Ausgabe 
4.3.1891
 
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ichehe» fol, darüber schweigt er. Ja, de» Abbruch glaube i W, will eigentlich Niemand. Man würde eS gewiffermaheu < als ei»e historische Barbarei betrachten, wenn man dieses Ölte Gebäude, was in seinen Grundbestandtheilen noch aus der Zeit seiner ersten Erbauung erhalten ist, niederlegen wsllte. Meine Herren, im Jahre 1865 hat man in Gießen drn Einzug des Landgrafen Heinrich I. von Hessen, der 1265 in dieses Schloß einzog, und das 600jährige Jubiläum der Gründung der Stadt Gießen gefeiert, und jetzt wollen Vie dieses selbe Gebäude, von dem damals die Gründung der Stadt Gießen ausgegangen, abbrechen. Das würde doch eine historische Barbarei sein. Der Ausschuß will es auch nicht abgebrochen haben, sagt aber nicht, was damit geschehen sell. Aber es ist in einem Zustand, der wahrhaft scandalös ist. Die Fenster sind eingeworfen, das Dach ist theilweise eingefallen. Was soll nun mit dem Gebäude geschehen? Es » endlich ein Entschluß gefaßt werden, ich meine, das höchste Interesse an der Erhaltung des Gebäudes hat wohl die regierende Familie. Ich meine also, man sollte in erster Linie bei Sr. Königl. Hoheit die Anfrage stellen, ob er dieses historische Interesse, wie ich es oben dargeftellt habe, ex dem Gebäude nimmt. Wäre das der Fall, so würde eS Aufgabe der Regierung sein, den Ständen eine weitere Vor­lage über das Gebäude und seine Erhaltung zu machen. Würde ein derartiges Interesse sich nicht Herausstellen, so würde es in anderer Art zu verwenden sein, etwa in der Art wie es früher verwendet wurde, zu Wohnungen, etwa des ersten Verwaltungsbeamten- oder wenn man das nicht will, so würde es vielleicht dem historischen Verein von Oberhessen zu übergeben sein, um dessen Sammlungen dort mrfzuftellen, oder zur Aufbewahrung werthvoller Acten, die eben in schlechten Localen verfaulen. Das sind alles Möglichkeiten, die aber voraussetze», daß bald etwas geschieht, »w das Schloß nicht noch weiter verfallen zu lassen. Das Hans ist in einem Zustande, daß, wenn es einem Privat- wanne gehörte, jedenfalls die Polizei einschreiten würde. Ich möchte mir nochmals die Anfrage an den Herrn Referenten des Ausschusses erlauben, wie sich die Erste Kammer zu dem Gegenstand verhält.

DerGeigerkönig" Professor August Wilhelmj, welchen wir demnächst die seltene, wohl kaum je wiederkehrende Ge­legenheit haben werden, in unserer Stadt zu hören, gab Anfangs Februar zwei Concerte in Budapest, welche vor aus­verkauftem Saale stattsanden und in welchem das großartige, unvergleichliche Spiel des Meisters einen solchen Enthusiasmus erregte, wie er nach dem einstimmigen Urtheil der Buda­pester Zeitungen noch nicht daselbst erlebt worden ist. Bon den zahlreichen, sich in Lobeserhebungen für den Meister Lberbietenden Zeitungen der ungarischen Hauptstadt lassen wir hier die Stimme des Neuen Pester Journals Nr. 38 von Dienstag den 8. Februar 1887 wortgetreu folgen:

Concert Wilhelmj. Für das reisige Künstlerthum ist Budapest gewiß nicht die Stadt, dieaußer der Tour" liegt, alle die großen Sterne, die über den europäischen Kunst­himmel in den letzten zwanzig Jahren gezogen, sie haben auch »»seren Meridian passirt. Um so seltsamer, daß ein Künstler Allerersten Ranges, wie es August Wilhelmj ist, der seit einem Vierteljahrhundert mit seiner Zaubergeige den Con­tinent durchwandert, nicht den Weg in die ungarische Haupt­stadt gefunden. Wer ihn heute spielen gehört, ist um eine entzückende Erinnerung reicher, wer ihn erst heute spielen gehört, wird das Bedauern nicht unterdrücken können, daß Wilhelmj so spät zu uns gekommen. Spät, aber nicht zu spät, denn in seiner vollen, ausgereisten Männlichkeit, in feiner abgeklärten Meisterschaft haben wir heute Wilhelmj kennen gelernt, und noch ganz erfüllt von dem Zauber seines Spieles, gestehen wir die Unzulänglichkeit der Feder ein, welche Buchstaben an Buchstaben reihen soll, um die merk­würdigen Klänge in Worte umzusetzen. Man fragt bei einem Geiger vor Allem: Wie ist sein Ton? Man kann bei Wilhelmj dieses Wort nicht in die Einzahl setzen, denn zu sage», daß sein Ton mächtig ist, hieße nur eine Facette von den ungezählten funkelnden herausgreifen, aus denen dieses wunderbare Spiel sich zusammensetzt. Jetzt voll, breit, markig, bis zum gewaltigen Brausen anschwellend, wird feinTon" im nächsten Augenblicke zum lieblichsten Silberklang,- hier zart und duftig, dort von strotzender Ueppigkeit, hier hell «usjauchzend, dort leise verschluchzend, hier von der Mächtig­keit des Violoncells, dort süß hingehauchter Flötenton, bald Lberquellend von tiefster Empfindung, die uns rührt und aus Innerste greift, bald in wuchtigen, wild leidenschaftlichen Aeeorden daherrasend, als hätte sich diese Geige verzehnfacht. And das Alles mit einer unfehlbaren, glockenreinen Jntonaton, die den Hörer in wohlthuendste Sorglosigkeit wiegt, mit einer Technik, die alles Materielle abgestreift und mit einer edlen, Abgeklärten Ruhe, die uns in dem Künstler auch den Menschen bewundern läßt. Dem Budapester Concertpublikum wird im Auslande vornehme Kühlheit vorgeworfen, ein Vorwurf, der bei näherem Besehen sein Gegentheil ist. Nein, wir erwärmen »nS für die Mittelmäßigkeit nicht, wie anders, wir schaffen keine eingebildeten Werthe, wir erheben nicht in falscher Be­geisterung das Halbtalent zum Genie, unser Publikum ist nicht sauguinisch, es ist kühl gegen Jene, die eben nicht er­wärmen. Wer aber heute die unzähligen Applausstürme ge­hört, die durch den großen Redoutensaal gerauscht, wird zu- geftehen, daß daffelbe Publikum auch seine vollen Ehren, die es zu vergeben hat, Demjenigen ertheilt, der sich ihrer werth erweist. Wie auf eine geheim ausgegebene Ordre erscholl einmithig und mit elementarer Gewalt der Beifall gleich nach bem ersten Satze des Beethoven'schen Concertes und wieder­holte sich mit derselben Begeisterung nach jeder Nummer, die ber geniale Künstler vortrug. Er spielte außerdem eine Parfifal-Paraphrase und eine Polacca eigener Compositio», dazwischen zwei Zugaben, deren eine, das Ave Maria von Schubert, ein märchenhaftes Singe» war. Sem Partner am Elavier, Herr R. Nieman», erwies sich als ein fei»- sthliger Begleiter der Geigenstücke und als vorzüglicher Pianist i» den Solopiäcen, unter denen besonders die Taran­

tella von Liszt und derFeuerzauber" aus derWalküre" lebhaften Beifall fanden. Der Saal war von der Crome der Gesellschaft dicht gefüllt."

Wir sehen also einem musikalischen Ereignisse entgegen, wie wir ein solches in unserer Stadt sobald nicht wieder erleben werden und es sollte Niemand den Besuch des Wilhelmj-ConcerteS versäumen.

