1890
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Mittwoch den 30. April
Gießener Anzeiger
Kenerat-Wrzeiger
Aints- unb Anzeigeblatt für den Nreis Giefzen
chratisöerkage: chießener Kamitienötatter
Aintticher Theil
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Hier wurde heute Morgen ein
Die „Agence Balcanique" erklärt
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Donnerstag b c n
1. Mai 1890, Nachmittags
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4 Uhr:
hoffentlich das Vertrauen der Beamten zur stärkt werden. In diesem Interesse müßten etatsmäßigen Stellen tieiminbert werden.
Innahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgcuben Tag erscheinenden Nummer bis Vorm. 10 Uhr.
Die Gießener itieuvtäller rffbcn dem Anzeiger -ichentlich dreimal beigelegt.
Dem englischen Parlamente ist soeben von dem General- consul Englands in Kairo, Sir Evelyn Baring, der Jahres« bericht über die egyptischen Finanzen für das Jahr 1889 zugegangen. Der Bericht Sir Evelyns charakterisirt das genannte Jahr als das vom finanziellen Standpunkte aus befriedigendste in der Geschichte Egyptens. Ausdrücklich wird dann weiter betont, wie nöthig zur fortschreitenden Entwickelung Egyptens die Aufrechterhalung der englischen Occupation sei und schließlich bedauert der Bericht die Weigerung Frankreichs, der Conversion der egyptischen Schuld zuzustimmen, welche Weigerung den Interessen der egyptischer Steuerzahler wie der Bondsinhaber nachtheilig sei. — In Paris dürste der Bericht Sir Evelyns bedeutend verschnupfen, da in demselben so offen die Fortdauer der englischen Occupation Egyptens als nothwendig erklärt wird.
Die Meinungsverschiedenheiten im brasilianischen Miuistc- rium sind wieder beigelegt. Die Minister des Aeußern und der Finanzen, welche zurücktreten wollten, werden nun auf ihren Posten verbleiben.
Lisiabon, 28. April. Erdstoß verspürt.
Sofia, 27. April.
Der
^t«ner Anzeiger rfdbrint täglich, nt Ausnahme des Montags.
Alle Annoncen-Burcaux des In- und Auslandes nehm« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
totales uni* provinzielles.
Gießen, 29. April.
— Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten
die Nachricht aus Belgrad von einem Einfall bulgarischer Flüchtlinge in den District von Widdin für unbegründet- zwar seien bulgarische Flüchtlinge fortgesetzt thätig/ doch herrsche längs der Grenze Ruhe- die Behörden beobachteten die größte Wachsamkeit.
Petersburg, 28. April. Botschafter Graf Schuwalow begab sich heute auf sein Gut im Kurländischen - er verweilt dort einige Tage und begibt sich dann über Warschau nach Berlin zurück.
Bukarest, 28. April. Heute wurde die außerordentliche Kammersession mit einer vom Ministerpräsidenten verlesenen königlichen Botschaft eröffnet. Die Kammer beschäftigte sich zunächst in ihren Sectionen mit der Prüfung der Befestigungs-Credite.
Melbourne, 28. April. Nach Berichten aus Samoa wurde der auf den Beschlüssen der Samoa-Conserenz beruhende Vertrag von Malietoa in Gegenwart der Consuln und zahlreicher Eingeborenen unterzeichnet. Die Partei Tamasejes zeigte ihre förmliche Unterwerfung an.
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Neueste Nachrichten.
Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau.
Darmstadt, 28. April. Die Königin Victoria empfing Nachmittags den württembergischen Generalmajor Falkenstein, der ein Dankschreiben des Königs von Württemberg für Verleihung des Hosenbandordens überreichte.
Berlin, 28. April. Der Besuch der Königin von Italien wird Hierselbst nunmehr in der Woche vor Pfingsten erwartet. Es heißt, sie werde den Frühjahrsparaden der Berliner und Potsdamer Garnison beiwohnen und das Eintreffen des Kronprinzen von Italien hier erwarten.
