Ausgabe 
2.8.1891
 
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Rr. 177 Erstes Blatt. Sonntag den 2. August 1891

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frUtrat Adriger erscheint täglich, «it Ausnahme des Montag».

Die Gießener Ia«itte«ßtältsr «erden dem Anzeiger Ußchentlich dreimal beigelegt.

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Anntlicher Theil.

Gefunden: 1 Chaisenkapsel, 1 unächtes Bröschchen, 1 Stück Tuch, 1 goldener Ring, 1 Strängchen Garn, 1 An. streichpinsel, 1 Brille mit Futteral, 1 Metermaß, 1 Kinder­schuh, 1 Buch für Jnv.- und Altersversicherung, 1 Schulbuch, 1 Wagenkapsel, 1 Buch (Gramatik), 3 Ketten, 2 Taschen­tücher, 1 Handschuh.

Gießen, den 1. August 1891.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

I. V.:

S ch l i e p h a k e, Regierungsassessor.

LoMlsche Wochenschau.

Gießen, 1. August 1891.

Die vollkommene Stille, die im Reich während der Sommer-Wochen nach und nach eingetreten war, wurde in Len letzten Tagen durch das Stattfinden von drei Reichs­tagsersatzwahlen höchst wohlthätig unterbrochen. Ueber die Vorgänge im Wahlkreise Kassel-Melsungen haben wir bereits in unserer letzten Wochenschau ausführlich berichtet. Bekanntlich hatte der Umstand, daß die Freisinnigen im Wahlkreise sofort für den nationalliberalen Candidaten ein­getreten waren, das Ergebniß herbeigeführt, daß diesmal statt des Conservativen der Nationalliberale mit dem Social­demokraten in die Stichwahl gelangte. In dieser unterlag der letztere, obwohl er im ersten Wahlgange dem national­liberalen Candidaten einen Vorsprung von mehreren Tausend Stimmen abgewonnen hatte. Im Wahlkreise Tilsit- Niederung lagen die Verhältnisse von Anbeginn wesentlich einfacher, als in Kassel. Während sich hier zuerst nicht weniger als fünf Candidaten bekämpften, von denen wenigstens vier den Wahlkreis zu erobern ernstlich hofften, standen sich in Tilsit in der Hauptsache nur Freisinnige und Conservative gegenüber. Es hatten nämlich die letzteren bei den Hauptwahlen des vorigen Jahres 10678, die Freisinnigen 8912, dagegen die Socialdemokraten und Nationalliberalen zusammen nur 731 Stimmen erzielt. Dieses Bild hat sich im Wesentlichen nur insoweit verschoben, als der conservative Candidat über 3000 Stimmen verloren hat und demzufolge mit dem frei- sinnigen Hans von Reibnitz in eine Stichwahl kommt, in welcher er von vornherein weniger günstige Chancen hat, als sein Gegner. Auch in Memel-Heydekrug, dem lang­jährigen Wahlkreise des verstorbenen Moltke, hatte die frei­sinnige Partei einen Sieg ihres Vertreters keineswegs für ausgeschlossen gehalten und entsprechende Anstrengungen gemacht. Jedoch wurde auch diesmal der conservative Candidat mit beträchtlicher Stimmenmehrheit gleich im ersten Wahlgange gewählt.

