Ausgabe 
2.7.1891
 
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Donnerstag de» 2. Juli

1891

Nr. 150.

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Gießener Anzeiger

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Amts- und Anzeigeblatt für den Arei« Gieren.

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Anrtlichev Theil.

Gießen, den 29. Juni 1891.

=g e t r.: Den Gefahrentarif der Landes-Brandversicherungs­anstalt.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

ott die Grotzh. Bürgermeistereien -e- «reifes.

Unter Bezugnahme auf die in Beilage Nr. 15 des Groß­herzoglichen Regierungsblatts erlassene Bekanntmachung rubr. Betreffs, benachrichtigen wir Sie, daß die Aufnahme und Tarifirung der durch ihre Bestimmung und Benutzung einer erhöhten Feuers- oder Explosionsgefahr unterliegenden Ge­bäude in der nächsten Zeit in Angriff genommen werden wird. Die höchst umfangreichen Tarifirungsarbeiten werden wesentlich erleichtert und vereinfacht werden, wenn den mit der Ausführung beauftragten Beamten von Ihnen, bei denen die Anfertigung der Auszüge aus den Brandkatastern und die Ermittelung des Umfangs der in Betracht kommenden Gewerbebetriebe zu erfolgen hat, jede thunliche Erleichterung und Unterstützung zu Theil wird. Wir weisen Sie daher hierdurch an, den mit der Ausführung beauftragten Beamten jede thunliche Erleichterung und Unterstützung zu Theil werden zu lassen.

__________ v. Gagern.___

Bekanntmachung,

den Unterricht im Husbeschlag betreffend.

Die nach der Bekanntmachung vom 1. December 1885 -an der Veterinäranstalt der Grobherzoglichen Landesuniversität zu Gießen abzuhaltenden achtwöchentlichen Lehrcurse im Hufbeschlag kommen künftighin in Wegfall.

Es werden dafür in den drei Provinzialhauptstädten Darmstadt, Gießen und Mainz Hufbeschlagschulen errichtet, an denen junge Schmiede, welche sich über eine mindestens 3jährige Thätigkeit im Schmiedehandwerk ausweisen und die für die Erlernung des Husbeschlags unumgänglich nothwendige .Handwerksfertigkeit besitzen, Unterricht im Hufbeschlag erhalten.

Den Unterricht im Schmieden und im practischen Huf- öeschlag werden unter Leitung eines Veterinärarztes besonders hierzu ermächtigte Lehrmeister ertheilen, bei welchen die jungen Schmiede zugleich gegen angemessenen Lohn Arbeit finden.

Den theoretischen Unterricht ertheilt in bestimmten Unterrichtsstunden ein Veterinärarzt, welcher Vorstand der Hufbeschlagschule ist.

Der Unterricht wird in halbjährigen Cursen ertheilt und ist unentgeltlich. Die Curse beginnen mit dem 1. Juli und 2. Januar eines jeden Jahres, der nächste indessen erst am 1. August d. I. Gesuche um Aufnahme in die Hus- beschlagschule sind 4 Wochen vor Beginn der Curse an den Vorstand der Hufbeschlagschule der betreffenden Provinzial- hauptstadt einzureichen- für den nächsten Cursus genügt An­meldung bis zum 15. Juli d. I. Dem Gesuch ist ein Geburtszeugniß und ein beglaubigter Ausweis über eine mindestens 3jährige Thätigkeit im Schmiedehandwerk bei- zufügen.

Können wegen zu großer Anzahl von Anmeldungen nicht alle Gesuche berücksichtigt werden, so entscheidet die längere Zeitdauer, während welcher die Angemeldeten das Schmiede­handwerk ausgeübt haben. Diejenigen, welche hiernach zurückgestellt werden, sollen in den nächsten Unterrichtseursus ausgenommen werden. Angehörige des Großherzogthums sind unter allen Umständen vorzugsweise auszunehmen. Ueber die Aufnahme entscheidet vorbehältlich des Recurses an das unterzeichnete Ministerium der Vorstand der Hufbeschlagschule.

