Ausgabe 
30.5.1890
 
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berg verwechseln ober in einen Topf werfen. Wir glauben keineswegs überhebend zu sein, wenn wir diesem Schnaps­artikel des Grenzboten gegenüber die Behauptung ausstellen: e§ dürfte sich kaum eine Gegend in unserem weiten Vater­lande finden, in der die Bewohner fleißiger, ehrbarer und anspruchsloser wären als in unserem Vogelsberg. Viel zu weit würde es führen, wollten wir die uns zu dieser Be­hauptung zur Verfügung stehenden Nachweise veröffentlichen, nur darauf Hinweisen möchten wir, daß der Vogelsberger überall in den Städten und selbst beim Militär gesuchter und beliebter ist als irgend der Bewohner einer anderen Gegend. Jedenfalls deshalb, weil er so tapfer Schnaps trinken kann! Wohl ist der Branntwein das nöthigste Getränk des Mannes, hauptsächlich des Arbeiters, im Vogelsberg und wird Ls auch so lange bleiben, bis einmal die Schlehenhecken Trauben tragen. Aber wozu gebraucht er den Schnapstrank in der Regel? Nur um die lahm gewordenen Kräfte wieder frisch anzuregen und um sich zu stärken für die harte Arbeit seiner Gegend. Sein karger Verdienst, seine materielle Lage läßt es nicht zu, daß er Bier trinkt oder gar Rheinwein ober Champagner (wie die Redaetion sehr richtig bemerkt). Auch ist der Vogelsberger Bauer viel zu sparsam, als daß er das theure Bier tränke. Man frage nur die Branntwein­eonsumenten, wie der Schnapsverbrauch seit seiner Vertheuerung so erheblich nachgelassen habe. Notorische Trinker gibt es allerdings überall Ausnahmen von der Regel aber mir ihnen die ganze biedere Bewohnerschaft auf einen Fuß stellen zu wollen, das heißt doch, das Kind mit dem Bade ausschütten. Wenn der Herr Berichterstatter der Grenzboten sein Lebtag so sparsam bleifit, so anspruchslos ist und so bescheiden und zufrieden lebt als die Kernbevölkerung unseres Vogelsbergs, dann wird er bei seinem Gehalt nicht nur ein reicher, sondern auch ein glücklicher !9uum werden.

Vermischte-,

* Wetzlar, 28. Mai. Der gestrigen Hiobspost aus Leun find wir genöthigt, heute eine neue hinzuzusügen. Heute Morgen kurz vor 12 Uhr unternahm wie uns erzählt wird eine Gesellschaft von 5 Personen eine Spazierfahrt in dem leichten Segelboot, welches der Schiffszimmermann Gustav Sander an der Lahnbrücke vor dem Hauserthor zum Verleihen bereit hält- Sander befand sich, so heißt es, mit in dem Boot. In Folge irgend eines Unfalles, vielleicht auch Ungeschicks schlug das Fahrzeug um und sämmtliche Insassen fielen in das dort sehr tiefe Wasser. Einer der­selben, der Steinhauer Anton H., schwamm ans Ufer, von wo ans es ihm gelang, einem anderen Insassen aufs Land zu helfen. Zwei andere Personen wurden durch die aufopsernde An­strengung der Herren Fabrikbesitzer Packard, welche sich zufällig in der Nähe befanden, gerettet. Nur der arme Besitzer des Bootes, Schiffszimmermann Sander, ein sehr braver Mann,

der seinen bescheidenen Verdienst durch das Ausleihen von Schiffchen zu verbessern bemüht ist, fand den Tod in den Wellen. Als der Berichterstatter bei der Unglücksstelle an- langte, wo die Affaire in allen möglichen Variationen erzählt wurde, fanden Wiederbelebungsversuche statt, welche leider nicht den gewünschten Erfolg hatten. Die herzugeeilten Aerzte konnten nur den Tod des Ertrunkenen seststelleu. So bedauerlich der Unglückssall für die Familie des Betroffenen auch ist, so darf es doch immerhin als erfreulich gelten, daß durch das opfermuthige Eintreten der genannten um die Rettung der übrigen Insassen des Fahrzeuges hochverdienten Persönlichkeiten eine weitere Ausdehnung des tiefbedauerlichen Unfalles verhindert worden ist. W. Anz.