Die Geschehnisse im Auslande stehen gegenwärtig, wie Lies alljährlich im Spätsommer der Fall zu sein Pflegt, unter dem Zeichen der Monarchenbegegnungen und ähnlicher Vor­kommnisse. In der Reihe solcher Begebenheiten gebührt die rrste Stelle in der vergangenen Woche zweifellos dem Besuch, den ein französisches Geschwader unter Führung des Admirals Gervais der russischen Regierung in Kronstadt ab­gestattet hat. Vielfach hat man dieser Action eine tiefere Politische Bedeutung beigemessen und die Meinung gehegt, die französisch-russische Freundschaft werde nunmehr ihres tran- scendentalen Characters entkleidet werden und einen sichtbaren Ausdruck in der Gestalt eines förmlichen Bündnisses finden. In der That waren die überaus zuvorkommende Art, mit der das französische Geschwader empfangen wurde, und die Begeisterung, in die sich Russen und Franzosen während der Dauer der Festlichkeiten hineinarbeiteten, durchaus dazu an- gethan, eine solche Anschauung hervorzurufen und zu bestärken. Wir heben nur hervor, daß das Kaiserpaar am Samstag persönlich aus dem Admiralsschiffe erschien und am Dienstag ein glänzendes Diner zu Ehren der französischen Gäste im Kaiserhos veranstaltete. Dabei durfte sogar die Marseillaise in Gegenwart des Kaisers gespielt werden. Ihren Siedepunkt hatte die Stimmung schon am Sonntag erreicht, an dem ein großes Concertfest unter zahlreicher Betheiligung weiterer Kreise stattsand und die Menge sich bei den Klängen der französischen und russischen Nationalhymne entblößten Hauptes mit den Rufen: vive la France, vive la Russie geradezu überschrie. In der russischen Presse fand diese Stimmung ; vielfach ein treues Echo. So verstiegen sich zum Beispiel j die Petersburger Nowosti zu der Behauptung, daß nicht mehr i der Dreibund, sondern die französisch-russische Allianz fortan i in Europa maßgebend sei. Aehnlich lauteten viele Zeitungs- [ stimmen in Frankreich. Allerdings fehlte es auf der'

anderen Seite auch nicht an Bemühungen, Wasser in den Wein des allgemeinen Taumels zu gießen. Der Czar selber ordnete an, daß nur vier Toaste und zwar aus ihn, Carnot, die russische und die französische Flotte, aber nicht auf die französische Republik ausgebracht werden dürsten. In der Presse verlautete, daß der Kaiser seinen Widerwillen gegen die französischeWichtigthuerei" nur schwer überwunden habe und niemals einem französisch-russischen Bündniß zustimmen werde. Ebenso äußerte der Pariser Temps, daß Rußland stets nur rein russische Politik treiben werde. Vollends diente das Bekanntwerden des Umstandes, daß dasselbe französische Geschwader auch England aus spontanem Entschluß zu be­suchen gedenkt, zur Ernüchterung vieler Gemüther. In grellem Contraste zu den Kronstädter Prunkfesten steht der furchtbare Nothstand, der in Folge einer Mißernte in Rußland vielfach schon ausgebrochen ist, oder zweifellos dem­nächst eintreten wird. Nach Nachrichten, die aus dem Gouverne­ment Nischny-Nowgorod eingetroffen sind, ist dort die Hälfte der Bevölkerung nicht im Stande, sich zu ernähren. Viele Bauern hungern oder müssen ein Brod essen, das mit allerlei fast ungenießbaren Zusätzen vermischt ist. Ganze Bettlerschaaren sollen sich umhertreiben und arme Familien ihre Kinder in die Stadt an die Kreisverwaltung überliefern. Diese Ver­hältnisse haben auch auf die Versorgung des deutschen Volkes mit Brod einen außerordentlichen Einfluß, da ja die deutsche Getreideproduction zur Ernährung der ganzen Bevölkerung bei weitem nicht ausreicht und ein großer Theil des Brod- consums durch russisches Getreide gedeckt werden muß. Eine Einführung russischen Getreides würde natürlich in dem Augen­blicke unmöglich sein, in dem Rußland sein ganzes Getreide selbst nöthig hat und die russische Regierung, wie sie plant, jede Ausfuhr erschwert. In nicht gerade beneidenswerther Lage befindet sich Fürst Ferdinand von Bulgarien inso­fern, als er mit Vorliebe von stoffarmen Reportern zum Object sommerlicher Erfindungen gemacht wird. Man wird sich er­innern, daß er im vorigen Jahre um dieselbe Zeit, während er sich im Zustande vollkommener Harmlosigkeit irgendwo einer Badecur aussetzte, urplötzlich von einem besonders that- kräftig veranlagten Reporter einfach depossediert wurde. In diesem Jahre ist dem Fürsten durch eine von uns sofort mit einem Fragezeichen versehene Nachricht umgekehrt die Absicht in die Schuhe geschoben worden, die Unabhängigkeit Bul­gariens erklären zu wollen. Es stellt sich jetzt heraus, daß auch diese Meldung in den Bereich journalistischer Gewalt­acte zu verweisen ist.

