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30.7.1890 Zweites Blatt
 
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Nr. 175

Donnerstag den 30. Juli

1890

ießener Anzeiger

Kenerat-Mzeiger

Amts- unb Anzrigeblutt für den ALreis Giefzen.

chratisöeitage: Hießmer Kamikienökätter

Alle Annonvm-Bureaux des In- und Auslandes nehm« Anzeigen für denGießener Anzeiger- entgeg«.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Sonn. 10 Uhr.

Redactton, Expedition und Druckerei:

-chntstraßeMr.^

Fernsprecher 51.

dierteljährher AdonnementspreßAH 2 Mark 20 Pfg. mH Bringerlohn. Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Pfg.

Die Gießener MamtttenSkLtter »erden dem Anzeiger Wöchentlich dreimal beigelegt.

Der

Hießener Anzeiger erscheint täglich, *tt Ausnahme des Montags.

Amtlicher Ltzeil.

Bekanmmachung.

Nachdem die hi drei Stallungen zu Ober-Hörgern aus­gebrochen gewesene Maul- und Klauenseuche wieder erloschen ist, heben wir neben der Sperre der verseuchten Gehöfte die über die Gemarkung Ober-Hörgern verhängte Sperre hier­durch aus.

Gießen, am 29. Juli 1890.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Bekanntmachung.

Die zu Dreihausen und Hachborn im Kreis Marburg ausgebrochen gewesene Maul- und Klauenseuche ist wieder erloschen.

Gießen, den 29. Juli 1890.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern._______

Deutscher Reich.

Darmstadt, 29. Juni. Das heute ausgegebene Groß­herzogliche Regierungsblatt (Beilage Nr. 20) ent­hält u. A.:

Oeffentliche Anerkennung einer edlen That. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben dem Pionier Hermann Seibel von der 2. Compagnie Hessischen Pionier-Bataillons Nr. 11 zu Mainz in Anerkennung der von demselben am 22. Juni mit Muth und Entschlossenheit bewirkten Rettung der Helene Hammacher aus Mainz vom Tode des Ertrinkens eine Geld­prämie zu verleihen geruht, was hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht wird.

Ordensverleihungen. Seine Königliche Hoheit der Groß­herzog haben Allergnädigst geruht: Am 12. Juli der Maria Geiß aus Breitenborn, z. Zt. in Stellung bei Kaufmann Moritz Heidelberg in Offenbach, die Silberne Medaille des Ludewigsordens, am 24. Juli dem Forstmeister des Forstes Lorsch Dr. Eduard Heyer daselbst das Ritterkreuz 1. Klasse des Ludewigsordens zu verleihen.

Zulassung zur Rechtsanwaltschaft. Am 21. Juli wurde Rechtsanwalt August Wagner zu Lauterbach zur Rechts­anwaltschaft bei dem Amtsgericht Schotten zugelassen.

Aufgabe der Zulassung zur Rechtsanwaltschaft. Rechts­anwalt August Wagner zu Lauterbach hat die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft bei dem Amtsgerichte Lauterbach auf­gegeben.

Concurrenzeröffnungen. Erledigt sind: Eine mit einem kath. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule

zu Framersheim mit einem Gehalte von 900 Mk. Eine mit einem evangel. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Roßdorf mit einem nach dem Dienstalter sich bemessenden Gehalte von 1000 bis 1500 Mk. Dem betreffenden Lehrer können die Functionen eines Oberlehrers an dieser Schule übertragen werden.

Berlin, 28. Juli. Generalseldmarschall Graf Blumen­thal feierte am Mittwoch in erfreulicher geistiger Frische und verhältnißmäßiger körperlicher Rüstigkeit seinen 80. Ge­burtstag, aus welchem Anlasse dem Jubilar auch aus weiteren Kreisen zahlreiche Zeichen herzlicher Theilnahme zugingen. Möge dem berühmten Heerführer, der in zwei großen Kriegen seinem König und seinem Vaterland so hervorragende Dienste geleistet bat, noch ein langer und beschaulicher Lebensabend beschieden sein!

Die Ankunft des Fürsten Bismarck in Kissingen wird demnächst erwartet. Wie in den früheren Jahren, so sind dem Fürsten auch diesmal während seines Kissinger Cur- aufenthaltes infolge Anordnung des Prinz-Regenten königlich bayerische Hoswagen nebst Pferden und der nöthigen Be­dienung zur Verfügung gestellt worden und bereits nach Kissingen abgegangen.

Die Besserung im Befinden des Reichscommissars Major v. Wißmann schreitet langsam fort; am Samstag konnte er zum ersten Male wieder eine Stunde außerhalb des Bettes zubringen.

Neueste Nachrichten.

WolffS telegraphisches Tnrrespondenz-Bureau.

Berlin, 29. Juli. DerNorddeutschen" zufolge begleiten Prinz Heinrich und Prinz Albert von Sachsen-Altenburg den Kaiser nach Petersburg.

Der Kaiser schenkte der t h i e r ä r z t l i ch e n H o ch - schule anläßlich ihres hundertjährigen Bestehens sein Oelbild für die Aula.

