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27.4.1890 Drittes Blatt
 
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«r. 97. Drittes Blatt. Sonntag den 27. April

1890

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Gießen, 26. April.

L>luf den jüngsten Besuch Kaiser Wilhelms iii den Reichs 'knien ist in Darmstadt die Begegnung des kaiserlichen Herrn mit der Königin Victoria von England, seiner erlauchten »Großmutter, gefolgt, und wenn dieses Ereigniß zunächst die innig! n Familienbeziebungen zwischen dem deutschen Kaiser- fctje und der englischen ztönigssamilie widerspiegelt, so ist tch'nuch seine politffche Bedeutung unverkennbar. Die Zu- -Miw-nkunst des deutschen Kaisers mit der greisen Herrscherin -M (Großbritannien besiegelt aufs Neue das zwischen Deutsch­land und dem stammverwandten mächtigen Jnselreiche be- slchkrüde enge freundschaftliche Berhältniß, welches schon im migim Jahre durch den Besuch Kaiser Wilhelms in England eine sso Helle Beleuchtung erfuhr. Seit jener Zeit sind die : Buchungen zwischen den beiden Reichen, deren politische Dimdschaft so wesentlich auf die gegenwärtige friedliche LWaage zurückwirkt, nur noch innigere und festere geworden unb mit um so größerer Genugthuung blickt man daher dies- M l wie jenseits des Canals auf die jüngste Begrüßung Misei Wilhelms mit Königin Victoria auf deutschem Boden, ?mie dies auch zahlreiche Kundgebungen der deutschen wie der -mglisichen Tagespresse bezeugen. UebrigenS ist es bemerkens- tfcerti, daß gerade zum jetzigen Zeitpunkte von der britischen Ädmrralität die amtliche Mittheilung von der Theilnahme tdrs englischen Canalgeschwaders an den im Herbst stattfin- Mcn deutschen Flottenmannövern nach Berlin ergangen ist.

Nachdem Preußen seinen unteren und theilweise auch den Waren Beamten die im Nachtragsetat näher speciatistrten MMserhöhnngen im Gesammtbetrage von 18 Millionen Mr! gewährt hat, sollen nun auch die Reichsbeamten mit Gchallsaufbefferungen bedacht werden. DieKöln. Ztg." ,chhl t aus Berlin, daß dem Reichstage noch für den gegen- Martiggen Reichshaushalt eine Vorlage über Gehaltsaufbesser- Wgm für die unteren und mittleren Reichs-Post- und Tele- Mpr>enbeamten zugehen würde. Die für diese Zwecke be- Mllictie Summe soll annähernd 12 Mill. Mark betragen.

Im Bnndesrathe haben dem Vernehmen nach am Freitag Üerathnngen über die Arbeiterschutzvorlage begonnen; Mvent für den Entwurf ist Oberregierungsrath Landmann, ein genauer Kenner der aus dem Gebiete des Arbeiterschutzes Ämi tenden Verhältnisse. Von den Bundesregierungen soll Miemtlich die bayerische Regierung dem preußischen Entwürfe d-s Alrbeiterschutzgesetzes sympathisch gegenüberstehen! es ver- l'Ket. daß bayerischerseits eine Erweiterung der in der Vor­ige enthaltenen Bestimmungen über die Hausindustrie bean- trngt werden wird.

In Hamburg dürfen am 1. Mai, wie eine Bekannt- nchMig des dortigen Polizeiamtes besagt, während der Ar- foit^eit keinerlei Versammlungen, überhaupt während des We it Tages keinerlei öffentlichen Versammlungen stattfinden.

Die französische Regierung giebt sich den Anschein, als oobfic- vor der Demonstration der Pariser Arbeiter am 1. Mal r keine weitere Bange habe. Wenigstens soll man in den M'er Regierungskreisen dem 1. Mai ohne besondere Be- Mgnüffe entgegcnsehen und wird hierbei auf die beabsichtigten Maischen Vorsichtsmaßregeln hingewiesen.

