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1890.
Ur. 97 Erstes Blatt. Sonntag den 27. April
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Amtlichrv Tlreil.
Bekanntmachung.
fes wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß Di Großh. Bürgermeister Christian Rein von Allen |ptf a d. Lda. zum OrtSgerichtSvorsteher daselbst lu d L udwig Geivler VII. von Staufenberg als VeriichtSmann Großb. Ortsgerichts Staufenberg ernannt md verpflichtet worden sind.
Gießen, am 23. April 1890.
Grobherzogliches Amtsgericht.
Fresenius.
Gefunden: 1 Manschettenknopf, 1 Taschenuhr, 1 Gmnmiball, 1 Vorstecknadel, 1 Messer, 1 Gartenthüre, I Re-mschirm, 1 Portemonnaie mit Inhalt, baar Geld.
Gießen, den 25. April 1890.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius.
Deutsches Reich.
m. Darmstadt, 25. April, 7 Uhr Abends. Soeben ist W deutsche Kaiser, welcher General-Uniform trug, lungetroffen und von der zu Tausenden zusammen- . Mö-mren Bevölkerung enthusiastisch begrüßt worden.
Him Bahnhose harten sich außer der gesummten Großh. gwbc die Spitzen der Behörden zur Begrüßung eingefunden, mscll'st eine Ehrencompagnie auf dem Perron Ausstellung Wommen hatte. Nachdem der Kaiser, welcher sehr wohl «Mjsch, den Wagen verlassen, begrüßte er auss Herzlichste 5 toie Mitglieder der Großh. Familie und unterhielt sich auf " X leutseligste mit den ihm vorgestellten Herrschaften.
Durch den hübsch decorirten Empsangssalon zu dem vier- : i:Mili,gen Wagen geleitet, nahnt Seine König!. Hoheit der 'WoWerzog, sowie Se. Majestät der Kaiser in demselben • Ulin. Escortirt durch eine Escadron Dragoner und unter : iriiajt enden wollendem Jubel der Bevölkerung fuhr der ! Rüijci zunächst iys Großh. Palais zu seiner Großmutter, der Mnigiiin von England, zur Begrüßung derselben, und von da I a Großh. Palais, woselbst derselbe Wohnung genommen. ' Mugbcn srüh kommt die Kaiserin. Die Majestäten gedenken : te Montag hier zu bleiben.
Berlin, 24. April. Die Berarhungen auf dem achten lGeiittschen Lehrertag, welcher vom 26. bis 29. Mai ; y.j=. ^s. in Berlin tagen wird und zu welchem sich außer Mli -00 Abgesandten der Bolksschullehrer-Bereine Deutsch- ' lmds noch 2000 bis 3000 Theilnehmer aus allen Theilen r )ik Reiches einfinden werden, sollen sich auf Fragen der . Msöüldung und Volkserziehung, soweit sie aus Einrichtung i Jin Schule, Bildung und Stellung ihrer Lehrer Bezug haben, i tnj:i edlen. Zur Gewährung einer Beihilfe von 10,000 Mk. i LW städtischen Mitteln wird der Magistrat demnächst die MiiMimung der Stadtverordneten-Versammlung einholen.
Neueste Nachrichten.
Wolffs telegraphisches Corrcspondenz-Bureau.
Berlin, 25. April. Der Bundesrath stimmte in ptn gestrigen Sitzung den vom Reichstage angenommenen entwürfen zu (Aufhebung des Gesetzes über die unbe- siste Ausübung der Kirchenämter, Vertragsentwürfe mit der
• M.igesellschast „Deutsche Ostafrika-Linie" in Hamburg über - teitung einer Postdanipserverbindung in Ostasrika). Ferner m Antrag des Reichskanzlers betreffend die Abänderung io; Hosttarifs. Er überwies die Vorlage betreffend Einfuhr lijkn Her Schafe aus Oesterreich-Ungarn und Rußland zu Att pvecken, sowie den Annag zur Ermächtigung einer straf- Mliichen Verfolgung- wegen Beleidigung des Bnndesraths Jai bsetrefsenden Ausschüssen.
