Ausgabe 
30.3.1890 Drittes Blatt
 
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sollen ganze Schiffsladungen solchen amerikanisch-holländischen Specks liegen. Dieser Speck wird nun in Deutschland zu Preisen verkauft, welche erheblich unter den Herstellungskosten deutscher Maaren sind, so daß also die Metzger die in ihrem Schlachtbetrieb gewonnenen Speckseiten kaum noch absetzen können. Unter Führung der Versandtgeschäfte und Grofi- Metzgereien zu Bremen wurde dahier unlängst das Reichs­kanzleramt um Ergreifung entsprechender Maßregeln gegen die gesetzwidrige Einschmuggelung des amerikanischen Speckes angegangen.

* Der Ducaten Bäcker. DasReue Wiener Tageblatt" schreibt aus Wien:Was rennt das Volk, was wälzt sich dort die langen Gassen brausend fort!" Nun, Rohdus stürzt nicht unter Feuerflammen, auch nicht, wie wir zur Beruhigung der Bevölkerung hinzuzufügen uns beeilen, die Haidgasse in der Leopoldstadt, die den Physiognomen seit einigen Tagen in der That das elassische Citat in Erinnerung ruft: Was rennt das Volk? Es kauft Brod, als ob Wien von Hungers- noth bedroht wäre, es drängt sich zu der Backstube, als müßte es auf Wochen hinaus seine Vorräthe sichern und sich gegen Hunger schützen. Die Veranlassung zu diesem Sturm auf den Bäckerladen ist in Wirklichkeit aber folgende: Der Bäckermeister Herr Dallowitz buck seit sechs Tagen täglich in einem Brodlaib unter tausend einen Ducaten ein. Wem nun der Zufall gewogen ist, der erwischt diesen Ducaten- Drodlaib und findet beim Zerschneiden desselben die funkelnde Goldmünze vor. Freilich, ob der Ducaten-Bäcker auf die Dauer seine Rechnung dabei finden wird, ist eine andere Frage. Aber vorläufig findet das Brod reißenden Absatz, es rennt das Volk in die Haidgasse.

* Der Augenblicksroman. In unserer Zeit, in welcher alles mit Dampf geht, müssen uns jene Romane lächerlich vorkommen, in denen Liebende erst nach drei dickbändigen Schicksalen vereinigt werden, bei uns geht es in 3 Capiteln z. B.: 1. Capitel. Bekanntschaft und Liebe.Mein Name ist Arnold Bock. Darf ich meinen Regenschirm an­bieten?"Sehr freundlich - beschirmen Sie mich. Ich heiße Sophie Milz, singe, male und habe 50,000 Mark Mitgift." Arnold sah ihr tief in die Augen, sie ihm auch. Sie waren einig, ohne einander nicht mehr leben zu können, besonders als Arnold gestand, daß er Besitzer einer rentablen Cichorienfabrik sei. 2. Capitel. Verheirathung. Arnold schüttelt im Flur das Regenwasser von den Kleidern ab und folgte seiner Angebeteten, welche ihn ihren Eltern vorstellte. Telephonisch wurden die Eltern Arnolds, der

Geistliche und der Notar, sowie ein Standesbeamter gerufen. In einer Stunde waren Arnold und Sophie verheirathet. 3. Capitel. Katastrophe. Schon wollten alle auseinander­gehen, als zwei Depeschen eintrafen. Die eine besagt, daß Arnolds Cichorienfabrik niedergebrannt sei, die andere, daß Kux Lurer Bergwerksactien auf mehrere Grad unter Null gefallen seien. Dadurch war Herr Milz ruinirt. Ans beider­seitigen Antrag der Ehegatten erfolgte sofortige Scheidung.

* Der kleinste Säugling, der wohl jemals dagewesen, ist Alice Foster Curtis in Mason City, West-Virginien. Das Kind wog ein Pfund bei seiner Geburt vor zwei Monaten, jetzt wiegt es in seinen Kleidern nur zwei Pfund. Es ist wohlgebildet und vollkommen wohl. Sein Kops hat etwa die Größe eines Hühnereies, ein Fingerring kann leicht über seine ganze Hand gestreift werden, während die Finger wie Stricknadeln aussehcn und die Füße nur einen Zoll lang sind.

* Zwei Männer sitzen noch spät am Kneiptische. Es ist schon längst Mitternacht vorüber. Fritz:Sag, August, was sagst Du denn immer zu Deiner Alten, wenn Du so spät Nachts nach Hause kommst?" August:Ich sage nur: Guten Abend! Das Andere sagt dann Alles meine Frau!"

* Mutter: Wenn Du fortfährst, unartig zu sein, Emil, so sperre ich Dich in den Hühnerstall. Knabe: Meinet­wegen, aber das sage ich Dir, Eier lege ich doch nicht.

Literatur und Kuttff.

