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längerung des Dreibundes und findet es natürlich, daß die erste Seemacht der Welt an der Erhaltung des Friedens im mittelländischen Meere sich wesentlich interessire. Von da bis zum Abschlüsse eines Vierbundes sei es aber noch ein weiter Weg.Standard" glaubt versichern zu können, daß bei der Verlängerung des Dreibundes keine der drei bethei- ligten Mächte sich an England, sei es um seinen Rath ein­zuholen, oder um seine Unterstützung zu gewinnen, gewendet habe. Auch von eventuellen Modificationen, die'das Bündniß vielleicht erfahren habe, seien England keinerlei Mittheilungen gemacht worden.Daily Telegraph" und Daily Chronicle" erwarten von dem Bekanntwerden der Thatsache der Ver­längerung des Dreibundes, daß die in letzter Zeit in Folge der Ungewißheit der politischen Lage an den Börsenplätzen und in den Geschäften entstandene Beunruhigung nunmehr einem Zustande des Vertrauens Platz machen werde.

Petersburg, 30. Juni. Der Stadthauptmann verordnete, um dem unberechtigten Aufenthalt der Juden in der Residenz vorzubeugen, die Streichung der jüdischen, die Stadt ver­lassenden Handwerker, aus den Zunstlisten, sowie die Ab­fertigung von den Angehörigen an die Orte ihrer Seß­haftigkeit.

Petersburg, 30. Juni. Das Kaiserpaar fuhr am Sonnabend in die finnischen Skären, der Thronfolger gestern nach Tschita. DerRegierungsanzeiger" veröffentlicht die Ausdehnung des Instituts der Landschaftshaupt- männer auf die zwölf nördlichen Gouvernements (worunter Petersburg) und die Einführung des Veloeipeds bei der In­fanterie zur schnelleren Nachrichtenbeförderung. Dem War­schauerKuryer Poznanski wurde auf drei Monate die Erlaubniß zur Jnseratenveröffentlichung entzogen als Censur- strafe.

Newyork, 30. Juni. Der von Haiti eingetroffene DampferOzama" berichtet, es herrsche daselbst Ruhe. Der Präsident Hyppolite habe den Ausstand am 28. Mai unterdrückt bei demselben seien etwa 280 Personen getödtet worden.

Newyork, 30. Juni. Das Mae-Kinley-Ge setz, so- weir es das aus England importirte Weißblech betrifft, tritt morgen in Kraft. DerWorld" zufolge herrscht große Thätigkeit unter den Importeuren, damit vor morgen die Schiffe das Zollamt passiren. Bisher wurde 1 Cent für das Pfund bezahlt, morgen 22/10.

Cocalcs und ^provinzielles.

Gießen, 1. Juli.