— Bei Herbette findet am 5. Mai ein größeres Diner statt, zu dem der Reichskanzler, der Staatssecretär des Aeußeren, die Vertreter der deutschen Staaten und andere hochgestellte Persönlichkeiten geladen sind.
Berlin, 28. April. Abgeordnetenhaus. Auf der Tagesordnung steht zunächst die erste Berathung des Nachtragsetats, betreffend Gehaltsaufbesserung. Frhr. v. Huene (Ccntrum) beantragt Verweisung an die Budget-Commission. Diesem Vorschläge schließen sich Graf Limburg-Stirum (cvns.) und Rickert (dfr.) an. Letzterer bezeichnet diesen Nachtrag als eine etatsrechtlich horrible Forderung. Finanzminister Dr. v. Scholz erklärt, daß die Vorlage bei der Schwierigkeit der Materie etatsrechtlich nicht correcter habe eingebracht werden können. Der Minister läßt sich des Weiteren über die Grundsätze bei Fertigstellung dieses Nachtrags aus. Die Theuerung der Lebensmittel sei nicht der Grund für die Gehaltsverbesserung. Man könne die Beamtengehälter nicht
Vierteljähriger Zvonnemcxtspreis:
2 Mark 20 Pfg. mit Bringcrlohn.
Durch die Post bezöge» 2 Mark 50 Pfg.
Nedaction, Expedition und Druckerei:
Schutstraßc Sir.7.
Fernsprecher 51.
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in Saum Seiden-M
Bekanntmachung.
' Wegen Legung einer Rohrleitung bleibt die Sonnenstraße m Kreuzplatz bis zur Schulstraße von heute ab für Fuhr- wtrfe und Retter gesperrt.
Gießen, am 30. April 1890.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
Fresenius.
Eisenach, 28. April. Der Kaiser ist heute Vormittag hier eingetroffen- er wurde vom Kriegcrverein und dem Publikum begeistert empfangen und vom Großherzog sehr herzlich begrüßt. Der Erbgroßherzog hatte den Kaiser in Bebra eiugeholt.
Eisenach, 28. April. Beim Eintreffen auf der Wartburg wurde der Kaiser von der Herzogin Johann Albrecht von Mecklenburg und dem Commandanten der Wartburg begrüßt. Der Kaiser erschien alsbald zur Frühstückstafel. Um 7 Uhr begibt er sich auf die Auerhahnjagd.
Wien, 28. April. Den hiesigen Arbeiterführern ist von der Polizeidirection zugestanden worden, daß an Versammlungsorten im Prater eigene Ordner der Arbeiter, durch weiße Schleifen kenntlich, die Ordnung aufrechterhalten sollen, ohne daß ein besonderes Polizeiaufgebot stattfindet.
Pest, 28. April. Die „Ungar. Post" meldet, die bisherige Mi nisterconferenz unter dem Vorsitze Kalnokys beschäftigte sich hauptsächlich mit dem diesjährigen Mehr erforderniß für die Einführung des rauchlosen Pulvers und andere hiermit verbundene Posten. Die Einstellung des diesbezüglichen Budgetpostens fand Zustimmung- eine endgiltige Ziffer ist noch nicht vereinbart. Sollte die Nachmittags unter dem Vorsitze des Kaisers stattfindende Berathung der Minister keine definitive Feststellung des Mehrersordernisses herbeisühren, so werden den bisherigen Ministerberathungen weitere Nach- conferenzen folgen.
Paris, 28. April. Bei den Pariser G e m e i n d e w a h l e n wurden gewählt: 8 Conservative, 12 Republikaner und 1 Bonlangist - 59 Stichwahlen sind nöthig, für welche 42 Republikaner, 4 Conservative und 13 Boulangisten die meiste Aussicht haben.
— Bei der Deputirtenwah l im Departement Corröze wurde der Republikaner Delpench mit 8118 Stimmen gewählt- der Boulangist Bacher erhielt 8018 Stimmen. In den Departements Eure, Donne und Charente haben Stichwahlen stattzufinden.
London, 28. April. Lord Fergusson erklärte in der heutigen N n t e r h a u s s i tz u n g, es verlaute gerüchtweise, daß alle gegen Mussa Bey erhobenen Anschuldigungen bis auf eine sich in der Bornntersuchung als unbegründet herausgestellt hätten.
London, 27. April. Reuters Bureau erfährt, daß die in mehreren Zeitungen enthaltende Nachricht, die Pforte hätte den Botschafter Rustem Pascha instruirt, mit der englischen Negierung Verhandlungen wegen einer Räumung Egyptens oder irgendwelchen Theiles desselben einzuleiten, jeder Begründung entbehre. Die gegenwärtig zwischen der Ottomanischen Botschaft Hierselbst und dem britischen Minister des Aeußern ausgetauschte Correspondenz beziehe sich lediglich auf die laufenden Geschäfte. '
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1. Gesuch des W. Kinzenbach um Erlaubniß zum Verkauf von Branntwein über die Straße. 2. Gesuch des Friedrich Stoß um Erlaubniß zum Ausschank von Liqueur. 3. Gesuch des Wilh. Nagel um Ertheilung der Wirthschasts- concession. 4. Gesuch des Martin Weiner um Erlaubniß. zum Ausschank von Branntwein. 5. Anschaffung von Schul--
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nach den Schwankungen der Lebensmittelpreise einrichten. Besoldungen seien keine Löhne. Die Regierung sei bemüht, die Gehälter immer nur in aufsteigender Linie zu ändern. Hobrecht (nl.) meint, bei Bewilligung dieses Nachtrags müsse man auch die Verantwortung 'für Einstellungen in den nächsten Etat übernehmen. Besonders fühlbar mache sich der Mangel eines Uebersichtsplanes, welchen die Budget-Commission zunächst werde Herstellen müssen. Durch diese Vorlage werde Verwaltung ge- auch die außer-
Deutsche- Reich.
Berlin, 27. April. Die Formation der beiden neuen Armcecorps hat so weitgreifende und zahlreiche Aenderungen im Personalstande, sowie in der Garnisonirung der preußischen Armee hcrbeigeführt, daß Se. Majestät der Kaiser und König die Herausgabe einer neuen Rangliste befohlen haben, welche den gesammten activen Dienststand bex Armee, die Reserveoffiziere der neugestifteten Truppentheile, ferner die vollständige Anciennetätsliste der Generalität und Stabsoffiziere, das Garnisonverzeichniß und eine tabellarische Ueber- sicht der Armee in ihrer neuen Eintheilung — dies alles nach dem Stande vom 1. April bfa. Js. — enthält. Die Herausgabe bcr Rangliste sott auch in Zukunft immer im April erfolgen unb stets ben Stanb ber Armee vom 1. April verzeichnen. Somit bildet bic jetzt erschienene neue Ausgabe ben Ausgangspunkt für die ihr alljährlich im Frühjahre folgenben Jahrgänge.
Berlin, 27. April. Wegen Nichtbewilligung bes 1. Mai als Feiertag st r i k e n hier sämmtliche Arbeiter (456 Mann) ber Beermann'schen lanbwirthschaftlichen Maschinenfabrik, sowie Dreher, Schlosser unb Hilfsarbeiter ber Näh- maschincnfabrik von Frisier u. Roßmann Hierselbst.
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Gießen, 29. April.
Die Begegnung Kaiser Wilhelme mit der Königin tiitioorirt von England in Darmstadt hat zu verschiedenen Gerüchten Anlaß gegeben, von denen namentlich dasjenige bnrwrzuheben ist, welchem zufolge es sich bei der Zusammen- hiiif: von Darmstadt auch um die Angelegenheit des Welscn- loiiD# gehandelt habe. Es wird hierbei darauf hingewiesen, da>; die Königin von England das Haupt des Gesammt- jjusLS Hannover sei und daß sie demnach auch in der An- gel^zenheit des beschlagnahmten hannoverschen HauSvermögenS, Dlio des Welfenfonds, mit interessirt sei. Ob indessen die W-je des Welsenfonds resp. seiner Aufhebung bei der Begeg- myz zwischen dem deutschen Kaiser und seiner königlichen SrWmutter wirklich zur Besprechung gelangt ist, entzieht sich mlmlich noch der allgemeinen Kenntniß und möchte dies bei dm vorwiegend familiären Charakter, welchen die Zusammen- hin jät trug, auch einigermaßen bezweifelt werden.
