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VUilh. Wacker, e1111" . 4<* mit

Rr. 28

Dienstag den 3. Februar

Der $tefrna -nreigtr «tcheiut täglich, Btt Ausnahme deS MrntagS.

Die Gießener A«»rtte«ßtttter «rerdcn dem lnjd|cr sSchenittch dreimal Setgelegt.

Gießener Anzeiger

Kenerat-Mnzeiger.

1891

Werttlhähriger JUmnumettfsprtte« 2 Mark 20 Pfg. *rfi Bringrrlohn.

Durch die Post bqogtv 2 Start 50 Pfg.

«edactiou, Exyeditirv und Druckerei:

ZchurstrukeAr.?.

Fernsprecher M.

Aintr» und Anzrigeblntt fih? den Kwb Girren

grfificiitfliben 9iumintt Sotsu 10 Nlir n Gr^isZeilag^chießener AamikienökatLer T Anzeigen für deuGießener Anzeiger" entgegen.

sshmdeu Lag erscheinenden Nummer br» Borm. 10 llhr. [ W > ...................... ii.iiii.iiu ui-Jionnwn rnr.. T .....-.. I ' ILO

AnrtLLLhsv Theil.

Bekanntmachung,

Schaftäude betreffend.

Nachdem die Schasräude zu Göbelnrod, Nonnenroch und Münster als erloschen gilt, wird die verfügte Sperre wieder rufgehoben.

Gießen, den 29. Januar 1891.

Großherzogliche» Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Deutsches Reich.

Darmstadt, 31. Januar. Das Amts blatt des Groß- herzoglichen Ministeriums des Innern und der Justiz, Section für Justizverwaltung, Nr. 2 enthält Ausschreiben vom 22. Januar 1891 an sämmtliche Justizbehörden, das Ver­fahren in Entmündigungssachen betreffend.

Berlin, 31. Januar. DerReichsauzeiger" veröffent­licht einen Bericht des Reichscommissars von Wißmann an den Reichskanzler über den Ausgang der militärischen Spedition gegen den Häuptling Machemba, welche wegen der verfrüht eingetretenen großen Regenzeit zur Schonung von Menschen und Material vorläuftg eingestellt worden fei. Aus einer Anlage zum Bericht geht hervor, daß das durch schwere Regengüsse behinderte Expeditionscorps unter Führung des Chefs Ramsy nach zwei Tagen Vormarsch, wobei es 7 Todte und 18 Verwundete verlor, wegen Mangel an Lebensmitteln und Munition den Rückmarsch antrat. Major v. Wißmann empfiehlt in seinem Bericht für die Zukunft ein allmähliges Vorschieben des befestigten Lagers, das genügende Nachfuhr von Lebensmitteln und Munition erlaubt.

DerReichsanzeiger" publicirt die seitens Spaniens erfolgte Kündigung des deutsch-spanischen Handelsvertrages, welcher mit dem Zusatzverträge am 1. Februar 1892 erlischt.

Berlin, 31. Januar. Die von alten Burschenschaftern zur Feier des Jahrestages der Wiedererrichtung des Deut­schen Reiches heute veranstaltete festliche Wagensahrt ver­lief unter zahlreichen Betheiligung auf das Glänzendste. Beim Passiren des Schlosses wurden Ihre Majestät die Kaiserin und die kaiserlichen Prinzen, welche an ein Fenster getreten waren, von den Theilnehmern des Zuges enthusiastisch be­grüßt. Hierauf begaben sich letztere nach dem Mausoleum in Eharlottenburg und legten dort aus den Sarkophag weiland Kaiser Wilhelms I. einen prächtigen Kranz nieder.

