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Nr. 22. Erstes Blatt. Sonntag den 26. Januar 1890
Der Gießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.
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Amtlicher Theil.
Arr die Großh« Ortsgerichte des Amts- gerichtsbezirks Gießen.
Betr.: Die Erhebungen über die Lage der Landwirthschaft.
Wir bringen hiermit das Ausschreiben Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz vom 27. April 1885 in dringende Erinnerung.
Gießen, am 23. Januar 1890.
Großherzogliches Amtsgericht.
Wieseck, den 24. Januar 1890. Betr.: Decanatsconferenz.
Das Großh. evangelischeDecanat Gießen
an die Herren Geistlichen des Decanats.
Nachdem die beiden Herren Referenten wieder völlig hergestellt sind, lade ich Sie zu der nächsten Mittwoch den 29. d. M. in Gießen stattfindenden Januarconserenz freundlich ein.
Wahl.
Gefunden: 1 Portemonnaie mit Inhalt, 2 Seitenbretter von einem Karren, 5 Taschentücher, 1 Stauchen, 1 Stück Kandel.
Zugelaufen: 1 brauner Jagdhund.
Gießen am 25. Januar 1890.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius.
Zum Gebnrtstage dos Kaisers.
Am 27. Januar vollendet Kaiser Wilhelm II. sein ein- unddreißigstes Lebensjahr, und mit Stolz und Freude feiern alle patriotischen deutschen Herzen den Geburtstag ihres verehrten Kaisers, der sich während seiner kurzen Regierungszeit bereits als ein kraftvoller und zielbewußter Herrscher der deutschen Nation wie der ganzen politischen Welt offenbart hat. Getreu den ruhmreichen preußischen und deutschen Überlieferungen ist Kaiser Wilhelm zumal ein Schirmherr des Friedens und ein Mehrer aller wahren Wohlfahrt des Volkes. In welch' glücklicher, segensvoller Weise unser junger Kaiser diese, seine hohe Mission erfaßt und auch nach besten Kräften bereits durchgeführt hat, dies beweist vor allen Dingen die günstige Wendung in der vor Jahr und Tag noch recht be
denklichen politischen Lage Europas. Die offenherzigen friedlichen Erklärungen des deutschen Kaisers über seine und seiner erlauchten Verbündeten Politik, seine unermüdlichen Reisen an auswärtige Höfe, sowie die Monarchenzusammcnkünfte in Berlin, lauter Begebenheiten zur Bekräftigung der deutschen Friedenspolitik, haben zur Beseitigung der gefahrdrohenden europäischen Lage offenbar in den beiden Jahren das Meiste beigetragen. Freilich dürfen wir uns dabei nicht verhehlen, daß nicht nur die Friedensworte Kaiser Wilhelms, sondern auch das mächtige, blanke deutsche Schwert, über welches der Kaiser gebietet und von welchem er im Nothfalle Gebrauch machen wird, zu den guten Erfolgen der deutschen Politik beigetragen haben. Unentwegt von allen Strömungen des Tages und unbeschadet aller Erfolge der Friedenspolitik bleibt es daher auch die hohe Ausgabe des Kaisers, Deutschlands Heerschaaren stets kampfbereit und den Anforderungen der Zeit entsprechend ausgerüstet zu erhalten. Wie die Verhältnisse nun einmal in Europa und besonders für das im Mittelpunkte des Erdtheiles befindliche deutsche Reich liegen, ist ein möglichst starkes Heer immer die mächtigste Stütze unseres Staatswesens. Mit furchtbarer Wahrheit hat dies bereits der preußische König Friedrich Wilhelm III. erkannt, als im Jahre 1806 in Folge des nicht auf der Höhe der Zeit stehenden Heeres der preußische Staat morsch zusammenstürz le. Diese Wahrheit hat sich, wie der selige Kaiser Wilhelm I. einst einmal hervorhob, Preußens Herrscher tief eingeprägt, und sie mußte der Entwickelung der deutschen Verhältnisse entsprechend auch ein Staatsgrundsatz für das Reich werden. Allerdings hat der Kaiser noch weitere Aufgaben für die innere Wohlfahrt des Volkes zu erfüllen und er hat sie ja auch im verflossenen Jahre seiner Regierung glänzend erfüllt. Welch muthige und zugleich auch versöhnende Worte sprach doch Kaiser Wilhelm im letzten Sommer anläßlich des großen Bergarbeiterstrikes und zur Schlichtung der großen socialen Gegensätze. Und wie sehr hat ihm die bessere Versorgung der Arbeiter mit Hülfe des Altersversor- gungs- und Jnvalidengesetzes der Arbeiter am Herzen gelegen! Die ganze Nation freut sich eines solchen Herrschers und seiner edeln Bestrebungen und bringt ihm zum Geburtstage die herzlichsten Glück® und Segenswünsche dar!
