Ese», 29. April. Der Strike ist in weiterem Abnehmen begriffen. Laut der „Rhein.-Westf. Ztg." sind heute bedeutend mehr Arbeiter angefahren. Fast vollzählig arbeiten: „Königin Elisabeth", „Schacht Wilhelm", die Zechen „Bereinigte Hagenbeck", „Johann Deimelsberg", „Königs- grube", „Vereinigte Germania" und „Alstaden". Im Gelsenkirchener und Herner Revier arbeiten die Zechen vollzählig.
Gelsenkirchen, 29. April. Auf Schacht „Wilhelmine Dictoria" waren zur gestrigen Nachmittagsschicht 62 Arbeiter nicht angefahren. Heute arbeitet Alles, ebenso die Morgenschicht. Sonst ist die Lage unverändert.
Bochum, 29. April. Aus den Zechen „Hibernia" ist heute zur Frühschicht alles angesahren.
Karlsruhe, 29. April. Die von den socialdemokratischen Wahlvereinen in Karlsruhe und Mühlburg für Sonntag den 3. Mai, Nachmittags, geplanten Aufzüge nach benachbarten Ortschaften wurden verboten.
Braunschweig, 29. April. Für das ganze Herzogthum find Versammlungen unter freiem Himmel, öffentliche Auszüge und Ueberschreitung der Polizeistunde am 1. und 3. Mai untersagt worden.
Hamburg, 29. April. Die „Hamburgische Börsenhalle" meldet aus Jquique in Chile: Die Congreßtruppen unter Führung des Obersten Holley nahmen Copiaco, die Hauptstadt der Provinz Atacama, ein. Die Truppen Balmacedas (500 Mann) flohen nach San-Antonio.
Wien, 29. April. Mehrere Bezirkshauptmannschaften verschiedener Provinzen untersagten die für den 1. Mai beabsichtigten corporativenKundgebungenderArbeiter, ebenso wurden Arbeiterversammlungen mehrfach verboten. Die Arbeiter vieler industrieller Etablissements beschlossen, am 1. Mai nicht zu feiern.
Wien, 29. April. Der Gemeinderath beschloß in seiner heurigen Sitzung, den im Mai hier stattfindenden Post- und Telegraphencongreß festlich zu begrüßen und einen Kredit hierfür zu bewilligen.
Paris, 29. April. Für den 1. Mai find hier die G ewehrhändler polizeilich aufgefordert worden, ihre Vor- räthe an Munition in Sicherheit zu bringen und ihre Läden zu schließen. Ebenso erging an die Händler mit alten Chaffe- pots, Bajonetten u. dgl. die Aufforderung, diese Waffen in sicheren Gewahrsam zu bringen.
Paris, 29. April. Die Regierung trifft zum 1. Mai umfassende Maßnahmen. Dem Vernehmen nach sind bereits für heute zahlreiche Haussuchungen, nöthigenfalls Verhaftungen, von Anarchisten angeordnet, welche für revolutionäre Kundgebungen am 1. Mai agitiren. In Folge der jüngst verbreiteten Maueranfchläge, durch die das Militär zur Meuterei ausgefordert wird, sollen die Soldaten von heute bis nach dem 1. Mai in den Kasernen consignirt werden.
Paris, 29. April. Eine Verhaftung von Anarchisten hat heute Vormittag nicht stattgefunden. Der Polizeipräfect empfing die Commissäre und instruirte sie über ihr Verhalten am 1. Mai.
Paris, 29. April. Ein Maueranschlag verkündet, daß die Delegirten von Roubaix, Bordeaux und anderer Städte mit den Pariser Delegirten am 1. Mai um 2 Uhr nach dem Palais Bourbon sich begeben werden, um ihre Aufträge den öffentlichen Gewalten zu überreichen und zu versichern, daß im Kampfe um die Emancipation der Arbeit Paris und die Departements zufammenstchen.
Marseille, 29. April. Entsprechend einer Bekanntmachung der Regierung ordneten die Ortsbehörden an, am 1. Mai Kundgebungen auf öffentlichen Wegen zu verhindern. Polizei- und Gensdarmerie-Patrouillen werden in den Straßen verkehren und Abtheilungen der Truppen werden verschiedene Punkte der Stadt besetzt halten.
Roubaix, 29. April. Sämmtliche Arbeiter-Schiedsrichter unterzeichneten einen Aufruf, worin Arbeitgeber und Arbeiter aufgefordert werden, am 1. Mai zu feiern.