Stiftungsfest der Universität. Das diesjährige Stiftungsfest der Universität wurde heute Morgen in der großen Aula des Universitätsgebäudes mit einem Rede- und Gesangsact feierlich begangen. Nachdem das Profesioren- collcgium unter Vorantritt des gegenwärtig amtirenden Rectors, des Herrn Professor Dr. Gottschick, während der Klänge des Priestermarsches aus der Mendelssohn'schen Athalia, welcher von unserer Militärmusik unter Direction ihres Dirigenten Herrn Krauße executirt wurde, den Saal betreten hatte, erfolgte die Eröffnung der eigentlichen Feier durch den Vortrag einer Gluck'schen Hymne, welche von dem akademischen Gesangverein unter der bewährten Leitung des akademischen Musikdirectors Herrn Adolf Felchner stimmungsvoll und wirksam wiedergegeben wurde.- Sodann bestieg Herr Professor Dr. Gottschick das Katheder, nm in längeren Ausführungen die Stellung und die Auf­gaben des Christenthums in der Gegenwart zu beleuchten. Er kam zu dem Schluß, daß das moderne Hervorkehren der individuellen Eigenart dem Christenthum nicht zum Schaden gereichen werde, sondern eine Vertiefung des christlichen Denkens und Handelns herbeisühren könne. Darauf fand die Verlesung der Urtheile der betreffenden Facultäten über die eingegangenen Preisarbeiten statt. Weder die theologische noch die juristische Preisarbeit hatten einen Liebhaber ge­funden. Dagegen war das klassische philologische Thema: de imperatorum Romanorüm nominibus honoribusque praeter ordinem solitum exceptis etc. zweifach bearbeitet worden. Die eine der beiden Arbeiten wurde als ein zu spät unternommener Anfang characterisirt und daher von einer Prä- miirung ausgeschlossen, während die zweite, die der Lösung der Aufgabe näher kommt, mit dem halben Preis versehen werden konnte. Bei Eröffnung des Couvertes ergab sich als Verfasser Herr cand. phil. Adolf Kemmer aus Gießen. Besonderes Lob konnte die medicinische Facultät einer Arbeit, welche sich um den Preis der Balserstistung bewarb und das Verhalten der linken Herzkammer bei Mitralstenose und Jnsusficiens an der Hand der hiesigen klinischen Beobachtungen und der Obductions- protocolle der letzten zehn Jahre sestzustellen hatte, zu Theil werden lassen. Der Verfasser der Arbeit, die den vollen Preis erhielt, ist Herr cand. med. William Dunbar aus St. Paul in Nordamerika. Eine 'zweite Preisausgabe der medicinischen Facultät ist unbearbeitet geblieben. Endlich ist noch die Arbeit des Herrn stud. forest. Wilhelm Schwinn aus Schöllenbach zu erwähnen,, welche Ver­hältnisse des Wald- und Feldbaues im Odenwald behandelt und mit dem vollen Preise ausgezeichnet wurde. Eine kurze Darstellung der Begebenheiten an der hiesigen Universität im verflossenen Jahre bildete den letzten Theil des Redeactes. Mit dem erhebenden Vortrage der Haydn- schen Motette:Du bists, dem Ruhm und Ehre gebühret", welche gleichfalls vom akademischen Gesangverein ausgesührt wurde, klang die schöne Feier würdig aus. Indem das Militärorchester den Caminsky'schen Triumphmarsch anstimmte, verließen die Anwesenden den Saal.

Milde Gaben. Rabbiner Dr. Levi hat dieser Tage $5 0 0 Mk. an das Hilfscomite für die vertriebenen russischen Juden nach Berlin geschickt und soll den freundlichen Gebern herzlichen Dank sagen, zugleich um weitere milde Gaben bitten. Jammer und Noth der armen Vertriebenen seien unbeschreiblich und müßten jedes Menschen­herz zur Theilnahme bewegen.

-dt. Neu - Ulrichstein, 1. Juli. Monatsbericht der Arbeiter-Colonie pro Juni 1891. Ende Juni 1891 sind in der Colonie stellen-, resp. arbeitslos 47 Mann. Dieselben vertheilen sich auf das Groß- herzogthum Hessen 10. Königreich Preußen: Provinz Branden­burg 1, Provinz Hannover 2, Provinz Hessen - Kassel 6, Provinz Hessen-Nassau 4, Provinz Rheinlande 2, Provinz Sachsen 3, Provinz Ostpreußen 1, Provinz Schlesien 1, Pro­vinz Westfalen 2. Königreich Bayern 5,- Königreich Württem­berg 3'; Königreich Sachsen 1. Großherzogthum Baden 1. Thüringische Staaten 3. Ausland: Kaiserreich Oesterreich, Wien 1, Ungarn 1.

Hiervon waren: Arbeiter 13, Bäcker 3, Buchbinder 1, Buchdrucker 1, Cigarrenmacher 1 , Färber 1 , Former 1, Glaser 1 , Goldarbeiter 1, Handschuhmacher 1, Holzbild­hauer 1, Kaufleute 3, Kellner 1, Maurer 1, Maschinen­schlosser 1, Messerschmied 1, Metalldrücker 1, Schlosser 1, Schneider 3, Schuhmacher 3, Schreiber 2, Tabaksspinner 1, Tuchmacher 1, Tuchscheerer 1, Tüncher 1, Brauer 1.

Im Monat Juni wurden entlassen 10, und zwar durch eigenes Bemühen 2, aus eigenen Wunsch 8.

Verpflegungstage im Ium 1891 : 1418. Gearbeitet wurde an 1279 Tagen, hierunter 71 Tage für fremde Rechnung.