Der erste Mai steht vor der Thur und mir gcrecht- fertiyter Spannung erwartet man allseitig seinen Verlaus. 2erm nachdem seit vielen Wochen schon in den Arbeiterkreisen für die Demonstration am genannten Tage zu Gunsten des Mstündigen Normalarbeitstages nach Krästen agitirt morden ist, hat man durch diese stete Agitation unverkennbar ein Misses Elenient der Gährung und Beunruhigung in die Arbeiterschaft hineingetragen und dieser Strömung gegenüber »scheinen die aufgetauchten Pesorgnisse wegen etwaiger Aus- jchrmlungen der Arbeiter am 1. Mai nicht gerade unbegründet, te indessen die deutsche Arbeiterschaft anbelangt, so darf mari wohl zu ihr das Zutrauen hegen, daß sie sich aller Aerjstöße gegen die öffentliche Ruhe und Ordnung enthalten roirto, im Allgemeinen überwiegen bei uns in Deutschland tic nuhigen und verständigen Elemente der Arbeiterschaft noch Mil. die ewig unzufriedenen und daher leichter zu Ausschreit- liligsen geneigten Elemente — Gott sei Dank! Außerdem kann inam bestimmt annehmen, daß bei uns die Zahl der am 1. Mai ganz oder theilweise feiernden Arbeiter nur eine ver- Mnißmäßig kleine fein wird und dieser Umstand dürfte aus bett hoffentlich ruhigen Verlauf der Arbeiterkundgebung mit ks seinige beitragen.
Der dem Bundesrathe zur Zeit vorliegende Entwurf, tetr, die Abänderung der Gewcrbcordnnng, hat dem Ber- nHmen nach einen weit größeren Umfang als die ähnlichen tereitd vorn Reichstage angenommenen Entwürfe über die Arider-, Frauen- und Sonntagsarbeit. Namentlich soll die Wage weitgehende Bestimmungen zu Gunsten der Ar- teiterinnen und hinsichtlich eines Maximalarbeitstages für Eriwachsene enthalten und daneben noch eine ganze Reihe mderer bemerkenswerther Punkte aufweisen. In Hinblick iin den bevorstehenden Zusammentritt des Reichstages und in Anbetracht der Wichtigkeit der Vorlage wäre es jedenfalls chll wnnschenswerth, wenn ihr Inhalt nebst der Begründung kiloigi’t der Oeffentlichkcit übergeben würde.
Tie griechische Regierung hat sich endlich, wenngleich sehic post festum, zu energischen Maßnahmen gegen einige Uibotmüßige Ossiziere aufgerafft. Ein königliches Decret enllhebt ben bisherigen Commandeur des thessalischen Armee- (oi.pd, General Valtinos, seines CommandoS, versetzt ihn in Nichtactivität und verfügt die gleiche Maßregel gegen acht onßöere Offiziere, die an der Bewegung in Larissa im ver- fittnngenen Februar theilgenommen haben. Wie erinnerlich, sollte General Valtinos eine Art Pronunciamento zu Gunsten einner militärischen Unterstützung des Ausstandes auf Kreta ikittens Griechenlands in Scene setzen und als sich der Minister- Msident Tricupis dies entschieden verbat, nahmen General Winos unb die von ihm gewonnenen Offiziere eine drohende i-tnellung gegen die Regierung ein. Die gemeldete Maß- reg$elung der thatenlustigen Offiziere war daher im Interesse tenr Aufrechterhaltung der Displin im griechischen Heere vollkommen gerechtfertigt, wie man sie aber in letzterem selbst chmehmen wird, bleibt freilich noch abzuwarten.
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