Tülle, 29. April. Ein Erlaß der Verwaltung der Staatswaffenfabrik untersagt den Arbeitern bei Strafe der Entlassung, am 1. Mai zu feiern.
Brussel, 29. April. Die Truppen in den Garnisonen der großen Städte sind für den 1. Mai consignirt, die Gensdarmeriecorps in den Arbeitercentren verstärkt.
Brüssel, 29. April. Eine Telegramm der „Resorme" aus La Louviere besagt, eine zahlreiche Arbeiterversammlung beschloß einstimmig, am 2. Mai allgemein zu feiern. Nach der „Resorme" scheinen die Arbeiter im Borinage ebenfalls sich anzuschicken, insgesammr am 2. Mai zu striken. Die „Resorme" beschwört die Arbeiter, diesen Fehler nicht zu begehen.
Petersburg, 29. April. Das Stadthaupt ordnete im Anschluß an den Erlaß, welcher jüdischen Handwerkern die Ansiedelung in Moskau verbietet, an, daß denselben auch die Niederlassung in Petersburg verwehrt und ihnen Orte, wo den Juden der Aufenthalt gestattet ist, als Wohnort angewiesen werden.
Chattanooga (Tennessee), 29. April. Heute früh brach auf der Station der Ost-Tenneffee-Virginia- und Georgia- Eisenbahn Fe u er aus, welches das Stationsgebäude, hundert Güterwagen und ca. fünfzehn in der Nähe gelegene Häuser zerstörte. Bei Abgang dieser Meldung war man des Feuers noch nicht Herr. Der Schaden wird schon jetzt auf eine Million Dollars geschätzt.
Cocales und Provinzielles.
Gießen, 30. April.
— Gelegenheit zu einer Pfiugsttour in die Vogesen bietet ein am 16. Mai von Frankfurt nach Straßburg gehender Extrazug. In Frankfurt, Mainz und Worms werden Retourbillete zu ermäßigten Fahrpreisen mit siebentägiger Gültigkeitsdauer ausgegeben.
— Se. Kgl. Hoheit der Großherzog kehrte gestern von Berlin aus wieder nach Alsfeld, bezw. Romrod zurück.
— Naudervörträge über landwirthschaftliche Frage» finden statt: am Samstag den 2. Mai in Wenings (Rathhaus- faal), am Sonntag den 3. Mai in Altenstadt (Rahn'sche Wirthschaft), am Sonntag den 10. Mai in Bleichenbach (Rathhaussaal), an demselben Tage Nachmittags in Borsdorf. In jeder dieser Versammlungen find Fragekästen aufgestellt.
o° Ober Ohmen, 29. April. Die diesjährigen H o lz- ver st eigerungen neigen sich ihrem Ende zu. Auffallend ist dabei, daß die Preise für Brennholz bei diesen letzten Versteigerungen eine Höhe erreichten, die selbst die Preise bei den ersten Holzversteigerungen, zu deren Zeit dockt die Nachfrage stets am stärksten ist, weit übertrafen. So bezahlte man bei der letzten Holzversteigerung der Freiherrlich Riedesel'schen Waldungen in unserer Gemarkung 4 Raummeter Buchenspalten mit 40 Mark, nachdem bei anderen Versteigerungen dieselben nicht selten für 20 bis 25 Mark abgingen. Diese starke Preissteigerung wurde nur verursacht durch den langen Nachwinter, der eine Menge Brennmaterial erforderte.
— Ruppertenrod, 29. April. Wie vorsichtig man bei Umgang mit Carbolineum sein soll, zeigt folgender Vorfall. Ein hiesiger Landwirth hatte seinen neuen Pflug mit Carbolineum imprägniren lassen. Er nahm nun denselben gestern in Gebrauch, bevor er ganz trocken geworden war. Beim Pflügen erhitzte sich der Mann und wischte sich den Schweiß mit der bloßen Hand vom Gesicht. Bald darnach verspürte er einen stark brennenden Schmerz im Gesicht, der sich immer mehr steigerte. Das Gesicht schwoll hierauf so stark an, daß er nicht gut mehr zu sehen vermochte. Er mußte nach Hause eilen, das Bett hüten und ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Seinem 12jährigen Sohne, der das Pflügen nach des Vaters Heimkehr fortsetzte, erging es, wenn auch gelinder, ähnlich so. Auch dieser hatte sich mit der einen Hand über das Gesicht gefahren, wonach die ganze Gesichtshälfte anschwoll und Schmerz verursachte. Hätte der Mann oder sein Sohn irgend eine Verletzung in der Hand oder im Gesicht gehabt, so hätte hiernach leicht eine schwere Blutvergiftung entstehen können.
