Ausgabe 
4.3.1891
 
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Mittwoch den 4. März___i8M

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Bekanntmachung,

Maul- und Klauenseuche zu Annerod und zu Trohe betreffend.

Nachdem zu Annerod unter den Viehbeständen des Johannes Müller und Philipp Hammel IV., sowie zu Trohe unter dem Viehbestand des Christoph Schmidt der Ausbruch der Maul- und Klauenseuche amtlich sestgestellt worden ist, ordnen wir die Sperre über die Gehöfte der genannten Personen hierdurch an.

Es gelten hiernach sür die betreffenden Besttzer die Be­stimmungen unter I und für die Gemarkungen Annerod und Trohe die Bestimmungen unter II unseres Ausschreibens vom 24. Juni 1890 Kreisblatt Nr. 146.

Gießen, den 2. März 1891.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Bekanntmachung.

Die Pläne gnd Verhandlungen über die neue Zutheilung der Grundstücke in den Fluren IV, V, VI, VII, VIII, X und XII der Gemarkung Saasen liegen von 7. bis 21. März I. I. auf der Großh. Bürgermeisterei Saasen zur Einsicht der Betheiligten offen.

Derhandlungstagsahrt daselbst findet

Sv«Stag de« 21. März L I, von Vorm. 8 Uhr an, statt. In derselben find alle auf die neue Zuthellung bezüg­lichen Anträge, sowie auch etwaige Wünsche bezüglich des noch zuzuthellenden Restes der Gemarkung Saasen bei Meldung späterer Nichtberücksichtigung vorzubringen.

Die Ueberweisung der neuen Grundstücke zur einstweiligen Benutzung, jedoch vorbehältlich etwaiger noch nothwendig wer­denden Aenderungen, soll

Sam-tag den 28. März I. I., von Vorm. 8 Uhr an, an Ort und Stelle erfolgen. Der Anfang wird an der Ge- markungsgrenze von Lindenstruth von der Staatsstraße aus erfolgen.

Gleichzeitig wird zur Kenntniß der Betheiligten gebracht, daß die neue Zuthellung des Restes der Gemarkung noch im Herbste dieses Jahres nach vollzogener Ernte stattfinden und daß eine Vergütung für Aussaat, Dung, u. s. w. nickt erfolgen soll, weshalb empfohlen wird, dergleichen Aufw?nMmgen bis nach dem Vollzüge der Ueberweisunff der neuen Grundstücke zu unterlassen.

Darmstadt, den 25. Februar 1891.

Der Vollzugscommiffär: Nover, Regierungsrath.

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Aertefte Nach richten.

Wolffs telegraphisches Eorrespondmz-Bureau.

Berlin, 2. März. Die Budgetcommissio» des Reichstags hat ihre Arbeiten heute beendigt. Die Er­werbung eines Dienstgebäudes für das Obercommando der Marine in Berlin wurde nachträglich genehmigt. Beim Etat des allgemeinen Pensionsfonds wurde die schnelle Steigerung desselben besprochen. Betreffs der Abzüge von den Pensionen im Falle der Wiederanstellung Pensionirter wurde mitgetheilt, daß ein Gesetzentwurf in Vorbereitung begriffen ist, der umfassende Aenderungen des Pensionsgesetzes enthalten wird. Würde kein Abzug der Pension mehr stattfinden, so müßte dies nach der Erklärung des Generallieutenants v. Spitz im Reich für die Unterklassen S1/2 Millionen, für Offiziere 500 000 Mk. kosten. Die Novelle soll sich auf alle in dieser Hinsicht aufgetauchten Fragen, auch auf Anrechnung der Militärdienstzeit im Civildienst, erstrecken.