Italien geht jetzt das Ministerium Crispi ernstlich Md en Versuch, das erschütterte Gleichgewicht im Staats- durch möglichste Beschränkung der militärischen Aus- M» wiederherzustellen. Der dieser Tage in Rom stattge- Äbcne Ministerrath hat sich dem Vernehmen nach mit Ein- Wmigkeit für möglichste Kürzung der Ausgaben für Heer lirMarine im Staatsvoranschlag für 1890/91 ausgesprochen md «sieht man den näheren Mittheilungen des Kriegsministers wen, inwieweit sich die geplante Maßregel ohne Beein- l'chüigung des Dienstes durchführen lassen werde. Dies toiritie freilich noch seine großen Schwierigkeiten haben, denn mmi Italien seine Großmachtsstellung energisch behaupten will, so muß es auch entsprechend militärisch gerüstet dastehen md iob sich eine weitgehende Minderung in den militärischen Mgpben mit der Erhaltung der Schlagfertigkeit des Heeres wnHber Flotte Italiens vereinbaren lassen wird, muß schon jjitzl als zweifelhaft bezeichnet werden. DemEsercito Jta- OW zufolge würden die beim Kriegsbudget zu erzielenden «jispWrnisse 8 bis 9 Millionen Frcs. betragen und sollen sie Kychi spätere Einberufung des neuen Jahrganges, frühere Nurl:!aubung verschiedener Altersklassen und Abstriche bei MiUen Budgettiteln erzielt werden.

Deutsches Reich.

nn. Darmstadt, 25. April. Hessischer Landtag. Nach Verkündigung einer Reihe neuer Einläufe tritt die Kammer heute in die Special-Debatte über die Vorlage Großh. Ministeriums der Finanzen, die Erbauung von Nebenbahnen betreffend.

Abg. Theobald als Berichterstatter des Ausschusses wendet sich gegen die gestrigen Ausführungen der Abgg. Reinhardt und Osann, als habe der Ausschuß nicht die nöthige Sorgfalt auf die Auswahl der projectirteu Bahn­linien verwendet und ärmere Landestheile anßcr Acht ge­lassen.

Abg. Wolfs kehl als Berichterstatter betont, daß ge­legentlich der Generaldebatte sich eine Anzahl Abgeordnete dahin ausgesprochen hätten, daß man hinsichtlich der Bahn projecte noch weiter hätte gehen sollen. Ob dieses richtig sei, werde sich bei der Special-Berathung der Vorlage zeigen. Einen Punkt glaube er aber doch etwas näher in's Auge fassen zu müssen. Es sei gelegentlich der Debatten dem Ausschuß der Vorwurf gemacht worden, als habe er Bahn- projecte, welche nöthig seien, nicht berücksichtigt. Er möchte dieses nicht unwidersprochen lassen, weil leicht dadurch im Lande eine falsche Auffassung entstehen könne. Der Aus­schuß habe sich nur gefragt: stehen auch die immer dauernden Betriebszuschüsse im Verhältniß zu den Vortheilen, welche wir den einzelnen Landestheilen zuwenden wollen. Es sei nicht damit gethan, daß durch die Annahme einer Bahn die Steuercapitalien in die Höhe gingen und die Holzpreise etwas mehr gehoben würden. Was das Verhältniß des Staates zur Hess. Ludwigsbahn anlange, so sei mau im Großen und Ganzen für deren Uebernahme durch den Staat. Es sei aber nöthig, daß erst eine Klärung des Verhältnisses herbei­geführt werden müsse, ehe man an die Erwerbung denken könne. Man möge doch bedenken, daß es sich hier um ein Capital von 214 Millionen Mark handele und zwar 112 Mill. Activa und 102 Mill. Priorita. Zweit Drittel des Bahnbetriebes liege in Hessen. Diese Summe sollte doch ein Grund sein, daß mit der größten Vorsicht vorgegangen werde. Ein Drängen sei nur von Nachtheil. Es werde von vielen Seiten und insbesondere von der Stadt Worms durch Kundgebungen und Zeitungsartikel aus die Uebernahme der Ludwigsbahn hingearbeitet. Es werde aber in diesem Punkte vielzuviel außer Acht gelassen, daß hierdurch auch für den Staat neue Anforderungen herantrüten und die Be­völkerung werde ganz andere Forderungen an die Bahn stellen als an eine Privatgesellschaft. Dieses seien Momente, welche man berücksichtigen müsse. Durch die gestrigen De batten seien die Actien der Hess. Ludwigsbahn um 4 pCt. gestiegeu. Bezüglich der zu bauenden Nebenbahnen stehe der Ausschuß auf dem Standpunkt, daß die Nebenbahnen, welche jetzt noch gebaut werden sollen, sämmt- lich im Eigent hum des Staates stehen müssen.