Von den soeben erschienenen Heften 15 und 16 des -Uni* versum* (Jllustrirte Famtltenzettschrift) enthält ersteres:

SophieJunghans, Eine Versuchung (Forts.). E. v. Iagow, Ein Pariser Cicerone. Mit Original-Illustrationen vonO.Gerlach. A. Hartenstein, Im Wahne. Novelle. G. Truppel, Deutsches Leben im Bismarck-Archipel. Eusemta Gräfin Ballestrem, Die Falkner vom Falkenhof (Forts.). A. Hartenstein, P. K. Rosegger. Die Beruhigung der Meereswellen durch Oel. A. Feld­mann, Ein Schüler Beethovens. Dr. H. Lahmann, Führt die vegetabile Diät zu einer Verkalkung der Schlagadern? und die Kunstbeilagen: B. Vautier, Tanzsaal in einem schwäbischen Dorfe; R. Hesse, Der kleine Corporal; R. Eis ermann, Am Aschermittwochmorgen; A. Gaiser; Schelmenlieder; H. Kaulbach, Alter schützt vor Thorheit nicht.

Heft 16 enthält: Sophie Junghans, Eine Versuchung (Forts.). E. von Hesse-Wartegg, Eine Nacht im Chinesenvicrtel von San Francisco. Mit Original-Illustrationen von A. Richter. A. Hartenstein, Im Wahne (Schluß). S. Tromholt, Islän­dische Fahrten I. Eufemia Gräfin Ballestrem, Die Falkner vom Falkenhof (Forts.). K. von Vincenti, Freiherr von Hasenauer.

W. Hetz, Das Petermännchen. Graf Julius Andrassy f. Das Rathhaus in Lindau. Peter Taren, Die erste Aufführuna des Egmont" in Paris. G. van Muyden, Die Canalbrücke; und die Kunstbeilagen: T. E. Rosenthal, Mutterliebe; H. Ltnden- schmit, Er kommt nicht; G- Max, Vestalin; W. Kuhnert Löwen beim Mahle; S. Htrszenberg, Uriel Acosta und Sptnora" Preis jedes Heftes 50 Pfg.

Der bekannte Reisende und Naturforscher Prof. Pechuel- Loesche in Jena ist mit einer Neubccnbeitung von »Brebms Thierleben* beschäftigt. Das Erscheinen der neuen Auflage des berühmten Werkes wird im Herbst d. I. erwartet.

verkehr, Land« uttö Polfstvirtbjcbaft.

/<vx Soll man die Pferde Morgens oder Abends putzen, (Nachdruck verboten.) Durch das Putzen, besonders das Striegeln wird die Hautthältgkeit ungemein angespornt, das Blut drängt nach der Körperoberfläche, die Blutgefäße in derselben erweitern sich und es entsteht größere Disposition zu Erkältungskrankheiten. Geschieht das Stiegeln Abends, so ist der Retz bis zum nächsten Gebrauch der Thiere vorüber, nicht aber, wenn dasselbe Morgens kurz vor der Arbeitszeit geschieht. Der plötzliche Temperaturwechsel, welcher tm Winter nicht zu umgehen ist, kann, namentlich bei edleren Pferden dann besonder« leicht üble Folgen nach sich ziehen. Es kommt hinzu' daß beim Striegeln am Abend die erhöhte Hautthätigkeit den Thicren die ganze Nacht im warmen Stalle zugute kommt. Der festgesetzte Schmutz und Schweiß, welcher die Poren der Haut verstopft, hindert die Respirationsthätigkeit und muß Abends entfernt werden, denn nur bet guter Respirationsthätigkeit ist auch eine hohe Leistungs­fähigkeit denkbar.

Brodpreise

vom 30. März bis 13. April 1890.

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Bei den Bäckern. a

Kgr. (2 Pfd.) Weißbrod » (4 Pfd.) Weißbrod 58

(2 Pfd.) Schwarzbrod 1. Sorte

(4 Pfd.) Schwarzbrod 1. Sorte

(2 Pfd.) Schwarzbrod 2. Sorte

(4 Pfd.) Schwarzbrod 2. Sorte

(6 Pfd.) Schwarzbrod 2. Sorte bet I. Lein, K. Haas, L. Keil 75

Bei den Brodverkänfern. a

Kgr. (2 Pfd.) Weißbrod 2$ n ) n .58 ) Schwarzbrod 1. Sorte .....27

* ) Schwarzbrod 1. Sorte 54 ) Schwarzbrod 1. ©orte ) Schwarzbrod 2. Sorte..... ... 25

* ) Schwarzbrod 2. Sorte .50 ) Schwarzbrod 2. Sorte . .

Gießen, den 29. März 1890. Großh. Polizeiamt Gießen. Fresenius.

bet K. Lenz Wwe. 24

. -.....50

bei K. Lenz Wwe. 48

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Ledebur, Die Metalle, br. M. 3.50, geb. M. 4.50.

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2) Freitag den 11. April aus den Districten Rabenpfuhl 49c und Rehhecke 71. Buchen: 1,5 rm Knüppel, 350 Wellen, 4 rm Stöcke; Eichen: 118,8 rm Scheiter, 64,4 rm Knüppel, 5870 Wellen, 145,5 rm Stöcke; Nadel: 16 rm Scheiter, 8 rm Knüppel, 1460 Wellen, 19 rm Stöcke; Weichholz: 3850 Wellen. 29 Eichen-Stämme von 2447 cm Durchmesser und von 510 m Länge mit 24,23 fm, 65 Kiefernstämme von 2044 cm Durchmesser und von 5 bis 12 m Länge mit 38,36 fm, 8 Birkenstämme von 1722 cm

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Gießen, 28. März 1890.

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