* Ehringshausen, 28. Mai. In der Holzschneiderei der Herren Deutgen & Co. hierselbst entstand heute Morgen gegen i/25 Uhr aus bisher unaufgeklärter Ursache ein Brand, welcher anscheinend in dem Maschinen- und Kesselhaus des Etablissements seinen Ausgang genommen hatte. Glücklicher­weise gelang es dem raschen und thatkräftigen Eingreifen der hiesigen Feuerwehr, einer weiteren Ausdehnung vorzubeugen und das Feuer bald gründlich zu dämpfen. Wie es heißt, haben nur die anstoßenden Comptoir- und Schlafstellenräume einigen Schaden gelitten. Der Betrieb wird bereits morgen wieder anfgeiiommen werden können.

* Das Opfer seines Edelmuthes ist in der Nacht zum 24. d. M. der Briefträger Benick in Berlin geworden. Wie ber Polizeibericht melbct, sprang ein Mann in der Trunken­heit nahe ber Kottbuser Brücke in ben Landwehr-Canal. Um ihn zu retten, sprang Benick ihm nach und ertrank, während der Betrunkene von dem Wächter gerettet wurde.

* Cassel, 27. Mai. Zeugen eines schrecklichen Ereignisses waren die Passagiere des am Tage vor Pfingsten verkehren­den Frankfurt-Casseler Nachmittags-Personenzuges, welcher um V29 Uhr Abends hier eintrifft. In der Nähe des Dorfes Trockenersurt (zwischen den Stationen Zimmersrode und Borken) läuft angesichts des herannahenden Zuges noch ein Mann über die Schienen, ber Loeomotivsührer giebt mit ber Dampfpfeife ein Warnnugssignal, auch sofort Contrebampf, um den Zug zum Stehen zu bringen; indessen die Entfernung ist zu kurz, der Unglückliche wird von der Maschine noch ersaßt und mit solcher Wucht zur Seite geschleudert, daß der Tod alsbald eintrat. Der Getödtete war ein etwas geistig gestörter, gut fituirter Bauer, welcher zweifellos das Heran­nahen des Zuges nicht rechtzeitig bemerkt hat.

*Paris, 27. Mai. Im Irrenhaus von Bieetre, in welchem auch Verbrecher untergebracht werden, deren Geistes­zustand beobachtet werden soll, brachen gestern 6 Geisteskranke ans ihren Zellen aus, überwältigten die Wärter und befreiten bie übrigen Kranken. Dann zertrümmerten sie alle HauS- geräthe, Gasröhren 20. und bemächtigten sich aller Messer, ! Rasirmesser und sonstiger Waffen, welche sie in ben Zimmern

Gottesdienst der israelitischen KeligionsgeseUschaft.

Freitag Abend 7* Uhr, Samstag Vormittag 8°° Uhr, Samstag Nachmittag 400 Uhr, Samstag Abend 860 Uhr-

verkehr, £anfc* und volk-wirthschufr.

Limburg, 28. Mai. l Fruchtmarks. Rother Weizen JL 18.05, wetfter Weizen JL, Korn Jt. 13 70, Gerste «At 12.10, Saat- Gerste AL 0U.00, Hafer AL 8.65, Erbsen AL 00.00, Kartoffeln AL 0-00.

' Burkin-Ltoff, genügenb zu einem mjufle, reine ffiote, nadelfertig, zu AL 5.85 X für eine Hose allem blos AL 23o durch das Buxklo-Fabrik-Depöt ©ettittflec & Co., Frank- futt a. M. Muster-Auswahl umgehend franco. 1116»

Temperatur der Lahn und der Lust am 29. Mai, Vormittags zwischen 11 und 12 Uhr: Wasser 15, Luft 15^ Gr.

Rübsamen.