Gießener Theater Verein. Der dritte Theaterabend wird dem von allen Seiten so begehrten ersten Schauspiel gehören- dem Vorstand ist es, nach Ueberwindung mannig­facher Schwierigkeiten, gelungen, den 19. März als Spiel­abend festzusetzen- die Wahl ist auf GoethesJphigenie in Tauris gefallen. Wir zweifeln nicht, daß jeder Theater­freund diesen Beschluß mit Freuden begrüßen wird; auch der letzte Zweifler dürste nun wohl daA Streben des Vorstandes erkennen und anerkennen, nachdem er die wiederholt so un­glücklich citirtePhrasevon derKunst mit der sinnen­den Stirn" legalisirte. Es verlangt wohl Niemand von uns, diesem jedem Gebildeten bekannten Drama einen Empfeh­lungsbrief auszustellen, wir gehen daher gleich zur Dar­stellung über und sind hierbei in der glücklichen Lage, berich­ten zu können, daß Fräulein Fr a n k, die Heroin des Frank­furter Theaters, für die Titelrolle gewonnen ist und ihre Partner der vorzüglichen Künstlerin ebenbürtige Mitglieder derselben Bühne sind. Ein genaues Personen-Verzeichniß, sowie weitere Einzelheiten bringen wir in kürzester Zeit. Aufrichtig freuen wir uns, ohne die Beschwerden einer Reise, ein klassisches Meisterwerk in vollendeter Darstellung genießen zu können und sind sicher, dieser Genugthuung aller- wärts zu begegnen.

Am Samstag sand in D a r m st a d t die General­versammlung des Kunstvereins für das Großherzogthum Hessen statt. Die Mitgliederzahl des Vereins betrug im abgelaufenen Geschäftsjahre 989 mit 1035 Anteilscheinen, davon 404 in Darmstadt, 234 in Offenbach, 185 in Mainz, 94 in Worms und 72 in Gießen. Die Rechnung schließt mit 15 595 Mk. Einnahme und 12263 Mk. Ausgabe. Für den Fond zum Ankäufe von Kunstwerken für den Verein wurden 4616 Mk. verwendet. Von den verloosten 19 Oelgemälden und 22 Kupferstichen fielen 18 aus Darmstadt, 11 aus Offenbach, 6 aus Mainz, 4 auf Gießen und 3 aus Worms. Der seit­herige Vorstand wurde zum größten Theile wiedergewählt, neugewählt wurden die Herren Dr. Dietz, Major von Heyl, sowie Herr Geh. Hofrath Streng in Gießen.

Samstag Abend fand imSolmser Hof" die jähr­liche Generalversammlung des hiesigen Sanitätsvereins statt. Dieselbe war sehr zahlreich besucht, wohl infolge der vom Vorstande beantragten und auch angenommenen Statuten­änderung. Diese Aenderung besteht darin, daß in Zukunft nur Personen ausgenommen werden, deren jährliches Einkommen 2000 Mk. nicht übersteigt. Der stetig wachsende Mitglieder­stand, sowie der Kassenbestand befriedigten vollständig. Dem Vereine stehen z. Z. drei tüchtige Aerzte zur Verfügung und kann dieses Institut nicht genug empfohlen werden. Das Ein­trittsgeld beträgt nur 30 Pfg., der wöchentliche Beitrag 13 Pfg. - außerdem gewähren die Apotheken und Drogen­handlungen 10 pCt. Ermäßigung auf Medicamente und medi- cinische Weine.

Zur Uebernahme des mittelrheiuischeu Turnfestes im Jahre 1892 (das diesjährige findet bekanntlich in Hanau statt) haben sich die vereinigten Mainzer Turnvereine bereit erklärt. In Bewerbung mir Mainz tritt noch Kreuznach.

