Ausgabe 
3.6.1891
 
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Mittwoch den 3. Juni

1891

nehener Anzeiger

Kenerat-Mnzeiger.

Der Asr^sr «schsirU täglich, «dt AsLnLhm« M KonragL.

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Ns««h«r »en Anzeigen zu der RachvüttogS für den -?4^nden Lag erscheinenden Nummer bis Bonn. 10 Uhr.

2lmtlid?er Thsil.

Nr. 16 des Reichs-Gesetzblattes, ausgegeben den 29. Mai, enthält:

(Nr. 1953.) Zusatzvertrag zu dem Konsularvertrage zwischen dem Deutschen Reich und Italien vom 7. Febr. 1872, (21. December 1868), betreffend die Befugniß der beider­seitigen Consulen zur Vornahme von Eheschließungen. Vom 4. Mai 1891.

(Nr. 1954.) Obiger Nummer des Reichs-Gesetzblattes Ist eine besondere Beilage, enthaltend:

1) Die Bekanntmachung, betreffend die Aichung des Ge­treideprobers vom 14. Mai 1891, sowie

2) die Bekanntmachung, betreffend Abänderung der Aich- ordnung und der Aichgebühren-Taxe, vom 15. Mai 1891 beigefügt.

Gießen, am 2. Juni 1891.

Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern.

Bekanntmachung,

betreffend die Maul- und Klauenseuche zu Langsdorf.

Nachdem in einem Gehöft zu Langsdorf der Ausbruch der Maul- und Klauenseuche amtlich festgestellt worden ist, ordnen wir die Sperre über das verseuchte Gehöft hierdurch an. Es gelten hiernach für die betreffenden Besitzer die Bestimmungen unter I. und für die Gemarkung Langsdorf die Bestimmungen unter II. unseres Ausschreibens vom 24. Juni v. Js. Kreisblatt Nr. 146, mit Ausnahme der Gemarkungssperre.

Gießen, den 1. Juni 1891.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Bekanntmachung,

betreffend das Ober-Ersatzgeschäft für 1891.

Das Ober-Ersatz-Geschäst für 1891 wird im Kreise

Gietzen

Samstag den 13. Juni im Rathhause zu Lich, Vor­mittags 8 Uhr,

Montag den 15. Juni in dem 'früheren Hofgerichts­gebäude (Brandplatz) zu Gietzen, Vormittags 8 Uhr,

Dienstag den 16. Juni daselbst, Vormittags 8 Uhr, iaaEBWWKBWiiio viMMggaiun iiriimiwmragai^MM

Mittwoch den 17. Juni im GasthausZum Rappen" zu Grimberg, Vormittags 8 Uhr, stattfinden.

Es haben sich nach Maßgabe der besonders ergehenden Vorladungen an den genannten Tagen vor der Großherzog­lichen Ober-Ersatz-Commission im Bezirk der 49. Infanterie- Brigade in sammtlichen Aushebungsorten zu ge- stellen:

a. die für dauernd untauglich befundenen Militärpflich­tigen, soweit denselben eine besondere Ladung zugeht;

b. die zum Landsturm I in Vorschlag gebrachten Mili­tärpflichtigen ;

c. die zur Ersatz-Reserve in Vorschlag gebrachten Mili­tärpflichtigen ;

d. die von der Ersatz-Commission als tauglich und ein- ftellungsfähig erkannten Militärpflichtigen, einschließ­lich derjenigen aus früheren Jahrgängen;

e. die von den Truppentheilen zur Disposition der Er­satz-Behörden entlassenen Soldaten;

f. die von den Truppentheilen abgewiesenen einjährig Freiwilligen.

Den Großherzoglichen Bürgermeistereien werden beson­dere Ladungen für die Militärpflichtigen k. H. zugehen, welche den Betreffenden unverzüglich zuzustellen sind. Der Vollzug der Ladungen ist innerhalb 5 Tagen anzuzeigen. Die Mi­litärpflichtigen sind außerdem anzuweisen, ihre Loosungsscheine mit zur Stelle zu bringen.

Die zur Benrtheilung von Reclamationen in Betracht kommenden Personen haben ebenfalls zu erscheinen.

Sollte eine Ladung nicht vollzogen werden können, so ist der Grund hiervon berichtlich anzuzeigen und ist, wenn ein Militärpflichtiger von seinem bisherigen Wohnorte weg­gezogen ist, zugleich anzugcben, wohin derselbe verzogen ist.

Die Großherzoglichen Bürgermeister haben bei dem Ober- Ersatz-Geschäfte selbst anwesend zu sein und sich darum zu bemühen, daß die Militärpflichtigen, den Ladungen entsprechend, eine Stunde vor Beginn des Geschäfts zur Stelle sind.

Gießen, am 28. Mai 1891.

Der Civil-Vorsitzende der Großherzoglichen Ersatz-Commission des Kreises Gießen.

Jost, Negierungsrath.

Deutsches Reich.