Berlin, 25. April. Die „Nordd. Allg. Ztg." enthält MSchreiben des Fürsten Bismarck vom 24. d., welches Ättit: „Bei der großen Anzahl von Bittgesuchen mit Srlaggen, die mir zugehen, ist es mir nicht möglich, letztere chämiäßig zurückgelangen zu lassen. Ich ersuche die Ein- i'jto, sich zu vergegenwärtigen, daß sie auf Zurücksendung Äl Anlagen nicht rechnen können, auch dann nicht, wenn es Qmmente sind.
Berlin, 25. April. Abgeordnetenhaus. Das Kus. erledigte verschiedene Petitionen, von denen diejenige wMobstes Goltz-Berlin, betr. die Einstellung einer Summe zu kMi.iihen Einrichtungen in das Extraordinarium des Etats I -rir 111891—92, zu einer längeren Debatte führte. Es wird I
schließlich beschlossen, die Petition der Regierung zur Berück- | sichtigung zu überweisen. — Nächste Sitzung Montag 11 Uhr. Nachtragsetat, Sperrgeldergesetz.
Berlin, 25. April. Mittags wurde die allgemeine Gartenbauausstellung im Landesausstellungspark in Gegenwart der Kaiserin und des Prinzen Leopold durch den Minister v. Lucius eröffnet. Anwesend waren Caprivi, Bötticher, Maybach, Herrfurth, Wedcll, Moltke, Waldersee, Pape, Herzog von Ratibor, Forckenbeck. Minister v. Lucius dankte der Kaiserin und dem Prinzen für ihr Erscheinen und gedachte der von den preußischen Regentinnen dem Gartenbau stets zugewandten Fürsorge. Er schloß mit einem Wunsche für das beste Gedeihen des Unternehmens und brachte ein Hoch auf die Kaiserin aus. Nach der Vorstellung des Comit^s folgte der Rundgang. Die Kaiserin drückte wiederholt ihre lebhafte Befriedigung über die herrliche Ausstellung aus.
Berlin, 25. April. Die „Berliner Polit. Nachrichten" melden! Die Reichseinnahmen des Etatsjahres 1889/90 ergeben gegen den Voranschlag Mehrerträge, und zwar an Zöllen <X 78 239 381, an der Tabaksteuer cX 196 579, an der Zuckersteuer <X 786 590, an der Salzsteuer 418 048, an der Brausteuer <X 3 791397, an Reichsstempelabgaben <X 13 929 558, Börsensteuer «X 11951 707, an der Privat- lotteriestempelsteuer <X 1 908 826. Mindererträge weisen aus die Branntweinmaterialsteucr -X 7 686 219, die Branntwein- Verbrauchsabgabe cX 18 734 825.
Chemnitz, 25. April. DaS Landgericht verurtheiltc den Reichstagsabgeordneten Schippel wegen Vergehens gegen § 131 des Strafgesetzes (Verbreitung erdichteter Tchätsachen zur Verächtlichmachung obrigkeitlicher Anordnungen), begangen während der Wahlbewegung, zu neun Monaten Ge- f ä n g n i ß.
Hamburg, 25. April. Eine aus viertausend Personen bestehende öffentliche Arbeiterversammlnng beschloß soeben, daß am ersten Mai die Hamburger Arbeiter alle Arbeit ruhen lassen,- sie erklären sich gleichzeitig bereit, solidarisch fiir etwa gemaßregelte Genossen cinzutreten und behielten sich vor, den agressiv vorgehenden Arbeitgebern mit den gleichen Mitteln entgegenzutreten. Der Gegenvorschlag einer gemäßigteren Richtung wurde abgelehnt. Beschlossen wurde ferner, nicht rothe Schleifen zu tragen, weil dieses Vorgehen von den Gegnern provokatorisch benutzt werden könnte. Die Maurer und Tischler erklärten einstimmig, die Arbeit ruhen lassen zu wollen.
