auszubieten, um die Berathung der Versassungsrevision zu beschleunigen.— Zwei der Dhnamitdiebe sind wahrscheinlich von Seraing nach Frankreich geflüchtet. — In den vier belgischen Kohlen bezirke n herrscht andauernd Ruhe, trotz der Gerüchte, welche man betreffs des bevorstehenden Strikes colportirt.
Seraing, 2. April. Nach den Ermittelungen der Polizei sind noch mehr Dynamitdiebstähle verübt worden. Im Gehölz von Cornitton, wo die Niederlage der gestohlenen Sprengstoffe vorhanden sein muß, werden Nachsuchungen angestellt. Dem Journal „Etoile belge" zufolge besteht im Kohlengebiete von Seraing eine fest organisirte Anarchisten- grnppe.
Liffabon, 2. April. Das deutsche Uebungs-Ge- schwadcr ist gestern hier eingetroffen. Nachmittags besuchte Admiral Schröder den Marineminister; er wird heute vom Könige empfangen werden. Alsdann wird der König den Besuch erwidern. Der deutsche Gesandte veranstaltet zu Ehren der Gäste einen Ball.
Sofia, 2. April. Die beunruhigenden Nachrichten serbischer Blätter, namentlich des Organs „Malenovine", über die Lage in Bulgarien, wonach hier der Belagerungszustand erklärt sein sollte, zwei Regimenter revoltirt hätten, Stambulow verwundet sei, die Regierungsgewalt in den Händen des Militärs, dessen Chef Benderew sei, sich befinde, und die Militärkadettcn in den Gefängnissen säßen, sind, der officiösen „Agence" zufolge, Phantasiegebilde und unbegründet- im ganzen Lande herrscht vollständige Ruhe.
Petersburg, 2. April. Der Botschafter Gras Schuwalow hat gestern seine Rückreise nach Berlin angetreten.
Konstantinopel, 2. April. Nach Meldungen aus U esküb drangen in der vorigen Woche auf Befehl Kemali Paschas, ches Gouverneurs von Kassowo, Zaptiehs in das dortige, unter dem österreichischen Schutze stehende Gotteshaus, zerstörten das im Hose befindliche Glockengerüste, dessen Entfernung der Pfarrer verweigert hatte. Der österreichisch-ungarische Botschafter überreichte gestern der Pforte eine Note, in welcher er strengste Untersuchung und Bestrafung der Misse- thäter, sowie Wiederherstellung des Zerstörten verlangt. — Kaiser Wilhelm ließ dem Großvezier wegen des Todes seines Sohnes durch v. Radowitz condoliren.
Philadelphia, 2. April. In Morewood (Pensylvanien) soll heute Vormittag zwischen ausständigen Cokesarbeitern und der Schutzmannschaft ein thätlicher Zusammenstoß stattgefunden haben. Drei- bis vierhundert Ausständige seien nach den Werken der Frik'schen Cokesgesellschast gezogen und hätten die Thürcn und Fabrikgebäude zu zertrümmern begonnen und aus die Sheriffs gefeuert. Mehrere Sheriffs seien leicht verwundet worden. Die Sheriffs hätten mit Remingtongewehren das Feuer erwidert und sieben der Angreifer getödtet, eine größere Anzahl verwundet. — Ein späteres Telegramm aus Moorewod gibt die Zahl der bei dem Zusammenstoß getödteten Arbeiter auf 11, die der Verwundeten auf 27 an. Sämmtliche seien Ausländer.
Pittsburg, 2. April. Die strikenden Bergarbeiter stellen cs m Abrede, daß sie den Termin, betreffend die Ein- sührurig der achtstündigen Arbeitszeit, geändert hatten. Die Lage im Kohlendistrict, auf welchen sich die Anstrengungen der Bergarbeiter eonccntrirten, ist noch immer ernst. Die Grubenbesitzer erwarten jeden Augenblick den Ausbruch eines Strikcs. Mau glaubt, daß ein allgemeiner Ausstand für den “2. April angeordnet ist.