Sctzöf^snnch richten.

Bremen 27. Mai. sPer transatlantischen Telegraph.) Der Schnelldampfer Elbe, Eapt. E. Thalenhocst, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 17. Mai von Bremen und am 18 Mai von Southampton abgegangen war, ist heute 4 Uhr Morgens wohlbehalten in Newyork angekommen. ~

der Wärter fanden. Einige Kranke saßen, als die inzwischen herbeigeru'enen Schutzleute ankamen, auf ber Ulnfassungs- maucr ber Anstalt unb warfen mit allerhand Gegenständen um sich. Man mußte das Gebäude stürmen und die Meuterer mit der Feuerspritze begießen; dann erst ergaben sie sich und wurden sofort in Zwangsjacken gesteckt.

* Aus ber bayrischen Nahrnngs- unb Genußmittel- Aus­stellung zu Würzburg vom 10. bis 16. Mai bs. Js. würbe bem Bürgerlichen Brauhaus Zell Würzburg für hervorragcnbe Leistung bie goldene Medaille und ein Chren- diplom als höchste Auszeichnung zu Theil.__

Entscheidungen des Reichsgerichts.

_ Die Verrückung oder Wegnahme eines in vorfchrijlsmätziger Weise gesetzten GrenzzeichenS, welches nicht die Abgrenzung des EtgenthumS, sondern der an verschiedenen Personen aus tangere oder kürzere Seit verpachteten Theilstucke des Eigenthums bezweckt, fallt nach einem Urtheil des Reichsgerichts, II. Strafsenats, Januar 1890, unter die Strafbestimmung des $ 274 Z. 2 des St.-G.-B. ( Mit Gefängniß . . . wird bestraft, wer einen Grenzstein ... in der Absicht, einem Anderen Nachtheil zuzusügen, wegnimmtt :c.).

- Der Zahlung einer fälligen Hhpothekenschuld steht, nach einem Unheil des Reichsgerichts, V. Etvllsenats^.vorn 22. März 1890 im Geltungsbereich des vreutztfchen Rechts als Gegenleistung das Recht auf Quittung resp. Cession und auf Rückgabe des Hypo- thekendocuments gegenüber. Wird diese Gegenleistung verweigert oder von unzulässigen Bedingungen abhängig gemacht, so kann sich der Schuldner von seiner Verbindlichkeit durch Hinterlegung der Schuldsumme befreien, auch wenn wegen eines zwischen den Jnter- . fsenten streitigen Rechtsverhältnisses der Empfänger der Zahlung zur Seit noch nicht angegeben werden kann.

Verdingung.

Für die Pflasterung der Ladestraße auf Babnhof Marburg und ber Zu­fuhrstraße auf Bahnhof Treysa soll die Lieferung von rund 1000 cbm Pflastersteinen im Ganzen oder in einzelnen Loosen verdungen werden.

Hierzu ist Termin auf

Sonnabend den *1» Juni,

Vormittags 11 Vs Uhr, im Geschäftszimmer des Unterzeich­neten festgesetzt.

Die Bedingungen sind gegen freie Einsendung von 0,5 <X von hier zu beziehen.

Versiegelte und mit entsprechender Aufschrift versehene Angebote sind bis zum genannten Tag portofrei einzu- fenben.

Marburg, am 20. Mai 1890. Königliche Eisenbahn-Bau-Jnfpection.

Schwamborn. (4572

Holzversteigerung in dem Mdheimer Walde. Mittwoch den 4. Juni l. I. sollen öffentlich versteigert werden:

7 Fichten - Stämme 1 00 fm (Sparren),

8 Fichten-Stangen 0.36 fm,

1.5 rm Buchen-Prugelholz, 32.5 rm Eichen-Reiserprugelholz (Schälholz),

205 rm Eichen- Ul d 2 rm Buchen- Reiserholz.

Zusammenkunft Vormittags 9 Uhr im District Hinterwald.

Arnsburg, den 24. Mai 1890.

4653 Gräfl. Revierverwaltung.

Versteigerung.