Deutsches Reich.
Berlin, 24. Januar. Das Armee-Verordnungsblatt Nr. 3 vom 22. d. M. enthält u. A. bezüglich der militärischen Feier
des Geburtstages des Kaisers die Bestimmung, daß die vorgeschriebene Armee-Trauer für den 27. ds. Mts. abgelegt werden soll und daß außerdem sowohl die in den Garnisonen üblichen Paraden als auch die Festessen der Osfiziercorps — letztere jedoch ohne Musik — und die (besonderen) Speisungen der Mannschaften stattfinden dürfen. Dagegen sollen die für den 27. Januar extra sonst in Aussicht genommenen Lustbarkeiten bis nach Ablauf der Landestrauer verschoben werden.
Neueste Nachrichten.
Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau.
Berlin, 24. Januar. Der Kaiser wohnte Abends in der Kriegsakademie einer Versammlung der militärischen Gesellschaft bei, woselbst Major Rößler einen Vortrag über „Angriffspläne Friedrichs des Großen in den beiden ersten schlesischen Kriegen" hielt.
Berlin, 24. Januar. Der Fürst und die Fürstin Bismarck sind Nachmittags 1 Uhr 50 Minuten hier eingetroffen.
Berlin, 24. Januar. Unter dem Vorsitz des Reichskanzlers fand heute Nachmittag eine Sitzung des preußischen Staatsmini st eriums statt. Unmittelbar darauf hatte der Reichskanzler Vortrag beim Kaiser, unter dessen Vorsitz dann gegen 6 Uhr ein Kronrath stattsand.
Berlin, 24. Januar. Nach einer Reuter-Meldung aus Mombasa berichten zwei von Tana eingetroffene französische Priester, daß sie Or. Peters in bestem Wohlsein in Subaki verließen. Peters sei auf dem Marsche zur Küste und erwarte Proviant.
Wien, 24. Januar. Die „Pol. Corr." bezeichnet aus Grund bulgarischer Informationen die Nachricht als durchaus unbegründet, daß zwischen Stambulow und Stransky Mißhelligkeiten bestehen und daß Stransky durch Natchevitsch ersetzt werden soll.
London, 24. Januar. Der Hamburger Dampfer „Savena", von Newyork nach Hamburg unterwegs, ist auf See in sinkendem Zustande verlassen worden. Die Mannschaft wurde gerettet.
London, 24. Januar. Die „Times" bespricht den Samoa-Vertrag sehr beifällig. Derselbe lege ein schönes Zeugniß ab für die Unparteilichkeit des Reichskanzlers in Allem, was die deutsche Colonialpolitik angehe. Der Vertrag löse eine schwierige delicate Frage und dürfe als Musterabkommen seiner Art betrachtet werden; derselbe scheine auch England alles zu gewähren, was es in Samoa beanspruche.
aber nicht geleugnet werden, daß Berlin früher noch bescheidener war. Das war in jenen Tagen, als das „Mehlhaus" noch den Versammlungsort der tanzlustigen Jugend bildete. Dies ganz versteckt hinter den Museen auf einer Spreeinsel belegene Gebäude kommt mir gerade deshalb in den Sinn, weil die Verwaltung der Museen behufs Ausführung der geplanten Erweiterungsbauten das Haus von der Bäcker-Innung gekauft hat und es nunmehr vom Erdboden verschwinden soll.
Vor 25 Jahren noch war der unschöne Bau aus der Spreeinsel das beliebteste Tanzlocal in Bcrlin. Dort hielten saft alle Vereine ihre Winterfeste ab, für Hochzeiten und Privatbälle wählte man mit Vorliebe das Mehlhaus. Besonders bekannt wurde es aber durch die öffentlichen Tanzvergnügungen, die in demselben an den Samstagen und Sonntagen stattfanden. Der Ton, der dort herrschte, war bei aller Ungezwungenheit ein solcher, daß auch ehrbare Bürgersamilien es nicht verschmähten, ihre Töchter in das Mehlhaus zum Tanze zu führen. Man war sicher, zweideutige oder anrüchige Elemente dort nie zu finden, die tanzlustigen jungen Männer waren Vertreter des Kausmanns- standes, junge Beamte, gebildete Handwerker. Spötter nannten früher das Mehlhaus daher das Berliner Heiraths- bureau, notabene nur für die Wintermonate - im Sommer galt als solches das nun auch längst verschwundene Gartenlocal Moritzhof. Eine Sage behauptete, der Fußboden im Tanzsaale ruhe auf Federn und deshalb lasse sich dort so leicht und gut tanzen. Was die Füße beschwingte, das war wohl aber nur der frohe Sinn und das leichte, von Sorgen um das Dasein noch nicht so wie heute beschwerte Herz. Ein Tanzvergnügen im Mehlhaus war nur mit geringen Ausgaben verknüpft. Limonade oder Bier genügten auch dem besser Situirten als Erquickung, wer ein Glas Grog und Pfannkuchen nahm, galt schon für einen Schlemmer. Solide
Feuilletsn.
