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Kießeurr Anzeiger erscheint täglich, Dßh Ausnahme dcS Montag».

Die Gießener A««ttienßrL11er »erden dem Anzeiger «Lcherttlich dreimal beigelegt.

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Amts- und Anzeigeblatt fSr den Alveis Gießen.

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Bekanntmachung,

die Veranstaltung von Verloosungen innerhalb des Groß- herzogthums betreffend.

Der Ortsvorstand zu Hungen beabsichtigt, mit dem am 21. September l. I. daselbst stattfindenden Viehmarkte eine Verloosung von Thieren und landwirthschaftlichen Geräthen zu verbinden.

Das Großherzogliche Ministerium des Innern und der .Justiz hat die nachgesuchte Erlaubniß zur Veranstaltung dieser Verloosung unter der Bedingung ertheilt, daß nicht mehr als 5000 Loose ä 1 Mark ausgegeben werden dürfen und min­destens 60 % des Vrutto-Erlöses aus dem Verkauf der Loose zum Ankauf von Gewinngegenständen zu verwenden sind. Der Vertrieb der Loose ist in der Provinz Oberhessen ge­stattet worden. Das Resultat der Gewinnziehung, sowie die Verabfolgungsweise der Gewinne wird durch den Hungener Boten, sowie durch den Niddaer Anzeiger bekannt gemacht werden.

Gießen, am 30. Juli 1891.

Grobherzogliches Kreisamt Gießen.

I. V.: Jost.

Deutsches Reich.

Darmstadt, 30. Juli. Se. Königl. Hoheit der Groß- herzog wird Mitte August in Bamberg erwartet, um sein dort garnisonirendes Regiment zu inspiciren.

Berlin, 30. Juli. Dem großen Nebelst and e, daß bayrische Gerichte aus Grund des Art. 33 der beson­deren bayrischen Heimathgesetzgebung imdeutschen Ausland" geschlossene Ehen bayrischer Staatsangehöriger wiederholt für ungiltig erklärt haben, resp. auf Grund der in Bayern gel­lenden besonderen Bestimmungen für ungiltig erklären mußten, scheint nunmehr die bayrische Negierung ein Ende bereiten zu wollen. Die bayrische Regierung hat deshalb bei dem Land­tag zweierlei Abänderungen des Heimathgesetzes beantragt. Die außerhalb Bayerns ohne Einholung des Verehelichungs­zeugnisses geschlossene Ehe soll künftig rechtlich giltig sein. Bis zur Nachholung des Verehelichungszeugnisses sollen Hei- math und Unterstützung ruhen, die nichtbayrische Ehesrau nebst ihren Kindern, jedoch auch ohne Verehelichungszeugniß, Heimath und Unterstützung in Bayern im Bedarfsfälle ange­wiesen erhalten, eventuell auf Kosten des Staates.

Rerreste Nachrichten.

Wolffs telegraphisches Torrespondmz-Burcau.

Berlin, 30. Juli. Der Finalabschluß des Reichs­haushalts für 1890/91 ergibt im Ganzen an ordentlichen -Einnahmen, soweit sie dem Reiche verbleiben, gegen den Etat an Mehreinnahmen 22 727 157 Mk., an Mehrausgaben 7 578 956 Mk., also einen Ueberschuß von 15148 201 Mk.

DerReichsanzeiger" publicirt die Ernennung Goßlers zumOberpräsidenten vonWestpreußen.

Paris, 30. Juli. In seiner Rede anläßlich der heute Dorgenommenen Preisvertheilung der Lyceen wies der Unter­ri chtsminister die Beschuldigung zurück, daß Frankreich den Frieden bedrohe. Frankreich wünsche mit allen Nationen in Frieden zu leben, der heutige Militärstaat widerstrebe allen Ideen und Gefühlen Frankreichs, welches seine ganze Kraft nur in den Dienst des Rechts zu stellen begehre.

Paris, 30. Juli. Die hiesige Vertretung der chilenischen Congreßpartei versendet eine Note, worin sie die Wahl Bicumas zum Präsidenten von Chile als ungültig be­zeichnet.