Seit Bestehen der Colonie sind ausgenommen worden 1718 Mann, dagegen abgegangen 1671; bleibt Bestand 47 Mann.

t Munster bei Lich, 30. Juni. Bei dem in letzter Nacht bald nach 11 Uhr hier und in der Umgegend tobenden heftigen Gewitter schlug der Blitz in das Wohnhaus des hiesigen Lehrers Römer ein, ohne jedoch glücklicherweise zu zünden, noch sonstigen Schaden anzurichten.

r. Altenstadt, 30. Juni. Dem seitherigen hiesigen Schul­verwalter Storck, vorher Lehrer in Lich, wurde die erste Schulstelle dahier definitiv übertragen.

Blofeld, 30. Juni. Am Sonntag den 5. Juli, Nach­mittags 3 Uhr, findet in dem Gemeindehause hier ein land- wirthschaftlicher Vortrag des Herrn Landwirthschasts- lehrers Dr. Ullmann von Büdingen überVertilgung der verbreitetsten Unkräuter" statt.

Lauterbach, 30. Juni. Nach Beschluß der letzten General­versammlung des hiesigen Schützenvereins findet das dies­jährige Haupt schießen den 12. Juli statt. Gestern Abend verunglückte die Ehefrau des Johs. Ploch zu Schlechtenwegen durch Herabstürzen von einem Wagen. Die Verunglückte saß aus einem mit Fässer beladenen Wagen, unterwegs stürzte das eine Faß, die Verunglückte mitreißend, vom Wagen und den Pferden unter die Füße. Die hierdurch scheu gewordenen Pferde versetzten der Frau einige Huftritte gegen den Kops und gingen durch. Die in den Vorderrädern hängen gebliebene Frau wurde etwa 30 Meter geschleift, ehe es dem fahrenden Ehemann gelang, das Fuhrwerk zum Hatten zu bringen. Mit Mühe gelang es dem Verzweifelnden, die Verunglückte ans den Rädern hcrauszuziehcu. Schrecklich im Gesicht verwundet, wurde dieselbe in das hiesige Kranken­haus verbracht, wo sie ftich in Händen tüchtiger Aerzte und guter Pflege wohl bald erholen wird.

J. Weickartshain, 30. Juni. Ein vierjähriges Kind fiel heute in einen dahier befindlichen Brunnen und ertrank. Ob ungenügende Bedeckung des Brunnens oder Unvorsichtig­keit der mit dem Kleinen spielenden Kinder die Ursache des Unglücksfalles ist«, wird die eingeleitet werdende gerichtliche Untersuchung ergeben.

J. Hartershausen, 30. Juni. In letzter Nacht wüthete in unserer Gegend ein schreckliches Gewitter. Der Blitz schlug zweimal in die Hosraithe des Konrad Vippel II. dahier ein, zerstörte das Dachwerk und tödtete im Stall eine Kuh, ohne jedoch zu zünden.

L. Alsfeld, 30. Juni. Aus die gestrige ermattende Schwüle (Nachmittags 2 Uhr 23 °R. im Schatten) hatten wir Nachts gegen 12 Uhr mehrere sehr schwere Gewitter, von heftigem Sturm begleitet. Der Sturm hat in mehreren umliegenden Ortschaften Bäume geknickt, sogar ganze Reihen umgerissen, war indeß auch die Ursache, daß das Unwetter sich rasch wieder verzog.

= Aus dem Kreise Alsfeld, 30. Juni. Die hier tropische Hitze des gestrigen Tages (das Wasser der gegenwärtig hoch angeschwollenen Ohm hatte 17,5 OR.) zog in der verflossenen Nacht schwere und heftige Gewitter nach sich. Un­unterbrochen zuckten die Blitzstrahlen nach allen Richtungen des Firmaments, die dunkle Nacht taghell erleuchtend, be­gleitet von so gewaltigen Donnerschlägen, daß die Fenster­scheiben klirrten. Obgleich uns bis jetzt keine verderblichen Blitzschläge bekannt geworden sind, dürsten solche doch gewiß vorgekommen sein. Die Gewitter waren von einem sehr starken Sturm begleitet, der einzelne Schäden anrichtete. Obstbäume wurden entwurzelt oder starke Aeste davon abgerissen, von den Dächern die Ziegel abgehoben und auch sonst im Garten Schaden verursacht.