Grimberg, 28. Februar. In dem benachbarten Dorfe Lindenstruth fand man am vergangenen Mittwoch Morgen in dem unmittelbar am Dorfe vorbeifließenden Bache die Leiche des dortigen Straßenwartes, eines schon bejahrten Mannes. D. Z.

8. Biüingen, 1. März. Heute sand dahier eine Ver­sammlung von Mitgliedern der hier und in der Umgegend bestehenden Bauernvereine statt, wobei etwa 17 Vereine ver­treten waren. Es wurde unter Anderem beschlossen, Herrn Laudwirthschaftslehrer Dr. Ullmann in Büdingen zu ersuchen, den Mitgliedern dieser Vereine demnächst imSolmser Hof" zu Hungen einen Vortrag überSommerweizen und bie Anwendung über Chilisalpeter" zu halten.

x Ober-Mockstadt, 1. März. Ein hiesiger Landwirth hatte ein hochträchtiges Pferd. Dasselbe brach dieser Tage em Bein- um aber das junge Füllchen zu retten, wurde die Mutter geschlagen und das junge Leben durch einen raschen operativen Eingriff von der Mutter entfernt. Die Operation gelang vollständig. Das junge Füllchen befindet sich bis jetzt ganz wohl und munter. Unser neuer Kreisthierarzt, Herr Dr. Schmidt in Nidda, hat dieses Kunststück fertig gebracht.

Lingesandt.

Götzen, 2. Marr.

Nus sicherer Quelle vernehmen wir, daß die Petitionen zu Gu»sten der Linie Londorf-Gießen in den allermeisten der bethetltgten Landgemeinden sehr zahlreiche Unterschriften gefunden haben, so daß man wohl sagen und erwarten kann, daß auch die Gemetndeoorstände in vollem Etnoerständniß mit der von ihnen vertretenen Einwohner­schaft den großen Werth einer dirccten Verbindung mit Gießen richtig erkennen und auch bereit find, mit allen Mitteln für die Verwirk­lichung dieses Projects einzu'.reten.

ES wäre aber sehr zu wünschen, daß alle dabei in Betracht kommenden Landgemeinden ihr Interesse an dieser für sie so wichtigen Lebensfrage gleichmäßig bek»ndeten und insofern erscheint es nicht recht verständlich, warum die Orte Treis und Allendorf a. d. Lumda stch jetzt noch zurückhaltend zeigen, als ob ihnen bei der Ausführung der Linie Londorf-Gießen nur Nachtheile erwachsen könnten, während doch gerade diese Orte einen dtrecten Bahnverkehr mit der Pro- vtnzialhauptstadt, zu welcher sie hinsichtlich der Gerichtsbarkeit, der Garnison, der Verwaltungsbehörden und aller geschäftlichen Ver- hältniffe in den innigsten Beziehungen stehen dem Umweg über Lollar vorziehen müßten.

Zu unserer hessischen Staatsregierung und den Landständen darf «an daS Vertrauen hegen, daß Beide in richtiger Würdigung aller Lerhältniffe de« Projeet Londorf-Gießen Genehmigung ertheilen werde», weil solche anerkennen müßen, daß nur damit den Interessen der ftaglichen LandeSthelle am Besten gedient sein kann, wahrend die A»ie Londorf-Lollar mehr dem Einzelnen als der steuerzahlenden

Gefammtheit, welche doch hier ausschlaggebend sein muß, zu Gute käme.

Möchten doch auch die bis jetzt noch zurückgebliebenen Land­gemeinden und beten berufene Vertreter erkennen, daß hier nicht einseitiger Local-Patriotismus vorherrschen darf, sonder» vielmehr ein großes gemeinsames Ziel ins Auge gefaßt roerbcn muß, dessen Erreichung allen Betheiligten nur zum Vorthell gereichen kann. Seh.

Ans de» Lrr«rd»thale, 2. März.