Toulouse, 30. Juli. Der Strike der Tramway- Bediensteten gestaltet sich bedenklicher. Die Strikenden spannten unter Beihülfe des Publikums Pferde aus und warfen zur Ausfahrt sich anschickende Wagen um. Die -Gensdarmerie schritt ein und es wurden zahlreiche Ver­haftungen vorgenommen, wobei es auch einige Verwundungen abfetzte. t _ r

London, 30. Juli. Der englische Gesandte tn Teheran, Drummond Wolfs, ist zum Gesandten in Bukarest, und der Gesandte in Bukarest, Lascelles, zum Gesandten in 'Teheran ernannt.

Der türkische Botschafter, welcher sich in Frankreich auf Urlaub befand, ist hierher zurückgekehrt.

London, 30. Juli. Bei dem gestrigen Banket im Mansionhouse zu Ehren der Minister hielt Lord Salis­

bury eine Rede, in welcher er erklärte, er kenne keinen Zeitabschnitt, in welchem auf dem Gebiete der auswärtigen Politik weniger Schwierigkeiten bestanden hätten und in der europäischen Politik größere Ruhe geherrscht habe, wie gegenwärtig. Aus den Besuch des deutschen Kaisers über­gehend, hob Lord Salisbury hervor, daß die friedlichen Em­pfindungen, welche der Kaiser in der Guildhall geäußert, den Ueberzeugungen aller Anwesenden einen beredten Ausdruck gegeben hätten. Alsdann erwähnte Lord Salisbury den an­gekündigten Besuch des französischen Geschwaders in Ports­mouth und betonte, England erblicke in diesem Besuch ein neues, überaus werthvolles Unterpfand für den Frieden und für die Freundschaft Frankreichs. Man habe von Verträgen gesprochen, welche den Frieden der Welt bedrohen müßten, er wisse von solchen Verträgen nichts und sei überzeugt, daß die Tragweite einfacher geschriebener Verträge sehr übertrieben werde. Die Verbündeten Englands seien diejenigen, welche die Aufrechterhaltung der gegenwärtigen Vertheilung der Länder und den Frieden wollten.

Mo, 30. Juli. Gestern wurde vor Mo von den Booten desHohenzollern" und derPrinzeß Wilhelm" in Gegen­wart des Kaisers ein Wettrudern veranstaltet, wozu der Kaiser Preise aussetzte. Das Wetter ist prachtvoll und der Aufenthalt hier um 24 Stunden verlängert worden.

Petersburg, 30. Juli. Im Festsaale des Stadthauses war während des Festessens zu Ehren des französischen Geschwaders die Büste Carnots aufgestellt. Während der Toaste auf den Kaiser und Carnot wurde die russische Nationalhymne und die Marseillaise gespielt. Aus dem größten, von der Municipalität den Seeoffizieren geschenkten Silber­becher tranken Laboulaye, Gervais, das Stadtoberhaupt Lichat- schew, die Minister des Innern und der Wegeverbindungen den Ehrentrunk.

In Moskau ist der König von Serbien gestern Abend eingetroffen und mit militärischen Ehren empfangen worden. Er stieg im Kreml ab.

Sofia, 30. Juli. Ein Separatzug mit 150 bulgari­schen Touristen zum Besuche der P r a g e r A u s st e l l u n g ist von hier abgegangen. In einigen Tagen soll demselben ein zweiter Separatzug folgen. Die Minister Natschowisch und Tontschew erschienen am Bahnhofe und eine Menschen­menge acclamirte die Abreisenden auf das Wärmste.

Depeschen desBureau Herold".