Deutsches Reich.

Berlin, 31. Juli. Wie von der No rdlands fahrt des Kaisers berichtet wird, hat derselbe infolge des präch­tigen Wetters seinen Aufenthalt in Mo um einen Tag ver­längert und fand deßhalb die Fahrt nach Drontheim erst am Freitag statt. Das Befinden des Kaisers ist fortgesetzt ein zufriedenstellendes. Der den Kaiser begleitende Leibarzt Dr. Leuthold hat ausgesprochen, daß die Folgen des Unfalles beseitigt sind. Gleichwohl dürfte sich der Kaiser noch einige Schonung auferlegen und namentlich längere, anstrengende Bergpartien unterlassen. Man glaubt, daß der Kaiser aus der Rückreise in der Lage sein wird, der Bitte der Helgo­länder zu willfahren und am 10. August, dem Jahrestage der Uebergabe der Insel an den Deutschen Kaiser, nach Helgo­land zu kommen.

In der letzten Sitzung der Zweigabtheilung der Deutschen Colonialgesellschaft zu Coblenz machte Herr Bergrath Busse Mittheilungen über die Vor­geschichte der Lotterie zur Bekämpfung des Sclavenhandels. Die erste Anregung ging von dem Mitgliede des Zweigvereins Kaufmann Baum zu Coblenz aus. Bergrath Buffe nahm diese Anregung auf und gab ihr greifbare Gestalt. Um sich zu vergewissern, ob der Plan in der Oeffentlichkeit Billigung finden würde, schrieb man an zweitausend hervorragende Per­sönlichkeiten und bat sie um ihre Ansicht in der Sache. Es gingen 170 Antwortschreiben ein, von denen 158 zustimmend lauteten. Nach diesem günstigen Ausfall richteten die För­derer des Unternehmens, zu denen in erster Linie der Fürst von Wied gehört, eine Adresse an die deutschen Fürsten, in der sie deren Unterstützung erbaten. Nachdem durch Sach­verständige ein Lotterieplan aufgestellt worden war, reiste Bergrath Buffe nach Berlin und suchte im Colonialamte Stimmung für die Lotterie zu machen, was ihm auch leicht gelang. Der Fürst von Wied nahm es auf sich, den Kaiser und den Reichskanzler für den Plan zu gewinnen. Der Kaiser äußerte sich zustimmend. Die weitere Entwickelung der An­gelegenheit ist bekannt. Namentlich Major v. Wißmann soll die Lotterie bei dem Kaiser befürwortet haben, auch hätte

Wißmann schon im vorigen Jahre den Vorschlag gemacht, mit Hilfe einer Lotterie Geld zur Unterdrückung des Sclaven­handels zu beschaffen.

Nerrefte 2Iad?rid?ien.

NvlffS telegraphisches Lorrrspondenz-Bureau.

Berlin, 31. Juli. DerReichsanzeiger" veröffentlicht eine Bekanntmachung, betr. die beabsichtigte Befestigung Helgolands.

Bochum, 31. Juli. Dem Redacteur Fusangel ist der ihm gewährte Strafaufschub entzogen. Derselbe erhielt die Aufforderung, seine vierwöchentliche Gesängnißstrafe morgen anzutreten.

Elbing, 31. Juli. Se. Kgl. Hoheit der Prinz Heinrich traf heute Mittag zur Besichtigung der Schichau'schen Werke hier ein. Beim Betreten der Werst wurde der Prinz von dem Geheimrath Schichau begrüßt und alsdann durch die verschiedenen Abteilungen der Schiffswerft, sowie der übrigen Werke, der Kesselschmiede und der Locomotivfabrik geleitet. Nachmittags reiste Se. Kgl. Hoheit der Prinz Heinrich per Bahn nach Danzig zurück.