Mexiko, 2. April. Der Congreß wurde gestern eröffnet. Der Präsident bezeichnete in seiner Botschaft die Beziehungen Mexikos zum Auslande als freundschaftliche; die wirthschaftliche Lage schreite stetig fort und die Finanzen seien niemals zufriedenstellender gewesen als jetzt.
Locales und Provniz!el!es.
Gießen, 3. April.
— Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Aüergnädigst geruht : den Director der höheren Mädchenschule zu Gießen, Karl Vigelius, auf sein Nachsuchen, unter Anerkennung seiner treugeleisteten Dienste, in den Ruhestand zu versetzen,
und den Nealgymnasiallehrer Di. Friedrich Landmann zu Gießen zum Director der höheren Mädchenschule zu ernennen.
(Herr Director Landmann ist ein Sohu des bis zur Mitte der 7Oer Jahre in unserer Stadt thängen, heute noch in bestem Andenken stehenden Pfarrer Landmann.)
— Bismarck-Feier. Am Mittwoch Abend hatte sich zur Feier des 77. Geburtstages Sr. Durchlaucht des Fürsten Bismarck eine stattliche Anzahl der Freunde und Verehrer des ehemaligen Reichskanzlers in der fUt. Schäfer'scheu Restauration dahier zu einem Festessen versammelt. Nachdem Herr Fabrikant I. Haustein, der als ältestes Mitglied der Gesellschaft den Vorsitz führte, die Festtheilnehmer mit herzlichen Worten begrüßt hatte, brachie Herr Stadtverordneter Schwall mit wahrer Begeisterung den Trinksprnch auf den Begründer des neuen deutschen Reiches aus, ein Toast, der in seiner patriotischen Wärme einen bedeutenden Eindruck machte und großen und anhaltenden Beifall erntete. Das von dem Redner ausgebrachte Hoch fand jubelnden Widerhall. Nach dem Gesänge eines schönen Liedes verstanden es im weiteren Verlaufe des Abends noch mehrere Redner, die lebhafte, angeregte Stimmung der Anwefendeu durch ernste und auch durch heitere Ansprachen zu immer größerer Begeisterung zu entfachen. Herr Kaufmann Wenzel sprach aus das deutsche Volk, Herr Gasdirector Bergen feierte unfern Kaiser Wilhelm 1L, der Herr Vorsitzende Moltke, Herr Real- gymnasiallehrer A l b a ch sprach aus die Heranwachsende Jugend, die einst berufen sei, das Vaterland zu schützen. Während deS Essens wurde auch cm Glückwunschtelegramm an Bismarck ubgesandt. Bis zum Schluß der würdigen Feier, deren schöner Verlaus gewiß einem jeden der Festtheilnehmer noch lange in angenehmer Erinnerung bleiben wird, wechselten
witzige, humorvolle Reden mit schönen, patriotischen Gesängen ab.
— Vom Preisgericht des Wettbewerbs zur Anfertigung von Entwürfen für eine neue evangelische Kirche za Gießen sind zwei gleiche Preise ertheilt worden, den Herren Grisebach & Dinklage, Architekten zu Berlin, sowie Herrn Schultze, Stadtbaiimeistcr in Berlin. Zum Ankauf wurden empfohlen die Entwürfe von Herrn Vollmer, Docent der technischen Hochschule zu Berlin, sowie Herrn Hehl, Architect in Hannover.
Die öffentliche Ausstellung sämmtlicher Wettbewerb- Entwürfe findet statt von Samstag den 4. bis Samstag den 11. d. Mts., von 10 bis 12 Uhr Vormittags und 2 bis 4 Uhr Nachmittags, am Sonntag von 11 bis 3 Uhr in der Aula der Universität.