Berlin, 30. Juli. Bei der Deutschen Bank wurde eine bedeutende Fälschung entdeckt. Ein mit der Abstempelung der Schlußscheine betrauter Beamter speculirte gemeinsam mit einem hiesigen bekannten Börsenmakler in russischen Noten. Die Engagements wurden von letzterem als angeblich im Auftrage der Bank vermittelt. Die Engagements in Höhe von 5 270000 Rubel gelangen morgen Freitag zur Abwicke­lung- dieselben lausen zwischen Cursen von 244218. Wenn die Deutsche Bank die Verluste als die ihrigen aner­kennt, dürste der Verlust etwa 1 100 000 Mk. betragen. Es ist nicht ausgeschlossen, daß die Schuldigen einen erheblichen Theil des Schadens ersetzen können.

Kiel, 30. Juli. Der Kaiser wird zum 4. August hier erwartet. Die Kaiserin sagte ihr Erscheinen zum Jubiläum des ihr im vorigen Jahre verliehenen Füsilier-Regiments Nr. 86 in Flensburg zum 29. September zu.

DieAllg. Reichscorr." dementirt das Gerücht, daß im Eisenbahn-Departement des russischen Finanzministeriums die Einführung des Zonentarifs beabsichtigt werde.

Bochum, 30. Juli. Die Agitation zum Eintritt der Fabrikarbeiter in den Verband deutscher Bergleute begann. Die Versammlungen zur Beitrittserklärung wur­den auf Sonntag angesagt. Die Stimmung der Fabrik­arbeiter im hiesigen Bezirk ist der Bewegung ungünstig.

Paris, 30. Juli. DieEstafette" meldet aus Wien, die österreichische Regierung beschloß nach Annahme der Aen- derung des Flottenplanes die Errichtung eines großen Kriegs Hafens. Admiral Sterneck bezeichnete Spalato als geeignet.

Locales un6 provinzielles.

Gießen, 31. Juli.

Sitzung der Stadtverordneten vom 30. Juli. An­wesend : Herr Oberbürgermeister Gnauth, von Seiten der Stadtverordneten die Herren Adami, Georgi, Habenicht, Heyligenstaedt, Homberger, Jughardt, Keller, Löber, Petri, Dr. Ploch, Scheel, Schiele, Schmall, Schopbach, Simon, Dr. Thaer, Vogt und Wallenfels.

Großh. Polizeiamt hat der Stadtverordneten-Versammlung den Entwurf eines Polizeireglements vorgelegt. Danach

