Mittwoch den 29. Oktober
Nr. 252
1890
Amts- ttttb Anzeigeblatt für den Ureis Gieren.
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chratisöeikage: Gießener AamilienökLtter
Amtlicher Theil
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Die Gießener W«mttienlttätter »erden dem Anzeiger »tchentlich dreimal beigelegt.
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Kietzener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.
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feuche bestimmen wir für die Gemarkung Wiefeck und die umliegenden Gemarkungen das Folgende:
Rindvieh, Schafe, Schweine, Ziegen dürfen aus der Gemarkung Wiestck nur zur sofortigen Abschlachtung und nur mit Genehmigung der Bürgermeisterei ausgeführt werden. Die Bürgermeisterei wird die Genehmigung nur auf Grund einer schriftlichen Erklärung des Thierarztes ertheilen, daß eine Verschleppung der Seuche durch den beabsichtigten Transport des Viehes zur Schlachlstätte überhaupt oder unter Beobachtung der in der abgegebenen Erklärung bezeichneten Vorsichtsmaßregeln nicht zu befürchten fei.
Den Erlaubnißschein, welcher neben genauer Bezeichnung der wegzubringenden Thiere den Zweck des Transports, sowie die Frist, innerhalb deren der Transport vollzogen sein muß, den Ort, an dem die Schlachtung stattfinden soll, und die zu beobachtenden Vorsichtsmaßregeln angeben muß, hat der Begleiter der Thiere während des Transports mit sich zu führen.
Die vorstehenden strengen Bestimmungen sind insbesondere mit Rücksicht daraus gegeben, daß zu Wieseck viele Viehhändler wohnen und daß zur Zeit der Gießener Märkte Vieh in größerer Zahl dort eingestellt zu werden pflegt. Wir machen speciell darauf aufmerksam, daß der bestehende Handelsverkehr während der Dauer der Seuche eine bedeutende Einschränkung erfahren muß, und daß, wie Eingangs angeordnet, Thiere nur zur Abschlachtung und nicht auf den Markt und überhaupt nicht zur Weiterveräußerung aus Wiesecker Ställen ausgeführt werden dürfen.
Das Fahren mit Rindvieh aus der Gemarkung Wieseck und in dieselbe ist vorläufig noch gestattet, dagegen wird das Austreiben von Rindvieh, Schweinen und Ziegen zu Heerden hierdurch untersagt.
Für die Gemarkungen Gießen, Alten-Buseck, Großen- Buseck, Trohe, Rödgen, Lollar, Daubringen, Mainzlar wird bestimmt, daß Viehhändler Rindvieh, Schafe, Ziegen, Schweine, auch wenn es sich um Schlachtvieh handelt, nur ausführen dürfen, wenn sie im Besitz eines vorschriftsmäßigen thierärztlichen Zeugnisses sind.
Die sonst gültige Bestimmung, wonach für Schlachtvieh, welches durch Händler verbracht wird, die Gesundheitsscheine durch die Bürgermeister ausgestellt werte.: dürfen, ist also für jene Otte ausgehoben
Gießen, den 27. October 1890.
Großherzogliches Kreisamt Gießen- v. Gagern.
bis dahin bereits gegen 1000 Briefe und Depeschen eingegangen, darunter solche vom Kaiser von Rußland und dem Könige von Schweden, welche letztere der Generalfeldmarschall sofort beantwortet hatte.
Mittlerweile hatte das Cadettencorps aus Lichterfelde Ausstellung vor dem Generalstabsgebäude genommen. Um ll1/4 Uhr trat General-Feldmarscball Graf Moltke in Uniform und mit allen ihm verliehenen Orden und Ehrenzeichen geschmückt aus dem Portale des Generalstabsgebäudes und schritt die Front des Cadettencorps ab, von jeder Compagnie mit brausendem Hurrah begrüßt. Einzelne ihm bekannte Cadetten beehrte der General-Feldmarschall durch kurze Anreden. Das . ringsum stehende Publikum brachte dem Jubilar durch ununterbrochene jubelnde Zurufe seine Huldigung dar.
Vormittags 11 Uhr hatte eine Compagnie des 2. Garde- Regiments zu Fuß die Fahnen der hier garnisonirenden Infanterie-Regimenter und des Kolberg'schen Grenadier-Regiments Gras Gneisenau Nr. 9 aus dem Königlichen Schlosse abgeholt, während gleichzeitig von einer Escadron des Garde- Kürassier-Regiments die Standarten der hier garnisonirenden Cavallerie-Regimenter dort abgeholt wurden. Die Fahnen- Compagnie und die Standarten-Escadron marschirten im Paradeanzug und unter klingendem Spiel über die Straße Unter den Linden nach dem Königsplatz und nahmen dort am Fuße der Siegessäule mit der Front nach Westen Aufstellung. Um 113/< Uhr traf Se. Majestät der Kaiser zu Wagen bei dem Generalstabsgebäude ein, schritt alsbald die Front des Cadettencorps ab, begab sich sodann die Treppe hinauf und ließ die inzwischen eingerückte Fahnen-Compagnie und Standarten- Escadron vor dem zu der Wohnung des Jubilars führenden Eingänge passiren.