Berlin, 31. Januar. Die Budgetcommission des Reichstages lehnte heute mit 15 gegen 9 Stimmen die zur Beschaffung von Dienstpferden für alle berittenen Offiziere gegen die bisherigen Bestimmungen mehrgeforderte Geld- Vergütung ab und bewilligte mit 22 gegen 2 Stimmen auf Antrag des Abg. Sperlich nur für die Offiziere der Fuß- rruppen ausschließlich der Regimentscommandeure die Regie- rungssorderung. Darnach sind also die Pferdegelder für die Offiziere der Cavallerie und reitenden Artillerie abgelehnt worden, doch nahm die Commission einstimmig einen weiteren Antrag des Abg. Sperlich an, gemäß welchem auch die Offi­ziere, denen keine Pferdegelder bewilligt wurden, im Genüsse der bisher gewährten Rationen zu belassen sind. Die Ge­brauchsdauer der Chargenpferde wurde mit 17 gegen 7 Stim­men von 5 aus 4 Jahre herabgesetzt.

Der Abg. Dr. Windthorst ist wieder soweit her- gestellt, daß er heute der Sitzung der Volksschulcommission des Abgeordnetenhauses beiwohnen konnte.

Köln, 31. Januar. DieKöln. Volksztg." veröffentlicht eine Einladung mit 1300 Unterschriften aus allen Theilen Deutschlands, in welcher ausgefordert wird, demVolks- verein für das katholische Deutschland" beizu­treten. Der Zweck des Vereins ist, die Jrrthümer und Umsturzbestrebungen auf socialem Gebiete zu bekämpfen.

Mülhausen i. E., 31. Januar. Der Redacteur der Elsaß-Lothringischen socialdemokratischen Volkszeitung" Bueb ist aus Anlaß grober Ausschreitungen, die bei einer vor einigen Wochen in St. Ludwig stattgehabten socialistischen Versammlung gegen mehrere Personen, insbesondere auch gegen reisende Damen und Bahnbeamte, vorgekommen waren, zur Untersuchung gezogen und wegen Fluchtverdachts in Untersuchungshaft genommen worden.

München, 31. Januar. Die Kronprinzessin-Wittwe Stephanie ist heute früh zu mehrtägigem Besuche hier ein­getroffen und wurde aus dem Bahnhofe von dem Prinzen Leopold und der Erzherzogin Gisela begrüßt.

Lübeck, 31. Januar. Die den Travemünder Hasen bisher absperrende Eisbank ist durchbrochen und die Schiff­

fahrt seewärts im vollen Umfange wieder eröffnet worden.

Metz, 31. Januar. In Saaralben wurde beim Eis­sprengen der Feldwebel Rogge durch Spreng stücke ge- tödtet, zwei Soldaten vom Pionier-Bataillon Nr. 16 wurden verletzt.

ArrsUrird.

Wien, 31. Januar. Der Handelsminister erklärte dem Präsidenten des niederöfterreichischen Gewerbevereins, die Regierung beabsichtige die Reform des Frachtentarifs der Staatsbahnen, und es seien die Vorarbeiten zu einer solchen bereits ziemlich weit gediehen. Unter thun- lichstem Entgegenkommen für die Bedürsniffe der Industrie und des Handels solle namentlich die Wahrung der Con- currenzsähigkeit berücksichtigt werden.

Paris, 31. Januar. Nach einem Telegramm aus Lissabon von heute hätten in Oporto drei Regimenter eine Bewegung in republikanischem Sinne ver­sucht und wäre es zwischen ihnen und der Municipalgarde, die der Regierung treu geblieben sei, zu einem Zusammen­stoß gekommen. Anderweitige Bestätigung und nähere Details fehlen.

London, 31. Januar. Nach einem Telegramm der Times" aus Zanzibar vom gestrigen Tage sind die Be­dingungen des Friedens Vertrages zwischen England und Witu in Lamu veröffentlicht worden. Danach wird eine allgemeine Amnestie gewährt, von der nur diejenigen 12 Personen ausgenommen sind, welche bei der Ermordung der Deutschen und den späteren Ausschreitungen aV, Rädelsführer thätig gewesen waren. Das gestohlene Eigenthum wird, soweit es wieder zu erlangen ist, von den Behörden in Witu sofort zurückerstattet.

Rom, 31. Januar. Bei dem nächsten Consistorium wird der Papst die Ernennung eines Weihbischoss zum lateinischen Patriarchen in Jerusalem ankündigen und einen Bischof für den Posten eines apostolischen Delegirten in Persien bestellen.

