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Nf. 199. Donnerstag den 23. August 1390
Der
Kkteirer Anzeiger erscheint täglich, ®it Ausnahme deS MontagS.
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Lnvahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr.
Amtliche* Shell.
Bekanntmachung,
Schastäude zu Lang-Göns betreffend.
Unter der Heerde des Schäfers Konrad Boller zu Lang-Göns ist der Ausbruch der Räude festgestellt worden. Die Heerde des Schäfers Groß haus daselbst ist, weil sie mit der verseuchten Heerde in Berührung kam, der Ansteckung verdächtig. Wir haben deßhalb die Sperre der Gemarkung Lang-Göns, sowie weiter verfügt, daß die beiden Heerden von einander scharf getrennt zu halten sind und nur die einer jeden von der Großh. Bürgermeisterei angewiesene besondere Weidefläche benutzen dürfen. Gestattet ist die Ausfuhr von Schafen nur zur sofortigen Abschlachtung und nur mit unserer jedesmal einzuholenden besonderen Erlaubniß. Zuwiderhandlungen unterliegen der gesetzlichen Strafe.
Gießen, am 26. August 1890.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
I. 33.:
Jost, Regierungsrath.
Bekanntmachung.
Unter der Schafheerde zu St ein he im ist der Ausbruch der Räude festgestellt worden, weshalb wir die Sperre der Gemarkung Steinheim verfügt haben. Gestattet ist die Ausfuhr von Schafen nur zur sofortigen Abschlachtung und nur mit unserer jedesmaligen besonderen Erlaubniß. Zuwiderhandlungen unterliegen der gesetzlichen Strafe.
Gießen, den 26. August 1890.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
I. V.:
Jost, Regierungsrath.
Bekanntmachung.
Die Maul- und Klauenseuche zu Ebsdorf, Kreis Marburg, ist erloschen, der ganze Kreis Marburg ist nunmehr wieder seuchenfrei.
Gießen, den 23. August 1890.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
I. V.:
Jost, Regierungsrath.
Bekanntmachung.
Der landwirthschaftliche Bezirksverein des Kreises Gießen wird
Montag den 22. September 1890 in Hungen auf dem Viehmarktsplatze eine Ausstellung von Zuchtvieh, verbunden mit einer Viehpreisverthellung veranstalten.
An derselben können sich alle im Kreise Gießen wohnenden Viehzüchter mit ihren Zuchtthieren mit Ausnahme der Viehhändler betheiligen.
Prämien werden nur für Zuchtthiere der Vogelsberger Raffe (Reinzucht) und der Simmenthaler Raffe (Reinzucht und Kreuzung) erthellt. ,
An Geldpreisen hat der landwirthschaftliche Provinzml- verein zur Prämierung von Simmenthaler Vieh 300 und der landwirthschaftliche Bezirksverein zur Prämiirung von Simmenthaler und Vogelsberger Vieh 500 zur Disposition gestellt.
Preise werden bewilligt:
1) für Bullen im Alter von einem Jahre und darüber,
2) für Rinder im Alter von einem Jahre ab und für Kühe jeden Alters-
Rur preiswürdiges Vieh wird prämiirt. Sämmtliche auszustellende Thiere müssen bis Morgens 9 Uhr auf dem Marktplatz zu, Hungenj aufgetrieben sein. Bullen im Alter von 1V2 und mehr Jahren müssen an einem Nasenring geführt und an demselben aus dem Ausstellungsplatze angebunden werden.
Gelegentlich der Thicrschau kann die Ankörung sprungfähiger Bullen durch die Körcommission stattfinden. Es finden daher Gemeinden und Bullenhalter daselbst günstige Gelegen- hett zum Ankauf von Gemeindebullen.
Gießen, den 26. August 1890.
Der Director des landwirthschastlichen Bezirksvereins Gießen. Jost, Regierungsrath.
Bekanntmachung,
die Abhaltung landwirthschaftlicher Vorträge betreffend.
Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß Herr Landwirthschaftslehrer Leithiger von Alsfeld
1) Sonntag den 31. August 1890, Nachmittags 2V2 Uhr, einen Vortrag über: landwirth- schastliche Buchführung in dem Locale des Herrn Wirths Konr. Weil III. zu Lang-Göns;
2) Sonntag den 7. September 1890, Nachmittags 2 Uhr, einen Vortrag über: Molkereiwesen im „Rappen" zu Grünberg;
3) Sonntag den 14. September 1890, Nachmittags 2 Uhr, einen Vortrag über: die Trockenlegung der Grundstücke in dem Locale des Herrn Joh. Heiland zu Lich;
4) Sonntag den 21. September 1890, Nachmittags 21/2 Uhr, einen Vortrag über: Molkereiwesen in dem Locale des Herrn Wirths Konr. Weil III. zu Lang-Göns;
5) Sonntag den 28. September 1890, Nachmittags 2 Uhr, einen Vortrag über: landwirth- schastliche Buchführung in dem Gasthofe „Zum Rappen" zu Grünberg;
6) Sonntag den 3. October 1890 - Nachmittags 2 Uhr, einen Vortrag über: Anlage von Gewannwegen in dem Locale des Herrn Joh. Heiland zu Lich halten wird.
Alle Mtglieder des landwirthschastlichen Bezirksvereins, der landwirthschastlichen Localvereine und alle Freunde der Landwirthschast werden zu diesen Versammlungen hierdurch ergebenst eingeladen.
Die Herren Bürgermeister der Gemeinden, in welchen Vorträge gehalten werden, sowie die der benachbarten Gemeinden werden hierdurch ersucht, auf möglichst zahlreichen Besuch der Versammlung hinzuwirken.
Gießen, den 8. August 1890.
Der Director des landwirthschastlichen Bezirksvereins Gießen. Jost, Regierungsrath.
Lehrer-Conserenz
des Conferenz-Bezirks Lich-Hungen: Mittwoch den 3. September, Vormittags 97? Uhr, in Hungen.
Lieder: 34. 19. 33.
Gießen, den 27. August 1890.
Büchner, Schulrath.
politische Ueberficht.
Gießen, 27. August.
Die nun bereits der Geschichte angehörende jüngste Zusammenkunft zwischen Kaiser Wilhelm II. und dem Czaren hat gewissermaßen durch die Verleihung des russischen St. Andreas- ordens erster Klasse an den Reichskanzler v. Caprivi ihre politische Besiegelung erfahren. Offen hebt denn auch die russische „Petersburger Zeitung" die Bedeutung dieser Herrn
Feuilleton.
Die verlorene Kerle.
Novelle von I. Dedekind, Vers, der „Achten-Ltnt".
(Fortsetzung.)
Die Gräfin schien erweicht, es schimmerte feucht in ihren Augen — und doch verharrte sie in der Abwehr.
„Es ist so einfach, lieber Georg, daß Sie den Wendepunkt, der sich Ihnen darbietet, innehalten. Die Fremde, das bewegte Treiben in Paris wird Ihnen den Abschied schon erleichtern. Und Antonie soll in die Gesellschaft eintreten, damit eröffnen sich auch für sie und uns neue Perspectiven, ihr Onkel kann den Zeitpunkt kaum erwarten und sieht sie im Geiste schon als Königin der Balljäle. Erschweren Sie es mir doch nicht/ meinen Entschluß auszuführen. Es thut mir selbst weh, Georg, aber ich denke, Ihnen Nachsicht genug bewiesen zu haben."
„Nachsicht! So erbitte ich nicht mehr für heute, gnädigste Gräfin, erhalten Sie uns Ihre Nachsicht! Führen Sie immerhin Antonie den Gefahren entgegen, die ihre Schönheit nothwendig unserer Liebe erwecken wird."
„Georg," sagte Toni mit bittenden Augen.
„Ich will versuchen, sie nicht zu fürchten, ich will arbeiten, ringen . . . aber nehmt, 0 nehmt mir nicht die letzte Hoffnung. Scheiden wäre Untergang."
Antonie legte ihren Kopf an seine Brust und weinte.
„Bleib hier, Georg, schütze mich!"
„Ich bleibe, Frau Gräfin, ich bleibe!" ries Georg bittend aus.
„Nicht um die Welt," antwortete sie rasch und vorwurfsvoll, „das hieße aus alles verzichten. Wenn Sie bleiben, daS verspreche ich Ihnen, so sehen Sie Toni nicht wieder und unser Haus verschließt sich Ihnen für immer. Der Eelat, den ich sorgsam abgewehrt, wäre da und Ihre
Zukunft verfehlt. Einen ersten Preis gewinnen und unbenutzt lassen! Unverstand, nur daran zu denken."