Berlin, 2. März. DenBerl. Polit. Nachr." zufolge wird in allernächster Zeit eine Kundgebung erfolgen, welche die über die Stellung der Regierung in der Arbeiterfrage erregten Jrrthümer in bündigster Weise beseitigen und klar­stellen soll, daß die Ziele der jetzigen Bergarbeiterbewegung mit ihrer internationalen socialistischen Richtung, weit entfernt davon, den Kaiserlichen Kundgebungen zu entsprechen, sich in directestem Widerspruch mit denselben befinden und die Re­gierung daher nöthigen, mit aller Energie gegen diese Be­strebungen Front zu machen.

Berlin, 2. März. Der ,,Reichsanzeiger" meldet: Nach­richten aus Chile zufolge ist die dortige Regierung entschlossen, die Zufuhr von Waffen, Munition und sonstigen Kriegs­bedürfnissen an Aufständische unter allen Umständen zu ver­hindern. Deutsche Rheder und sonstige Interessenten können

nur dringend gewarnt werden, derartige Sendungen nach Chile zu verschiffen, so lange die Verhältnisse daselbst so un­sicher sind.

Berlin, 2. März. Zu dem morgigen Diner beim Staatsminister v. B ö t t i ch e r, welchem voraussichtlich auch der Kaiser beiwohnen wird, sind geladen: Caprivi, Ober- ceremonienmeister Eulenburg, Minister Berlepsch, Miquel, die Staatssecretäre Marschall und Bosse, der Ches des Civil- cabinets Lucanus, Unterstaatssecretär Rottenburg, Director im Reichsamt des Innern Nieberding, Ministerialdirector Bötticher, die Präsidenten und Vicepräsidenten des Reichs­tags und Landtags, die Abgeordneten Manteuffel, Helldorff, Kleist, Klemm, Wichmann, Zorn von Bulach, Graf Behr, Kardorff, Windthorst, Huene, Wendt, Bennigsen Hammacher, Gneist, Kropatschek, Douglas rc.

Halle, 2. März. In der Stichwahl im Reichstags­wahlkreis Sonneberg wurde der freisinnige Dr. Witte mit erheblicher Majorität gegen den Socialisten Reißhaus gewählt.

Metz, 2. März. Die für Mittwoch angesetzte franzö­sische Vorstellung mußte abgesagt werden, weil die seit Einführung der Paßmilderung zugelassene Truppe aus Nancy fortan nicht ohne Paß über die Grenze hierher kommen darf.

Paris, 2. März.' Uuterrichteterseits wird hinsichtlich der Unterstellungen einzelner Blätter bemerkt, es sei nunmehr constatirt, daß die Regierung eine Besichtigung des Versailler Schlosses seitens der Kaiserin Friedrich erwartete und Vorbereitungen hierfür traf, als in der Umgebung der Kaiserin von einer Absicht der letzteren, Versailles zu be­suchen, .noch nichts bekannt war.

DieLiberty", die Ursachen der jüngsten Agitationen beleuchtend, fragt, wie die formell ausgelösten Patrioten­liga in den letzten Tagen eine Rolle spielen konnte- durch die ihr bewiesene Toleranz ermuthigt, werde dieselbe eines Tages einen furchtbaren Zwischenfall provoziren, den gut zu machen es dann zu spät sein werde. Gestern habe man den Schreiern anläßlich der Thermidor-Affaire nachgegeben, heute schweige man angesichts der Demonstrationen sogenannter Patrioten. Heiße das regieren und Gesetz und Ordnung vertheidigen?

Madrid, 2. März. Die Botschaft der Königin-Regentin zur Eröffnung der Cortes kündigt den Erlaß einer Amnestie für politische Vergehen an. Ferner wird darin ge­sagt, die Beziehungen Spaniens zu allen Staaten seien freundschaftliche,- die neue Regierung Brasiliens sei von Spanien anerkannt und die Unterhandlungen mit Frankreich in herzlichem und freundschaftlichen Sinne fortgesetzt worden; auch die Beziehungen zum heiligen Stuhle wären die innigsten, wie dies den Gefühlen der Katholiken entspreche. Die Reclamationen an den Kaiser von Marokko hätten guten Erfolg. Schließlich kündigt die Botschaft die Kündigung der Handelsverträge, eine Reform des Strafgesetzbuches, dir Einführung des obligatorischen Militärunterrichts, Herab­minderung der Ausgaben und Consolidirung der schwebenden Schuld angesichts der Höhe derselben an.

Newyork, 2. März. (Meldung des Bureau Reuter.) In der chilenischen Hafenstadt Jquique ist die Ruhe wieder hergestellt. Die Geschäfte haben den Betrieb wieder ausgenommen.

totales Mitö provinzielles,

Gießen, 3. März.

Don der Universität. Herr Prof. Müller hat einen Rus der theologischen Facultät in Breslau erhalten und an­genommen. An seiner Stelle ist zum Ordinarius Herr Prof. Dr. Krüger ausersehen, der seiner schon gemeldeten Be­rufung als außerordentlicher Professor nach Göttingen nicht Folge leisten wird.

a. Donnerstag den 26. Februar, Abends 7 Uhr, fand dahier ein großartiger Fackelzug statt. Herr Geh. Medicinal- rath Professor Dr. Eckhard verläßt mit dem Schluffe des Semesters den Lehrstuhl der Anatomie, wird aber auch für die Zukunft die Stelle des Professors der Physiologie bei­behalten. Bei Gelegenheit seines Scheidens aus einer Stellung, die er theils als Prosector, meist als Professor über vier Jahrzehnte innegehabt hatte, bereiteten ihm eine größere Zahl seiner früheren und jetzigen Schüler eine statt­liche Ovation, die von der großen Anhänglichkeit, Dankbar­keit und Verehrung derselben ein würdiges Zeugniß ablegte. Zahlreiche ältere Schüler, darunter Professoren und Medi- cinalräthe alle Fackeln tragend eröffneten den Zug, dem das Mufikcorps unseres Infanterieregiments vorausging und an welchem nicht allein die Mediciner, sondern auch zahl­reiche Vertreter aller übrigen Facultäten und fast alle hiesi­

gen Korporationen mit fliegenden Fahnen theilnahmen. Einer von den älteren Herren, Dr. Baur, brachte nach gedräng­ter, markiger Rede, in welcher dem Gefeierten der Dank die Verehrung seiner Schüler dargebracht wurden und der Wunsch, daß er noch viele Jahre als Lehrer der Physiologie, ein leuchtender Stern am wiffenschastlichen Himmel, strahlen möchte, ein kräftiges Hoch aus und Herr Eckhard antwor­tete, tief ergriffen von den hohen Beweisen der Dankbarkeit feiner Schüler, und brachte ein Hoch den Studenten, ans deren Mitte ein Vertreter der jüngeren Schüler noch weit kurzer Rede die Feier schloß. Das Ganze machte den Ein­druck eines wohlgelungenen prächtigen Festes, begünstigt von dem herrlichsten Wetter. Einsender dieser Zeilen schließt fich dem Wunsche des Festredners an:Möge Herr Geh. Medi- cinalrath Pros. Dr. Eckhard noch viel»-Jahre in dem ihm noch bleibenden Fache ein thätiger Mitarbeiter sein, in dem Fache, in welchem er in seinem Vaterlande und über die Grenzen desselben hinaus so viele Jahre schon als hochberühmte Größe gearbeitet hat."

Dem anläßlich der Rekruteuvorstellung hier weilenden Herrn General von Obernitz wurde heute Morgen vin der hiesigen Regimentsmusik ein Ständchen gebracht.