Abg. Schröder (zur Geschäftsordnung) spricht den Wunsch aus, daß es gut gewesen sei, daß auch von anderer Seite die Frage der Hess. Ludwigsbahn hätte beleuchtet werden sollen.

Es folgt nun die Berathung über die Bahn von Grün- berg nach Lollar. Der Ausschuß empfiehlt den Bau dieser Bahn und da auch die Regierung diese Bahn befürwortet, beschließt die Kammer einstimmig demgemäß.

Bezüglich der Bahn GedernLauterbach und Salz­schlirfSchlitz hatte der Ausschuß beschlossen, dem Hause zu empfehlen, die Regierungsvorlage abzulehnen, dagegen den Bau der Linie SalzschlirfSchlitz dem Hause zur Annahme zu empfehlen.

Ministerpräsident Weber kann sich nicht mit den An­sichten des Ausschusses einverstanden erklären. Der Bahn­bau in dieser Gegend des Vogelsberges sei nöthig, um die dortigen Waldungen zu erschließen, in welchen das Holz rein verfaule.

Abg. Schröder, sowie die Abgg. Metz, Jockel, Hechler können sich nicht für den Bau dieser Linie er­wärmen, welche hinsichtlich ihrer Rentabilität nicht im Ver- hälrniß stehe zu den Opfern, welche der Staat jährlich brin­gen müsse. (Die Kosten des Baues sind auf 2 658 000 Mt. veranschlagt. Nach der Rentabilitätsberechnung würde sich ein jährliches Deficit von 98000 Mk. ergeben.)

Auch die Abgg. Hechler, Friedrich und Osann sprechen sich gegen die Anssührung der Linie Gedern Lauter­bach aus. r , __

Die Abgg. Muth, Zinßer, Sturmfels, Wasser­burg, v. Rabenau, Metz-Gießen, Gutfleisch treten in energischer Weise fiir den Bau der Bahn ein, um dem

gerecht zu werden, was man immer im Munde führe, daß den armen Landestheilen geholfen werden solle.

Bauralh Wetz empfiehlt ebenfalls dem Haus die von der Negierung vorgeschlagene Linie.

Nach erfolgter Abstimmung werden die Bahnen Lauter­bachGedern und SalzschlirfSchlitz, erstere mit 24 gegen 18, letztere einstimmig angenommen.

Wegen der Anwesenheit des 5kaisers findet morgen keine Sitzung statt. Nächste Sitzung Dienstag.

Cocales rrnd provinzielles.

Giehen, 26. April.