Wilhelmshaven, 29. Juli. Der Kaiser hörte gestern den Vortrag des Generalmajors Bogel von Falken st ein in Vertretung des Kriegsministers, sowie den Admiral Holl­manns, empfing heute den Vortrag des Reichskanzlers und wohnte dem Lause des KriegsdampfersPelikan" bei und folgte einer Einladung des Seeosfiziercorps. Nachmittags gedenkt der Kaiser den Vortrag des Chefs des Civilcabinets entgegenzunehmen.

Der Finanzminister Miquel ist zum Bundesraths­bevollmächtigten ernannt.

Wilhelmshaven, 29. Juli. In Gegenwart des Kaisers erfolgte der glückliche S t a p e l l a u f eines Transportdampsers;

er erhielt bei der durch Viceadmiral Paschen vollzogenen Taufe I den NamenPelikan".

Wilhelmshaven, 29. Juli. Der Kaiser und Prinz Heinrich dinirten nach dem Stapellaus desPelikan" iin Marine-Kasino. An dem Diner nahchen die Admiräle, Com- mandanten und Bauleiter desPelikan", die Oberbauräthe Guijot und Bauk, sowie die Marinebaumeister Giese und Nott Theil.

Friedrichsruh, 29. Juli. Fürst Bismarck ist heute Mittag mit dem Grafen Herbert zunächst nach Schönhausen abgereist; sodann nach Kissingen. Am Bahnhof wurden ihm von einem zahlreichen Publikum lebhafte Ovationen entgegengebracht. Die Fürstin ist gestern Abend nach Homburg abgereist.

Frauenfeld, 29. Juli. Bei dem Schützensestbanket wurde ein Brief des Ausschusses des 10. deutschen Bundesschießens in Berlin verlesen mit den besten Wünschen für den schönen Verlauf des nationalen Festes. Horn (Nürnberg) brachte ein Hoch aus die Festleitung wegen des den deutschen Schützen bewiesenen Entgegenkommens aus.

Garen, 29. Juli. In Küttig en, wo kürzlich zweimal Feuersbrünste waren, entstand gestern Abend abermals Schadenfeuer. Vier Wohnhäuser sind abgebrannt, sieben Familien obdachlos.

Wien, 29. Juli. DasFremdenblatt" bezeichnet die Meldung eines hiesigen Blattes, Prinz Ferdinand habe i die Rückkehr nach Bulgarien von der Zustimmung der Regie- I rung zum Eintritt österreichischer Offiziere in die bulgarische Armee abhängig gemacht, als vollständig erfunden. Die Meldung habe lediglich die Tendenz, in den Balkanländern Beunruhigung und Mißtrauen gegen Oesterreich-Ungarn zu verbreiten.

Paris, 29. Juli. Im Ministerrathe theilte Con­stans mit, er werde die Interpellation Lefemes, betreffs Aus­wanderung nach' Argentinien Donnerstag beantworten, hier­bei werde er eine Gesetzvorlage ankündigen, wodurch die Auswanderer vor den schwindelhaften Auswanderungs-Agenten geschützt werden sollen. Der DampferKergülen", welcher sich gegenwärtig an der Dahomeyküste aufhält, wurde nach Buenos Aires beordert. Mehrfach aufgetretene Mel­dungen, wonach das französisch-englische Ueb er ein­komm en bereits unterzeichnet sein sollte, werden offiziös dementirt. Die Verhandlungen nehmen ihren regelmäßigen. Gang.

Bordeaux, 29. Juli. Der heute Nacht in der Säge­mühle und Holzniederlage Bourges ausgebrochene Brand dauerte bis Mittags fort. Der Schaden beträgt 2 800 000 Francs.

London, 29. Juli.^ Im Unterhaufe verlas Fer- guffon zwei Telegramme aus Buenos Aires. Eines vom 28. Juli, 2.30 N., besagt, daß die Waffenruhe bis zum 29. Juli zwei Uhr verlängert und der Präsident Celman in

Feuilleton.

Ein Studentenstreich.

Humoreske von W. Achilles.

Es war zu Anfang des Sommersemesters, als das Uni- versitätsgerichr zu H. verschiedene Anzeigen über die Schulden­last der Studentenverbindung N. erhielt und sich demnach veranlaßt sah, dem ersten Chargirten die Mittheilung zu machen, im Falle die Gläubiger nicht bald befriedigt würden, die Auflösung der Verbindung verfügen zu müssen. Das war eine trübe Aussicht, denn gegen Ende des Semesters wollte letztere gerade mit möglichstem Glanze das 25jährige Stif­tungsfest feiern. Geld war nicht in der Kaffe zur Befrie­digung der hungrigen Manichäer und die einzelnen Mitglieder hatten auch mehr Schulden als Baarvermögen. Unter solchen Umständen richteten sich Aller Blicke Rettung hoffend auf den stuck, jur. Kiese, dem man in Anbetracht seiner außer­gewöhnlichen Findigkeit das schwere Amt des Kassenwartes übertragen hatte.