Während des Anmarsches der Fahnen-Compagnie und Standarten-Escadron hatte sich der General-Feldmarschall Graf von Moltke auf den Balkon begeben und entblößten Hauptes die Fahnen defiliren lassen. Das Musikcorps des Garde-Kürassier-Regiments spielte hierbei den Hohenfriedberger Marsch.
Der König von Sachsen, die preußischen General-Feld- marschälle und Generalobersten und die commandirenden Generale der Preußischen und bayerischen, sowie des württem- bergischen Armeecorps hatten sich schon gegen I U/2 Uhr nach dem Generalstabsgebäude begeben.
Se. Majestät der Kaiser, welcher für jeden festlichen Empfang Seitens des General-Feldmarschalls Grafen v. Moltke oder des Chefs des Generalstabes Grafen von Waldersee bestens hatte danken lassen, begab sich, nachdem Allerhöchst- derselbe die Fahnen und Standarten hatte passiren lassen, sofort in den Saal, wo die Generalität versammelt war, begrüßte die Anwesenden und hielt an dieselben eine auf die Feier bezügliche kurze Ansprache. Alsdann traten die Fahnen und Standarten in denselben Saal ein und nahmen daselbst
LöwenM.'
wer da hinein kommt, dem möge Gott gnädig sein, der kommt nicht wieder heraus. Das ist der Sumpf. Dort sammelt sich all das Wasser, welches von oben heruntersickert,- Tag und Nacht pumpt die Dampfmaschine, aber nie wird sie fertig - das schwarze Wasser birgt den Leichnam manches Abgestürzten, der noch am Morgen fröhlich einfuhr und Gott vertrauend, und am Mittag hinabstürzte in die schwarze Tiefe, weil er, um schnell nach oben zu Weib und Kind zu kommen, noch im letzten Augenblicke in den Korb springen wollte, oder weil der Steiger zu früh das Signal zum Aufziehen gab. Ja, wenn man hier unten seine Schicht gearbeitet hat, dann sucht man so eilig wie möglich wieder ans Tageslicht zu kommen und nach Hause, um seinen knurrenden Magen zu stillen. Da wäscht man sich nicht lange vorher,- wie man da ist, über und über bedeckt mit Kohlenstaub, setzt man sich an den Tisch und — dann schmeckts- manchmal ists nur nicht genug für Alle."
Er schwieg und wir begannen unsereManderungen unter der Erdoberfläche. Zunächst mußten wir einen hoch und breit im Gestein ausgehauenen Gang passiren, der selbst keine Kohlen enthielt und nur als Zusahrtstunnel zum Schacht diente. Zwei Schienengeleise führten durch denselben, aus deren einen die mit Kohlen gefüllten Wagen zürn Schacht gefahren wurden, während aus dem anderen die leeren Wagen wieder in das Innere des Berges rollten. Die Felswände glitzerten von herabrinnendem Wasser und zwischen den Schienen hatten sich Rinnen gebildet, in denen dasselbe dem Sumpfe zufloß.
Geburtstagsfeier des General-Mdmarschslls Grafen von MoUke.
Berlin, 26. October.
Se. Excellenz der General-Feldmarschall Graf Moltke hatte heute früh kurz nach 8 Uhr die Glückwünsche seiner Familien-Angehörigen entgegengenommen- um Uhr erschienen die hiesigen Currendeschüler und sangen den Choral „Lobe den Herrn". Während hierauf dem General-Feld- marschall von dem Musikcorps der Eisenbahn-Brigade ein Ständchen gebracht wurde, erschienen sämmrliche Träger des Namens von Moltke zur Gratulation. Früh 9*/z Uhr wurde der Jubilar von dem Berliner Lehrer-Gesangverein mit einem Morgengesang begrüßt. Der Vorsitzende des Lehrer-Gesang- Vereins, Schulz, überreichte eine Adresse. Gras Moltke erwiderte daraus dankend, indem er auf die hohe Ausgabe der Jugenderziehung hinwies und seine freudige Genugthuung darüber äußerte, daß man auch den Gesang Seitens der Berliner Lehrer so eifrig Pflege. Inzwischen hatten sich sämmtliche Offiziere und Beamte des Generalstabs und der Landesaufnahme, sowie eine Deputation der Kriegsakademie im Generalstabs-Gebäude versammelt. Vom Chef des Generalstabs General der Cavallerie Grafen von Waldersee geführt, begaben sich dieselben um 9^/z Uhr nach der Wohnung des Grafen Moltke, um vor demselben defilirend ihre Glückwünsche darzubringen. Graf Moltke trat vor und sagte, er freue sich, den Generalstab hier zu sehen, dessen Name einen großen Klang habe und er danke den Herren, daß sie denselben aufrecht erhalten hätten. Graf Moltke ersuchte sodann die Herren, die Ehrengaben in Augenschein zu nehmen. Es waren
Mnshundert Meter unter der Erde.