Hungen, 28. April. In diesen Tagen starb dahier Herr Bezirksbauaufseher Heineck. Der Verstorbene war lange Zeit im hiesigen Bezirke amtlich thätig und wurde vor etwa zwei Jahren pensionirt.
— Daß auch in unserer Zeit die Klasse der Leute noch nicht ausgestorben ist, welche ihre Schätze trotz aller Sparkassen und zinstragenden Werthpapiere in einew sicheren Versteck zu Haufe am besten aufgehoben glauben, bewies kürzlich ein altes Bäuerlein aus der Wette rau, welches bei einer Darmstädter Behörde ein Geschäft abzuwickeln hatte und bei dieser Gelegenheit eine Summe von einigen Tausend Mark in 10- und 20-Markstücken vorlegte, der man es an der Verpackung anmerkte, daß sie schon manches Jahr- wohlverwahrt im Schrein geruht haben mochte. Diese Ver- muthung wurde von dem Besitzer auch durchaus bestätigt. Für den Hinweis, daß er doch durch diese Art des Aufbewahrens schon manches Hundert Mark Zinsen verloren habe, schien ihm das rechte Verständniß zu fehlen. Er ist jedenfalls auch jetzt noch überzeugt, daß er es so am klügsten gemacht hat.
— Kleine Mittheilungen aus dem Großherzogthum Hessen. Der von den Darmstädter Fach- und Gewerkschaftsorganisationen für den 3. Mai geplante öffentliche Umzug zur Demonstration für den Achtstundenarbeitstag ist vom Großh. Polizeiamt untersagt worden. — In Egelsbach fiel am Sonntag ein zweijähriges Kind in eine Dünggrube und ertrank. — Eine Deputation rheinhessischer Wirthe überreichte am Samstag dem Landtagsabgeordneten Pennnch in Bingen in Anerkennung seiner Verdienste um die Abschaffung der Weinsteuer einen silbernen Pokal mit entsprechender Inschrift. — In Worms wurden zwei Personen verhaftet, die das dortige Bismarck-Denkmal Nachts mit Koth beschmiert haben sollen.
Vermischtes.
* Aus der Bergstraße, 28. April. In der Gemeinde D. bei der Kreisstadt H. sandte kürzlich ein junger Mann seinem von schwerer Krankheit genesenden Freunde einen abgezogenen Hasen zur Kräftigung des Reconvalescenten. Als das Mahl verzehrt war, brachte der so generös Beschenkte in Erfahrung, daß der Braten keineswegs von einem Hasen herrührte, wohl aber von einer Katze, öie. des Spenders Pferd todtgetreten hatte. Der „Freundschaftsact" dürste demnächst ein gerichtliches Nachspiel finden. — Ein bekannter Bierbrauer kaufte dieser Tage von einem Landwirth und einem Handelsmann je ein Pferd um zusammen — 60 Liter Bier.
* Frankfurt a. M., 29. April. Eine gute Einnahme hat gestern das Kgl. Hauptsteueramt gemacht. Der Vorstand der Electrischen Ausstellung bezahlte demselben nämlich den Reichsstempel für die auszugebenden 120,000 Antheilscheine mit 30,000 Mark baar. Sowie die Stempelung eines erheblichen Theils der Antheilscheine vollzogen sein wird, was mehrere Tage in Anspruch nimmt; kann der Umtausch der bereits eingezahlten und der Verkauf effectiber Antheilscheine beginnen.