Brüder!" begann dieser in gehobener Stimmung am Anfang des nächsten Kneipabends, welcher der niederschlagenden Nachricht der akademischen Behörde folgte,wir werden siegen. Den Grundstein habe ich zum schwierigen Werke schon gelegt, ich habe unseren Hausbesitzer heute eingeladen. 9 Ich darf Euch bitten, ihm recht höflich zu begegnen, ihn aus­gesucht fein zu behandeln und hauptsächlich, wenn Ihr Euch in das Gespräch, welches ich mit ihm führe, mischt, auf das, was ich sage, einzugehen."

Jeder war gespannt, welche Absichten Kniese damit ver­band, denn den Hausbesitzer, der Gemüsehändler war, außer­dem für ungebildet und als erste Klatschbase in der Stadt galt, an der Kneiptafel zu haben, angenehm war das keines­

wegs. Allein man versprach zu folgen und nicht lange wurde gewartet, als der Geladene erschien.

Endlich, endlich, Papa Römer," eilte ihm Kiese ent­gegen,Sie haben lange auf sich warten lassen. Bitte, setzen Sie sich zu mir. Ich darf mir das Vergnügen bereiten, Ihnen unsere neuen Füchslein vorzustellen, die anderen Herren sind Ihnen ja wohl schon aus früherer Zeit bekannt. Hier Herr Reichenau, Herr von Uhlendorff und schließlich hler Herr Levysohn, Sohn des bekannten Bankiers in Moskau. Uebrigens den Namen des letzteren werden Sie gewiß schon aus der Geschichte gehört haben," fuhr vertraulich im leisen Zwiegespräche Kiese fort.Der Großvater von Levysohn ist jener berühmte Börsenmann gewesen, der in den Freiheits­kriegen Alexander I. ohne weitere Sicherheitsleistung zwölf Millionen Rubel gewährte. Er sollte dafür geadelt werden, schlug es jedoch dankend ab. Wir haben eine herrliche Acquisition gemacht, mein lieber Römer."

Dieser war starr vor Staunen, während Kiese in leut­seligster Weise fortfuhr:

Wissen Sie, ein Glück haben wir diesmal, ein Glück! Wir haben auch noch den Sohn des berühmten Staatsmannes Z. in unserem Kreise zu erwarten, dessen Vater uns schon zu unserem Stiftungsfeste mit feiner hohen Gegenwart be­ehren wird. Wir müssen uns deßhalb sehr stark anstrengen, neue Decorationen kaufen, uns auch ein eigenes Heim schaffen. Wir wollen nämlich" dabei schaute Kiese Römer so fragend anuns ein Haus kaufen."

Nichts konnte Römer mehr srappiren als dieses, suchte er doch sein eigenes schon seit Jahren vortheilhaft zu verkaufen.

E nee," wiederholte er,Se wolln sich e Haus koofen?

Ja, gewiß. Das Geld wird uns vom Vater des Levy­sohn zur Verfügung gestellt. Wir wissen nur noch nicht, in welcher Gegend wir wählen sollen."

Ich würde am liebsten," fuhr der Fuchsmajor verständ- nißinnig dazwischen,hier bleiben. Ich habe mich einmal hierher gewöhnt."

Sehn Se, Sie habn recht, Sie habn recht. Wie viel will denn eegentlich der alte Herr Levysohn gäbn?"

Ach, das kommt ja hier," erklärte, vom Fuchsmajor angeregt, Füchslein Levysohn,auf zehn- oder zwanzigtaufend Mark nicht an. Wenn mein Vater mir dadurch eine Freude bereiten kann, so spielt eine derartige Kleinigkeit keine Rolle."

Herr Bankier Levysohn will uns nämlich daS Haus zu unserem fünfundzwanzigjährigen Stiftungsfeste schenken. Wir haben also zum Suchen noch bis gegen Mitte August Zeit," fügte der Fuchsmajor erläuternd hinzu.

Heern Se, Sie habn wohl e Hauptwort mit in die Geschichte nein zu reden, Herr Kiese?" frug Römer vertraulich.

Gewiß, ich bin jetzt sogar Kassenwart geworden."

Da habn Se wohl den ganzen Koof ooch fast ganz alleene abzumachen?"

Nun, auf mich wird es wohl hauptsächlich ankommen."

Brüstchen, Herr Kiese, uff Ihr Wohl! Heern Se, da sin Se nu schon zwee Jahre da un habn mich noch nich eenmal besucht, s is doch eene Sinde und Schande."

Aber wie sollte ich zu der Ehre kommen?"

Nu, mer habn uns doch schon öfter gesehn un ge­sprochen. Dhun Se mer den Gefalln, s baßt grade recht hibsch, komm Se morgen zum Sonndage zum Mittagseffen zu mer. Ich habbe heite eene recht hibsche fette Ente gekooft."

Das kann ich unmöglich annehmen."

Ach, machen Se doch keen Summs, ich bin Se sonst wärklich beese, ich habbe doch ooch Ihre Einladung an­genommen."