Nr. 45 desGießener Anzeiger" brachte eine Notiz, wonach in der Gießener Stadtverordnetenversammlung nachträglich beschlossen worben sei, bei der Großherzogltchen Staatsregierung dahin zu wirken, daß der von den Landständen bereits definitiv genehmigte Ba» einer Nebenbahn Londorf-Lollar in Fortsetzung der Bahn Grünberg-Lonborf rückgängig gemacht und dafür eine Nebenbahn Londorf-Gießen, die Orte Alten-Buseck und Wieseck berührend, mit Haltestelle im Nordende von Gießen, erbaut werde.

Dieses neue Project widerstreitet geradezu in allen Punkten denjenigen Gründen, welche für die Genehmigung der Linie Londorf- Lollar ausschlaggebend waren und muß dm Interessen der Bewohner des Lumdathales direct -uryiderlaufen.

Man stand s. Zt. vor der Frage, wie dieses am Bestm und Billigstm erschloffm werdm könnte, wie ihm aufzuhelfm sei und konnte naturgemäß zu keinem anderen Resultate gelangen, als zu dem des Baues einer möglichst kurzen, dem Thale und Flußbette der Lumda folgmdm Bahnlinie Londors-Lollar, behufs Anschluß an die großen Verkehrsadern der Main-Weser- und Oberhessischen Bahn.

Die Naturschätze des Thales würden durch diese billige Trans­portstraße aufgeschlossm werden und der Export von Stein, Holz und Erz auf billigste Weise ermöglicht, sowie Arbeitsgelegenheit für die Bewohner geschaffen.

Dem verhältnißmäßig nicht unbedeutenden Güterverkehre gegen- über der wohl erwogen war kommt der Personenverkehr immer erst in zweiter Linie in Betracht, doch hat derselbe nach Lollar Seitens des Lumdathales eine jedenfalls vermehrte Bedeutung, da bet der beabstchtigten Abzweigung von Treis über dm mächtigen, im Hangelstetn auslaufenden, basaltischen, das Lumda- und Wieseck- Thal scheidenden Höhenzuge die Orte Mainzlar und Daubringm bei Seite geschobm werden. Welche Bedeutung und Folgen diese nur mit ganz erheblicher Steigung ausführbare Abzweigung für dm Güterverkehr hat, wie derselbe erschwert, verlangsamt und wie erheblich er vertheuert wird, sei hier ganz besonders hervorgehoben. Um dem Lahnthale nicht zu nahe zu kommen, die Orte Altenbuseck (nahe dem Bahnhof Großenbuseck) und Wieseck zu erreichen, schwankt das neue Project weit links ab und erreicht nach ungefährem Ueberschlage mit einer Verlängerung von ca. 30pEt. gegen die gmehmigte Bahn nach Lollar, das Nordende der Stadt Gießen, wo ein neuer Bahnhof mit Verbindung auf dm bestehmdm zu errichten sein würde. Wer diese neue Haltestelle, die unter recht ungünstigen Terratn- verhältnisfen ins Leben treten würde, Herstellen würde, ist wohl noch nicht eruirt.

Ueber Lollar dagegen ist bei den bereits bestehenden Verbinduugm unterstützt durch vier Omnibuszüge der Verkehr bereits jetzt ein sehr lebhafter und für den Ferne-Verkehr über Gießen hinaus, der einzig richtige.

Die z. Zt. schon fühlbare Ueberlastung detz Gießener Bahnhofs sprach edmfalls für Einmündung in Lollar, woselbst btrectcr Anschluß an die Berltn-Coblmzer Bahn besteht.

Kurz resumirt stellt sich das genehmigte Project zu dem neuen hier Thalbahn, dort Gebirgsbahn; hier wenige Kilometer, dort viel längere Linie mit entsprechenden sehr großen Kostm; hier Anschluß an zwei Vollbahnen mit vorhandenem Terrain, dort mit der Main- Weser-Bahn fast parallel laufende Linie nach bereits überlasteter Endstation.

