als Stellvertreter:
1) Joses Güngerich, Gießen,
2) Oberverwalter Erb, Lich,
3) Bürgermeister Geißler, Lollar.
• 3) Vorlage der Kreiskasserechnuug für 1889/90.
Der Vorsitzende verliest den aussührlichen Bericht des Kreisausschusses über die Verwaltung und den Stand der Zkreisverbandsangelegenheiten in 1889/90.
Die vorliegende Rechnung wird nicht beanstandet und die stattgesundenen Creditüberschreitungen zu Lasten der nachgewiesenen Deckungsmittel genehmigt.
4) Festsetzung des Kreiskassevoranschlags pro 1891/92.
Der Entwurf des Voranschlags war den Mitgliedern des Kreistags bereits mit der Einladung zu dieser Versammlung mitgetheilt worden.
Derselbe wird rubrikenweise, mit der Ausgabe beginnend, durchgegangen und die gegen das Vorjahr vorliegenden Abweichungen erläutert.
Zu Rubr. 27 wird beschlossen, daß die Wahl der Baumwärterschule, in welcher ev. Kreisstraßenwärter auszubilden seien, dem Kreisausschuffe anheimzugeben sei.
Nachdem der Voranschlag bis zum Schlüsse durchgegangen war und weitere Bemerkungen nicht erhoben wurden, wird derselbe den Anträgen des Kreisausschusses entsprechend in Einnahme und Ausgabe auf den Gesammtbetrag von 252039 Mk. 32 Pfg., in Worten Zweihundert zwei und fünfzig Tausend neun und dreißig Mark 32 Pfennig, festgesetzt.
Nachdem hiermit die Tagesordnung erledigt war und weitere Anträge nicht gestellt wurden, wird die Sitzung durch den Vorsitzenden geschlossen.
Der Vorsitzende: Die Urkundspersonen:
v. Gagern. M. Homberger.
R. Hirschhorn.
Der Protocollsührer:
Becker.
Vermischte«.
* Berlin, 28. Januar. Am letzten Montag waren gerade zwanzig Jahre verflossen, daß vor Paris das Feuer der deutschen Batterien eingestellt wurde. Wer dabei gewesen ist, wird sich noch des ergreifenden Moments erinnern, als Punkt 12 Uhr das Feuer der Belagerungsgeschütze schwieg und donnernde Hurrahs über die winterlichen Fluren dahinbrausten. Noch in der Nacht vom 25. aus den 26. Januar waren die Batterien, welche St. Denis gegen- überstanden, bedeutend vorgeschoben worden. Zahlreiche Mannschaften der preußischen Garde hatten mit bienenmäßi- gem Eifer die Schutzwälle für die kurzen und langen Vier- undzwanzigpsünder und Zwölspfünder im Dunkel der Nacht aufgeworfen, während die Vorpostenkette bis auf 800 Schritte an die Forts herangegangen war. In dem hart gefrorenen Boden zu hacken, zu graben und Schanzkörbe einzupfählen, war ein hartes Stück Arbeit gewesen. Möglichst leise wurde gearbeitet, nur gedämpft erschallten die Commandoworte, hin und wieder schlug von Weitem ein Hund an — sonst feierliche Stille der Nacht und jenes gespensterhafte Aufleuchten des electtischen Lichtes, mit welchem der Feind das Vorterrain beleuchtete. Aber die Beleuchtungsapparate tifien nichts, als der Morgen dämmerte, standen unsere Batterien, von außen sehr unschuldig aussehende niedrige Erdhügel, aus der Höhe nördlich von Stains, am Südrande von Pierrefitte und Villettaneuse, wieder fix und fertig da, und ihre Geschütze donnerten dem überraschten Feind aus allernächster Entfernung ihre machtvollen Grüße in die Ohren. Nur schwach wurde von den deutlich sichtbaren Forts „d'Aubervilliers", „Double Couronne", „La Briche" und der Enceinte von St. Denis geantwortet und nur hin und wieder fiel ein eiserner Zuckerhut, meist ohne zu explodiren, in unserer Nähe. Als plötzlich das Feuer eingestellt, der Grund für diese Maßregel bekannt wurde und nun die Hurrahs aus Tausenden von Kehlen erdröhnten und sich weithin sortpflanzten, mischte sich in unser Aller Brust doch so etwas wie Bedauern, daß die Kanonen gerade in dem Moment, wo die Geschichte auf der Nordsronl von Paris erst richtig losgehen sollte, schweigen mußten. Aber bald nahm das Gefühl der Freude über die erzielten Erfolge und die frohe Aussicht, wieder zur Heimath zurückkehren zu können, die Oberhand und selbst die pulvergeschwärzten Jünger der heiligen Barbara, welche die Läufe gerade so vortrefflich gerichtet hatten, daß von den Forts sicherlich kein Stein auf dem anderen geblieben wäre, gaben sich zufrieden. Schon am 28. Januar kam die Kunde von dem Abschluß des 21tägigen Waffenstillstandes, der für Paris noch an demselben Tage und für die Provinzen erst nach drei Tagen begann. Am 29. aber lagen wir bereits in den Forts und in St. Denis, um zu schauen, wie unsere Geschütze bestens gewirkt hatten.
* Berlin, 27. Januar. Ein Sittenbild aus der G r o ß st a d t. Unter diesem Titel erzählt eine Localcorrespon- benz folgende Geschichte: An der Kasse eines Tanzlocals auf dem Gesundbrunnen, in welchem vorgestern Abend ein Maskenball stattsand, erschien bald nach der Demaskirung ein etwa neunjähriges, ärmlich gekleidetes Mädchen und bat weinend den Billetcontroleur, ihr doch Schwester Auguste, die drin aus dem Maskenball sei, herauszurufen, da die Mutter zu Hause im Sterben liege und nach ihr verlange. Man ließ die Kleine in den Saal hinein, weil Niemand „Schwester Auguste" kannte und bald entdeckte das schluchzende Kind die Schwester am Arme eines Herrn, einen flotten Walzer tanzend. Eben brach die Musik ab und die Kleine stand an der Seite ihrer Schwester. „Auguste, komm nach Haus, Mutter stirbt und will Dich sehen," brachte die jüngere Schwester mühsam hervor. „Ach was, laß mich tanzen, so schlimm wird's ja mit Muttern nicht stehen," erklärte Auguste und wandte sich rvieder ihrem Tänzer zu. Wieder bat das Kind flehentlich,
und nun vergaß sich der Tänzer und Freund Augustens soweit, daß er der Kleinen mit der geballten Faust in's Gesicht schlug und das Kind zu Boden streckte. Im nächsten Augenblick aber packten kräftige Arbeitersäuste — die Umstehenden hatten die ganze Scene mit angesehen — den rohen Burschen und dessen herzlose Tänzerin und schlugen Beide derartig, daß sie über und über blutend aus dem Local flüchten mußten und später einen Nothverband auf der Sanitätswache erhielten. Mehrere mitleidige Frauen brachten die Kleine nach der Wohnung ihrer Mutter in der Beüermannstraße; sie kamen gerade noch rechtzeitig, um der Sterbenden die Augen zuzudrücken.
* Eine luftige Geschichte ist dieser Tage in Mülheim am Rhein passirt. Von zwei Herren, die miteinander etwas spät ihre Stammkneipe verließen, wollte der eine seine mit ihm zusammen wohnende Mutter nicht durch Klopfen an der Thür aus dem Schlaf aufwecken. Er verständigte sich deshalb mit seinem Freunde und stieg auf eine Leiter, die dieser ihm hielt, durch's Fenster in sein Schlafzimmer ein. Eben wollte sein Freund die Leiter wieder entfernen, als ein Nachtwächter herantritt und in barschem Tone fragte: „Wat mäht ehr heh?" Der Gefragte ließ die Leiter stehen und nahm Reißaus. Der Nachtwächter zog, um den Fliehendem besser verfolgen zu können, rasch die Stiefel aus und rannte dann auf den Socken hinter demselben her, in dem festen Glauben, es mit einem Diebe zu thun zu haben. Unterdessen kletterte der Andere wieder die Leiter hinab und holte die zurückgelassenen Stiefel heraus. Sein Freund war dem Wächter zu flink und unverrichteter Sache kehrte dieser zurück, um seine Fußbekleidung wieder anzuziehen. Brummend und wetternd schritt er an dem Hause aus und ab und suchte, aber umsonst. Endlich steckte der eingestiegene Herr den Kopf zum Fenster hinaus und fragte unschuldig: „Saht, Här Naakswächter, hart ehr dä Spetzbov kräge?" — „Enä, hä es mer tirre gegangc, ävver neu andere Gaudeev hät meer en der Zick ming Stiffele gestolle!" Der am Fenster meinte nun: „Ich wor Wahl bang dosör, dröm Han ich se erengehollt, heh sin se!" Damit flogen die Fußfutterale herab. „Danke- leeven Här, güdde Naach, schlof got!" sagte der erfreute Wächter. Der da oben aber lachte noch lange und selbst im Traume soll er noch gelacht haben.
Landwirthschaflliche Winke und Rathschläge
Lanbwirthschaftliche Rebenbetriebe.
A An- Oberhefse«, 28. Januar.
In den letzten 20 Jahren hat die Landwtrthschaft schwere Kämpfe durchzumachen gehabt. Theuere Arbettslöhne traten, als die große Gründer- und Schwindelperiode von 1871 bis 1876 alles andere in den Hintergrund drängte, zuerst in störender Weise auf. Die jungen kräftigen Leute liefen davon, verdienten in den Städten das Doppelte und Dreifache deS Lohnes auf dem Lande, selbst wenn sie nichts konnten als Handlangerdienste bei den großen Bauten in den Städten zu leisten. Freilich lernten die jungen Leute dabei auch fein speisen und trinken und wie das Geld kam, so ging es meistens auch wieder fort. Nur der Katzenjammer blieb und die Begierde nach neuen Genüssen. Wenige lobenswerthe Ausnahmen zeigen heute noch die Regel.
An die theuren Arbeitslöhne schlossen sich sinkende Fleisch- aber steigende Futterpreise. Wie sollte also die Viehzucht renttren. Ter Körnerbau brachte ebenso ungünstige Resultate. Da viele junge Leute in die Städte gewandert waren, mutzte der Acker mit Kindern und Halbinvaliden bestellt werden. Die Resultate zeigten sich bald. Damals mußte mancher kleine Bauer von HauS und Hof. — Die größeren Oeconomen in fruchtbaren Gegenden: Welterau, Ried, Rheinhessen, besonders wenn sie nahe bet Eisenbahnstationen lagen und Milchwirthschaft treiben konnten, hatten es etwas besser, mußten aber doch schwer kämpfen.
Die Jahre 1889 und 1890 haben Vieles gut gemacht; die Arbeitslöhne find zwar noch hoch und die Qualität der Arbeiter läßt viel zu wünschen übrig. Ueber die Dienftbotenfrage gehen wir ruhig hinweg. Durch Gründung von Kassen aller Art ist dem Bauer das Betriebscapttal leichter erreichbar. Es ist also besser geworden und wer arbeiten und die dargebotenen Vortheile benutzen will, wer nicht träge am Alten, in die Jetztzeit nicht mehr Passenden, haftet, kann existiren.
Am stärksten stecken noch die kleinen Betriebe des VogelsbergeS darin, denen die gute Verwerthung ihrer Producte wegen zu großer Entfernung von den Bahnlinien mangelt. Wir haben es stets als unsere angenehmste Aufgabe angesehen, hier mit Rath und That herbeizugehen und aus einer langjährigen Praxis Vorschläge zu machen; Einsender denkt: den Kleine« ««b Schwächere« muß in erster Linie geholfen werden, die Größeren Halstern sich schon von selber durch.
Mit diesen Zeilen soll daher auf einen ka«dWirthfchafUiche« Rebenvetrieb hingewiesen werden, der einträglich tft, fast kein Betriebscapttal, keine besonderen Kenntnisse und Kunstfertigkeiten, ja nicht einmal viel Arbeit erheischt und doch eine hübsche Rente abwirft, nämlich: der Anda« von Arznei« «nd Heilkräuter«.
Wenn man durch den Vogelsberg wandert, sieht man oft Grundstücke, die ganz guten Boden Haden und crtragsfähig sind, Sde liegen. Der Bauer hat Aecker genug und es kommt ihm auf einen halben Morgen nicht an. Andere lassen die Grundstücke brach liegen, damit sich die Aecker wieder kräftigen ur.d eine Düngung erspart wird. Die sogen, schwarze Brache kommt wohl nur noch in Gebirgen, wo genügender oder überflüssiger Grundbesitz ist, vor. Aber völlige Oeden sind unnöthig, wie wir gleich sehen werden, indem wir den Anbau von Arznei- und Heilkräutern besprechen.
Da ist z. B. der gemeine Kümmel und der Schwarzkümmel (nigella eativa) genannt. Er wächst auf unseren Wiesen, wird auch bei der Heuernte, etwa ein Arm voll, gesammelt und mit nach Hause genommen. Die Hausfrau braucht das Jahr über vielleicht einige Pfund oder weniger zum Verbessern der Handkäse oder beim Brod- backen u. dgl. m. Der übrige Kümmel verbleibt unter dem Heu und wird von Rindvieh, Pferden und Schafen gern verzehrt. Mit Kümmel aber tft ein lohnenderer Ertrag zu erzielen, denn er wird viel verwandt, so z. B. in der Branntweinbrennerei. Der gemeine Kümmel ist etwas anspruchsvoller als der Schwarzkümmel. Man arbeitetet das Land gut durch, düngt und sät den Samen breitwürfig im April oder August. Man kann ihn auch unter andere Pflanzen: Lein, Möhren, Gerste säen. Im zweiten Jahre wird der Samen gegen Johanni reif; die Saat soll so erfolgen, daß die Pflanzen Handbrett von einander zu stehen kommen. Der Kümmel kann auch versetzt und in Reihen verpflanzt werden. Behacken ist sehr zuträglich. Wenn Stroh und Körner braun werden, ist Samenreife vorhanden. Die Pflanzen werden ausgerupft oder abgesichelt, in Büschel gebunden, gut getrocknet und später ausgedroschen. Auf luftigen Boden, in Säcken und Fässern hält sich der eamen lange. — Der Schwarzkümmel hat dickere und größere Samenköpfe, liefert aber Samen von weniger starkem Gerüche, als der gemeine Kümmel. Dafür verlangt er aber auch nur einen mittelmäßigen, nicht gedüngten Boden.
Die Branntweinbrenner in der Wetterau verarbeiten Jaft alle Kümmel. Einsender dieses kennt wohl an die zwanzig Brennereien; ' nahezu ausnahmslos beziehen sie ihren Kümmel von außerhalb des
Landes, weil sich bei uns Niemand mit dieser lohnenden Cultur befaßt. Es geht also ein schönes Stück Geld außer Landes, das sehr wohl hier behalten werden könnte. Der gezahlte Preis deckt reichlich die Kosten der Arbeit, der Aussaat, der Düngung und laßt noch einen hübschen Reingewinn. Die Auslagen für dm Samm sind Null, denn man kann ihn bequem zur Zeit der Heuernte (etwa um Johanni) von Kindern sammeln lassen. Arbeit und Mühe aber sind durchaus nicht größer wie bei Kartoffeln, Dickwurzeln und Gemüse, wogegen Kümmel noch an Orten gezogen werden kann, die für die soeben bezeichneten landwirthschastlichen Eulturpflanzen nicht mehr geeignet sind.
Ein weiteres Heil-und Aizneikraut ist die Kamille und zwar die edle römische und die gewöhnliche deutsche Teldkamille (matricaria camomilla). Wer hat nicht schon Kamillenthke getrunken oder Kamillensäckchm aufgel.gt bekommen! Die Kamille wächst gerne in einem nicht sehr lockeren, kräftigen, etwas feuchten Bodm; frische Düngung verträgt sie nicht. Was man in die Haushaltung braucht, findet sich leicht auf den Aeckern zusammen; aber man kann sie auch in größeren Quantitäten ziehen und oortheilhaft oerwerthm. Man sät den Samen zeitig im Frühjahre und bringt ihn nur ganz flach unter. Sind die Pflanzen etwas stärker geworden und es zeigt sich Unkraut, so darf das Jäten nicht vergessen werden. Die Ernte beginnt, wenn die Pflanzen in voller Blüthe stehen. Diese Letzteren werden auf dem Speicher getrocknet. Mit den Kamillenstmgeln kann man den Schafrn ein Vergnügen machen; diese Hausthiere freffen die Stengel sehr gern und sie bekommen ihnen auch gut. Daß Kamillenthee und Kamillenextract einen bitterlich-süßen, gewürzhaften Geschmack und eine stärkende, krampsstillende Wirkung haben, ist allseitig bekannt.
Ueber einige weitere Arznei- und Heilkräuter sollen später noch einige Andeutungen folgen.
IMWh, Can»* uwb Mtwfartfrfdyaft.
Darmstadt, 26. Januar. Betriebsergebnisse der Staalsbahnen. Nach vorläufiger Berechnung betrugen im Monat December I. I. die Einnahmen:
A. Bei der Main-Neckar-Bahn: 1) Aus Personen- und Gepack- verkehr 193730 Mk. (gegen 1889 + 14750 Mk.), 2) aus Güterverkehr 280110 Mk., (gegen 1889 + 23340 Mk.), 3) aus sonstigen Quellen 55500 Mk. (gegen 1889 + 18895 Mk.). Mithin im Ganzen: 529340 Mk. (gegen 1889 + 56 985 Mk.).
B. Bei der Nebenbahn Eberstadt-Pfungstadt: Gesammteinnahme 2685 Mk. (gegen 1889 — 246 Mk ).
C. Bei den Oberhessischen Eisenbahnen:
I. Hauptbahnen: 1) Aus Personen- und Gepäckoerkehr 37155 Mk. (gegen 1889 + 1584 Mk.), 2) aus Güterverkehr 57 341 Mk. (gegen 1889 + 8471 Mk.), 3) aus sonstigen Quellen 26089 Mk. (gegen 1889 + 803 Mk.). Mithin im Ganzen: 120585 Mk. (gegen 1889 4- 10858 Mk.).
II. Nebenbahnen: a. Nidda - Schotten: Gesammteinnahme: 2582 Mk. (gegen 1889 - 159 Mk.), b. Stockheim-Gedern: Gesammteinnahme: 4100 Mk. (gegen 1889 + 279 Mk.), c. Hungen-Laubach: (Eröffnet am 1. Juni 1890) Gesammteinnahme: 1630 Mk.
Auf den Oberhessischen Hauptbahnen wurden 3247 Personen und 12274 Tonnen Güter (Eisensteine, Rüben und Braunkohlen) mehr befördert, als im December 1889, während bei der Nebenbahn Stockheim-Gedern trotzdem, daß in diesem Winter an Sonn- und Montagen zwei Züge mehr gefahren wurden, nicht nur keine Zunahme, sondern sogar eine Abnahme des Personenverkehrs (um 1052 Personen) zu verzeichnen ist.
△ A«S der Wettera«, 28. Januar. In der 49. Plenarsitzung des Deutschen Reichstages vom 22. d. M. (siehe Nr. 20 deS „®. A." vom 24. d. M.) hat der conservatioe Abgeordnete Dr. Frege eine Aeußerung gethan, die so recht aus der Seele des Heinm LandwirthS gesprochen war. Er sagte: ES möge dafür gefar«t werde«, daß der -an- kleine Landwirth, der stch mit Schweine- r«cht beschäftigt, nicht durch Bexatiome« des amerika«ische« GrotzcapitalS geschädigt werde.
