§ 12.
Zuwiderhandlungen der Milchverkäufer gegen die Bestimmungen in § 1—5 incl. unterliegen einer Bestrafung von fünf bis fünfzig Mark, falls nicht die in dem Reichsgesetze vom 14. Mai 1879 oder im Strafgesetzbuche vorgesehenen höheren Strafen einzutreten haben.
§ 13.
Diese Polizeiverordnung tritt 4 Wochen nach ihrer erstmaligen Verkündigung im „Gießener Anzeiger" in Kraft.
Gießen, den 12. October 1891.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius.
Loeales unt» provinzielles.
Gießen, 31. October.
— Das Amtsblatt des Großherzoglichen Ministeriums des Innern und der Justiz, Section für Justizverwaltung, Nr. 19, enthält Ausschreiben vom 28. September 1891 an die Großherzoglichen Staatsanwaltschaften, betreffend die Geschäftsordnung für die Staatsanwaltschaften bei den Landgerichten.
— Laut Bekanntmachung Großherzogl. Ministeriums, die Ausführung des Gesetzes über die Ausübung des Huf« beschlags vom 13. Juni 1885 betreffend, haben nachbenannte Personen nach Maßgabe der Verordnung vom 7. November 1885 die Berechtigung, das Hufbeschlaggewerbe ohne weitere Prüfung selbstständig auszuüben, erlangt: Jac. Jos. Appel aus Heldenbergen, Karl Martin Phil. Heinrich Becker aus Gießen, Johs. Ludw. Georg aus Ockstadt, Johs. Maus aus Ruppertenrod, Gottfr. Lor. Sam es aus Grüningen, Karl Christian Schmidt aus Büdingen, Heinr. Spieß aus Arnsburg.
Butzbach, 29. October. In Folge des seitherigen milden Herbstwetters konnten dieser Tage im hiesigen Walde reife Heidelbeeren zweiter diesjähriger Ernte gepflückt werden.
Friedberg, 29. October. Der langjährige Musiklehrer an den beiden Seminaren zu Friedberg, Herr Professor T h urn, ist am 26. October im hohen Alter von 83 Jahren ohne vorheriges Kranksein sanft verschieden.
A Aus dem Ohmthal, 29. October. Ueber Nacht ist plötzlich und ganz unerwartet der Winter gekommen. Das seitherige sommerliche Herbstwetter ließ seine Nähe, obgleich an der Zeit, nicht ahnen. Am verflossenen Sonntag noch herrschte eine wirkliche Sommertemperatur, heute Nacht aber fiel das Thermometer 2 Grad unter Null. Ein überaus schneidender Nordostwind am gestrigen Tage war das kurze Präludium zum Einzuge des Winters, dessen baldiges Kommen auch der Wegzug der Kraniche zum Beginn dieser Woche ankündigte. Doch stehtzzu hoffen, daß der Winter seine Macht noch nicht bleibend geltend machen wird, denn von einem
baldigen und strengen Winter haben wir diesmal weder die üblichen Prophezeihungen vernommen, noch auch selbst untrügliche Anzeichen in der Thier- oder Pflanzenwelt beobachten können. Diese zeigen im Gegentheil auf einen milden Wmter hin, wie das wenig starke Verharzen der Bienenwohnungen, die niedrigen Ameisenhaufen, der frühe Abfall der Blätter trotz der anhaltenden seitherigen warmen Witterung. Ein zeitlanges Fernbleiben des eigentlichen Winters, namentlich des Schnees, wäre auch sehr im Interesse der Landwirthschast zu wünschen, deren Arbeiten trotz des einzig schönen Herbstes noch immer zurück sind. Die um drei bis vier Wochen verspätete Ernte erklärt ein solches Zurückbleiben in der Arbeit. So ist immer noch Weizen zu säen, namentlich sind aber noch viele Stoppelfelder umzustürzen. Die Abräumungsarbeiten sind soweit beendigt, das Kraut ist größtentheils nach Hause gefahren. Eine solche Krauternte, wie die diesjährige gehört zu den Seltenheiten; die Kohlhäupter sind ganz vorzüglich gewachsen. Das Gleiche ist der Fall mit Runkel- und Kohlrüben, die auch größtentheils in die Keller gebracht worden sind. Was sonst noch von Gartenproducten in der Erde sich befindet, dürfte der gegenwärtige Frost doch keinen Schaden gethan haben. Was dagegen noch seither üppig gegrünt und geblüht hat, dem hat er heute Nacht den Garaus gemacht. Manche Hausfrau hat das wohl auch nicht erwartet, das zeigen die erfrorenen Blumenstöcke auf den Blumenbänken vor den Fenstern, die man vergessen hat, rechtzeitig zu räumen. Aber auch einen empfindlichen Schaden, der der Kornsaat drohte, hat die Frostnacht abgewandt, indem ihr jedenfalls alle Schnecken zum Opfer gefallen sind. Aus manchen Gegenden kamen laute Klagen über den Schnecken- sraß an der frischen Kornsaat. Namentlich stark trat er bei den vorher mit Erbsen bewachsenen Aeckern auf. Die Klagen hierüber dürften nun verstummen. Für die Bienen empfiehlt es sich, wenn auch am Tage noch lindes Wetter herrscht, ihre Wohnungen für das Winterquartier herzurichten.