Butzbach, 2. April. Mit dem vorgestrigen Tage ist der langjährige Vorsteher des hiesigen Postamts, Herr Kirschner, nach ca. 38jähriger postdienstlicher Thätigkeit in den wohlverdienten Ruhestand getreten. Nicht nur bei feiner vorgesetzten Behörde war er durch seine dienstliche Gewissenhaftigkeit hochgeschätzt und wofür er erst kürzlich von Seiner Königlichen Hoheit dem Großherzog durch das Ritterkreuz des Verdienstordens Philipps des Großmüthigen ausgezeichnet worden war, sondern auch bei seinen Mitbürgern und allen, die ihn kennen, erfreut sich Herr Postmeister Kirschner einer allgemeinen Beliebtheit. Herr Postmeister Gresser aus Call, Regierungsbezirk Aachen, hat mit dem gestrigen Tage die Leitung des hiesigen Postamts übernommen.
5 Ruppertenrod, 2. April. Gestern weilte ein Unter- suchullgsrichter aus Gießen hier und hörte mehrere Zeugen ab wegen einer Meineidsasfaire, die folgende Ursache zu ihrer Entstehung hat. Ein hiesiger junger Bursche war von einer jugendlichen Dieustmagd daraufhin verklagt worden, daß er ihr eine Ohrfeige und zwar eine saftige, applicirt hätte. Zur Verhandlung am Schöffengericht nahm sich der Angeklagte einen anderen jungen Burschen als Entlastungszeugen mit. Aus dessen Aussagen nahm das Gericht den Verdacht des Meineids an und setzte den Zeugen sofort in Untersuchungshaft, aus der er aber wieder entlassen ist. Welche Momente die Untersuchung ergeben hat, darüber verlautet nichts.
— Mücke, 2. April. Die Abendpost, welche von hier über Ruppertenrod nach Ulrichstein fährt, schloß seither an den um 6.25 Uhr von Gießen hier ankommenden Zug. Seit gestern hat dieselbe aber wieder Anschluß an den letzten von Gießen hier um 8.40 Uhr ankommenden Zug.
vermischtes.
* Darmstadt, 2. April. Seine Königliche Hoheit der Groß Herzog haben Allergnädigst geruht: am 28. v. Mts. den Finanzaspiranten Emil Mohr Hardt ans Bessungen, mit Wirkung vom 1. April l. I. an, zum Calculator bei den Oberhessischeu Eisenbahnen zu ernennen.
* Darmstadt, 2. April. Am Dienstag Nachmittag fand ein junger Mann vor einem Hause in der Rheinstraße sechs Kassenscheine u 5t) Mk., zusammen also 300 Mk. Der redliche Finder forschte nach dem Eigenthümcr und ermittelte bald, daß der Lehrling eines großen Geschäfts das Geld verloren, worauf der Finder das Geld an den Prinzipal des Lehrlings ablieferte. Der sehr reiche Mann sprach dem Finder einfach seinen „Dank" aus, ohne ihm einen Pfennig zu bezahlen. Gewiß sehr „nobel!"
* Große internationale Hunde-Ausstellung. Die Vorbereitungen zu der vom „Verein zur Züchtung reiner Hunde- Rassen" in Frankfurt a. M. in den Tagen vom 28. bis 31. Mai d. I. auf dem Territorium des „Landwirthschaft- lichen Vereins" daselbst zu veranstaltenden Ausstellung sind bereits im Gange und lassen mit Sicherheit erwarten, daß die Beschickung eine außergewöhnlich zahlreiche und qualitativ ganz vorzügliche werden wird, da nicht nur aus allen Gauen Deutschlands, sondern auch aus Belgien, England, Frankreich, Holland und der Schweiz, ja selbst aus Nord- und Süd- Amerika zahlreiche Einsendungen vorzüglicher Raffe-Hunde jetzt schon zugesagt sind. . _________
titcratur unt> litnift.
— »Wiener Mode." Mit dem uns vorliegenden 12. Hftte schließt das Winttrquartal der „Wiener Mode" in würdigster Weise. Der farbige Umschlag bietet zwei Perlen: einen Mädchenhut und eine Toilette für junge Frauen. Daß das Innere des Heftes den höchsten Anforderungen entspricht, ist bei dem musterhaft geleiteten Vlatie selbstverständlich; sowohl die Toilette-Abbildungen, als auch der der Handarbeit gewidmete Theil können auf die Bezeichnung „künstlerisch vollendet" Anspruch erbeben und sind außerdem von einer staunenerregenden Reichhaltigkeit.