Die Schüler haben sich den Bestimmungen der Lehr­ordnung zu unterziehen, widrigenfalls sie den Ausschluß von Lern Unterricht zu gewärtigen haben.

Darmstadt, den 18. Juni 1891.

Großherzogliches Ministerium des Innern und der Justiz. Finger.

Bekanntmachung.

Unter Bezugnahme auf vorstehende Bekanntmachung bringen wir zur öffentlichen Kenntniß, daß zum Vorstand der Hufbeschlagschule in Darmstadt der Großherzogl. Kreis- Deterinärarzt Dr. Weinsheimer daselbst, zu demjenigen in Gießen der Großherzogl. Kreisveterinärarzt Professor Dr. Winckler und zu demjenigen in Mainz der Großherzogl. Äreisveterinärarzt Dr. Wollpert ernannt worden sind.

Gießen, den 30. Juni 1891.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Deutsche» Reich.

Berlin, 30. Juni. Der Bundesrath wird Mitte Juli ebenfalls seine Sommerserien antreten und alsdann dürfte bis zum Herbste vollständige Stille in die innere Politik einziehen. Um den genannten Zeitpunkt werden auch die Sommerurlaubsreisen der preußischen Minister ihren Anfang nehmen, die bekanntlich nach einem bestimmten Turnus vor sich gehen, derart, daß immer die Hälfte der Minister in Berlin anwesend ist. Diesmal wird sich auch der Reichs­kanzler und Ministerpräsident v. Caprivi seinen ersten Erholungsurlaub gönnen, den er noch in der ersten Juli- hälste anzutreten gedenkt. Es ist noch unbekannt, wo Herr v. Caprivi seinen Urlaub zu verbringen beabsichtigt und ebenso muß man noch abwarten, ob das zuerst in den politischen Kreisen Roms aufgetauchte Gerücht, wonach Herr v. Caprivi während seiner Abwesenheit von Berlin wahrscheinlich eine Zusammenkunft mit Kalnoky und Rudini haben würde, sich bewahrheitet. Während der Abwesenheit des Reichskanzlers wird ihn der Staatssecretär v. Boetticher vertreten, um dann seinerseits eine Erholungsreise anzutreten.

Berlin, 30. Juni. Von der Antiselaverei-Lotterie sollen 400000 Loose ä 20 Mk., in Achtel theilbar, aus­gegeben werden. Der Hauptgewinn beträgt 600000 Mk. In derselben Angelegenheit theilt derHann. Cour." noch mit, daß besonders die Minister Herrsurth und Miquel im Kronrath vor der Genehmigung der neuen Lotterie lebhaft gewarnt haben. Bei dem Kaiser aber soll das Projeet be­sonders vom Fürsten Wied unterstützt worden sein. Die Finaneiirung soll einem süddeutschen Bankhause übertragen werden.

Arnsberg,. 28. Juni. DerKreuzzeitung" ist folgende Zuschrift des hiesigen Regierungspräsidenten Winzer zu­gegangen :