Vom Main, 26. October. Die Krauthäupter sind Heuer im mittleren Mainthale außergewöhnlich schlecht ge- rathen. Selbst die wohlhabenderen Landwirthe sind deßhalb zum Import ihres Krautbedarfes genöthigt. Namentlich werden aus der Umgegend von Groß-Gerau bedeutende Weißkrautquantitäten bezogen und mit 2.20 Mark per Centner bezahlt.
Aus dem Ried, 28. October. Die Kartoffeln sind weiter im Preise gestiegen. Sie werden gegenwärtig um 6 Mk. pro Doppelcentner (an die Bahnstation geliefert) verladen und an den Niederrhein expedirt. Um zu zeigen, wie bedeutend die Ausfuhr ist, mag die Bemerkung dienen, daß von der einzigen Station Lampertheim in verhältnißmäßig kurzer Zeit rund 600 Doppelwaggons, also 12,000 Centner Kartoffeln im Werthe von über 30,000 Mark, versandt
wurden. Hiermit ist der verfügbare Vorrath noch lange nicht erschöpft. Viele Landwirthe haben noch gar nichts verkauft, sie specnliren auf noch höhere Preise. (D. Ztg.)
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vermischtes.
* Geschlichteter Streit um des Kaisers Bart. Ein Berliner Commissionär hatte im Juni d. Js. die Lieferung von 2300 Kaiserbüsten für eine Münchener Firma übernommen, welche bis zum September in den Räumen des Bestellers sein sollten. Da sich nun inzwischen Kaiser Wilhelm den Vollbart hatte stehen lassen, erklärte die Münchener Firma, die Büsten nur dann annehmen zu können, wenn sie genau dem jetzigen Aussehen des Kaisers entsprächen. Natürlich waren die Büsten ohne Vollbart angefertigt worden, und da sich die beiden Parteien nicht einigen konnten, wurde die Sache dem Gerichte übergeben, welches entscheiden sollte, ob die um Juni aufgegebene Bestellung von Kaiserbüsten die Herstellung derselben mit oder ohne Vollbart bedinge. Nachdem nun aber dieser Tage dem Commissionär die Kunde überbracht wurde, daß sich der Kaiser den Bart wieder habe abnehmen lassen, wurde der Rechtsstreit sofort auf telegraphischem Wege dahin erledigt, daß der Auftraggeber die angesertigten Büsten nunmehr anstandslos annehmen wird.
Das Dorkommen von Diehseuchen in Hessen
während des Monats September 1891.
Milzbrand wurde festgestellt in Melbach, Kreis Friedberg, am 4. und in Kleinhausen, Kreis Bensheim, am 14. September bei je einem crepirten Rinde.
Die Maul- und Klauenseuche ist erloschen in Steinbuch, Kreis Erbach, und in Gau-Algesheim, Kreis Bingen.
Die Seuche herrscht fort in Brauerschwend, Kreis Alsfeld.
Die Seuche wurde im Monat September festgestellt und war am Schlüsse desselben wieder erloschen in Darmstadt bei einem Transport österreichischen Schlachtviehs, in Kirch-Brombach, Kreis Erbach, in den Orten des Kreises Heppenheim: Unter - Scharbach, Fürth, Fahrenbach, Gadern und Zotzenbach; in Offenbach, auf dem Vtehhof in Mainz, in Albig und Erbes-BüdeSheim, Kreis Alzey, in Dromersheim, Kreis Bingen, iu Nackenheim und Guntersblum, Kreis Oppenheim, in Osthofen und Eppelsheim, Kreis Worms.
Die Seuche wurde im Monat September feftgestellt und herrschte am Schluffe desselben noch fort: in Rimbach, Kreis Heppenheim, in Wallersdorf, Kreis Alsfeld, in Heimersheim und Siefersheim, Kreis Alzey, in Eimsheim und Udenheim, Kreis Oppenheim.
Der Bläschenausschlag unter dem Rindvieh ist erloschen in Hörgenau, Kreis Lauterbach. In Großen-Lindcn, Kreis Gießen, und in Maulbach, Kreis Alsfeld, herrscht die Seuche fort.
Die Räude gilt als vorhanden unter den Schafen in den Orten des Kreises Gießen: Hof Albach, Burkhardsfelden, Stangenrod und Reinhardshain: in den Orten des Kreises Alsfeld: Ober-Ohmen, Romrod, Ober-Sorg, Hopfgarten und Ober- Breidenbach; in den Orten des Kreises Büdingen: Usenborn, Bellmuth, Michelau, Leidhecken und HitzUrchen; in Rodheim, KreiS Friedberg, in Uellershausen, Kreis Lauterbach; in Meiches und Altenhain, Kreis Schotten.
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