Landwirtschaftliche Winke und Rathschläge.
Laudwirthschafttiche Rebenbetriebe.
(Ueber verkannte Größen unter ven Gemüsepflanzen.)
(Schluß aus Nr. 72.)
A Ans Oberheffen, Ende März.
Ein anderes Gewächs ist in unserer Gegend zwar bekannt, aber fast nicht angewandt: die Hagebutte. Es ist die Frucht der wilden Rose (Rosa canina, R. villosa, R. umbellata und andere). Die Früchte werden tm Spätherbste reif. Schon von Weitem ieuchien sie dem Wanderer roth, gelb, grünlich gelb, je nach öem Reifegrad, von den wilden Rosendornen entgegen. Wer diese Frücht- nicht kennt, sie aber bei uns in Oberhessen erfragen will, hat einige Mühe damit, denn der vulgäre Ausdruck für Hagebutte ist ein wenig parlamentarisches Wort.
Nun zu deren Anwendung: Man sammelt die Früchte im Herbste, wenn sie schön rolh sind, noch blvor stärkere Fröste — die die Hagebutten zerstören — austrelen. Die Früchte werden durchschnitten, die Kerne und Samenhaare entfernt und die Schalen an der Luft oder in der Nähe des Ofens langsam getrocknet. Man kann die Schalen auch in einen Faden aufreihen und an die Lust hängen.
Die Verwendung in der Haushaltung und Küche ist btt der Hagebuile eine sehr mannigsalttge. Zn noch frischem Zustande werden die Schalen zu Eompott verwandt oder in Zucker eingemacht und aufbewahrt. Sehr gut eignen sie sich zu Saucen; wieder andere verwenden sie zu einem prächtigen Liqueur. Soviel ist gewiß: die Hagebutte gehört r« den Delicateffen; sie wächst draußen in
den Feldern, an Rainen, in Hecken und Dornen wild, aber Niemand' kümmert sich um die vortreffliche Frucht bei uns. Es ist eine sonderbare Erscheinung bei uns, daß eine ganze Reihe ausgezeichneter Küchenpflanze« gänzlich unbeachtet bleibe«.
Thüringen, das Land der Gemüse, Blumen und Sämereien, geht auch darin mit gutem Beispiele voran. Kinder und alte Leute sammeln im Herbste viele Lausend Liter Hagebutten, bringen sie zu Markte und verdienen ein schönes Stück Geld damit. Das könnte doch bei uns ebenso gut geschehen, als man Erdbeeren, Preißelbeeren, Himbeeren und Heidelbeeren sammelt und ebenso ließen sich Löwenzahnblätter und Brunnenkressen (bei Letzteren geschieht es zuweilen) feildieten, das Interesse für diese Gewächse würde dann schon bcröortreten.
Die Hagebutten haben aber auch für -en Rosensreund Bedeutung. In Folge davon, daß es viele Rosenfreunde gtbt und Wildlinge von allen Seiten verlangt werden, sind Letztere selten und theuer geworden. Man verschafft sich daher im Herbste den Hagebuttenfamen, reinigt ihn und sät ihn im Frühjahre in Reihen ober Riefen in den Garten an einen Platz, der für die übrigen Kulturpflanzen nicht erforderlich ist. Die Rosenwtldttnge gehen bald auf: man schneidet sie auf das letzte Auge zurück, damit sie möglichst kräftige Ruthen treiben, stellt sie licht, um ihnen Platz zur Entwicklung zu schaffen und hat in einigen Jahren die schönsten Wildlinge, die man sich wünschen kann.