Wie wir aus Bekanntenkreisen erfahren, wird unser Stadt-Fernsprechnetz durch neue Anschlüsse demnächst eine schöne Erweiterung erfahren,- so viel uns mitgetheilt wurde, haben fich angemeldet die Firmen Gg. PH. Fillmaun, Joh. Fischer, C. Hettler, C. Huhn, C. G. Kleinhenn, Ed. Lind, Eberh- Metzger, W. Reiber, N. Rosenthal. Weitere Firmen find noch in Aussicht, haben jedoch noch keine definitive Erklärung abgegeben.

Das Interesse der Stadt Gießen an der Erhaltnng de8alten Regierungsgebäudes" am Kanzleiberge wird es rechtfertigen, wenn wir die in einer der letzten Sitzungen der zweiten Ständekammer diesbezüglich gehaltene Rede des Abg. Freiherrn von Nordeck zur Rabenau ausführlich wiedergeben. Sie lautet:

Ich möchte fragen, welche Stellung die Erste Kammer zu dem Antrag genommen hat, den der Ausschuß hier gestellt hat. Das hier in Rede stehende alte Baudenkmal stammt her circa aus dem Jahre 1000. Es ist im Jahre 1264 noch in den Händen der Landgrafen von Tübingen gewesen, 1265 ist es von dem Landgrafen Heinrich I. von Hessen erworben worden. Der ist da eingezogen, und an diese Erwerbung schließt sich die Gründung der Stadt Gießen an. Die Landgrafen haben oft da residirt, namentlich auch Philipp der Großmüthige und der große Astronom Wilhelm von Hessen. Später ist es theilweise zur Wohnung der Stadthalters geworden. Aus den 30er Jahren erinnere ich mich noch, daß unten die Regierung von Oberheffen war und oben das Landgericht. Nachher kam das Militair hinein, und dadurch kam es, daß das Schloß in einen ruinöse» Zustand des Verfalls gerathen ist, der sich kaum beschreiben, läßt. Jetzt ist auch die Unterhaltung mehr als mangelhaft, überall sind die Fenster eingeworfen,- es sind architektonische Mißhandlungen damit vorgenommen worden, die vom ästheti­schen Standpunkt unqualificirbar sind. Es knüpft sich an dieses alte Gebäude ein hohes historisches Interesse, namentlich für Gießen und Oberhessen. Auf dem XXVI. Landtage im Jahre 1888 kam der Gegenstand in der Ersten Kammer ausführlich zur Sprache und ist in Zweiter Kammer tx ähnlicher Weise besprochen worden. Da sagte der Kanzler der Landesuniversität Professor Dr. Gareis in der Erste» Kammer:Im culturhistorischen, historischen und patriotische» Jntereffe müffe er es befürworten, daß dieses Gebäude er­halten bleibe. Daffelbe stamme aus dem 12. Jahrhundert; sein Thurm sei ein Symbol von Gießen und werde in den ältesten Abbildungen der Stadt erblickt. Vorübergehend sei eine berühmte Sternwarte darin gewesen. Es könnte zu einem historischen Mittelpunkt von Gießen, Oberhessen, ja der ganzen Landgrasschaft gemacht werden. Den Abbruch solle man jedenfalls vermeiden. Die Herstellungskosten, gerade für die älteren Theile seien gering, und er wisse, daß sich Vereine dazu erboten hätten, das Gebäude gegen eine Miethquote zu benutzen." Ministerialpräsident Wirklicher Geheimrath W e b e r, Exc.:Die Nichtbewilligung werde von der Großh. Regierung nicht als Aufforderung, oder gar als Zwang betrachtet, das Gebäude nunmehr niederzulegen oder zu veräußern. Die Abtragungskosten seien auch erheblich. Der Posten sei noch nicht ganz reif und die Frage habe bis jetzt noch nicht ihre Lösung gefunden." Das waren die damaligen Verhandlungen in Erster Kammer. Jetzt kommt der Aus­schuß zu einem Resultat, was vielleicht nicht ganz consequent ist. Er sagt, die von der Regierung zum Abbruch ver­langte« 9000 Mk. wollen wir nicht bewilligen, was ge

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