Wer die bedeutmdm Mehrkostm aufzubringen bereit wäre, darüber verlautet bislang weder etwas von Seiten Gießener In­teressenten, noch ist dies aus der betr. Notiz ersichtlich, während bei der genehmigten billigeren Linie bedeutende Zuschüsse von Privatm zum Grunderwerb zugesichert sind: aber auch nur für diese und selbst­redend nicht für anderweitige Projecte.

Abgesehen davon dürften die Kammern der jetzt erst ins ßeben getretenen Agitation keinerlei Folge mehr geben, sondern es ist bei diesem Schwanken der Ansichten und Wünsche nur zu befürchten, daß durch das Befürworten des neuen Projectes bet der Staatsregierung nur das erreicht werdm könnte, nämlich daß die Fortsetzung der Linie Grünberg-Londorf, über Londorf hinaus, verschoben wird; denn daß eine zweite Verbindung zwischen Grünberg und Gießm mit solcheüi außerordentlichen Umwege genehmigt würde, ist doch wohl kaum anzunehmm.

Wir haben daher das Vertrauen zu der Staatsregierung, baß einmal anerkannte und berücksichtigte Interessen nicht wieder zu Gunsten später aufgetauchter Wünsche zurückgesetzt werden, sondern daß der Bau ber genehmigten Linie alsbald, wie beschlossm, mit der Bahn Grüaberg-Londorf ausgeführt resp. durchgebaut wirb.

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Gieße«, 3. März. Marktbericht. Auf dem heutigen Wochenmarkt kostete: Butter pr. Pfd. JL 0,800,90, Hühnereier 1 St. 5-6, 2 St. - H, Enteneier 1 St. 7 - 2 St. - H,

Käse pr. St. 58 Käsematte pr. St. 3 Erbsen or. Liter 19 4, Linsen pr. Liter 30 H, Tauben pr. Paar ja 0,600,70, Hühner pr. Stück ja 1,201.50, Hahnen pr. St- ** 1,301,70, Enten pr. Stück ja 2,00-2,30, Ochsenfleisch pr. Pfd 7074 A, Kuh- und Rindfleisch 6064 H, Schweinefleisch 6070 H, HammAfleisch 5070 Kalb­fleisch 60--4/ Kartoffeln pr. 100 Kilo ja 7,007,50, Weißkraut

pr- St. 37 4, Zwiebeln ver Centner ja 6,507,50, Milch per ßtter 12-18 4, Gänseeier 12

S. Hungen, 2. März. Vieh- und Krämermarkt. Heute fand dahier der erste Markt dieses Jahres, der sogen.Frühjahrs- Markt" statt. Derselbe wurde etwas früher als in sonstigen Jahren abgehalten. Auf dem des Morgens ftaitgefundmen Viehmarkte war eine ziemliche Anzahl Schweine (Ferkel und Läufer) aufgetrtebm. Die Preise waren keine sonderlich hohen, dennoch war der Handel kein reger zu nennen. Läufer wurden wenig begehrt: von dm auf­getriebenen wurden wenige verkauft, in mancher Heerde nicht ein Stück. Die günstigen Aartoffelpreise (hier wird das Malter mit 6 bis 7 Mk. bezahlt) scheinen bei vielen Landwirthm die Kasflust zu vermindern. Bezahlt wurde das Paar Ferkel mit 25 bis 40 Mk., Läufer kosteten 40 dis 60 Mk. und böher, je nach Alter und Qualttät. Der des Nachmittags stattgehabte Krämermarkt war ziemlich besucht. Der nächfie Markt wird am 27. April abgehalten werden.

Promeuadeu-Coucert Mittwoch den 4. März. Programm: 1) Französische Lustspiel-Ouverture v. Keler-Bela, 2) Hoch­zeitsmarsch und Brautgesang (Romeo und Julie) v. Gounod, 3) Am Neckarstrand! Walzer v. Millöcker, 4) Jntroduction und Brautchor a. d. Op. Lohengrin, v. Wagner, 5) Farinelli- Marsch v. Zumpe.