-e- Büdingen, 30. Juni. Ein bedauerlicher Un­glücks fall hat sich in der verflossenen Nacht, während ein schweres Gewitter tobte, hier ereignet. Der hiesige Bleiche­wächter N. wollte nämlich die Schleuße derKälberbach" aufziehen, um dem Wasser besseren Abfluß zu verschaffen. Als er noch mit dieser Arbeit beschäftigt war, gab der Boden unter seinen Füßen nach und er stürzte in den hoch ange­schwollenen Bach. Ans seine Hilferufe kamen Leute herbei­geeilt, welche ihn aus dem Wasser zogen. N. hat nicht un­bedeutende Verletzungen davongetragen, sodaß alsbald ärztliche Hilfe herbeigeholt werden mußte.

* Darmstadt, 30. Juni. Gestern Abend zwischen 5 und 6 Uhr sand aus der Griesheimer Chaussee zwischen dem Exercierplatz und der Nebenbahnhaltestelle Bassin, bei prächtigem Wetter eine größere Corsofahrt statt, an welcher sich der Großherzog mit Prinzessin Alix, nebst den Prinzen Heinrich und Wilhelm, viele Offiziere der Garnison, eine Anzahl Bürger von Darmstadt, sowie viele Stndirende deS Poly­technikums zu Pferde oder zu Wagen betheiligten. Eine wohl \ nach Tausenden zählende Zuschauermenge, unter welcher das » schöne Geschlecht am stärksten vertreten war, hatte sich hierzu

eingesunden und längs der Chaussee an dem Exercierplatz aufgestellt, um die mit Blumen prächtig geschmückten Wagen mit ihren Insassen, sowie die anmuthigen Reiter und Reiterinnen zu bewundern. Während des Corsos spielten zwei Militär­capellen und Abends fand großes Concert im Saalbaugarten statt, zu welchem die Theilnehmer freien Zutritt hatten. Die Theilnahme an dem Corso war für Wagen auf 2 Mk., für Reiter aus 1 Mk. festgesetzt, jedoch ohne der Wohlthätigkeit Schranken zu setzen. Der Reinertrag, der zum Besten der Armen von Darmstadt bestimmt ist, soll infolge der günstigen Witterung ein recht erklecklicher gewesen sein.

* Darmstadt, 30. Juni. Die Capelle des Großh. Jnfanterie(Leibgarde) Regiments Nr. 115 ist vorgestern nach ca. siebenwöchentlicher Abwesenheit aus London wieder hier eingetroffen.

Lorsch, 29. Juni. Der Bahnwärter Leonhard dahier wurde heute Mittag von dem um 12 Uhr 39 Min. nach Bensheim abgehenden Zugeübersahrenund war sofort todt.

* Aus dem Saudstein-Odeuwalde, Ende Juni. Die Heidelbeerernte wird dieses Jahr durchschnittlich gut ausfallen, besonders an den Südabhängen der Berge. Dadurch ist unserer ärmeren Bevölkerung ein lohnender Verdienst ge­boten, besonders auch, da alle Kinder bei diesem Geschäfte thätig sein können. Wenn wir den Sonnenschein der letzten Tage behalten, wird in den ersten Tagen die Ernte ihren Anfang nehmen können.

* Vom Main, 28. Juni. Die Heuernte ist im ganzen Mainthale in vollem Gange und fällt in Güte und Menge vorzüglich aus. Durch die Ungunst der Witterung werden die Erntearbeiten leider sehr erschwert. Der Preis guten Heues stellt sich auf durchschnittlich 1.90 Mark per Centner.

verinischtes.

* Frankfurt a. M., 30. Juni. Aus dem Sachsenhäuser Friedhöfe wurde heute Vormittag die Wittwe Bonis ex, deren sünsjähriges Söhnchen vor Kurzem im Main ertrunken ist, beim Aufwühlen des Grabes ihres Kindes betroffen. Sie gab an, sie habe Gift genommen und wolle sich nun zu ihrem Kinde legen. Da die Frau schon einige Male geistesgestört war, so wurde sie jetzt wiederum der Irrenanstalt übergeben. Die Einfuhr österreichischen Schlachtviehes vermehrt sich mit jeder Woche. Im Monat Juni wurden 564 Ochsen auf den hiesigen Markt gebracht, welche ihrer guten Qualität (jung und fett) wegen von den Metzgern gern gekauft wurden. Auf dem gestrigen Markte waren 126 Stück österreichischer Ochsen vorhanden.