Berlin, 1. Juni. Die Frage der Aufhebung oder zeit­weiligen Ermäßigung der Getreidezölle, welche in Folge der hohen Getreidepreise die öffentliche Meinung

beschäftigt, ist vorläufig in einer Weise erledigt worden, nach welcher man annehmen muß, daß die Kornzölle weder aufgehoben noch ermäßigt werden, wenn sich die -Ernte­aussichten nicht weiter verschlechtern. Der Reichskanzler und Ministerpräsident von Caprivi erklärte nämlich am Montag im preußischen Abgeordnetenhause, daß sich das StaatS- ministerium nicht habe dazu entschließen können, bei dem Bundesrathe die Herabsetzung der Getreidezölle zu befür- s Worten. Ein allgemeiner Nolhstand sei entschieden noch nicht vorhanden, sondern nur eine vorübergehende Theuerung, | zudem seien jetzt allgemein die Ernteaussichten besser als vor vierzehn Tagen. Schließlich erklärte der Reichskanzler noch, daß von der Zollherabsetzung unter den jetzigen Umständen ein allgemeiner Vortheil, also billigere Brodpreise nicht zu erwarten seien. Zu dieser Erklärung der preußischen Re­gierung muß man sagen, daß sie dann durchaus zutreffend sein wird, wenn sich die Getreidetheuerung nur als eine kurze, rasch vorübergehende herausstellt und in Folge der besseren Ernteaussichten die Brodpreise wieder fallen. Sollten 1 aber die Kornpreise hoch bleiben, so wird die Frage der \ Ermäßigung der Zölle wohl nochmals in Erwägung gezogen j werden müssen.

Am Sonntag haben zwei große Parteieongresse I stattgefunden, ein nationalliberaler in Berlin und ein frei­sinniger in Frankfurt a. M. Der wichtigere von beiden Parteitagen war offenbar der erstere, schon deshalb, weil es sich in Berlin um eine allgemeine Versammlung der Delegirlew \ der nationalliberalen Partei aus ganz Deutschland handelte, während in Frankfurt a. M. in der Hauptsache nur die Vertreter der Freisinnigen Süd- und Westdeutschlands zusammengekommen waren. Dem Congresse der National­liberalen präsidirte Staatsminister a. D. Hobrecht, die § Hauptrede hielt Herr v. Bennigsen, welcher die Social- und j Wirthschaftspolitik erörterte und am Schluffe unter rauschendem , Beifalle der Versammlung die nationalliberale Partei be­glückwünschte, daß sie als eines der wichtigsten Organe des öffentlichen Lebens in Deutschland mit Stolz auf ihre fünfundzwanzigjährige Vergangenheit zurückblicken könne. Nach Herrn v. Bennigsen sprachen noch eine ganze Reihe von Rednern und gingen die Wogen der Debatte mitunter sehr hoch, besonders, als der Name des Fürsten Bismarck in die Discussion gezogen wurde. Indessen führte dieselbe zuletzt zu dem einstimmigen Beschluß, ein warmes Dank- und Begrüßungstelegramm an den Fürsten Bismarck abzusenden. Am Schluffe der gesummten Verhandlungen nahm der Delegirtentag einstimmig eine in drei Abschnitte zerfallende Resolution an. Dieselbe bezeichnet es als die Aufgabe der 1 nationalliberalen Partei, in Fragen der Reichs- und Landes-

Feuilleton.

Etwas über Selbstcuren.

(Nachdruck verboten.)

Es gibt sehr viele Leute, welche es in eingebildeten oder wirklichen Krankheitsfällen lieben, an sich selbst herumzucuriren, sei es nun, daß sie eineVoreingenommenheit" gegen die Männer der ärztlichen Wissenschaft hegen, sei es aus irgend welchen anderen Gründen, aber gar häufig ereignet es sich dabei, daß diese Selbsteuren die Betreffenden in der That erst ernstlich krank machen und daß sie dann doch noch zum Arzte schicken müssen. Gewiß braucht man nicht gleich an die ärztliche Hilfe zu appelliren, wenn man sich körperlich nicht behaglich fühlt und die menschliche Natur pflegt sich in solchen Fällen schon meist zu helfen, wenn man ihr mit ent­sprechender Diät und Mäßigkeit in allen Dingen, schließlich vielleicht auch mit einem geeigneten Hausmittel, entgegen­kommt. Aber gar häufig verfahren Personen, die von irgend einem Unwohlsein befallen werden, oder denen es überhaupt nurnicht ganz recht" ist, gegen ihren Körper dann in einer Weise, die man als die reinste Quacksalberei bezeichnen muß und sie muthen ihrem Körper Dinge zu, die auch von Haus aus ganz kräftige und gesunde Constitutionen bedenklich er­schüttern können.

So wird namentlich mit den sogenannten Frühlingscuren nur allzu oft ein wahrer Unfug getrieben. Unter ihnen ver­steht man die zur Frühlingszeit übliche Anwendung gewisser Heilmittel, wodurch nach dem Volksglauben die Gesundheit nach den während des Winters etwa eingetretenen Stockungen und Störungen in diesen oder jenen körperlichen Functionen wieder aufs Neue gestärkt werden soll. Es werden hierzu Mineralwässer, Absührungspillen, besonders aber ausgepreßte 'Pflanzensäfte gewählt und unter den zu diesen Euren ge­bräuchlichen Kräutern verwendet man wiederum vorzugsweise

gern Löwenzahn, Gundermann, Wegtritt, Maaßliebchen, Schaf­garbe, Tausendgüldenkraut, Leberblümchen, Hirschwurz, Gras­wurzel (Quecken), junge Roggensaat und noch andere Vege- tabilien. Gewiß kann man vielen derartigen Pflanzen eine bedeutende Heilkraft nicht absprechen, aber über deren richtige Verwendung und Benutzung. kann doch nur der Fachmann, der Arzt urtheilen und darum macht der unerfahrene Laie von diesen Kräutern vielfach einen falschen und mit der Zeit also schädlich wirkenden Gebrauch. Er trinkt wochenlang ihren ausgepreßten Saft, ohne zu bedenken, daß das Uebermaß dieser arzncikräftigen Pflanzensäfte dem Körper gar nicht be­kommen kann, ohne eine Ahnung zu haben, ob dieser oder jener Pflanzensaft für seinen Körper, für seine Natur über­haupt auch zuträglich ist, selbst wenn er hiervon nur ganz kleine Dosen zu sich nimmt, und schließlich wundert sich dann unser Selbstcurpsuscher, daß ihm von dem so gepriesenen Kräutersaft eher schlechter als besser wird. Nein, meint Je­mand wirklich, eine Frühlingscur könne ihm gut thun, so frage er vorher den Arzt, der Mann der Wissenschaft wird dann schon die Mittel und Weise der Cur bestimmen, wenn er sie in der That für angebracht hält, aber aufs Gerade­wohl mit allerlei Kräutersäften herumzuexperimentiren, das sollte man doch lieber lassen.

Wie diese vom Volke selbst verordneten Kräutercuren gewöhnlich auf falschen Ansichten von den Bedingungen der Gesundheit und auf alten Vorurtheilen beruhen, so gilt dies auch von dem öfteren Ausspülen des Körpers mit abführenden und sonst schwächenden Mitteln, was die Organe ebenso ab­nutzt, wie ein zu häufiges Abwaschen und Ausspülen eines Hausgeräthes dasselbe keineswegs besser macht. Wenn auch in manchen Fällen von trägem Stuhlgange, Blutandrang nach Kopf und Brust, von Spannung im Unterleibe u. s. w. eine Abführung wohlthätig wirken kann, so wird doch mit diesen selbstverordneten Abführmitteln im Allgemeinen ein großer Mißbrauch getrieben. Zu starke oder in zu starken Dosen genommene Abführmittel greifen die Unterleibsorgane un­

gemein an und vermögen sogar die normalen Functionen der­selben zeitweilig zu unterbrechen und es wird alsdann mit einer derartigen Cur viel mehr Schaden als Nutzen angestiftet. Der Nichtarzt kann eben sehr häufig durchaus nicht beurtheilen, welcher Grund seiner Verstopfung oder trägen Darmentleerung eigentlich obwaltet und deßhalb ist es keineswegs einerlei, durch welche Mittel er eingreift und ob dieselben aus Dünn­oder Dickdarm einwirken, trotzdem aber wird mit Salzen und Wässern, Pillen und Oelen fröhlich drauf loscurirt, als ob lediglich das Purgiren die Hauptsache wäre und es auf die Laxantien und das Maß ihrer Anwendung nicht weiter ankäme.

Ebenso häufig wird auch bei Bekämpfung des Gegen- theiles der Verstopfung, des sogen. Durchfalles (Diarrhöe) durch falsche Selbstcuren gesündigt. Die Ursachen dieser Er­scheinung können gleichfalls sehr verschieden sein und darum sind auch die Gegenmittel der Diarrhöe verschiedene, aber häufig fragt ein davon Befallener gar nicht weiter nach den etwaigen Ursachen dieser Krankheitserscheinungen, sondern fängt sogleich mit allen möglichen stopfenden oder zurückhaltenden Mitteln an zudoctern", ohne viel danach zu fragen, ob dieselben in seinem Falle auch angebracht seien. Eine unzeitig oder gar gegen alle Jndicationen gestopfte Diarrhöe, sei es durch zusammenziehende, einhüllende oder ableitende Mittel, kann und wird aber ebenso gefährlich werden, wie die plötz­liche Unterdrückung eines Schnupfens, eines Schleimflusses jeder Art, einer Hautabsonderung u. s. w. Es ist daher immer erst zu fragen, ob das Heilbestreben der Natur, welches sich in jolchen Absonderungen meist ausspricht, durch die ge­waltsame Unterdrückung derselben nicht etwa gestört wird und dies zu beurtheilen, ist der Laie sicherlich nur in den wenigsten Fällen im Stande.

Doch noch viele, viele andere Waffen ähnlicher Art führt der medicinische Laie durch solche Selbstcuren gegen seine eigene Gesundheit ins Feld, wenngleich unbewußt,- leider fehlt hier der Raum, um alle diese Begehungssünden anzuführen.