Ausgabe 
30.3.1890 Zweites Blatt
 
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genossenschasten auf die drei Jahre von 1886 bis 1888 niedergelegten Zahlen über die Häufigkeit der entschädigungs­pflichtigen Unfälle ausgestellt worden. Sie bezieht sich dem­nach nur aus dieschwere" Unsallgefährlichkeit der gewerb­lichen Berufszweige. Sie will auch, was bei dem zu Grunde liegenden verhältnißmäßig kurzen Zeiträume nicht anders möglich ist, kein abschließendes Resultat in dieser Frage bringen, sie ist indessen wohl geeignet, auch in ihrer noch unvollkommenen Gestalt ein interessantes Licht auf unsere verschiedenen Berufszweige nach dieser Richtung zu werfen. Die höchsteschwere" Unfallgefährlichkeit würde danach die Brauerei und Mälzerei aufweisen, die geringste die Tabak­industrie. Bei der ersteren entfallen im Jahresdurchschnitt aus 1000 beschäftigte (versicherte) Personen 8.84 Verletzte mit über 13 Wochen dauernden Unfällen. Der Brauerei und Mälzerei folgen das Berggewerbe mit 7.39, die Brennerei mit 6,90, die Spedition, der Speicherei- und Kellereibetrieb mit 6,32, der Fuhrwerksbetrieb mit 6,06, die Müllerei mit 5,95, die Papiermacherindustrie mit 5,89, das Baugewerbe mit 5,30, die Holzindustrie mit 5,29, die Zuckerindustrie mit 5,16, der Steinbruchbetrieb mit 4,92, die chemische Industrie mit 4,84, die Eisen- und Stahlindustrie mit 4,75, die Binnenschifffahrt mit 4,45, der Eisenbahnbetrieb mit 3,88, der Betrieb der Gas- und Wasserwerke mit 3,72, der Ziegelei­betrieb mit 3,54, die Nahrungsmittelindustrie mit 3,15, die Schornsteinfegerei mit 2,76, die Lederindustrie mit 2,45, der Straßenbahnbetrieb mit 1,87, die Textilindustrie mit 1,77, Feinmechanik, sowie Edel- und Unedelmetallindustrie mit je 1,68, die Papierverarbeitungsindustrie mit 1,63, die Glas­industrie mit 1,60, 'die Musikinstrumentenindustrie mit 1,42, die Töpferei mit 1,07, der Buchdruck mit 1,01, die Beklei­dungsindustrie mit 0,72 nnd schließlich die Tabakindustrie mit 0,363 Verletzten unter 1000 Personen im Jahres­durchschnitt.

Locate» tinfr provinzielles.

Gießen, 29. März.

St. Zu Ehren des 75. Geburtstages des Fürsten Bismarck veranstalten Dienstag den 1. April, Abends 8 Uhr, die hier lebenden alten Herren des S. C. im Verein mit den in den Ferien zurückgebliebenen Activen eine Fe st kneipe in der Kneipe des Corps Teutonia. Die Feier beabsichtigt, da den Corps jede Parteipolitik fernliegt, lediglich eine Bethätigung nationaler Dankbankeit gegen den großen deutschen Patrioten, der auch vor Jahren das dreifarbige Corpsband getragen hat, und sind daher alle Angehörige und Freunde des S. C.

einerlei wie ihre politische Parteistellung ist herzlichst willkommen.

Wählerversammlung der deutschfreisinuigen Partei am 27. März. (Schluß.)

Dieser oft von Beifall unterbrochenen Rede folgte lange anhaltender Beifall. Es ergriff dann das Wort Herr Dr. Gutfleisch, lebhaft begrüßt. Er dankte für die auf ihn gefallene Wahl, legte dar, wie zu seinem Bedauern deren Ablehnung nöthig geworden sei und bat, mit Vertrauen die Stimmen der Wähler auf Herrn Dove zu vereinigen, der, einer altberühmten preußischen Familie entstammend, sicherlich den Ruhm der Familie mehren und dem Wahlkreise und Reichstage zur Zierde gereichen werde. Redner schilderte den gegenwärtigen Aufschwung der freiheitlichen Bewegung und seine Ursachen und gab der Hoffnung Ausdruck, daß nun endlich wieder eine Verständigung möglich sein werde mit den wirklich freiheitlichen Elementen der nationalliberalen Partei nach Ausscheidung der conservativen Parteimitglieder. Jeden­falls freue er sich der Milderung der politischen Kampses- weise und bitte, stets festzuhalten an dem nicht immer gegen die freisinnige Partei geübten Grundsätze der Achtung auch des politischen Gegners. Energisch bitte er der antisemitischen Bewegung entgegenzutreten. Redner schilderte unter anhal­tender Heiterkeit, mit welchen albernen Anecdoten und Späßen diese Bewegung zu wirken versuche und führte im Einzelnen den Nachweis, wie thöricht und ungerecht es sei, auf Juden, Zwischenhandel und Wucher alles Unheil der Welt zu schieben. Kein anständiger Mann billige den Wucher und die Aus­wüchse der Speculation und des Börsenspiels. Aber die Mittel der Besserung seien von anderen Parteien überall ernstlicher gesucht worden, als gerade von der antisemitischen. Nebenbei berühre es eigenthümlich, Herrn Pickenbach, der selbst seither, wie ein dem Redner vorliegender Brief desselben ausweise, Makler für Darlehen, Hypotheken und Grundstücke gewesen sei, als Vorkämpfer gegen den Zwischenhandel zu sehen. Kein Antisemit habe bis jetzt irgend ein practisches Mittel vorgeschlagen zur Besserung der Schäden, über die er klage. In der Thal befördere der Antisemitismus diese Schäden, indem er das Volksgemüth vergifte, die Selbst- erkenntniß und sittliche Einkehr des Volkes hindere und damit diejenige Selbsthilfe ersticke, ohne die bei aller Staatshilse eine Gesundung des politischen und wirthschaftlichen Lebens unmöglich sei. Er fordere auf, bei einer etwaigen Stichwahl, falls nicht, wie er zuversichtlich hoffe, Herr Dove zur Stich­wahl gelange, jedem anderen in die Stichwahl gelangenden Candidaten, welcher Partei er angehöre, gegen den Anti­semiten zum Siege zu verhelfen, damit der Wahlkreis vor

mich aber aus alle Fälle vor, indem ich aus der Spitze des Inselchens aus den Herumliegenden Steinen einen Wall er­baute, hinter dem ich mich mit meiner Flinte und einem Dutzend Enten verschanzte. So brachte ich die Nacht zu- selbstverständlich schlief ich weder gut, noch viel. Als der Tag kam, war mein erster Blick nach dem Boot- es hing noch im Röhricht. Mein zweiter Blick galt dem Alligator: er war verschwunden, aber statt seiner lag ein halbes Dutzend seiner Kameraden am Ufersand rings um die Insel und schien zu warten, ob ich nicht bald herunterkomme. Sie be­trachteten mich offenbar als eine von Rechtswegen ihnen verfallene Beute. Jetzt konnte ich nicht einmal meine trockene Kehle mit Wasser erfrischen. Der Durst wurde unerträg­lich. Ich nahm mein Taschenmesser, schnitt eine Ente auf und saugte ihr das Blut aus. Den ganzen Tag vom Hunger geplagt, spähte ich fieberhaft nach Rettung aus- umsonst. Gegen Abend gab es etwas Abwechselung. Etliche Schild­kröten kamen und legten ihre Eier in den Ufersand. Plötz­lich fuhren sie auf und stürzten sich eiligst in das Wasser. Ein Jaguar war herangeschlichen- da ihm die Schildkröten entgingen, machte er sich über die Eier her, die er aus dem Sande scharrte und mit Behagen verzehrte. Hinter meinem Steinwall vor schaute ich ihm zu und hielt den Athem an. Wieder brach die Nacht herein und diesmal brachte mir die furchtbare Ermüdung einen festen Schlaf. Als es Tag war, hatte ich Hunger und Durst, die so schrecklich waren, daß ich alles vergaß,' ausgenommen einen großmächtigen Alligator, der gerade da unten unbeweglich aus dem Wasser hervor­ragte und unaufhörlich nach mir blickte. Ich hätte ihn allein umbringen können, selbst aus die Gefahr hin, dem übrigen Theil der Bande zum Opfer zu fallen. Dabei kam mir eine Idee. Mit dem Reste meiner Kräfte errichtete ich eine zweite Steinmauer, die dem User näher war, dann nahm ich ein paar meiner Enten, rupfte sie und warf sie an den offenen Uferrand, woraus ich mich schleunigst in meine Festung flüchtete. Dort hielt ich meine Flinte bereit, deren einer

Lauf immer noch geladen war, uyd erwartete den Feind. Eine Stunde verging, dann noch eine und ich verzweifelte schon am Erfolg meines Experiments. Endlich bewegte sich das Wasser und der ganze Rumpf des Monstrums tauchte herauf. Es dauerte eine halbe Stunde, während deren der Alligator wieder unbeweglich blieb. Endlich wandte er sich nach der Seite, wo die Enten lagen, er kam immer näher und schließlich that sich ein ungeheurer Rachen mit ganzen Reihen furchtbarer Zähne auf. Großer Gott, wer da einmal hineingeräth! Aber ich hatte keine Zeit zu langen Betrach­tungen - meine Flinte lag in einer Lücke der Steinmauer und als der Riesenschlund sich aufthat, sandte ich meine einzige und letzte Ladung direct hinein. Das Thier fuhr zurück, sein Schweif peitschte das Wasser und Fluthen nassen Sandes flogen zu mir herüber. Endlich wurde das Thier ruhig und blieb wieder unbeweglich liegen. Ich wagte nicht, mich zu rühren. Die dritte Nacht brach herein. Ich mußte mich entschließen, eine Ente roh zu verzehren. Als die Sonne heraufstieg, konnte ich mich überzeugen, daß der Alligator tobt war. Und merkwürdig, er schien mir größer zu werden als er zuvor war. Es war in der That so- unter der vereinten Wirkung der Hitze und des Wassers schwoll er immer mehr an und von Stunde zu Stunde schwamm er leichter auf der Oberfläche. Ein Hoffnungsstrahl durchzuckte mich- wenn ich, ohne daran zu denken, eine Rettungsplanke gesunden hätte! Wenn dieser geschwollene Cadaver mir als Floß dienen könnte! Ich kroch aus meinem Versteck hervor, ging zum Ufer und überzeugte mich bald, daß das tobte Unthier noch größere Lasten tragen würde als mich. Ich schob den Körper ganz ins Wasser, schwang mich darauf und indem ich den Flintenkolben als Ruder benutzte, steuerte ich direct auj mein Boot zu. Ein paar Secunden später war ich ge­rettet." Hm!

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1890

Sonntag den 30. März

Zweites Blatt

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Deutsches Reich.

Berlin, 25. März. Unfallgefährlichkeit der einzelnen gewerblichen Berufszweige. Einer interessanten Statistik begegnen wir in einem Versicherungs- fachblatte. Dieselbe betrifft die Unsallgefährlichkeit der ein­zelnen gewerblichen Berufszweige und ist auf Grund der in den bisher veröffentlichten Rechnungsergebnissen der Beruss-

Zuartal.

ßO vierteljährlch c: tterr»25HdiM idurch die Postam!

ein neuer Roman r- Rosenhag"- -

^Werner

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Der chteßener Anzeiger trfcbemi täglich, mit Ausnahme deS MonlagS.

Die Gießener M««ttieubtLtter werden dem Anzeiger Wöchentlich dreimal beigelegt.

Eine amerikanische Zagdgeschichte.

Daß man auch jenseits des Canals sich auf das Jäger­latein versteht, das scheint folgendes Jagdabenteuer zu be­weisen, das von demLondoner Naval and Military Magazine übrigens eine ganz ernsthafte Zeitschrift geschildert wird. Der Schauplatz ist das englische Guyana und der Held des Abenteuers, Capitän Walmer, erzählt: /--Ich begab mich in einem Boot auf die Jagd und befand mich bald bei einer kleinen Insel, als ein prächtiger Flug Wildenten über meinem Kops- dahinfuhr. Mein erster Schuß traf so gut, daß der zweite unnöthig war. Eine ganze Menge Enten fiel aus die Insel und ich landete, um meine Beute einzusacken. Als ich damit fertig war und mich wieder einschiffen wollte, sah ich, daß mein Kahn fortgeschwommen war: in einer Entfernung von etwa 40 Meter war er in eiinem Röhricht hängen geblieben.Aha", dachte ich muß geschwommen werden". Schon war ich daran, mich zu entkleiden, als ich zwischen dem Boot und mir einen Gegen­stand entdeckte, der mich sehr beunruhigte. Es war ein riesiger Alligator, der wie ein Baumstamm auf der Ober­fläche des Wassers lag und seine kleinen wilden Augen aus mich richtete. Es war klar: wenn ich mich in das Wasser b>egab, war es mit einem einzigen Schnapper um mich ge­schehen. Und doch gab es keinen Weg als durch das Wasser, uim zu meinem Boot zu kommen. Ich entschloß mich, zu warten. Ein Indianer könnte vorbeifahren, meine Stimme hjören und mich retten. Das war zwar wenig wahrschein­lich, denn es gibt in dieser Gegend nicht viel Indianer, aber iMmerhin war es nicht unmöglich. Es war drückend heiß umd die Sonne brannte glühend herab, aber ich war doch eiinigermaßen froh darüber, denn ich konnte nur mit Schreck aut die bevorstehende Nacht denken. Für diese bereitete ich

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