Von Hugo Werth.
Täglich lesen Sie in den Zeitungen ganze Spalten Über- Arbeitseinstellung und Wiederaufnahme, über große Versammlungen und Demonstrationen der Bergleute und Ähnliches, und da möchten Sie gern einmal etwas Näheres über das Leben dieser nicht eben beneidenswerthen Menschen erfahren. Sie haben Recht. Hören Sie also zu, ich will Ihnen die Einfahrt in ein Kohlenbergwerk beschreiben.
Wir hatten durch die Gefälligkeit des Directors des . ... er Tiefbau Gelegenheit erhalten, in dessen über fünfhundert Meter tiefen Schacht einzusahren- ein alter Bergmann war uns als Führer mitgegeben worden.
Nachdem wir uns auf das Prächtigste mit den abgetragensten Stücken unserer Garderobe und einigen Bergmannskitteln aufgeputzt, wasserdichte Stiefel angezogen und Jeder ein Grubenlämpchen zur Hand genommen hatten, bestiegen wir den Aufzug, Förderkorb genannt.
ES ist das ein großer, an zwei Seiten offener eiserner Kasten, dessen Boden im Zustande der Ruhe mit ebener Erde gleich liegt und in den die leeren Kohlenwagen hineingeschoben werden, um nach unten und von da gefüllt wieder nach oben befördert zu werden. Er hängt an einem fast armdicken Drahtseil, welches über eine hoch oben in dem Schachtthurm befindliche Rolle zu dem großen Rade im Maschinenhause geht und dort beständig aus- und abgewlckelt wird.
Eine kleine Darstellung des Schachtes mit auf- und niedergehendem, den Förderkorb darstellenden Gewicht zeigt dem Maschinisten, in welcher Höhe sich dieser in jedem Augenblick befindet.
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Mit Rücksicht auf den durch unsere Verfügung
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Nachdem wir alle den engen Raum betreten und uns so gut es ging ohne einander zu belästigen, darin zusammengedrückt hatten, erscholl ein Glockenzeichen, und im nächsten Augenblick versanken wir in den Boden. Ein sonderbares Gefühl ergriff mich.
Die Sonne, die noch soeben alles mit ihren Strahlen vergoldete, war verschwunden, und bei dem dürftigen Schein unserer Lampen sahen wir gespenstig die Holzauszimmerung des Schachtes nach oben an uns vorüberhuschen, während ununterbrochenes Plätschern herniederfallenden Wassers und manchmal fernes Brausen unser Ohr berührte und von Zeit zu Zeit auch ein kalter Strahl den Einen oder Andern traf.
Einmal sahen wir aus der Ferne ein Licht herüberschimmern. Unser Begleiter erklärte, hier sei ein Stollen, ein Quergang, in den Berg gehauen, der zu^einem höher gelegenen Theile des Kohlenflötzes führe, es befinde sich hier auch eine Vorrichtung zum Halten, wir würden aber gleich bis unten fahren.
Nachdem wir noch eine Weile schweigend tiefer gesunken waren, verminderte der Korb seine Geschwindigkeit, stieß ans und hielt. Ich meinte, lange, lange Zeit gefahren zu sein und doch waren es kaum zwei Minuten gewesen.
„So, nun sind wir unten," sagte der Bergmann, „und der andere Korb^ ist oben. Der Schacht ist nämlich ein doppelter," fügte er erläuternd hinzu, „während wir in der einen Hälfte einfahren, fährt in der anderen ein Förderkorb aus."
Aus unsere Frage, ob cs hier denn nun gar nicht mehr tiefer gehe, erwiderte unserer Führer, indem sich ein eigen-- thümlich feierlicher Zug über sein Gesicht legte, welches der seit so langen Jahren in die Poren eindringende Kohlenstaub mit unvertilgbaren blauen Punkten und Linien dicht bedeckt hatte: „O, es geht hier unter dem Schacht noch tiefer- aber
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Bekanntmachung,
Maul- und Klauenseuche zu Wiefeck betreffend.
Gießen, am 27. October 1890. Betr.: Wie oben.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
an Großh. Polizeiamt Gießen
und an die Großh. Bürgermeistereien Alterr- Buseck, Großen-Buseck, Trohe, Rodgen, Lollar, Mainzlar, Daubringen.
Wir machen Sie aus den Schlußabsatz unserer vorstehenden Bekanntmachung zur Nachachtung aufmerksam.
_________________v. Gagern.___________________
Gießen, den 27. October 1890.
Betr.: Die Ausstellung der Voranschläge der Ktrchensonds pro 1891/92.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
an die evang. Kirchenvorstände des Kreises.
Soweit Sie sich mit Erledigung der Verfügung vom 19. August l. Js. — Anzeiger Nr. 196 — noch im Mckstand befinden, erinnern wir Sie daran mit Frist von 8 Tagen.
v. Gagern.
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