sollen alle Fuhrwerke, welche nicht ausschließlich zur Be­förderung von Personen benutzt werden, an der linken Seite mit einer deutlich sichtbaren, mit dem Namen des Eigenthümers bezeichneten Tafel versehen sein. Hat ein Fuhrwerksbesitzer mehrere Wagen, so sind diese außerdem noch mit einer Nummer zu versehen. Es wird Zustimmung zu dem Entwurf mit der Abänderung beschlossen, daß anstattauf der linken Seite" es heißen soll:an einer beständig sichtbaren Stelle, in der Regel an der linken oder Hinteren Seite." Die Bestimm­ungen über Anlage von Einfriedigungen der an eröffneten Straßen gelegenen Bauplätze schreiben eine aus gehobelten Latten bestehende, 1,75 Meter hohe Einfriedigung vor. Practisch hat diese Vorschrift insofern bei den Interessenten Anstand gesunden, als bei der üblichen Lattenlänge von 3 Meter schwer verwerthbare Abfälle sich ergeben, die ver­mieden würden, wenn bei Gestattung einer Spalierhöhe von 1,50 Meter zwei Spalierlatten entfallen. Da ein triftiger Grund für eine Spalierhöhe von 1,75 Meter z. Z. nicht vorliegt, wird beschlossen, diese Höhe aus 1,50 Meter fest­zusetzen. Das Gesuch des Herrn Ernst Lotz um Belassung einer der für den Tiefenweg festgesetzten Baufluchtlinie nicht entsprechenden Bauplatz-Einfriedigung wird auf Widerruf ge­nehmigt. Das Dispensationsgesuch des Herrn Carl Heil für seinen Anbau in der Schützenstraße wurde von der Tages­ordnung abgesetzt, da die erforderlichen Pläne noch nicht Vor­lagen. Das Gesuch des Herrn G. Koch um Erlaubniß zur Aufführung von Gebäuden und Hütten bei seinem Thon­werk im Schiffenberger Thal wird hinsichtlich der derartigen Gesuchen im Allgemeinen entgegenstehenden Bestimmungen ber §§ 5 und 18 des Ortsbaustatuts befürwortet. Das Gesuch des Herrn Emil Kalbfleisch um Erlaubniß zur Erbauung eines Wohnhauses hat Erledigung im Schooße der Bau­deputation gefunden, weshalb Berathung darüber in der Stadtverordneten-Sitzung nicht stattfand. Herr Stadt­verordneter Simon hat verschiedene aus das Wieghaus am Neustädter Thor bezügliche Verbesserungen beantragt. Es wird nach den betreffenden Anträgen beschlossen: 1) in dem Wieghause, in welchem seither jegliche Beleuchtung fehlte, Petroleumbeleuchtung einzurichten, von Einrichtung der Gas­beleuchtung in Rücksicht auf die mit Herstellung der nach dem neuen Güterbahnhose und Unterführung bei dem Geilsus'schen Hause in Aussicht stehende Verlegung der Waage abzusehen- 2) bei dem Mangel an hinreichendem Tageslicht an der Südseite des Wieghauses ein weiteres Fenster anzubringen- 3) das Wieghaus mit Heizvorrichtung zu versehen. Was die weiter beantragte Aenderung der Wiegezettel (die noch auf Centner und Pfund, anstatt dem Zeiger der Waage entsprechend auf Kilo lauten) betrifft, so ist der Neudruck solcher schon angeordnet. Dem Gesuch der Bewohner der W e s e r st r a ß e um Ausbau derselben wird insoweit entsprochen, als die Ausbaukosten in den nächstjährigen Voranschlag eingestellt, die Trottoirs inzwischen aber in Stand gehalten werden sollen. Großh. Ministerium der Finanzen hat infolge Gesuches der Stadt die Verbreiterung der Wieseck- brücke in der Gartenstraße im Jahre 1890 genehmigt, nachdem sich die Stadt bereit erklärt hatte, die Hälfte der aus 9400 Mk. veranschlagten Kosten zu tragen. Nach späterer Vorlage hat Großh. Ministerium die verwilligte Bausumme als zu niedrig erachtet und mit Rücksicht aus die Verbreite­rung der beiderseitigen Fußwege und sonstigen Abweichungen vom ursprünglichen Project einen Kostenaufwand von 14000Mk. vorgesehen. Das Großh. Kreisbauamt hat der Bürgermeisterei von der Erhöhung des Kostenaufwandes Mittheilung gemacht und angefragt, ob die Stadt sich zur Uebernahme der Hälfte dieser Summe bereit erklären würde. Mit Rücksicht aus die Nothwendigkeit einer Verbereiterung der Wieseckbrücke und darauf, daß durch einen ablehnenden Bescheid nur eine Ver­zögerung in der Verbreiterung herbeigeführt würde, hat die Baudeputation die Bewilligung der 7000 Mk. bean­tragt. Der Antrag wird zum Beschluß erhoben. Gegenüber dem früher abgelehnten, auf erfolgte Reclamation durch Beschluß des Ministeriums und des Polizeiamts aber gestatteten Gesuche des Herrn Rechtsanwalts Labroisse um Erlaubniß zur Anlage einer Thür in der Einfriedigung seines in der Plockstraße gelegenen Gartens und des nach­gesuchten Bescheides, unter welchen Bedingungen dem Gesuch­steller die Benutzung eines im Bosquet der Plockstraße an­zulegenden Durchganges gestattet werden kann, hat die Bau­deputation beantragt: Jede Festsetzung über Benutzung und Uebergehung des Bosquets abzulehnen. Die Baudeputation erachtet bei dem Character der Plockstraße als Anlage die Herstellung von Eingängen über städtisches Eigenthum nach Privatgrundstücken in demselben Maße für unzulässig, wie die Herstellung von Zugängen und Ueberbrückungen nach den An­lagen. Die Versammlung schließt sich dem DeputationS-