Hinsichtlich der edle« Rose wird schließlich noch bemerkt, daß diese keine oder nur sehr unbedeutende Früchte, Hagebutten, erzeugt Die Organe der Befruchtung bei den edlen Rosen sind umgewandelt und bringen daher keine oder nur ganz geringwerthige Hagebutten hervor. Der Rosenfreund, dem es auf die schöne Blume anfommt, thäte aber auch sehr unrecht an seinem Stämmchen, wenn er diese zur Fruchtbildung veranlassen wollte, weil dadurch die ganze Kraft des Stammes nach der Frucht geleitet würde. Der Rosenfreund verhüttt diese Kraflvergeudung, indem er die Rosen, sobald sie am Abblühen sind, beseitigt und benützt die Kraft zur Bildung von neuen Blumen.
Wer Hagebutten ziehen will, dem empfehlen wir außer der gc- wöhnlichen Hundsrose (Rosa canina) besonders die Apfelrose (Rosa villosa), auch Rosenapfel genannt, die große, fleischige Früchte hervorbringt. Ferner ist zu nennen: Rosarugosa, welche auch schöne weiß und rothblühende Vluimn besitzt und ungemein große Früchte mit aromatischem Geschmacke zeitigt. Bei dieser Sorte kommt es vor, daß man Blumen, roihe und grüne Fruchte zugleich an einem Stamme findet. Rosa rugosa ist UM deswillen zu empfehlen, weil sie — aus Sibirien stammend — ungemein wetterfest ist und die kältest-n Winter überdauert.
Nicht wird wachsend, aber leicht zu ziehen ist die GiSpflanze (Mesembryanthemum crystallinum), welche tm vorigen Jahre onn der »Deutschen Allgemeinen Zeitung für Landwirthschaft" empfohlen wurde, von uns den Blumenfreunden zur Pflege und Beobachtung ans Herz gelegt werden soll. Zur Begründung hierfür haben wir anzufübren, daß die Eispflanze nicht blos eineprüchtigc Zierpflanze, sondern auch eine werthvolle Nutzpflanze ist, wie wir sofort nachweisen werden. Die Pflanze hat smaragdgrüne, herabhängende Zwerge, welche mit kleinen Diamanten besetzt zu fein scheinen. Will man diese Zweige auch für spater zur Ausschmückung referöiren, fo schneidet man sie ab, hängt sie weit aufeinander an das Licht, doch an einen Ort, wo es nicht gefrieren kann. Die Blätter werden dadurch wohl kleiner, erhalten aber einen röihlichen Streifen, der sie noch hübscher macht. Im frischen, wie tm getrockneten Zustande eignen sich diese Zweige besonders zur Ausschmückung von Vlatten mit Braten ober Fischen. Im Freien macht die Pflanze auf künstlichen Felsen einen ausgezeichneten Effect.
Als WirthschaftS- und Nutzpflanze besitzt sie folgende werthvolle Eigenschaften: Man kann sie wie Spinat zubereiten, wird aber bald finden, daß sie besser als Sptnat ist. Verzehrt man das Eiskraut in kleinen Parthien roh, dann zeigt sich ein salz-ger, erfrischender Geschmack, der die Speicheldrüsen anregt. Bei dcr Zubereitung eltz Gemüse läßt man die Stengel in wallendem Wasser aufkochen; sind sie halberkaltet, io hält man sie an einem, dem Gründende, mit der Hand und streift mit der anderen die Rinde und die Blätter ab. Die Fasern sind unbenutzbar, die weichen Stengel und Blätter werden, wie schon gesagt, in der Weife des Spinats zurechtgemacht.
Die Culiur der EiSpflanze ist eine sehr einfache. Im Monat März sät man sie ganz dünn in ein Mistbeet oder auf ein Fensterbrett. Im April, wenn die Pflänzchen entsprechende Stärke erlangt haben, werden sie plkiri; im Mai werden die stärker gewordenen Pflanzen in ein Mistbeet, etwa 35 bis 45 Centimercr Entfernung verpflanzt. Von Ende Juni bis in den September kann man die Zweige abnehmen und sammeln. Man muß daraus achten, daß den Stöcken die jungen Triebe nicht weggenommcn werden, denn diese ersetzen die älteren wieder. Es ist also derselbe Fall vorhanden, wie bei Dickwurzeln und Weißkraut, die man ebenfalls abblatten kann ohne daß es den Pflanzen schadet.
