Ausgabe 
1.3.1891 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

lle für bi,

»erbe« |£*

**.

FS^äl*

^SäL

HH

^Wntten jt, toK

trri

n Uhr, 'hnhofüraße),

M3.:

ließen.

wieder eile

fflirti Amda. - in'.!!

ire veve -«d«g wx )dj nrndgcheck ktgaaf unter $xftf6eg(e*mg, ityt in Frankfurt a/Ä.

D ß<w<(Ut*tt«

;aft W- MtMdmch st7rr chLwxgiM nternehmer.

re,

e,(t* ettttu» »tiMtW»«- onctttttet, tot*

eirtihil- [|7<<

Ult, H*bW6

168»

Nr 5

urig

SKr***

: h;r A«ßalt,

1891

Sonntag den 1. März

Erstes Blatt

Rr. 51

Gießener Anzeiger

Keneral-Wnzeiger.

Nedaction, ExpedieL« unb Druckerei:

-chutßratzs

Fench»recher 51.

VirrttNnye -»«e«e»1,»r<ß»4 2 Marl 20 Pfg. cs* ®r<nqer(otn.

Durch die Post Ur^cgcö 2 Mark 50 Pfg.

Wie Gießener $A*8tci«*irattci ewten dem Anzeiger »Schstnllich brtimo! deigele-t.

SM >*!<<<* crtorau tfiglid}, 30*4 Wu-nahmk btl Kovw-Z.

Amts- unb Anzeigeblntt für den Aveis Gießen.

sns

chratisöeitage: Gießener KamilienSkätter

«»nähme »an Anzeigen zu der Rachmittag- für bai felftnbfa Lag erscheinenden Nummer bis vor«. 10 Uhr.

Alle Annoncen-Bureaux de- In- und AuSlanbei nehm« Anzeigen für denGießener Anzeiger- entgeg«.

2lmtlid?cr ThcZl.

Bekanntmachung,

die Räude unter den Schafen des Pachters Güngerich zu Hof-Albach betreffend.

Nachdem unter den Schafen des Pachters Güngerich zu Hof-Albach der Ausbruch der Räude festgestellt worden ist, haben wir die Sperre der Gemarkung Albacher-Hof verfügt. Gestattet ist die Ausfuhr von Schafen nur zur sofortigen Ab­schlachtung und nur mit unserer jedesmal einzuholenden beson­deren Erlaubniß. Zuwiderhandlungen unterliegen der gesetz­lichen Strafe-

Gießen, den 27. Februar 1891.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Gefunden: 1 Pelzkragen, 2 Taschenmesser, 2 Schürzen, 1 Mütze, 1 Lederriemen, 1 Spazierstock, 1 Taschentuch, 1 Maulkorb, 1 Beil.

Gießen, den 28. Februar 1891.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius.

Deutsches Reich.

nn. Darmstadt, 27. Februar. Zweite Kammer der L a n d st ä n d e. Die Berathungen über den Hauptvoranschlag wurden heute fortgesetzt mit Cap. 2, Einnahmen aus Staats-Domäne n, b.Betriebsüberschuß der Nebenbahn Eberstadt-Psungstadt. Der Ueberschuß dieser Bahn ist heute mit 7400 Mk. gegen 4700 im vorigen Budget ein­gestellt, was einer Verzinsung des ca. 195 000 Mk. be­tragenden Baucapitals von 3,8 % entspricht. Die thatsächl. Verzinsung hat sich 1888 auf 7,36 % belaufen. Der Aus­schuß ist der Ansicht, daß dieser Vetriebsüberschuß um einige 1000 Mk. hätte erhöht werden können. Es erfolgt hierüber keine Debatte.

Zu c., Betriebsüberschüsse der Oberhessischen Haupt- und Nebenbahnen, ergreift Abg. Schade das Wort, um in einer langen Philippika die Mängel und Uebelstände an den Ober­hessischen Bahnen darzulegen. Schlechte Zustände der Bahn­wärter-Wohnungen, Besserstellung der Bahnmeister und Lade- meister, und Anstellung der Letzteren, Mangel an Betriebs­material im verstossenen Winter, Erlaß des Miethbetrags für die Dienstwohnungen und Hebung des Verkehrs auf den Oberhessischen Bahnen sind die Wünsche, welche Abg. Schade an die Regierung und an das Haus richtet.

Abg. Wester nach er führt gleichfalls Klage über die mangelhaften Fahrzeiten. Die Locomotivführer und Schaffner hätten 18 Stunden Dienst und die Bezahlung sei nicht dem entsprechend.

Abg. v. Rabenau spricht für eine bessere Besoldung der Beamten, hier für die Rechnungs-Revisoren.

Abgg. P sann stiel, Erk, G uni rum, Zinßer be­sprechen den Betrieb für Personen und Güter und führen Klage hierüber.

Finanzrath Krug erwidert, hier auf alle die Desiderien einzugehen, sei ihm unmöglich. Er ersuche, doch alle diese Klagen in einer Sitzung des hessischen Eisenbahnbeiraths durch den betreffenden Vertreter vorbringen zu lassen. Es werde dann die Angelegenheit eingehend geprüft und wenn nöthig abgestellt werden. Bezüglich der 10 % Wohnungsmiethe, welche den Bahnwärtern in Abzug gebracht würden, werde er Erhebungen anstellen lassen und Abhülse schaffen.

Finanzminister Weber erklärt, wenn man all die Klagen höre, so müsse man annehmen, daß Seitens der Re­gierung gar nichts für diese Bahn geschehe. Es müsse jedoch anerkannt werden, daß in Bezug auf Verbesserung des Be­triebsmaterials und der Verwaltung denn doch in den letzten zehn Jahren sehr viel geschehen sei. Daß die Regierung diese Bahn von Anfang an, gerade weil sie das Schmerzens­kind des hessischen Staates sei, mit größtem Wohlwollen behandelt und in verschiedenen Finanzperioden für Betriebs­material und Gehalte erhöhte Beträge eingestellt habe, müsse er hervorheben. Es sei nöthig dies zu erwähnen, damit es nicht nach Außen den Anschein haben könnte, die Großh. Regierung kümmere sich um die Bahnverhältnisse in Ober- Hessen nicht. Dem müsse er widersprechen. Aber es seien doch auch die Finanzen des Landes zu berücksichtigen und man müsse sich auch hier nach seiner Decke strecken. Was den Dienst aus den Oberhessischen Bahnen betreffe, so sei derselbe viel leichter als auf der Main-Neckar-Bahn, wo täglich über 50 Züge verkehren.

Graf O r i o l a bespricht die leider noch immer nicht in Angriff genommene Nebenbahn Stockheim-Frankfurt a. M. Nicht nur die hessische Bevölkerung, sondern auch die Arbeiter­bevölkerung von Bergen und Seckbach habe das größte In­teresse an der Herstellung dieser Linie. Diese Bahn sei überhaupt die wichtigste, welche für Oberhessen gebaut werden soll. Daß diese Bahn trotz ihrer Wichtigkeit für die Ver­kehrsverhältnisse von Oberhessen noch nicht begonnen sei, setze ihn in gerechtes Erstaunen. Er frage bei Großh. Regierung au, wie weit denn eigentlich die Verhandlungen wegen Aus­führung dieser Linie Stockheim-Franksurt gediehen seien und glaube, daß es doch an der Zeit sei, auch an die Interessen der hessischen Gemeinden zu denken und diese Interessen im Auge zu behalten.

Abg. Schröder schließt sich den Ausführungen des Grafen Oriola an und wünscht, daß im Interesse weiterer Kreise die Großh. Staatsregierung, soweit es an ihr ist, auch ohne Preußen diese Angelegenheit mit der Wichtigkeit und dem Ernst aufgreift und behandelt, als es sich um Er­schließung eines unseres besten Theiles von Oberhessen mit der Bahn Stockheim-Franksurt a. M. handelt.

Abg. Heinzerling fragt über den Stand des Pro- jects wegen des Baues einer Bahn von Bickenbach nach Jugenheim, und Abg. Lantz wegen eines desgl. von Darmstadt nach Roßdors-Reinheim.

Finanzminister Weber erklärt hieraus, daß die Frage wegen Herstellung einer Bahn von Stockheim nach Frankfurt auch bei der Großh. Regierung an erster Stelle stehe. Wenn es an ihr (der Regierung) liege, so dürfe man überzeugt sein, daß die Bahn schon in Angriff genommen wäre. Es liege aber leider nicht an der Großh. Regierung allein, weil wir von anderen Umständen abhängen. Es sind aber Tat­sachen vorhanden, daß in nicht allzuserner Zeit die An­gelegenheit in sür uns zufriedenstellender Weise erledigt sein wird.

Wegen der Bahn Hungen-Friedberg haben mit der preußischen Regierung Verhandlungen stattgesunden, und auch wegen der Bahn Salzschlirf-Hungen ist die Genehmigung zum Beginn der Vorarbeiten ertheilt worden. Er nimmt dieses als ein gutes Omen für die Bahn Stockheim-Gedern.

Was die Bahn von Neubamberg nach Kreuznach betrifft, so hält er diese Bahn für das merkwürdigste Project, welches je eingebracht worden sei. Ob und wie man diese Bahn bauen soll, sei eine andere Frage. Er halte daher seine Taschen noch fester zu wie seither.

Die Abgg. H e rm ann und S ch ö n b erg e r besprechen die Nebenbahn Fürth-Reichelsheim und halten deren Ans- sührnng für dringend geboten.

Abg. Ullrich fragt wegen der Haltestelle Biber an.

Oberbanrath Wetz erklärt, daß ans Zweckmäßigkeits­gründen davon abgesehen werden müsse, dort eine Haltestelle zu errichten.

Abg. Friedrich wünscht, daß die Bahn Roßdorf- Meinheim-Groß-Umstadt nicht ad calendas graecas hinans- geschoben würde, sondern mitden anderen zuerst ausgeführt werde.

Hiernach gelangt der Ausschußantrag, die unter Tit. 1 und 2 enthaltenen Einnahmen mit 8 070 bezw. 5 998 Mk. unverändert einzustellen, einstimmig zur Annahme.

Nicht weniger wie sieben Anträge, die Oberhessischen Bahnen öetr., gehen an den Ausschuß.

Hauptabtheilung II Cap. 2, Regalien, wird ohne De­batte genehmigt.

Berlin, 27. Februar. Der Beschluß der französischen Künstlerschast, von einer Beschickung der bevorstehenden internationalen Kunstausstellung in Berlin endgiltig ab zu sehen, beweist, wie einflußreich noch immer die deutschfeindliche Strömung in Frankreich trotz aller anscheinenden Anzeichen des Gegentheils ist. Bis jetzt hatte es geschienen, als ob sich eine Reihe der namhaftesten französischen Maler an der Berliner Ausstellung betheiligen würde und namentlich der' Besuch der Kaiserin Friedrich in Paris schien in dieser Beziehung von Einwirkung gewesen zu sein. Um so überraschender ist jetzt der eingetretene Umschwung in der Stimmung der französischen Künstlerschast und hierbei haben nachweislich die Hetzereien der Chauvinisten vom Schlage der Derulöde, Laur und Consorten leider bedeutend eingewirkt. Die Leute brachten förmlich System in ihr Treiben, sie brandmarkten die Betheiligung französischer Künstler an der Berliner Ausstellung als einenVerrats am Vaterlande und wirklich ist es ihnen hierdurch gelungen, die Beschickung der Berliner Ausstellung zu hintertreiben. Es ist diese Wendung im Interesse einer freundlichen An­näherung zwischen Deutschland und Frankreich gewiß nur aufrichtig zu beklagen, denn daß nach einer solchen Erfahrung

deutscherseits nochmals ein besonderes liebenswürdiges Ent­gegenkommen gegenüber Frankreich hervortreten wird, muß mir Fug und Recht bezweifelt werden. Die Verantwortung aber für die etwaigen Folgen des ganzen Zwischenfalls werden diepatriotischen" Tollköpse ä la Döroulede zu tragen haben und sicherlich haben dieselben ihrem Vawrlande mit ihren antideutschen Hetzereien keinen guten^Dienst erwiesen.

Berlin, 27. Februar. Der Reichskanzler hat den Kaiser­lichen Statthalter in Elsaß-Lothringen ersucht, bis aus Weitere- von jeder Milderung in der praktischen Handhabung des be­stehenden Paßzwanges abzusehen und bezüglich der den französischen Grenzgemeinden auf Grund des Art. 2 der Paß­verordnung eingeräumten Verkehrserleichterungen keinerlei Er­weiterung eintreten zu lassen.

In der gestern unter dem Vorsitz des Vicepräsidenten des Staats - Ministeriums, Staatssecretärs des Innern Dr. v. Boetticher, abgehaltenen Plenarsitzung des Bundes­rat Hs wurde über mehrere Eingaben, betreffend die Zoll­behandlung verschiedener Gegenstände, Beschluß gefaßt. Von Setten des Ausschuffes für Rechnungswesen wurde über die Aussührung der seit dem Jahre 1875 erlassenen Anleihe­gesetze Bericht erstattet.

Deutfcfyer Reichstag.

76. Plenarsitzung. Freitag, 27. Februar 1891.

Auf der Tagesordnung. Milttäretat. Die Capitel KriegS- mtnisterium, Militärtassenwesen, Militär-Intendanturen und Mili­tär-Geistlichkeit werden debattelos angenommen.

Beim Capitel Milttär-Justizwesen antwortet Kriegsminister v. Kalten dorn-Stachau auf eine Anfrage des Abg. v. Tun-, daß der Entwurf einer neuen Mtittär-Strasgerichtsordnung in Be­arbeitung fei, daß die Bearbeitung kräftig gefördert werde, daß sich aber der Zeitpunkt für seine Vorlegung noch nicht angeben lasse.

Die Capitel höhere Truppenbefehlshaber, Gouverneure, Corn- Mandanten und Platzmajore, Adjutanten, Ofstziere und Offiziere iu besonderen Stellungen, Generalstab und Landesoermessungswesen, Ingenieur- und Ptoniercorps werden gleichfalls debattelos erledigt.

Bet Capitel Geldve»pflegung der Truppen beantragt die Com­mission abzusetzen im preußischen Kontingent 149, im sächsischen 13 und im württernbergischen 9 Stabsoffiziere. Demgemäß sollen weniger bewilligt werden bei den Besoldungen 268200 bezw. 23400 »nd 16200 Mk., bei der Brod- und Fourageverpflegung 58898 bezw. 5081 und 3168 Mk.

Ref. Abg. v. Keudell (Rp.) legt eingehend den von der Mehr­heit der Commission eingenommenen Standpunkt dar.

Kriegsminister v. Kaltenborn-Stachau empfiehlt entgegen dem Beschlüsse der Commission Umwandlung der Stille des älteste» Hauptmanns in Stabsofstzierstellen. Die betr. Offiziere übten that- sächltch die Functionen der Stabsoffiziere und es entspräche der Billigkeit, sie auch entsprechend zu stellen.

Abg. Hahn (conf.) erklärt, daß seine Freunde aus Billigkeits- rückstchten für die Erhöhung der Competenzen des 13. Hauptmann­stimmen werden. , c _ ,

Abg. Hinze (frs.) stellt in Abrede, daß der 13. Hauptmann die Functionen und die Nepräsentationspsttchten eines Stabsoffiziers habe.

Der Antrag der Commission wird gegen die Stimmen der Rechten angenommen. t t Ä

Bei demselben Capitel fordert die Regierung für Dienst- prämien an Unteroffiziere, welche nach 5- bis 12jährtger actioer Dienstzeit aus dem Heere ausscheiden, bezw. in Offister- und obere Militärdeamtenftellen übertret n, 3804500 bezw. 282 300 bezw. 200000 Mk. .

Die Commission beantragt, nur 360000 bezw. 32000 und 15300 Mk. zu Beihülsen für Unteroffiziere, welche nach 12jährtger actioer Dienstzeit mit dem Ciotlverforgungsfchein bezw. der An- stellungsbeschetnigung ober mit Penfionszulage für Rtchtbenutzung dieser Bemfizen aus dem Heere ausscheiden bezw. in Oifizier- ober höhere Milttärbeamtenstellen übertreten, zu bewilligen.

Kriegsminister v. Kaltenborn Stachau muß diesem Anträge Namens der Verfassung und der Tüchtigkeit der Armee entgegen« treten. Am 15. Nov mber v. I. fehlten im preußischen Truppen­körper 3945 Unteroffiziere. Zum Theil hat dieses Manquement allerdings seinen Grund in der im Vorjahre eingetreienen Ver­mehrung, zum großen Theil aber darin, daß die Neigung zum Ein­tritt in die Ultterosfiziercarriere infolge der allgemeinen Lohnfteige- runj erheblich abgenommen habe. Die Chancen sind im Civtlstande viel günstiger. Der Tagesverdienst eines Sergeanten belaufe fich einschließlich aller Competenzen aus etwa 2 Mk. Dabei seien die Anforderungen an die Unteroffiziere ungemein große, selbst bann, wenn der Etat vollzählig fei, und zwar infolge der Neudewaffnung, der neuen Reglements rc. Dann aber haben die Unteroffiziere, die in der Erwartung der Civilversorgung dienen, noch nicht einmal die Sicherheit, eine solche Versorgung zu erhalten. Im vorigen Jahre fanden 3235 Anwärter, nicht weniger als 2/3 der Gesammt- zahl, kein Unterkommen trotz des Scheines. Solche Zustände er­regten Unzufriedenheit, Unzufriedenheit im Unteroffizierstande sei eine sehr bedenkliche Sache. Noch verhängntßooller müssin solche Dinge im Kriege wirken, wo der Unteroffizier an Stelle des Offi­ziers zu treten habe, wenn dieser falle. Dem ein Ende zu mache», müffe Alles gethan werden. Einen Weg hierzu biete die voraeschlagene Gewährung von Dienfiprämien, die auch dazu dienen sollen, dem Unteroffizier den Übergang in ein Cwiloerhältniß zu erleichtern. Viele ältere Unteroffiziere, die in Erwartung der Dienstprämie noch geblieben seien, würden zum Herbst austreten, wenn jetzt die Dienst- prämie abgelehnt werde. Damit würde ein Nothstand in der Armee geschaffen werden, der gleichzeitig ein Nothstand für daS gefammte Vaterland sein werde. (Beifall.)