Samstag den 31. Mai l. Js., Nachmittags 2 Uhr, versteigere ich im Gasthauszum Adler" dahier, Markt­platz 20:

1 Sopha mit 6 Sesseln, 1 Schreib- secretär, 2 Verticows, Commoden, Kleiderschränke, Tische, Sophas, Spiegel, Bilder, Nähmaschine, 5 Bet­ten, goldene und silberne Taschen­uhren, Juwelen. 2 Oeconomiewagen unb andere Sachen.

Die Versteigerung bezüglich eines Theils dieser Mobilien findet bestimmt statt.

Born,

4692 Gerichtsvollzieher in Gießen.

2684

Preisen.

Anna Roth

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CriM-Eis

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Marburgerstraße 83.

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Mein Eiswagen geht vom 1. Mai ab täglich. Den geehrten Kunden und Abnehmern meine« Eises diene zur Nachricht, daß ich nur ein reines klares 1520 cm starkes Cristall-Eis zu liefern bereit bin; auch zu medicinischen Zwecken, ebenso in den Eisschränken schmutzsrei und geruchlos. Für Krrnke wird auch Nachts Eis abgegeben.

Gleichzeitig empsehle ich mich zur Lieferung der neuesten Sorre EtSfchräake. Achtungsvoll

Jacob Helfendem,

AmkMmk

A. Fangmann, Bahnhofstraße 29.

Möbel Versteigerung.

Donnerstag, 3. Juni Nachmittags 2 Uhr, versteigere ich weg- zugshalber im Auftrag de« Herrn Ernst Doeing, -ikiebigstraste 61: Möbel und andere Gegenstände, namentlich sehr schonen GlaSschranr. sehr gute Sophas, einen schönen runden Tisch, Tische und Stüh!- Bücherschrank. 2td. Kteiderschrank, Commode. Spiegel und Bilder, Waschschränt«, Nachttisch, Bett­strlien mit uud ohne Sprungfeder-Einlagen. 1 Wanduhr, Küchengeräth, Frauen«leid-r, namentlich schöaer Regen­mantel re., sodann «ine fast neue Zauchepnmve, ein« gut« Hobelbank u. a. Werkzeug, eiaen schönen großen Oleander in Kübel, Waschbütten u. A.

4694 ___________J. SSothenherger. Ger-Taxator.

Neues Theater in Gießen (CasöKib).

Freitag den 30» Mai 1890: [4654

Gastspiel des Widmann scheu Ensembles Dom Kal. Opernhaus in Bayreuth.

2MT Zum ersten Male! fi® Zum erften Male!

XW Die Ehre.

Schauspiel in 4 Acten von Hermann Sudermann.

Nepertoirstück sämwtlich-r Bühnen

Mit sensationellem Erfolg aufgeführt in Hamburg (S$aHa^.),

Srankfurt a. M. (Stadttb), Leipzig (Stadtth.). Riga (stadtth.), Cassel (Hosth.), Berlin (ßeffinatb), New Aork (.Daly-Th), Wien ckal. Hofburglh), Dresden

1 Darmstadt (Hofch) Dessau lHofth.), Köln (Stadtth.), Bremen (Stadtth.), Mannheim(ffi äJWgÄ Lübeck ^Stadtth.), München (kgl. Th. am^Gärtne^pl^ ^Nürnberg (Sladtt h.), Stuttgart (Hofth.), Bamberg, Fürth, Mainz, Homburg Worms.

gg Näheres besagen die Theaterzettel.

Heugras- B«rstrig«rnug Donnerstag den 3. Juni, Bormittags 9 Uhr, soll auf dem Rathhaus zu Watzenborn bas HeugraS von ben carneralfiscalifchen Wiesen der Gemarkungen Schiffenberg, Watzenborn unb Leihgestern öffentlich, versteigert werben.

Nähere Auskunft erthellt ber Gr. Wiefenwärter Dern zu Haufen.

Gießen, den 28. Mai 1890. Großh. Oberförsterei Schiffenberg.

I. V.:

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Actienbrauerei Gießen.

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