— Frankfurt a. M., 29. April. Stoltze-Denkmal. S täd tecongre ß. Der Ausschuß für die Errichtung des Stoltze-Denkmals hielt eine Sitzung ab, in welcher ein engerer Ausschuß, bestehend aus sieben Herren, gewählt wurde. Es wurde sodann beschlossen, alsbald einen Aufruf an die Bürgerschaft zu erlaffen. Die Frage, ob eine Büste oder ein Standbild gewählt werden solle, wurde noch nicht entschieden. Zum Schlüsse wurde ein Ehrenausschuß, bestehend aus den Herren: Finanzminister Dr. Miquel, Oberbürgermeister Adickes und Dr. Wilh. Jordan gewählt. — Ende August oder Anfang September wird in den Mauern unserer Stadt ein Städte- congreß stattfinden, der vom Magistrat der Stadt Frankfurt berufen wird. Einladungen zur Theilnahme an demselben werden erhalten die Magistrate der größeren Städte Deutsch
lands, Oesterreich-UngarnS, der Schweiz, Belgiens, Hollands, Italiens, Scandinaviens. Der Congreß soll drei Tage dauer». Für die beiden ersten Tage sind Vorträge und Demonstrationen der ersten Fachmänner auf dem Gebiete der Electrotechnik mit besonderer Rücksicht auf die Anlage von städtischen Centralstationen für Beleuchtung und Kraftübertragung in Aussicht genommen. Andere Vorträge über communale Einrichtungen sollen sich anschließen. Am dritten Tage soll ein gemeinsam er Ausflug stattfinden. Es hat sich ein Ausschuß gebildet, welcher die Vorbereitungen für den Congreß trifft.
* Versicherungs-Hoheiten. Kürzlich wurde die Frage aufgeworfen, welche Personen ihr Leben mit den höchsten Beträgen versichert haben. Die in Folge dessen angestellten Nachforschungen haben folgende Ergebnisse geliefert: Der Gras v. Dudley, einer der reichsten Männer der englischen Aristokratie, hat sein Leben mit 1,200,000 Pfd. Sterl. (24 Millionen Mark) versichern lassen, die nach seinem Tode der von ihm eingesetzte Erbe erhält. Dicht hinter dem Grafen von Dudley steht Herr Wanamaker, der Generaldirector der Posten in den Vereinigten Staaten, auf der Liste, dessen Police einen Werth von mehr als 20 Millionen Mark hat, für die er jährlich eine Prämie von 840,000 Mark zahlt. Da das Risiko für eine einzige Gesellschaft zu groß wäre, haben es 29 durchaus sichere Gesellschaften zusammen übernommen. Amerika ist überhaupt das Eldorado der Lebensversicherungen. Die Leiter des „Boston Herald", des „Philadelphia Ledger", der „Chicago Tribüne", der „Evening Post" und anderer bekannten Zeitungen haben ihr Leben zu Summen versichern lassen, die je zwischen vier und zwei Millionen Mk. variireu. Auch Prinzen und Fürsten zeigen sich dieser Art von Sicherstellung des Geldes nicht abgeneigt, da sie begreifen, daß Vermögensverhältnifse in diesen unsicheren Zeitläuften großen Schwankungen unterworfen sind. So hat z. B. der Prinz von Wales fein Leben mit 650,000 Pfd. Sterl. (13 Millionen Mk.) versichern lassen. Angesichts solcher Versicherungssummen kann man den Gegnern der Lebensversicherung nicht ganz Unrecht geben, wenn sie behaupten, von der Lebensversicherung hätten nur die Begüterten Vortheile, denn eine solche früher oder später eintretende Capitalanhäusung kann unmöglich nur dazu dienen, „die Hinterbliebenen vor Nahrungssorgen zu schützen."
Literatur und Ktmft
— Eine Kunde die vor einigen Woche« die Zeit««-«« durchlief, ist in Erfüllung gegangen: Die Werke oes liebens- würdigsten deutschen Erzählers aus der besten Zeit der deutsche» Literatur erscheinen in einer großen monumentalen Prachtausgabe, deren erste Lieferung uns soeben zugegangen ist. Und daß wir es gleich voraussagen: der Wurf ist geglückt, das deutsche Volk erhält eine Ausgabe seines Wilhelm Hauff, wie sie sich schöner, wirkungsvoller und gediegener nicht denken läßt. Zu erwarten war's freilich, denn wer die Prachtausgaben der größten Heroen der deutsche» Literatur, Schillers und Göthes, sowie die Shakespeares kannte, die im Laufe der letzten zwölf Jahre von der Deutschen Verlags- Anstalt in Stuttgart herausgegeben worden sind, durfte sich auch von der jüngsten Fortsetzung dieser Hausbtbliothek klassischer Autoren in elegantem Gewände etwas versprechen. In Frage konnte nur kommen, ob