Rom, 31. Januar. Nach Schluß der heutigen Be- rathungen über die Anwendung der provisorischen Erhöhung der Eingangszölle und die Steuer auf die Fabrikation von Alkohol begab sich Ministerpräsident Crispi nach dem Quirinal, um dem Könige das Entlassungsgesuch des Mini­steriums zu überreichen. In parlamentarischen und politischen Kreisen herrscht große Erregung.

Neueste Nachrichten.

WolffS telegraphisches Correspondmz-Bureau.

Leipzig, 1. Januar. Für die im Januar 1892 Hier­selbst stattfindende internationale Ausstellung für das Rothe Kreuz, Armeebedars, Hygiene, Volksernährung und Kochkunst hat sich jetzt ein geschäftssührendes Comite ge­bildet. Die Protection über die Ausstellung wird von der Königin erbeten werden. Die einzelnen Staaten werden durch die bei den betreffenden Regierungen beglaubigten Gesandten und Geschäftsträger zur Theilnahme eingeladen. Die Aus­stellung bezweckt, zu zeigen, in welcher besseren Weise die Truppen sowohl im Kriege wie im Frieden verpflegt werden können. Der Dienst in den Colonialgebieten wird besondere Berücksichtigung finden.

Rom, 1. Februar. Der König wird heute mit den Präsidenten der Kammer und des Senats die durch das Votum der Kammer geschaffene Lage berathen. Man betrachtet die Krisis als eine schwierige.

Oporto, 1. Februar, früh. Die vergangene Nacht ist durchaus ruhig verlausen, die Ordnung wurde nirgends ge­stört. Die zur Verstärkung der Garnison hierher beorderten Truppen sind bereits hier angekommen. Wegen Betheiligung an dem Ausstand sind gegen dreihundert Personen (Soldaten und Civilisten) verhaftet. Die Polizei ist mit der Ermittelung und Verhaftung weiterer Theilnehmer beschäftigt.

Oporto, 1.Februar. Die republikanischen Clubs sind von der Polizei geschlossen und deren Papiere mit Be­schlag belegt worden.

totales rrrrd ^provinzielles.

Gieße», 2. Februar.

Se.»igl. Hoheit der^Srbgroßherzog wohnten am Samstag Abend einem Ballfest Sr. Excellenz des DivisionS- Commandeurs Geuerallieutenant v. Bülow i» den Räume» der Bereinigten Gesellschaft zu Darmstadt bei.

Der hessische Stadtetag findet heute Montag in Offenbach statt. Die Tagesordnung lautet: 1. Die Gehalts­verhältnisse der Lehrer. 2. Die Befreiung der unterste» Steuerklassen von der Gemeindesteuer. 3. Fürsorge für Irre. 4. Abänderung der Verwaltungsgesetze. 5. Sonstige Angelegenheiten. Herr Oberbürgermeister Gnauth nimmt an den Verhandlungen Theil.

-h. Zu den nächsten Donnerstag Abend 7l/2 Uhr in Steins Saalbau stattfindenden Vorstellungen des hiesigen Theater Vereins wird auch eine Veränderung bezw. Verbefferung der Garderoberäume und Einrichtungen getroffen werden und zwar dahingehend, daß für die Plätze Nr. 1250 (1. Parquet), Nr. 251346 (1. Parquet), sowie für 2. Parquett-Gallerie je ein bestimmter Garderoberaum vorhanden und als solcher durch Tafeln kenntlich gemacht wird. Für Aufbewahrung der Garderobe sind 20 Pfg. und zwar im Voraus zu entrichten. Es wird nunmehr an dem Publikum liegen, durch Ein­haltung der morgen noch im Jnseratentheil erscheinenden Garderobeordnung" selbst dafür Sorge zu tragen, daß das betreffende Personal möglichst rasch und prompt bedienen kann.