„Und wenn ich gehe, womit erleichtern Sie mir die Trennung?"
„Sie großes Kind! Muß ich denn durchaus Concessionen machen? Nun, so denken Sie so viel an Toni und so lange wie Sie wollen, bleiben Sie ihr immerhin treu."
„O, ich sage Ihnen tausendfachen, heißen Dank."
„Wofür? Daß ich Ihnen Gedankenfreiheit lasse? Gut, aber nichts darüber, das merken Sie sich! Bis zu Ihrer Rückkehr sind die Brücken zwischen uns abgebrochen. Sie schreiben nicht, nie, hören Sie? Das verlange ich von Ihrer Ehre . . . Auch dediciren Sie keine Lieder oder dergleichen. Keine Blume, kein Blatt fliegt herüber, Sie sind fort !"
„Ich zähle zu den Todten, es wird schwer sein, aber ich will es lernen. Und darf ich im Jenseits componiren?"
„Das schickt sich wohl nicht anders!"
„Und," rief Antonie zwischen Lachen und Weinen, „Deine Melodien fliegen durch die Luft. Dringen sie auch nicht in die Salons, so spielt sie der Drehorgelmann vor der Thür aus der Gasse und ich höre sie gleich heraus und spiele und singe nach, und denke an Dich Tag und Nacht."
„Und bleibst mir treu?"
„In alle Ewigkeit!"
Sie sanken einander in die Arme und hielten sich fest umschlungen. Die Gräfin hinderte sie nicht. Vielleicht war etwas in dem ungewohnten Bilde, das sie ergriff, rührte oder auch nur belustigte. — Und konnte Georg in der That nicht groß werden nnd hohe Ehren über seine Liebe ausgießen? Es war etwas Siegreiches, Königliches in seiner Kunst.
Aber es konnte auch anders kommen.
Jetzt trennte sie die Liebenden mit zarter Berührung. Georg beugte sich über ihre Hand und küßte sie. „Ich habe hier so viel zu danken," sagte er warm, „daß die Klage darüber verstummt."
„Sie sind trotz alledem ein lieber Junge, Jörg, ich möchte, Sie würden ein ganzer Mann."
„Und ich möchte, Du bliebest hier," weinte Toni an seinem Halse, „ich habe so große Angst."
„Ich komme wieder, gesegne Dich Gott mit Muth und Geduld, mein Tonele!"
„Georg, wie habe ich Dich lieb! Ich lasse Dich nicht."
Er sah in der Abenddämmerung nicht, wie blaß sie geworden war. Aber ihre Hand in der seinen fühlte sich eiskalt an.
Die Gräfin drängte sie auseinander und führte Georg hinaus bis an die Stiege.
Aufschluchzend warf sich Antonie am Flügel nieder,- er stand noch offen und die weißen Tasten flimmerten vor ihren Augen. Es dunkelte schon im Zimmer, das Abendroth war zerstoben und die Sonne untergegangen.
II.
Eine kleine gewählte Gesellschaft deutscher, meistens österreichischer Künstler hatte sich zu ihren Versammlungen ein Zimmer im damaligen Hotel de Douvres, Ecke der Rue de la Paix und des Boulevard des Capucines auserkoren. Die Fenster beherrschten die Aussicht auf beide elegante und sehr belebte, damals im Brennpunkt der Metropole belegenen Gaffen.
Es war ein Märzabend, ganz nahe vor Ostern, der Carneval und die Fastenzeit mit ihren verschiedenartigen Gesichtern waren zurückgetreten, um dem kommenden Herrscher, dem nahen Frühling, Platz zu machen. Schon durfte man die Fenster öffnen, um mildere Lüste einzulassen.
Die Gasflammen begannen unten aufzuflackern, während das scheidende Tageslicht und die Abendröthe am Himmel zusammenfloffen und die Kaiserstatue aus der Vendomesäule, die damals noch feststand, wie ein zartes Duftgebild hoch oben in der blauen Lust beleuchteten.
Es war die beste Stunde des Tages, die nach den Mühen der Arbeit die Ausruhenden mit erquickendem Be-^