Um eine längere Ernte zu haben, nimmt man im August eine zweite Aussaat vor, muß aber das Beet bei schlechtem Wetter durch einen Leinwandkasten schützen. Die Pflanze kann leichten Frost, also 2 ober 3 Grad Kälte ertragen.
Wer unseren Ausführungen gefolgt ist, wird zugcstehm, daß man in Löwenzahn, Hagebutte und EiSpflanze drei Gewächse besitzt, die wegen ihrer btUigen, gesundheitsfördernden, wenig Last und Mühe heischenden Eigenschalten von keiner Familie vernachlässigt werden sollten Wie die Ziege, die Kuh des armen Mannes, und das französische Kanmchen um billiges Geld und geringe Arbeit vormgttcke Milch und gutes Fleisch in eine Haushaltung schaffen können, so vermögen Löwenzahn, Hagebutte und Eispflanze treffliches Gemüfe gegen geringe Mühe und Auslagen zu liefern. Werden nock Hülsenfrüchte und Kartoffeln hinzugenommen, dann ist eine anständige billige, gesunde Ernährung der Familie nicht so schwierig, als es vielfach behauptet wird. Hierbei wird vorausgesetzt, daß die Hausfrau es versteht, ihre Sachen, insbesondere auch die Ueberrestc in Küche, Speicher und Keller richtig zusammen zu halten und zu verwerten.
Ein echtes, rechtes Frühlingskraut ist das Löffelkraut (herb« cochleariae); e5 schmeckt im frischen Zustande treffenartig bitterlich, wird als Gemüse und toalat besonders gegen Skorbut angewandt. Der ausgepreßte Saft aber dient gegen Skorbut, Wassersucht, Brnst- uerfdiletmung und Blähsuchr. Darum wird es mit andern Kräutern zu NrühlingScure« angewandt und allen Menschen, die eine sitzende Lebensart fuhren, zum Aufsuchen und Verzehren empfohlen. Man hüte sich aber, das Löffelkraut zu trockne«, denn dann verliert es allen Werth. Dagegen kann man frisches Löffelkraut mit der doppelten Menge Zucker zu einem Brei zusammenstoßen und es als Eonserve für den Winter ausbewahrcn. Auch Löffelkrautspirttuö und Löffelkrautwein läßt sich darstellen. Letzteren dadurch, daß man Wern mit dem ausgepreßten Safte des Löffelkrautes mischt ober Most mit Löffelkrautblättern zusammen gähien laßt. Der Löffel- frautroetn empfiehlt sich gegen verdorbene Säfte und Skorbut.
Unter heutiger Aufsatz und der letzte in Nr. 72 d. Bl. beschäftigten fick mit Pflanzen, deren gute Eigenschaften nicht getanitt, sogar verkannt werden. Wir haben Gelegenheit genommen, dre guten Ergenschaften besonders denjenigen zu schildern, denen dieie Eigenschaften ganz bessnders werthvoll sein müssen, d. h. allen Denjenigen, die eine sitzende Lebensart führen. Daneben haben wir die Hausfrau und rhre Sorgen für Küche, Keller und Vorrathskammer nicht verg ssen. Wir hoffen, hierdurch Anregung -u Frühlingscuren gegeben und uns Dank von der einen oder anderen Seite verdient zu Haden.
Veekehv, unö
Geber«, 1. April. Der gestern hier abgehaltene Viehmarkt war wegen dem croßen Schnee schwach befahren, ebenso auch von Handelsleuten wenig besucht. ES waren im Ganzen aufgetriebm ca. 40 Stück Rindvieh und 150 Schweine. Der Handel war in Rindoieh als flau zu bezeichnen- Stiere waren nicht da, obwohl