Verein hessischer Lehrerinnen. Der nun seit 6 Jahren bestehendeVerein hessischer Lehrerinnen zur Gründung eines Heims" erfreut sich einer steten Zunahme und das Vermögen desselben war Ende vergangenen Jahres bis auf ungefähr 30 000 Mk. gestiegen. Einen erheblichen Beitrag dazu hatte der im Februar 1889 von dem Vorstand in Darmstadt ver­anstaltete Bazar geliefert, durch welchen 7500 Mk. in die Kasse geflossen waren. Wenn nun auch an den Bau oder den Ankauf eines Hauses, das alten, unbemittelten und allein­stehenden Lehrerinnen ein Heim bieten soll, vorerst noch nicht gedacht werden kann, so ist doch schon verschiedenen kranken oder erholungsbedürftigen Lehrerinnen eine Unterstützung gewährt worden. (Laut Beschluß der Generalversammlung werden l°/0 der Zinsen des Capitals und der jährliche Beitrag Sr. Königlichen Hoheit des Großherzogs dazu verwandt.) Außerdem steht durch die Güte Ihrer Durchlaucht der Frau Gräfin von Erbach-Schönberg das Ferienheim zu Schönberg den Mitgliedern des Vereins gegen den geringen Pensions­preis von 2 Mk. täglich zur Verfügung und schon manche Lehrerin hat sich dort in der erquickenden Waldluft von den Anstrengungen ihres Berufs erholt. Aber auch in anderer Weise ist der Verein thätig. Als vor ungefähr 2 Jahren der Leipziger Lehrerinnenverein die Gründung einer Stellen­vermittlung durch und für Lehrerinnen ins Auge faßte, schloß sich der hessische Verein diesem Unternehmen, das sich über- ganz Deutschland verbreitet hat, an, und auf der General­versammlung vom 12. Juni 1889 wurde der Beschluß gefaßt, die Stellenvermittlung für Lehrerinnen und Erzieherinnen unter die Vereinszwecke aufzunehmen/ Daß ein solches Institut schon seit langer Zeit in Lehrerinnenkreisen für höchst wünschenswerth gehalten wird, beweisen die häufigen und bitteren Klagen der Lehrerinnen und Erzieherinnen über Agenturgeschäfte. Darum ergeht an Eltern und Schul­vorstände, an Lehrerinnen und Erzieherinnen, wie an Alle, die Verständniß und Theilnahme für das gute Werk haben, die Bitte, die Vereinigung mit Rath und That, durch Auf­träge, wie durch gelegentliche Empfehlung soviel als möglich fördern zu wollen.

Nidda, 24. April. Unser seit achtzehn Jahren hier an­gestellter Prediger, Herr Pfarrer Eckstein wird uns in der Kürze verlassen, um die Psarrstelle in Alsbach, an der er schon früher Jahre lang wirkte, anzunehmen. Vor einigen Jahren schon sollten wir ihn verlieren, doch schlug er damals zur Freude der Gemeinde die angebotene Stelle aus. In Herrn Eckstein verliert auch zugleich die erweiterte Volksschule ihren Mitbegründer. Der hiesige Vorschuß- und Credit- verein hat beschlossen, daß aus dem Ueberschuß für 1889 10pCt. von dem Geschästsantheile Ende 1888 an die die Actiengesellschaft bildenden Mitglieder für das ganze Jahr 1889, an die mit dem 1. October 1889 ausgeschiedenen Mitglieder vom 1. Januar bis Ende September 1889 (9 Monate) als Dividende vertheilt werden soll.

vemnischtes.

*= Frankfurt a. M., 25. April. DieFranks. Ztg." beschäftigt sich in ihrem heutigen Abendblatt mit einem Artikel derKreuzzeitung", in welchem behauptet wird, den auf dem Kontinente einzig dastehenden monumentalen Frankfurter Hauptbahnhos habe die Stadt bis jetzt auf freiem Felde liegen lassen. Die Einwohnerschaft Frankfurts stehe rathlos vor der Frage, wie der der Stadt geschenkte Bahnhof zu einem Gliede der Stadt gemacht werde. Bis jetzt sei noch nicht ein einziges Gebäude auf dem weitgestreckten Terrain zwischen der inneren Stadt und dem weithin sichtbaren Bahn­hofspalast errichtet. Ortskundige Pessimisten behaupteten, nach 10 Jahren werde der größte aller deutschen Bahnhöse seine feldartige Umgebung immer noch ausweisen können, weil das an Millionären so reiche Franksurt das Geld für die etwas theuren Plätze nicht auszuwenden vermöge. Der Kreuzzeitungs"-Artikel schließt mit der hämischen Bemerkung: