Feuilleton
Ein Polizist erschien, dem von
„Gott weiß, wie gerne ich Dir
„Nichts," erwiderte er. zu Diensten wäre."
Er zog die Glocke. '
seinem Chef die Weisung wurde, die Frau zu ihrem Sohne, dem verhafteten Studenten August Augustowitsch, zu geleiten. Der Oberst sah der Abgehenden schmerzvoll nach; er ahnte, daß ihre Bemühungen vergeblich sein würden.
(Fortsetzung folgt.)
IV.
Der Oberst Iwan Kaloff war ein tapferer und tüchtiger Offizier- der Großfürst Michael hatte ihm in den russischen Laufgräben von Plewna eigenhändig das Kreuz des St. Georg- ordens auf die Brust geheftet - seine Tüchtigkeit ging ferner aus der Thatsache hervor, daß er den russisch-türkischen Feldzug im Stabe des Generals Skobeleff mitgemacht hatte, denn Skobeleff war in der Auswahl seiner Stabsosfiziere sehr schwierig. Iwan Kaloff war während des Feldzugs vom Sergeanten bis zum Obersten avancirt, eine seltene Carriere, die aber während jenes Krieges nicht vereinzelt
dastand. Er mußte daher ein sehr tüchtiger Mann und ein sehr verwegener Soldat gewesen sein.
Oberst Iwan Kaloff war ein Junggeselle. Bor langen Jahren hatte er ein Mädchen, die Tochter eines Großbauern in seiner Heimath, von ganzem Herzen geliebt, dieselbe war jedoch das Weib eines Anderen, eines deutschen Einwanderers, geworden. Obgleich dieser aber später von dem Popen des Dorfes getobter und die junge Frau somit Wittwe wurde, so hatte Iwan Kaloff dennoch seine Anträge nicht wieder erneuert. Er redete niemals von der Täuschung, die er halte erleben müssen, aber er dachte auch nie wieder ans Heirathen.
Marsa Hermann sprach dagegen unaufhörlich von ihrem Unglück, aber auch sie blieb unverheirathel. In der ersten Zeit nach des Gatten Tod blieb sie mit ihrem Sohne noch in dem Hause wohnen, welches August hatte erbauen lassen- später aber, als der Knabe, August Augustowitsch, soweit herangewachsen war, daß er die Schule besuchen mußte, siedelte sie nach Kiew über, und zu der Zeit, wo der Oberst Kaloff zum Polizeipräsidenten dieser Stadt ernannt wurde, befand August Augustowitsch sich ebendaselbst auf der Universität.
Die Universität Kiew war damals und ist heute noch eine der Hauptbrutstätten des Nihilismus, Oberst Kaloff machte sich die Ueberwachung derselben daher zu einer besonderen Aufgabe. Eines Tages kam er hinter die Schliche einer ganz neuen nihilistischen Bereinigung und es währte Nicht lange, so saß die ganze Gesellschaft hinter Schloß und Riegel. Am Morgen nach der Festnahme der jungen Leute ließ sich eine Frau bei ihm melden.
Es war eine Bittende.
„Du hast meinen Sohn sestnehmen lassen, Väterchen, o, gib mir den Knaben zurück!" flehte sie, als sie vor dem Polizeipräsidenten stand. „Ich bin cihe Wittwe und er ist mein einziger."
Die Stimme der Frau klang ihm seltsam ins Ohr. Er schaute sie aufmerksam und durchdringend an.
„Tritt hier herein," sagte er zu ihr, die Thüre zu seinem Privateabinet öffnend. Sie waren allein. „Du bist Marfa Michailowna." Seine Stimme bebte ein wenig.
„Ja, — aber wer bist Du?" rief sie betroffen, indem sie in seinen Zügen zu lesen versuchte.
Der Präsident lächelte düster.
„Ich bin Iwan Iwanowitsch," antwortete er.
Marfa Hermann sank vor ihm auf die Kniee.
„Iwan, o Iwan!" schluchzte sie. „Gib mir meinen Knaben wieder — Augusts Sohn — er ist mein einziger, mein alles in der Welt!"
Sie umfaßte in inbrünstigem Flehen die Kniee des Gewalthabers- der aber hob sie erschüttert aus und schaute ihr dann, ihre beiden Hände festhaltend, lange ins Gesicht.
„Also August Augustowitsch ist Dein Sohn," sagte er nach einer Pause. „Das wußte ich nicht. Ich freue mich, daß Du zu mir gekommen bist, Marfa, — Deines Sohnes Rettung aber liegt allein in Deiner Hand — verstehe mich recht. Du mußt ihn überreden, sich dem Gerichte als Kronzeuge anzubieten, das heißt, er muß freiwillig alle seine Mitschuldigen angeben. Käme dieser Rath von mir, so würde er ihn von sich weisen, auf Dich aber, auf seine Mutter, wird er hören, das glaube und hoffe ich."
„Ich wills versuchen," entgegnete Marfa traurig. „Er ift mir bis aus den heutigen Tag noch niemals ungehorsam gewesen — Du kannst sonst nichts für ihn thun?"
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Vsler Mxei, der Pope.
Eine russische Geschichte von Friedrich Meister.
(5. Fortsetzung.)
„Du hast recht," sagte Alexis Naprarschin, der Präsident des Gerichtshofs. „Der Schein ist gegen Dich, alle Judicien sind gegen Dich. Du bist der Mörder des August Hermann, darüber kann nicht der leiseste Zweifel bestehen. Beweggründe zu der That lassen sich nicht erbringen, dieselbe ist, soweit wir den Fall überschauen, in einer Aufwallung des Zornes geschehen. Da mithin die vorherige Ueberlegung und der böse Wille fehlen, da anderseits auch Dein bisheriger Lebenswandel ein vorwurfsfreier gewesen ist, so wollen wir mit Rücksicht hieraus das leichteste Straßmaß anlegen. Wir verurtheilen daher Dich, Alexei Alexandrowitsch, zu Gesängnißstrafe auf Lebenszeit."
Vater Alexei athmete tief und schwer auf.
„Gesängnißstrafe auf Lebenszeit!" wiederholte er laut. Dann verneigte er sich vor den Richtern. „Ich danke Euch, Väterchen," lallte er halb unverständlich, „aus Leb--"
er unterbrach sich — „ich danke Euch, Väterchen —" dann brach er zusammen.
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1891
Sonntag den 1. Februar
Zweites Blatt
Nr. 27
Gießener Anzeiger
Kenerak-Anzeiger
Amts- un& Anzeigedtatt fth? den Nreis Gieren
Gratisbeilage: chießener Iamikienökätter.
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Amtlicher Shell
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Köhler, Langsdorf,
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Sommerlad, Wieseck,
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Görlach, Eberstadt;
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Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für den Ulgnbcn Tag erscheinenden Nummer bi- Borm. 10 Uhr.
Bopp, Bellersheim, Balser, Albach,
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Hüttenbesitzer Buderus, Lollar, Fabrikant Georgi, Gießen, Oberbürgermeister Gnauth, Gießen, Rentner Aug. Heß, Gießen, Rechtsanwalt Hirschhorn, Gießen, Fabrikant M. Hornberger, Gießen, Gemeinde-Einnehmer Lang, Wieseck,
Heinrich Velten III., Großen-Linden, Apotheker Welker, Allendorf a/Lda.,
4) der Kreisingenieur Stahl,
5) der Protoeollführer Kreisamtsgehülse Becker.
1)
2)
Gutspächter von Oven, Hungen,
Adalbert Freih. von Nordeckzur Rabenau, Friedelhausen,
Bürgermeister Roth, Muschenheim,
Die Gießener
WamilienStäller »erden dem Anzeiger Wöchentlich dreimal beigelegt.
manu Nebel, das Wort. Derselbe theilt mit, daß Seitens des Kreistagsabgeordneten Velten von Großen-Linden ein Antrag auf Bildung von drei Köreommissionen eingegangen sei. Der Vorsitzende stellt diesen Antrag zur Diseussion.
Nachdem die Herren Heß, Bopp, von Oven, Freiherr von Rabenau, Hirschhorn und Velten bezüglich dieses Antrages gesprochen hatten, wird derselbe durch den Vorsitzenden zur Abstimmung gebracht und einstimmig angenommen.
Zur Verständigung über die zur Wahl vorzuschlagenden
Alle Annoncen-Bureaux des In- und AnSlande- nehm« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
1) Rechtsanwalt Hirschhorn, Gießen,
2) Fabrikant Hornberger, Gießen, bestimmt und der zum Protoeollführer für den Kreisausschuß ernannte Kreisamtsgehülse Becker in dieser Eigenschaft für den Kreistag bestätigt und durch den Vorsitzenden mittelst Handschlag verpflichtet.
Der
Gießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme de- Montag-.
Nachdem der Vorsitzende die Sitzung eröffnet, die Versammlung begrüßt und die Beschlußfähigkeit derselben durch Feststellung der Präsenzliste conftatirt hatte, werden aus seinen Vorschlag per Aeelamation als Urkundspersonen für die heutige Sitzung die Herren:
Der Kreistag spricht sich noch dahin aus, daß Selbstzüchter von Bullen zu Mitgliedern der Körcommission prin- eipiell nicht gewählt werden sollen.
2) Crg'änzuugswahlen für die Musterungs- und Au8hebungs> Commissionen zur Beschaffung der Mobilmachungspferde.
Aus Vorschlag des Kreisausschuffes werden in die Musterungs-Commissionen per Aeelamation gewählt:
a. für den Bezirk Lich: als Mitglieder:
1) Bürgermeister Bopp, Bellersheim,
Hierauf wird in die Tagesordnung eingetreten.
Neuwahl der Körcommisfiouen des Kreises für drei Jahre (Art. 6 des Gesetzes vom 26. October 1887).
Der Vorsitzende ertheilt dem Resereuten, Großh. Amt-
2) Rentner Fr. Georgi, Gießen -
II. für den Körbezirk Hungen-Lich:
b. für den Bezirk Wieseck: als Mitglieder: Gutsbesitzer Sch lenke, Hardthof, Friedrich Helfrich, Gießen, Heinrich Schadeck III., Lollar - als Ersatzmänner: Joses Güngerich, Gießen,
I. sür den Körbezirk Gießen: als Mitglieder:
Heinrich Velten III., Großen-Linden, Beigeordneter Schad eck, Lollar, als Stellvertreter:
Johann Weber V., Lang-Göns,
III. für den Körbezirk Grüuberg: als Mitglieder:
Bürgermeister Faul st ich, Weitershain, Administrator Hermann, Winnerod- als Stellvertreter:
Oeevnom I. Wolf, Villingen, Bürgermeister Stein, Keffelbach.
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Geschehen Gießen, 24. Januar 1891.
Fünsundzwanzigstc Sitzung des Kreistags des Kreises Gießen.
Gegenwärtig:
1) Der Vorsitzende, Großh. Provinzial-Director Freiherr von Gagern,
2) Großh. Amtmann Nebel,
3) die Kreistagsmitglieder: Bürgermeister Bender, Hungen,
1)
2)
Personen läßt der Vorsitzende eine kurze Pause eintreten.
Nach deren Beendigung wurden per Aeelamation wählt:
Bekanntmachung.
Gemäß § 39 der Kreisordnung wird nachstehend das Protoeoll über die am 24. d. Mts. stattgehabte ordentliche Sitzung des Kreistags des Kreises Gießen zur öffentlichen Kenntniß gebracht.
Gießen, 29. Januar 1891.
Der Vorsitzende des Kreistags des Kreises Gießen, v. Gagern.
Vierteljähriger Akounementrprei» i 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Pfg.
Nedaction, Expedition und Druckerei:
KchutstraßeVr.H« Fernsprecher 51.
3) Oberverwalter Erb, Lich- als Ersatzmänner:
1) Pachter Kammer, Bellersheim,
2) „ Karl Hofmann, Hof-Gill,
3) Bürgermeister Görlach, Eberstadt -
„ Maid, Watzenborn,
als Mitglieder: Bürgermeister Bopp, Bellersheim, „ Köhler, Langsdorf, als Stellvertreter:
Bürgermeister Roth, Muschenheim,
2) Fabrikant Georgi, Gießen,
3) Bürgermeister Geißler, Lollar-
c. für den Bezirk Grünberg: als Mitglieder:
1) Posthalter Prinz, Grünberg,
2) Ernst Zimmer, Lauter,
3) Bürgermeister Faulstich, Weitershain - als Ersatzmänner:
1) Pachter Cloch, Appenborn,
2) Heinrich Zimmer II., Grünberg,
3) Wirth Hofmann, Grünberg -
d. für den Bezirk Gro ßen-Linden werden die seitherigen Mitglieder und Ersatzmänner wieder- gewählt.
Zur Pferde-Aushebungs-Commission werden sodann, entsprechend dem Vorschlag des Kreisausschuffes, per Aeelamation gewählt:
als Taxatoren:
1) Gutsbesitzer Schlenke, Hardthos,
2) „ KarlMüller, Neuhof bei Leihgestern,
3) Stallmeister Balser, Gießen -
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