Je nachdem ihnen etwas passirt, erhalten sie oder die Hinterbliebenen Entschädigung; auch bei Lebzeiten wird gezahlt und die Prämie kann nicht drücken, weil ja das Capital vorhanden ist, sobald ein Unglück eintritt. Darum muß man in erster Linie die Unfallversicherung und zwar eher al- die Leben-Versicherung (die aber miteinbegriffen werden kann) empfehlen.
Gegen Feuerschaden wird das Haus, durch unsere staatliche Brandkasse zwangsweise, versichert. Die Versicherung der Mobilien ist gerade so wichtig wie diejenigen der Gebäulichkeiten. Bei der Mobiliarversicherung werden oftmals zwei Mißgriffe gemacht, entweder die Leute versichern zu hoch oder zu niedrig.
Man muß es tadeln, wenn die Leute mehr verstcher«, als sie besitzen. Das zeigt von Unreellttät des Characlers; der Versicherer will ein Geschäft machen, wenn ein Unglück passirt. Früher brachten es Diejenigen, die Bankerott machten, fertig, daß sie reich dabet wurden. Selbst heutzutage wissen es noch manche herauszukriegm, obgleich die Gesetze schärfer geworden sind. Aber was sind das für Charactere!
Man soll aber auch nicht weniger versichern, al- man besitzt, denn wenn Schaden etntrttt, ist das schon Unheil genug und wenn einer Prämien zahlt, kommt es auf einige Pfennige mehr auch nicht an, damit er hintendrein auch Alles ersetzt bekommt, was er wirklich verloren bat. Es folgt daraus, daß der Landwirth überall, auch bei Abschluß von Verstcherungen, streng reell sei« soll, damit nachträglich keine Processe oder schlechte Nachreden entfielen
Viele Leute sind dem Versicherungswesen abhold, obgleich sie von dem großen Nutzen desselben längst überzeugt sind. Man kann sie zum Guten nicht zwingen; sie selbst wirken aber Uebles dadurch,
daß sie Andere von VersicherungLabschlüssm abhalten oder ihnen das Versichern verleiden. DaS ist ein großes Unrecht. Man hat viele Fälle, wo Leute auStratm, weil es viele Jahre nicht gehagelt oder gebrannt hatte; wozu die Gelder weiter zahlen, sagen sie, es brennt oder hagelt ja doch nicht, das Geld kann ich sparen. Kaum sind sie ausgetreten, so bricht ein Unglück herein und nun ist Alles verloren: die früher zwecklos gezahlten Prämien und das Mobtltareigenthum. Darum ist es ein unverzeihlicher, bodenloser Leichtsinn, aus einer Versicherung auszutreren, weil es seit vielen Jahren nicht gebrannt oder gehagelt hat. Je lLnger solche Unglück-fLlle fern bliebe«, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, daß sie in nicht zu ferner Zeit eintreten könne«. Das merke sich ein jeder Land- wirth uno ein jeder Familienvater, der eS aufrichtig mit sich selbst und seinen Angehörigen meint.
Schon oben sprachen wir von Lebens- und Unfallversicherung. Das höchste irdische Gut des Menschen ist Leben und Gesundheit. Wie oft aber ist beides bedroht, beim Fahren, Reiten und Gehen, beim Auf- und Abladen, Überall lauern Tücken, Gefahren und Feinde. Darum soll jeder brave Familienvater darnach trachten, die bitteren Folgen zu verhüten, die durch den Verlust des köstlichsten Gutes herbetgeführt werden. Essen und Trinken sind nolhwendig, um Leib und Leben zu erhalten. Versicherungen gegen Feuer-, Hagel- und Lebensgefahr sind ebenso nöthig, lieber Landwirth, wie Essen und Trinken. Präge Dir das ja recht tief und fest ein und handle darnach, Du wirst es nie bereuen. Es ist gar schön, wenn man sich sagen kann: Da ist nun Feuer ausgebrochen, oder Hagel verwüstet die Fluren, oder ein Mißgeschick hat mir ein Glied des Körpers vernichtet, aber es ist gesorgt für Alles, ich und die Meinen brauchen nicht zu darben.
Wo aber werden die Gelder für die Prämien hergenommen? fragen Viele. Die Antwort ergibt sich auch: Wenn wir soviel Geld für Versicherungen ausgeben, als wir vertrinken (was aber gewiß nicht nöthig ist), dann können wir sehr beruhigt sein. Wo daher gespart werden kann, ergibt sich leicht. Wer Ohren hat zu Horen, der höre.
Literat«? «nd N«n?t
— Die schöne Reisezeit hat begonnen! Die verjüngte Natur ruft alle aus den dumpfigen Gemächern und erweckt in Jedem die Reiselust. Reisen, ja reifen möchte ich, aber wohin, und wie richte ich es ein, damit ich mit einer kleinen Summe in der schonen Natur lustwandeln kann ? Und wie habe ich mich dazu zu rüsten? So hört man Viele fragen. Nun seid getrost Ihr Wanderlustigen! Ein schönes Blatt, das vielfach preisgekrönt, sich, fowett die deutsche Zunge klingt, großen Ruf erworben hat durch das stete Bestreben veizutragen zur menschenwürdigen harmonischen Gestaltung des Familienlebens, gibt Euch viele gute Rathschläge und zeigt Euch, welche Wege Ihr einschlagen müßt, um Euch des.Sommers zu freuen. Es ist dies die zu Dresden erscheinende Wochenschrift
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21. Woche. Dom 24. Mai bis 30. Mai 1891.
Einwohnerzahl: 20 611 (tncl. 1600 Mann Militär).
Sterblichkeitsztffer: 20,19 -/«bezw. 15,14 nach Ausschl. der Ortsfremden
Kinder
Es starben an: Zusammen: Erwachsene: im vom
1.Lebensjahr: 2.—Ib.Jahr
Diphtherie 2 (2)
Lungenschwindsucht 3
Acute entzündliche Erkrankungen der Ath- mungs-Organe 1
Andere bekannte
Krankheiten 2
X 2 (2)
3 — -
1 — —
1 1
Summa: 8 (2) 5 1 2 (2)
Anm. Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viele der Todesfälle in der betreffenden Krankheit aus von Auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen.
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In Folge freiw. Anstehens bringt der unterzeichneie Gerichtsvollzieher ^Donnerstag den 4. Juni,
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auf der Reumühle bei Beirern folgende Gegenstände zur Versteigerung:
ca. 300 «tr. Steinkohlen, 1 voll-
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