Als bei Gelegenheit des der Hauptversammlung deutscher Eisenhüttenleute in Siegen folgenden Festmahls nach dem von mir ausgebrachten Kaisertoaste und mehreren weiteren Trinksprüchen auch des Fürsten Bismarck in einer längeren Rede gedacht wurde, geschah dies in einer längeren Form, welche in Verbindung mit der ganz ungewöhnlich stürmischen und anhaltenden Erregung, welche die Rede hervorries, un­willkürlich den Gedanken nahelegte, daß es sich hier um eine absichtliche Demonstration handele. Sobald daher unter den Festgästen die Absicht laut wurde, Seiner Durchlaucht ein entsprechendes Ergebenheitstelegramm zu übersenden, habe ich in der Besorgniß, daß hierdurch der Schein eines tendenziösen Charaeters der Ovation leicht noch vermehrt und nach außen hin unliebsame Mißdeutungen hervorgerufen werden könnten, mich für verpflichtet gehalten, im Gespräche mit meinen Tisch­nachbarn aus das Bedenkliche einer solchen Kundgebung einst- lich hinzuweijen. Zu meiner Befriedigung befand ich mich hierbei in Uebereinstimmung mit dem neben mir weilenden Vereinsvorsitzenden, welcher, ohne meinerseits dazu veranlaßt worden zu sein, die Aufforderung einer Anzahl Festtheil- nehmer zur Entsendung des Telegramms vorläufig ablehnte. Die endgiltige Ablehnung erfolgte nach einer mir nachträglich gewordenen Miltheilung am folgenden Tage durch Beschluß des Vereinsvorstandes zu einer Zeit, als ich mich bereits auf der Heimreise befand. Dieses ist der einfache Sachverhalt. Die Absendung eines Vereinstelegramms ist hiernach, wie ich annehmen muß, aus eigener freier Entschließung des Vor­standes und nicht auf meine Veranlassung unterblieben. Eine völlige Entstellung der Wahrheit enthält aber die Angabe Ihres Correspondemen, daß die Versammlung der Tisch­genossen die Absendung des Telegramms einstimmig beschlossen und daß ich hiergegen Einspruch erhoben, bezw. mit den mir fälschlich in den Mund gelegten Worten meine Zustimmung verweigert hätte. Es ist alles dies nicht geschehen."

Netteste Nachrichten.

WolffS telegraphisches Eorr-spendrnz-Burrau.

Helgoland, 30. Juni. Nach der Einschiffung des kaiserlichen Paares an Bord desFürst Bismarck" unterhalb Glückstadt besichtigte der Kaiser gestern unter Führung des Professors Busley und des Obermaschinisten Mathissen die Schiffsräume aufs Genaueste, prüfte eine wasser­dichte Thür, besichtigte verschiedene Apparate und sprach sich sehr befriedigt aus. Bei der Ankunft in Helgoland gaben Prinzeß Wilhelm" undMars" als Kaisersalut je 33 Schüsse. Der Kaiser und die Kaiserin wurden in zwei Marinebooten gelandet, das Gefolge fuhr auf einem Marinetender über. Fürst Bismarck" ankerte zwei Seemeilen südlich von der Insel. Nach dem Ausstieg auf das Oberland verweilte die Kaiserin kurz im Gouvernementsgebäude, während der Kaiser,

Prinz Heinrich und der Erbgroßherzog von Oldenburg nebst Gefolge die Insel bis zur Nordspitze besichtigten. Um 8 Uhr erfolgte die Wiedereinschiffung unter den Jubelrusen der Be­völkerung- um 81/2 Uhr war an Bord desFürst Bismarck" Diner.

Helgoland, 30. Juni. Der Kaiser fuhr aus dem DampferFürst Bismarck" um 9A/4 Uhr in der Richtung nach Wilhelmshaven ab. Gestern Abend war hier große bengalische Beleuchtung.

Wilhelmshaven, 30. Juni. Alle Gebäude der kaiserlichen Werst, des Hafens und der Stadt haben anläßlich der be­vorstehenden Ankunft Ihrer Majestäten reichen Flaggen­schmuck angelegt. Die zum Hafen führenden Straßen sind von einer festlich bewegten Volksmenge gefüllt. Um 1 Uhr traf der eommaudirende Admiral Frhr. von der Goltz auf S. M. Artillerie-SchulschiffMars" aus Helgoland zum Empfange Ihrer Majestäten hierselbst ein.

Wilhelmshaven, 30. Juni. Das kaiserliche Paar traf um 21/2 Uhr an Bord desFürst Bismarck" hier ein, fuhr mit der StationsyachtFarewell" nach dem Vorhafen, wo es von dem Admiral Goltz und dem Stationschef, Viee- admiral Schröder, empfangen wurde und setzte die Fahrt per Boot zu der Werft fort, wo der Stappellauf des Panzer­schiffes stattfindet.