Aus der Reichshauptstadt.
Berlin, 23. Januar.
Das war in den letzten Tagen eine Aufregung hier zu Lande! Man merkte, daß etwas Besonderes „los" sein müsse und in der That war etwas „los", nämlich die Loose zur Schloßfreiheit-Lotterie. Was Niemand angesichts der 190000 Nieten für möglich gehalten, war eingetreten und man riß sich förmlich um die Scheine, welche auf eine fette Niete die herrlichsten Aussichten eröffneten: wahrscheinlich gerade weil es sich um einen Abbruch handelte, hat diese Massenhaftigkeit der Nieten — dem Absatz trotzdem keinen Abbruch gethan, gerade weil den unternehmenden Banken ein so niedlicher Verdienst — boshafte Leute sagen ein „Etlicher" Verdienst — von über 7 Millionen Mark nachgerechnet werden konnte, waren die Berliner, wenigstens so weit sie es haben konnten, durch die Bank voll Feuer und Flamme, ein Loos zu erhalten. Darin bestand eben die Aus-.- regung, daß einer den anderen fragte, ob er ein Loos nehmen werde und daß Jeder voller Spannung war, ob denn die Unternehmer bei so ungünstigen Chancen für die Spieler ihre Antheilss an den Mann bringen würden. Nun! Sie haben dieselben alle untergebracht und wir dürfen ob dieser Frage wieder ruhig schlafen, wenn es der Carnev al nur zuließe. Wehe, wenn er losgelassen? Und losgelassen ist er trotz alledem und alledem. Der Hof freilich schweigt, dafür aber wird er aus den öffentlichen Bällen mit aller Macht gepflegt, von der vornehmen Berliner Herren- und Damenwelt. Wenn auch aus der Männer- und Frauenwelt solchergestalt die lebenslustigen Elemente sich vereinigen, ein derartiges lustiges Leben, wo die Fröhlichkeit und harmlose Narrethei ein wahr
haftes Element, das kennt die Reichshauptstadt nicht. Etwas ausgelassener, ein wenig mehr carnevalistisch angehaucht wird es aus diesen öffentlichen Bällen erst, wenn der Champagner das Seinige gethan. Sonst geht es, wie der sedergewandte Ches-Redacteur des verbreitetsten und gelesensten hiesigen Blattes in seiner letzten Wochenschau constatirte, immer höchst „ehrpuselig" zu.
Wie Recht der verehrte Herr College hat, vermochte man auf dem großen Ball zu erkennen, der am Samstag die Berliner Lebewelt nach dem Wintergarten ries. Gewiß hatten mehr denn zweitausend Menschen beiderlei Geschlechts diesem Rufe Folge geleistet. Das wogte und wirbelte aus und ab, daß von dem Glanz der Toiletten und der Pracht der verschiedenartigsten Costüme das Auge geblendet und der Geist ganz verwirrt war. Aber dennoch! Kein Uebermuth, keine Schalks- und Narrenpossen. Man tanzte so ehrbar und harmlos, wie man auf einem von der Pensionsmama veranstalteten Vergnügen tanzen würde, führte seine Dame mit Anstand und Würde auf ihren Platz zurück und trank in der Zwischenpause sein Glas Champagner. Das war Alles! Alles auf dem größten und vornehmsten Ball der Berliner Carnevalszeit. Und dabei hatten sich die Theilnehmer köstlich amüsirt, aber auch „kostbar". Denn billig ist das Vergnügen an einem solchen Abend im Wintergarten gerade nicht. Kostet doch allein der Eintritt 6 Mk. und diesem Alpha entspricht auch das Omega. Der Durst ist aus solchem Fest nur mit Sect zu löschen und wehe daher den durstigen Kehlen und Seelen, wenn sie nicht zur Secte der Reichen gehören. Nachdem ich Ihnen so den bedeutendsten der öffentlichen Carnevalsbälle scizzirt, können Sie sich leicht ein Bild von den kleineren Veranstaltungen machen und Sie werden eingestehen müssen, daß der Spreeathener in seinen Ansprüchen an den luftigen Prinzen nicht unverschämt ist. Damit soll