* Wiesbaden, 28. Juni. Heute vor 25 Iahreir rückten von Bingen aus preußische Truppen (vom damaligen Landwehrbataillon Gräfrath Nr. 40) in Rüdesheim ein, ver­luden 8 Halbstück und 9 Viertelstück Rüdesheimer Berg im Werthe von 1012 000 st. aus dem Domänenkeller und führten sie auf einem Dampfbote nach dem preußischen Ufer. Am gleichen Tage besetzte das Landwehrbataillon Neuß, Nr. 39 Ober- und Niederlahnstein und unterbrach den Bahn­verkehr zwischen dort und Wiesbaden. Eine Abtheilung besetzte die Marxburg bei Braubach und führte von dort 6 Wagen mit 70 Centner Pulver, 140 Gewehren und 4 Kanonen weg. Desgleichen rückten preußische Truppen, am 28. Juni in Ems ein, schlossen die Spielbank, zogen aber Abends wieder ab. Husaren von der in Coblenz stehenden Besatzungs-Escadron des Düsseldorfer grünen Regiments gingen bis Nassau, Diez und Limburg. Desgleichen gingen eine Compagnie und ein Zug Husaren nach Montabaur. Der Schloßherr von Johannisberg, Fürst Metternich, damals österreichischer Botschafter in Paris, ließ über dem Schlosse die französische Tricolore aufziehen. Am 29. Juni gingen preußische Landwehren, von Betzdorf kommend, nach Dillen­burg, umstellten das Amts- und Recepturgebäude und erhoben die in letzterem befindlichen 36 000 fl. Von Ems waren auch die Spielbankgelder mitgenommen worden. Ein Beamter der Bank begab sich zu dem Obercommandirenden in Coblenz, und erhielt die Gelder mit der Erklärung zurück, daß deren Confiscation auf einem Mißverständnisse beruht habe.

* Marburg, 29. Juni. Das Fe st Programm zunr 25jährigen Jubiläum des hiesigen Jäger­bataillons ist vorläufig wie folgt festgesetzt worden: Sonntag den 27. September um 7 Uhr Neveille, 12 Uhr- Bataillons-Appell im Parade-Anzug, 12^ Uhr Festessen der activen und ehemaligen Jäger im Exercierhaus, 8 Uhr Abends Ball (theatralische Aufführungen, Concerr) der activen und ehemaligen Jäger im Saalbau. Montag den 28. September von 9 Uhr an Preisschießen auf den Scheibenständen, Abends 6 Uhr Festcommers im Exereierhause.

tt Kassel, 30. Juni. Ein colossales Unwetter,, wie es hier seit langen Jahren nicht vorgekommen ist, hav vergangene Nacht Kassel und Umgegend in arger Weise heim- gesucht. Dasselbe war mit ungewöhnlich heftigem Blitz und Donnerschlägen und wolkenbruchartigen Regengüssen ver­bunden. Es waren drei verschiedene Gewitter, die hier zusammentrafen und sich in nächster Nähe und über der Stadt Kassel selbst entluden. Die Straßen der Stadt waren fortwährend electrisch erleuchtet, denn es blitzte ohne Unterlaß. Dabei heulte ein Sturm, daß einem Hören und Sehen ver­ging und Baumäste, Ziegeln, Fenster, Schilder rc. fortwährend auf die Straßen hinabstürzten, ein wildes Getöse, daß die meisten Leute aus den Betten aufstanden. Die Straßen waren im Nu fußhoch unter Wasser gesetzt, es ging über den Bürger­steig und verschlammte Weg und Steg. Furchtbare Ver­heerungen richtete derOrkan in den umliegenden Parks und den Wäldern, sowie auf allen freien Plätzen und in den hier einmündenden Alleen au. Dutzende der stärksten Bäume sind im Carlsauepark, Schönfelder Park und in den Wilhelmshöher Anlagen entwurzelt. Die Landstraßen warew wegen der vielen umgewehten Bäume unfahrbar, ebenso war Vormittags der Pserdebahnverkehr durch die Stadt und nach Wckhelmshöhe unterbrochen.