Die gestern Abend seitens desSäugerkrauzeS" ver­anstaltete Abendunterhaltung nahm nach jeder Richtung hm den gewünschten Verlauf. In erster Linie interessirt uns selbstredend der musikalische Theil, und ein Blick auf das Programm belehrte uns, daß sich der Verein die Sache nicht leicht machen wollte- er hatte sich als Aufgabe gestellt: Brambach,Nacht am Meere", Bruch,Normannenzug", Kremser,Altniederländische Volkslieder", alle drei Chor­werke mit Orchesterbegleitung, die einen wohlgeschulten Chor bedingen. Ehe wir die Leistungen der Sänger bespreche«, wollen wir vorweg des Dirigenten, Herrn Franz Bauer, gedenken- er ist ja längst aus seinem Gebiete kein Neuling mehr und hat sich auch am Sonntag wieder als fein­sinniger Musiker, sowohl bei Zusammenstellung des Programms, als auch bei Ausführung desselben gezeigt - es ist ihm Ernst mit seiner Kunst und besonders möchten wir sein mit Fleiß gepaartes Können hervorheben. Alles, was zu Gehör kam, verrieth ein sorgfältiges Studium, er führte Chor und Orchester mit vollkommener Sicherheit und diese wußten sich Eins mit ihrem Führer. Als Solistin des Abends hörten wir Frau Balser- die geschätzte Sängerin verfügt über eine ausgeglichene, biegsame Sopranstimme, die mit gleiche« Gelingen das dramatische Fach wie das lyrische beherrscht. Mit Feuer trug sie die große Sopran-Arie aus dem Trou­badour vor, aber auch die einfachen Lieder von Hiller und Wüerst brachte sie ganz allerliebst zu Gehör. Ganz besonders gelang ihr die stürmisch verlangte Zugabe: Raff,Kein" Sorg' um den Weg". Die Herren Solisten, Mitglieder der Vereins, wurden ihren Ausgaben vollkommen gerecht, einige leisteten sogar ganz Hervorragendes. Der Chor hatte eine» glücklichen Abend, mit Eifer und Fleiß war studirt worde«, die Einsätze kamen scharf und markig und trotzdem die Zahl der Sänger keine übergroße ist, so brausten doch die For­tissimos mächtig zuckend durch den Saal. Auch ein voller Lob gebührt dem Orchester, es hat discret und rein unter Bauers geschickter Leitung die Begleitung ausgeführt. Die Kammermusik war mit dem prächtigenLargo con eapres- zione aus Beethovens G-dur Trio gedacht, allen drei Part­nern gebührt unser Dank für die weihevolle Ausführung. Ganz neu war es uns, daß der Sängerkranz auch über einen Gemischten Chor verfügt, der sich an Chöre aus der Schöpfung" wagen darf- nicht für die Männerstimmen hatten wir Bedenken, aber auch die Schaar der jugendlichen Sänger­innen zerstreute bald jede Befürchtung, mit Frische und Festig­keit wurde gesungen, jedes Einsetzen präcise gebracht, ein be­sonderes Bravo dem mut hi gen Dirigenten. So unterliegt es denn keinem Zweifel, daß der Sängerkranz mit freudiger Genugthuung aus seine und seiner Freunde Erfolge zurück­blicken kann. Wir wünschen ihm, muthig weiter sortzuschrei- ten, er wird stets dankbare Hörer und Verehrer finden.

Unter überaus zahlreicher Betheiligung ihrer Mit­glieder hielt die Burgergesellschast am vergangenen Samstag ihren diesjährigen Maskenball ab. Außer den verschieden­artigsten trefflichen Charactermasken waren von besonderem Interesse die von acht jungen Damen dargestellte Jockey- Gruppe und im weiteren Verlaufe die allseitig sehr erheiternde Alteweiber-GruppeDer Mann unter dem Pantoffel". Alle Theilnehmerinnen hieran gelobten in launigen, theilweise recht treffenden Worten, ihre nicht nach ihren Pfeifen tanzenden Ehehälften mit der Zeit doch noch unter den als Symbol vorangetragenen großen Pantoffel zu bringen. Die Clowns thaten wie immer ihre volle Schuldtgkeit. Der in gehobenster Stimmung verlaufene Ball aber hat aufs Re»e gezeigt, daß