Wilhelmshaven, 30. Juni. Se. Majestät der Kaiser taufte das PanzerschiffD auf den NamenKurfürst Friedrich Wilhelm." Der Stapellauf verlief auf's Glänzendste.

Wilhelmshaven, 30. Juni. Der Kaiser und die Kaiserin reisten heute Nachmittag 5 Uhr mit der Dacht Hohenzollern" nach Holland ab. Die KreuzereorvettePrinzeß Wilhelm" folgte.

Bremen, 30. Juni. Ein Privattelegramm einer hiesigen Firma aus Lima meldet die Ankunft des deutschen Ge­schwaders im Hafen Callao.

Solingen, 30. Juni. Bei der heute hier stattgehabten Ersatzwahl zum Abgeordneten hause für den ersten Wahlbezirk des Regierungsbezirks Düsseldorf (Lennep-Rem- scheid-Solingen) erhielt der nationalliberale Candidat Bürger­meister a. D. Theodor Kelders (Ohligs) 468 Stimmen, auf den demokratischen Candidaten Rechtsanwalt Lenzmann (Lüdenscheid) fiel eine Stimme. Der erstere ist somit gewählt.

Nürnberg, 30. Jnni. Der heutigen öffentlichen Versamm­lung der Colonialgesellschaft präsidirte Fürst Hohen­lohe-Langenburg. Bürgermeister Frhr. v. Stromer-Nürn­berg begrüßte die Versammlung Namens der Stadt. Wiß- mann sprach über die Aufgaben in Ostafrika speziell im Seengebiete, Dr. Fabri über die deutsche Auswanderung, Premierlieutenant Morgen über die Lage in Kamerun.

Wien, 30. Juni. Der österreichische Sozialisten­tag beschloß den Sozialisteneongreß in Brüssel zu beschicken und beauftragte die österreichischen Delegirten, die Abkürzung der Arbeitszeit, Coalitionsrecht und einheitliche Maifeier dort- selbst zu verlangen. Hieraus wurde der Sozialistentag ge­schlossen.

Pest, 30. Juni. Die Brüsseler Antisclavereiacte ist vom Abgeorduetenhause in der dritten Lesung angenommen worden. Im Oberhause gelangte dieselbe gleichfalls nach warmer, von allgemeiner Zustimmung begleiteter Fürsprache des Grafen Ferdinand Zichy einstimmig zur Annahme. Der Handels­minister Baroß dankte im Namen der Regierung.

Amsterdam, 30. Juni. Wie verlautet, hat die Königin angeordnet, daß das Deutsche als Hossprache während des Aufenthaltes Ihrer Majestäten des Kaisers Wilhelm und der Kaiserin Auguste Vietoria sei.

Bern, 30. Juni. Dem Verlangen von 40 National- räthen, daß, falls die Revision der Bundesverfassung be­treffend die Einführung der Initiative in der Volksabstimmung vom 5. Juli angenommen werden sollte, die Bundesver­sammlung für den 27. Juli d. I. zur Feststellung des Ab­stimmungsergebnisses zu einer außerordentlichen Sitzung ein­berufen werde, wird gutem Vernehmen nach seitens des Bundesrathes Folge gegeben werden. Gleichzeitig wird das Departement des Innern den Entwurf eines Ausführungs­gesetzes zu der Initiative vorlegen.

Rom, 30. Juni. Der König empfing heute Nachmittag 2 Uhr 30 Min. den deutschen Botschafter Grafen Solms.

Verona, 30. Juni. Gestern Abend fand in Tregnago Cogols ein starker Erdstoß statt. Die zur Stützung der seit dem letzten Erdbeben baufällig gewordenen Häuser er­richteten Mauern und die angebrachten Holzsiützen brachen zusammen. Die Bevölkerung flüchtete auf das freie Feld. Kein Mensch ist umgekommen.

London, 30. Juni.Daily News" bespricht die Ver-.