Diese Ansicht paßt Wort für Wort auf unsere oberhessischm Verhältnisse. In dieser Zeitung ist wiederholt auf die Wichtigkeit der Schweinezucht für den ganz kleine« Landwirth hingewiesen worden. Es wurden Beispiele angeführt, daß kleine Landwirthe, die die Schweinezucht sorgfältig und mit Intelligenz betrieben (Rohrbach), aus zwei oder drei Multerschweinen in einem einzigen Jahre 1200 bis 1600 Mk. erzogen.
Diese tüchtigen, intelligenten Leute, deren cs glücklicherweise manche im Lande gibt, würden durch das amerikanische Grotzcapital ohne Weiteres erdrückt werden. Grade durch die besseren Preise wurden die kleinen Leute angefeuert, ihr Zuchtmaterial zu verbessern und Gutes zu leisten. Dies kommt schließlich der Allgemeinheit wieder zu Gute und wir halten uns das armrikanische Schweinefleisch, das zehnmal häufiger mit Trichinen besetzt ist als das deutsche, vom Halse.
Die Gefahr ist vorübergegangen, aber fie kann wieder kommen- Man denkt sonst vorzugsweise an den Schutz von Industrien, die noch nicht kräftig sind und sucht sie dadurch lebensfähig zu machen. Verdient denn der kleine Landwirth, der im Schweiße des Angesichts sein Brod ißt, nicht auch ein wenig Rückficht? Darum Bauer thue Deine Augen auf, wenn es Zeit ist und sorge, daß man Deiner nicht vergißt! Die. gebratenen Tauben fliegen den Leuten nicht in den Mund und wer sich träge auf die Ofenbank setzt und die Zipfelkappe über die Ohren zieht, der darf sich heutzutage nicht beklagen, wenn er vergessen wird.
Cüeratur unft Knaft.
— Kann der Mond mit der Erde rzusammenstoßen? Ueber diese für furchtsame Gemüther etwas heikle Angelegenheit spricht sich Rudolf Falb in dem soeben erschienenen zweiten Hefte der populär-wissenschaftlichen Zeitschrift „Der Siei« der $Bdf<«* (A. Hartlebens Verlag, Wien) dahin aus, daß gewisse kosmische Erscheinungen daraus Hinweisen, daß die Entfernung des Mondes von der Erde immer kleiner werde. Wir wisien ja, daß durch die gegenseitige Einwirkung der Planeten die Excentricitäten ihrer Bahnen einer beständigen Aenderung unterworfen sind und daß der betreffende Werth in Bezug des Verhältnisses zwischen Sonne und Erde gegenwärtig im Adnehmen begriffen ist. Bekanntlich beruht die Wiederkehr der Eiszeit — die die Astronomen uns verkünden — aus diesem Sachverhalt, allerdings in Cyklen (wie man annimmt) von 24000 Jahren. Auch die Entfernung des Mondes von der Erde wird immer kleiner. Nach Hansen beträgt der Werth hierfür seit den babylonischen Beobachtungen allerdings nur 600 Meter. Die Katastrophe deS Zusammenstoßes wäre sonach nur eine Frage der Zeit — wenn — nun wenn nicht eben die weiter oben erwähnten Schwankungen ein Maximum und ein Minimum hätten. Da auch die Abnahme Der Excentricität der Erdbahn eine Grenze hat und sodann wieder eine Zunahme stattfinden wird, so ist folgerichtig, daß unter der Einwirkung der Sonne der Mond sich wieder langsam entfernen wird. Man sieht also auf den ersten Blick, daß auf die durch viele Jahrtausende fortgesetzt stattfindende Annäherung des Mondes an die Erde, nach einer Epoche von 24 000 Jahren ein umgekehrtes Ver- hältniß platzgreisen wird.
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Unter Freunden wird der vorzügliche Hollältd. Tabak allseitig empfohlen, 10 Psd. fco. 8 Mk. nur direct bei B. Becker in Seese« a. Harz. 156