es gelingen würde, die gerade in neuester Zeit so rapiden technischen Fortschritte auch hier zum Ausdruck z» bringen. Nun, es ist gelungen! Der Holzschnitt entfaltet hier de» ganzen Zauber toniger Behandlung, der von der Starrheit abweicht und alles in eine warme poetische Stimmung rückt. Bild und Text sind mit erdenklichster Accuratesse gedruckt, einladend zum Beschauen, einladend zum Lesen und darum — das wollen wir hoffen und befürworten — einladend zum Erwerben. Eine Reihe der besten Künstler hat sich zusammengethan, das Lebenswerk des früh dahin- geschiedeuen und doch unsterblich gewordenen Dichters mit de« ganzen Reiz künstlerischen Schmucks auszuftatten. Und gerade Hauff bietet dafür die dankbarsten Vorwürfe, man denke an den romantischen „Lichtenstein", an die geheimnißvollen „Phantasien im Bremer RathS- keller", an die poetischen „Märchen", die feinen Novellen wie „Bettlerin von Pont des Arts", „Jud Süß" rc., die geistvolle Satire „Der Mann im Mond", die meisterhaften Memoiren des Satans u. a. — welche Fülle der Gestalten und Situationen, welche Kontraste, wie viel des Poetischen und Stimmungsvollen! Und dazu Künstler wie Langhammer, Häberlin, Bergen, W. Friedrich, Cloß, Leinweber, Fette, Gause rc. und deren Werke in Schnitten von Brendamour, Käseberg & Oertel, Cloß und aus anderen ersten xylographischen Ateliers. Auch der Text ist mit aller Sorgfalt wtedergegeben und revidirt von einem Landsmann des Dichters, dem 0r. Cäsar Flaischlen, der sich besonders durch seine Literaturtabelle auch über die Kreise seiner Fachgenossen hinaus Anerkennung erworben hat. — Wenn wir oben sagten, daß das deutsche „Volk" eine musterhafte Ausgabe seines Hauff erhalte, so war das Wort „Volk" mit Vorbedacht gewählt, im großen und umfassenden Sin». Nicht an Bücherfreunde allein, nicht an den Besitzenden vorzugsweise: an jeden Deutschen, an jedes deutsche Haus und Heim wendet sich dieser Hauff, er will Freund und Genosse fein, will mit Stunde» unerschöpflicher und edler Unterhaltung vergelten, daß man ihn ausgenommen. Mancher möchte nach dieser Anzeige wohl kaufen, denkt aber, er könne nicht, der Beutel sei zu klein, gebe es nicht her — dem ist jedoch nicht so. Wer Neigung hat, kann hingehen und kaufen, die 50 Pfennig, welche jede Lieferung kostet, kann Jeder aufbrtngen und dem kostbaren Besitz opfern. Daß es deren recht Viele feien, wünschen wir der Deutschen Verlags-Anstalt, die durch ihren Glauben an den Absatz dieses Buches am besten bewiesen hat, daß sie den Glauben an den Idealismus des deutschen Volkes nicht verloren hat.
— Kurzes Repetitorium der internen Medici«, Neroe»- krankheiten und der kltniichen Untersuchungsmethoden als Vademecum für die Klinik und die Praxis, sowie als Katechismus für Colloqium und Rigorosum nach den Werken und Vorlesungen von Slrümpell, Eichhorft, Leyden, Leube, Kahler, Nothnagel, Jurgensen rc. gearbeitet von Dr. Egon Werner. I. Specielle Pathologie und Therapie. Verlag von M. Breitenstein. Men. Preis 1.80 Mk.
Das vorliegende Büchlein dürfte ebenso wie das im selben Verlage erschienene „Kurze Repetitorium der Chirurgie der Medictn", insbesondere den Prüfungecandidaten sehr willkommen sein, indem es in gedrängtester Kürze Alles enthält, was für das Examen zu wissen unerläßlich ist. Alle wichtigen Krankheiten, soweit sie nicht in das Gebiet des Specialisten gehören, sind hier auf Grund der Werke der hervorragendsten Kliniker und Professoren der Gegenwart nach einem ungemein übersichtlichen Schema dargestellt; dieses Schema, welches die Aetiologie, Pathologie, Symplome, Diagnose, Prognose und Therapie (mit den av gewähltesten Recepten) umsaßt, erleichtert das Studium und vor Allem die Repetition ungemein, indem es ermöglicht, kurze Zell von der Prüfung in rascher Wiederholung einen Ueberblick über das ganze große Gebiet der internen Medicin zu gewinnen. Aber auch für die practifchen Aerzte, sowie für die Klinik wird das vorliegende handliche Merkchen ein nützliches Vademecum bilden. — Der Preis dtefes practifchen Büchleins ist trotz seines reichen Inhaltes ein sehr mäßiger.