Dresden, 31. Juli. Nach einer Bekanntmachung im Journal" ernennt sich der K ö n i g v o n S a ch s e n in Wieder­aufnahme seiner langjährigen Stellung als Ches des vor­maligen 1. Reiter-Regiments, jetzigen 1. Husaren-Regiments Nr. 18, zum Chef dieses Regiments und bestimmt, daß das­selbe fortan 1. Königs - Husaren - Regiment Nr. 18 benannt werde. Gleichzeitig ernennt der König anläßlich des heutigen Jubiläumstages des 2. Husaren-Regiments Nr. 19 die Königin zum Chef desselben und bestimmt, daß das Regiment fortan den Namen führe: 2. Königin-Husaren-Regiment Nr. 19.

München, 31. Juli. Die hiesige Gemeindevertretung ge­nehmigte den Betrag von 25,000 Mk. zum festlichen Em­pfange Sr. Maj. des Kaisers. Prinz Ferdinand von Coburg besuchte gestern die Kunstausstellung.

Mo, 31. Juli. Der Aufenthalt desHoh enzollern" in Mo wurde in Rücksicht aus das prachtvolle Wetter um weitere 24 Stunden verschoben. Die Abreise nach Trondhjem findet demnach am 31. Juli Nachmittags statt. Der Kaiser befindet sich im besten Wohlsein, ist den ganzen Tag an Deck und nimmt mit den Herren des Gefolges die Mahlzeiten im Freien ein.

Mo, 31. Juli. DerHohenzollern", mit dem Kaiser an Bord, verläßt heute Nachmittag 3 Uhr Mo, um morgen 1 Uhr in Trondhjem einzutreffen.

Petersburg, 31. Juli. Bei dem gestrigen Diner bei den Artillerieoffizieren brachte Admiral Gervais Toaste auf das Kaiserpaar und die Großfürsten Wladimir und Michael aus. Gervais fuhr sodann fort:Ich trinke, auf die russische Armee und wünsche, daß sie mit neuen Lor­beeren bedeckt werde, wenn Gott sie zur Vertheidigung des Vaterlandes ruft." Auf den Toast des Admirals Bry lkine auf die französische Marine erwiderte Gervais Namens der französischen Armee und der Marine mit bestem Dank- die letzten Worte sprach er unter großem Enthusiasmus russisch. General Stadon umarmte Gervais.

Petersburg, 31. Juli. Eine Verordnung wird veröffent­licht, wonach im nächsten Jahre eine leichte Reserve-Ar­tillerie-Batterie mit dem Friedenseffectivbestand zu bilden sei, wobei zwei Geschütze bespannt sein sollen.

Moskau, 31. Juli. Der König von Serbien be­suchte gestern die französische Ausstellung, wo er von dem französischen Generalconsul und dem Ausstellungscommissär empfangen wurde.

Kronstadt, 30. Juli. Der Herzog Alexander von Oldenburg und Prinz Georg von Leschtenberg nebst Gemahlinnen besuchten gestern das französische Ge­schwader, wo den Damen Bänder in den Nationalfarben überreicht wurden. Heute besuchte Admiral Gervais und die französischen Ossiziere die Befestigungen Kronstadts und wohnten dem Artillerieschießen bei. Nach dem Dejeuner besuchten die russischen Generalstabsoffiziere das französische Geschwader.

San Francisco, 31. Juli. Nach Meldungen aus Ioko­tz am a rannte der DampferTamäru" am 12. Juli aus den DampferMigoschi Marn", welcher 320 Arbeiter an Bord hatte und sich aus der Rückfahrt von Suto nach Hakodate befand. DerTamäru" sank und die Zahl der Ertrunkenen und Vermißten wird auf 260 angegeben.

Depeschen desBureau Herold".

Berlin, 31. Juli. Nach derReichs-Corresp." ist die Seitens der Regierung beabsichtigte Vermehrung der Loose der Preußischen Klassen - Lotterie von