Straßburg, 25. April. In der heutigen letzten Sitzung des Landesausschusses kam als erster Gegenstand der Antrag Grad und Genossen auf Aufhebung des Paßzwanges zur Debatte. Der Antragsteller und andere Redner, darunter Dr. Petri, anerkannten die milde Praxis der Regierung bei Ausführung der Maßregel. Vom Regierungstisch aus wurde in die Debatte nicht eingegriffen.
Bern, 25. April. Der Bundesrath hob das am 23. September 1889 gegen Böhmen erlassene Vieheinfuhr- Verbot auf.
Wien, 25. April. Die Eigenthümer der hiesigen Zeitungen beschlossen, am 1. Mai kein Abendblatt, am 2. Mai ein Morgenblatt erscheinen zu lassen. Sämmtliche Arbeiterblätter werden Artikel publiciren, welche die Arbeiter vor Ausschreitungen warnen. Es werden eigene Ordner angestellt. Die Unterbrechung der Arbeit am 1. Mai soll seitens der Gehilfen den Arbeitgebern drei Tage vorher bekannt gegeben werden. Bei Betrieben, bei denen eine Unterbrechung unmöglich ist, sollen soviel Arbeiter feiern, daß der Betrieb ununterbrochen fortgehen kann. Allen Arbeiterversammlungen dieses Tages wird eine einheitliche Resolution vorgclegt, welcher die Forderungen des Pariser Arbeiter- congresses zu Grunde liegen. Bei den Gaswerken ist alles ruhig.
Wien, 25. April. Die österreich-ungarische Staats- eisenbahn theilt mit: Gestern Abend vor Eintreffen des Wien-Pestcr Personenzuges wurden von unbekannten Personen große Steine auf die Geleise nächst der Station Raasdorf gelegt. Der Personenzug wurde erst nach genauer Untersuchung der Strecke expedirt. Auf der Station Siebenbruch wurden zwei verdächtige Individuen verhaftet. Der Zug ist mit einer Verspätung von l3/4 Stunden eingetroffen. Die Behörden wurden vom Thatbestand verständigt.
Wien, 25. April. Die „Abendpost" erklärt auf Grund competenter Erkundigungen es für unrichtig, daß anläßlich der E x c e s s e in B i e l i tz und B i a l a zuerst blind, dann erst scharf geschossen wurde. Es könne an der stets mit vollstem Ernst erfolgenden Anwendung der gesetzlich gebotenen Waffengewalt nicht gezweifelt werden. Ministerpräsident Graf Taaffe macht sämmtliche Landeschefs auf die gesetzlichen Besümmungen anfmerksam, wonach standrechtliches Verfahren stattfinden könne.
Wien, 25. April. Die Nachricht auswärtiger Blätter, wonach Kaiser Franz Joseph Anfang Mai zum Besuche des Kaisers Wilhelm in Berlin eintreffen werde, findet in maßgebenden Kreisen keine Bestätigung.
Paris, 25.-April. Carnot begab sich heute Morgen um 7 Uhr von Nizza nach Dragnignan, traf dort Vormittags 11 Uhr ein und reiste um 2 Uhr nach Nizza weiter. Ueberall wurden ihm lebhafte Ovationen zu Theil.
Paris, 25. April. Der „Figaro" veröffentlicht einen Bries des Prinzen Napoleon an Carnot, worin in scharfen Ausdrücken gegen den Besuch des Geburtshauses Napoleons auf Corsica protestirt wird.
Nizza, 25. April. Der italienische Consul stellte als Doyen Carnot auf der Präfecteur das Consularcorps vor und sprach dabei die Wünsche desselben für das Gedeihen Frankreichs aus. Carnot versicherte, die französischen Be Hörden würden stets Alles aufbieten, um den Consuln ihre Aufgabe zu erleichtern. Bei dem Bankett gestern Abend er- wiederte Carnot auf den Toast des Maires: Die unausgesetzt sich wiederholenden, an den Pertteter Frankreichs und der Republik sich richtenden Begrüßungen ließen^ auf die warmen Sympathien der Bevölkerung Nizzas schließen.
Stockholm, 25. April. Die schwedische Gesellschaft für Anthropologie und Geographie verlieh Emin Pascha die Vega-Medaille; dieselbe wurde dem deutschen Gesandten Busch mit dem Ersuchen um Zustellung an Emin überreicht.
New-Pork, 25. April. Das Erdbeben, über welches bereits aus San Francisco gemeldet wurde, ist auch sehr heftig in Mayfield gewesen, wo eine Eisenbahnbrückc wegen des Sinkens eines Pfeilers unbrauchbar geworden ist- auch ist der Boden an mehreren Stellen eingesunken.
Darmstadt, 26. April. Die Kaiserin Augusta traf um 10 Uhr hier ein. Am Bahnhof fand großer Empfang statt. Die Fahrt durch die Stadt in offenem Wagen erfolgte unter großem Jubel der Bevölkerung.
Darmstadt, 26. April. Seine Majestät der Kaiser und Seine Königliche Hoheit der Groß Herzog sind um 11 Uhr unter stürmischen Ovationen zur Parade auf den Exercierplatz geritten. Die Königin Victoria, die Zkaiserin Augusta, sowie die Prinzessinnen fuhren in offenem Wagen ebenfalls nach dem Exercierplatze.
London, 26. April. Einer „Times" - Meldung aus Zanzibar vom 25. ds. zufolge brach Emin Pascha mit fünf deutschen Offizieren, einer starken Abtheilung nubischer Soldaten und etwa 600 Lastträgern von Bagamoyo nach dem Innern auf.
Cecales und LrovinzicUcs.
Gießen, 21. April.
— Die Montag stattfindende Mirado-Auffnhrung dürste hier allgemeines Interesse und Spannung erregen. Nach den auswärtigen Berichten können wir den Besuch nur empfehlen. Die „Oberhessische Zeitung" aus Marbnrg berichtet über die Mikado-Aufführung in Marburg am 16. April u. A. folgendes:
Sullivans „Mikado" ist eine der neueren Operetten, welche wie wenige, in kurzer Zeit an allen bedeutenden Bühnen Deutschlands ein Zug- und Kassenstück ersten Ranges geworden. Daß der Mikado nicht die Runde in der Provinz macht, wie sonst alle übrigen Operetten, hat seinen Grund einzig in den großen Anforderungen an Ausstattung rc. Dank der Strebsamkeit des Herrn Baars ist das gerühmte Werk auch bei uns ausgesührt. Ihre so rasch erworbene große Beliebtheit verdankt die Operette der eigenartigen und doch so angenehmen Musik, wie der mitunter drastischen Handlung, besonders aber dem fremdartigen Gepräge des Ganzen, welches zu einer tadellosen Aufführung in erster Reihe glänzende Kostüme und passende Decorationen bedingt. Für beides war in jeder Hinsicht ausreichend gesorgt, die Costüme ebenso originell wie prachtvoll. Mit der Musik zu. diesem ausgezeichneten Libretto bietet uns der Componist eine Gabe, die an Zierlichkeit und Zartheit der Melodien geradezu Ueberfluß besitzt. Unter der Leitung des Dirigenten Herrn Buhrdorsf gewannen die Noten Leben, er wußte stets das richtige Maß zu halten, wie auch Orchester und Vocalisten mit sich fortzuziehen und erzielte durch die Verve seiner Führung die nachhaltigste Wirkung. Die Darstellung anlangend, so leisteten die Mitwirkenden allesammt vorzügliches. Die ungemein schwierigen Gruppirungen gelangen überraschend schön- besonders prächtig und großartig mar der Fächerschlag und die Schlußgruppe des ersten Actes. Herr Director Baars hatte gestern den Beweis geliefert, daß er an Scenerie und Ausstattung, sowie vorzüglichem:


