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Theater, Giessen.
:ion: Adam Reiners), den 24. Oetober 1890:
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Personen: [8818
Professor Adam Reiners, en Frau Adelheid Martin. id.Tocht Anni Reiners, öm Ida Unger. rum Rudolf Biebraoh. t, Muler Georg Fritzschler. ilk'ilator Heinrich Wioolt. teil «Elisabeth Bischoff.
Karl Schreiner. lädchen Marie Herrmann. ;t $ ühr. Xntans 8 U\\r. Len 20- Oetober MO nhige Zeiten“.
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1 der Erped. d. Bl.
Nr. 249.
1890
Samstag dm 25. October
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-«eßeuer Zn-eiger ncschnnt täglich, e*t AuSnahm« de- Montag«
Dit Gießener
werden dem Anzeiger w-Hentlich dreimal deigelegt.
Gießener Anzeiger
Keneral-Mnzeiger.
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Amts- ttnb Anzeigeblatt für den Kreis Gieren.
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Amtlicher Theil.
Bekanntmachung.
Zum Zwecke der Errichtung eines Denkmals für weiland Kaiser Wilhelm und Friedrich in Verbindung mit einem Kriegerdenkmal zu Alzey ist daselbst ein Ausschuß zusammengetreten, der behufs Vermehrung der Mittel für die Errichtung dieses Denkmals eine Verloosung von Mobiliargegenständen (Silbergegenständen, Möbelgarnituren, Erzeugnissen des Kunstfleißes) am 1. Februar 1891 zu veranstalten beabsichtigt. Großh. Ministerium des Innern und der Justiz hat die nachgesuchte Erlaubniß zur Veranstaltung dieser Verloosung unter der Bedingung ertheilt, daß nicht mehr als 10,000 Loose zum Preise von 1 das Stück ausgegeben werden dürfen und mindestens 40% des Bruttoerlöses aus dem Verkauf der Loose zum Ankauf von Gewinngegenständen zu verwenden find.
Großh. Ministerium des Innern und der-Justiz hat den Vertrieb der Loose im Großherzogthum gestattet.
Gießen, am 22. October 1890.
Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern.
Bekanntmachung.
Es wird zur Kenntniß der Jnteresienten gebracht, daß der Vorstand der Tiesbau-Berufsgenoffenschaft zu Berlin für das Jahr 1890/91 für die Provinz Oberhefien den Herrn Kreis- und Provinzialingenieur Stahl zu Gießen als Vertrauensmann bezw. Beauftragten und Herrn Kreistechniker Eichler zu Bensheim als dessen Stellvertreter bestellt hat.
Gießen, den 22. October 1890.
Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern.
Deutzctzes Äleiich.
Darmstadt, 23. October. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben heute den von Seiner Majestät dem Deutschen Kaiser, König von Preußen zum außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister am hiesigen Hose ernannten Legationsrath Freiherrn v. Plessen behufs Entgegennahme seines Beglaubigungsschreibens in besonderer Audienz zu empfangen geruht.
Darmstadt, 23. Oclober. Die Einberufung des XXVII. Landtags wird voraussichtlich erst für Ende November oder Anfang December erfolgen, weil die Budgetarbeiten noch nicht zum Abschluß gekommen sein sollen.
5 Neueste Nachrichten.
WolffS telegraphisches Torrespondenz-Bureau.
Berlin, 23. October. Betreffs der militärischen Beglückwünschung Moltkes ist vom Kaiser bestimmt worden: Vormittags 11% Uhr versammeln sich die Generalinspecteure, Generalseldmarschälle und commandirenden Generale im großen Saale der Moltke'schen Wohnung- gleichzeitig erwarten die erste Compagnie des zweiten Garderegiments mit sämmtlichen vorher aus dem Schloß abzuholenden Fahnen, einschließlich derjenigen des Colberg'schen Grenadier-Regiments Nr. 9, dessen Ches Moltke ist, sowie die erste Escadron der Garde- Cuirassiere mit Standarten am Siegesdenkmal die Ankunft des Kaisers. Sodann werden die Fahnen uud Standarten nach dem Versammlungssaal gebracht, nachdem der Kaiser zuvor eine Ansprache an die commandirenden Generale daselbst gehalten. Hierauf begeben sich der Generalstabschef Waldersce und Generallieutenant Wittich nach den Gemächern Moltkes, geleiten denselben als Ehrendienst vor den Kaiser, welcher dem Jubilar seine Glückwünsche, wie die der Armee darbringt. Die Fahnen und Standarten bleiben bis zum 27. ds. Mittags in der Wohnung Moltkes. Sobald der Kaiser das Generalstabsgebäude wieder verlassen hat, erscheinen die Prinzen des Königshauses, sowie die in der Armee dienenden Prinzen der souveränen Häuser zur Beglückwünschung.
Berlin, 23. October. An dem vom Verein deutscher Studenten veranstalteten Moltkecommers nahmen zahlreiche Militärs, darunter Generaloberst Pape, die Generäle Meerscheidt, Schlieffen, Verdy und Sallbach, Admiral Goltz, mehrere Professoren, Gelehrte und Künstler Theil. Nach dem eröffnenden Hoch aus den Kaiser wurde die Nationalhymne gesungen. Garnisonprediger Rogge-Potsdam hielt die Festrede auf Moltke, Treitschke toastete auf die deutsche Armee, Stöcker auf die deutsche Jugend. Ein Glückwunsch- Telegramm wurde abgesandt. Ein Schreiben Moltkes spricht den Veranstaltern seinen Dank aus.
Berlin, 23. Oclober. Der „Reichsanzeiger" enthält einen längeren Artikel über die hervorragende Thätigkeit der Staatsbahnverwaltung betreffs der Entwickelung des täglichen Verkehrs der Arbeiterbevölkerung zwischen ihren Wohnstätten und den großen Verkehrscentren. Die Arbeiter-Tages-Wochen- Rückfahrkarten 1889 sind darnach für Berlin, Breslau, Frankfurt a. M., Hannover, Hamburg, Köln und andere Hauptcentren, desgleichen für größere industrielle Plätze des rheinisch-westfälischen, Saarbrückener, Oberschlesischen und Waldenburger Kohlenreviers eingesührt. Im Jahre 1889
sind auf Arbeiterkarten fast 12 Millionen Fahrten — etwa 61/2 pCt. aller Fahrten — ausgesührt, wovon auf Berlin allein 7% Millionen entfallen. Sonach brauche die Preußische Verwaltung auch auf diesem Gebiete einen Vergleich mit anderen Ländern nicht zu scheuen.
Berlin, 23. October. Die Deputationen derjenigen Städte, die Moltke das Ehrenbürgerrecht bereits verliehen haben oder einen Ehrenbürgerbrief überreichen wollen, werden Sonntag Nachmittag 1% Ul)r durch Moltke im Generalstabsgebäude empfangen.
Berlin, 23. October. An der Conferenz unter Vorsitz des Staatssecretärs Bötticher wegen Vorbereitung eines handelspolitischen Abkommens mit Oesterreich nahmen Theil: der Generalconsul Jordan, Legationsrath Lindenfels, die Geheimräthe Hüber, Wermuth, Neumann, Regierungsrath Henle, Generalsteuerdirector Schomer, Geheimer Finanzrath Schmidt, die Geheimräthe Mosler, Thiel, Landrath Dr. Wentzel, der bayerische Generaldirector May, Geheimrath Landmann, sächsischer Zolldirector Golz, Geheimrath Bötticher, der württem- bergische Regierungsdirector Gaupp, Oberfinanzrath Fischer, der badische Zolldirector Lepique, der Ministerialrath Scheerer und der reichsländische llnterstaatssecretär Schraut.
Berlin, 23. October. Die Zusammenkunft zwischen Caprivi und Crispi findet Zwischen dem 5. und 9. November in Mailand statt. Auf der Reise dorthin wird Caprivi München berühren.
Berlin, 23. October. Der „Reichsanzeiger" schreibt: Nach der Statistik des Reichsgesundheitsamts für das zweite Vierteljahr 1890 hat die Maul- und Klauenseuche weiter zugenommen. Die größte räumliche Verbreitung erlangte die Seuche in den Regierungsbezirken Breslau, Posen, Liegnitz, Arnsberg und im Schwarzwatdkreis. Frei waren Ende Juni Pommern, Schleswig-Holstein, beide Mecklenburg, Oldenburg, Altenburg, Coburg-Gotha, Anhalt, beide Schwarzburg, Waldeck, beide Reuß, Schaumburg-Lippe, Lübeck, Bremen und Hamburg.
Berlin, 23. October. In einer A r b e i t e r i n n e n - V e r- sammlung erstattete gestern Frau Ihrer Bericht über den Hallenser Socialisten-Congreß. Rednerin sprach für vollständige Gleichstellung der Frau mit dem Maim. Ein Agitations-Ausschuß wurde gewählt mit dem Auftrage, häufige Versammlungen der Arbeiterinnen einzuberufen. In einer Resolution wird verlangt, daß die von Frauen ausgestellten Forderungen bereits von der heutigen Gesellschaft anerkannt werden und daß immer mehr Frauen und Mädchen sich der socialistischen Partei zuwenden.
Feuilleton.
Kleine Züge aus dem Men Moltkes.
Von B. v. Wolfshagen.
Mir erschien niemals eine Schilderung Moltkes zutreffender, als diejenige, welche einst ein Engländer in seine Heimath berichtet hat. „Zu den am meisten in Berlin Arbeitenden," sagte er, „gehören die Generalstabsosfiziere, eine Vereinigung des Bücherwurms mit dem Soldaten, sehr hoch in der öffentlichen Meinung und diese auch verdienend. Ihr Leiter ist Graf Moltke, der Schweiger. Ruhig, kalt, das ächte Abbild eines wahren, angestrengten, inneren Denkers, — so geht er aus der Straße, so bewegt er sich in Gesellschaft, so stand er auf dem Schlachtfelde mit kaltem, klaren Auge, von einem Punkte zum andern langsam schauend, die Aussichten von Sieg und Niederlage abwägend. Seine Ruhe erscheint geheimnißvoll, ja fast furchtbar, und es umgibt etwas seltsam Düsteres den schweigsamen, einsamen alten Mann. Wenn das Wetter gut ist, sieht man wohl einen sehr hohen, schlanken Herrn mit sehr Hellem, gelblichen Haar und einem bleichen, bartlosen, durchfurchten Gesicht, aus welchem ein Paar grauer Augen hervorleuchten, einhergehen, gehüllt in einen langen, dunklen Militärmantel, eine Mütze auf seinem schmalen Kopse, in einer tadellosen Generalsuniform, ein geborener Edelmann in jedem Zoll seiner aristokratischen, schlanken Figur, aufrechten Ganges, aber den Kopf, wie tief in Gedanken, etwas nach vorwärts gebeugt. Diesen Herrn sieht man dann leicht, langsam, geräuschlos das rothe Generalstabsgebäude am Königsplatz verlassen. Kein Mensch begleitet ihn- Jedermann, der ihm begegnet, schaut ihm aufmerksam nach- vorübergehende Soldaten stehen still und grüßen, der alte General dankt langsam, doch offenbar, ohne zu sehen, wer ihn gegrüßt. Wer der Mann ist, weiß ganz Berlin: es ist der Generalfeldmarschall Gras Helmuth
von Moltke, einer der größten, seltensten, eigenartigsten Charactere, welche die Welt jemals erzeugt hat."
Moltke ist in Berlin so populär, wie kaum zuvor irgend ein deutscher Militär. Aber die Art und Weise, wie man ihm diese Beliebtheit beweist, unterscheidet sich sehr augenfällig von derjenigen, welche einst dem alten Wrangel dargebracht wurde. Mit jenem trieb der Janhagel nämlich eine Art „Hetz", welche ost geradezu in Unart ausartete, während Moltke in einer ganz anderen Art gefeiert wird. Vor Allem zeigt sich die in Berlin wohl unerhörte Erscheinung, daß ihm die gesummte Bevölkerung ohne Rücksicht auf politische Partei- stellung in gleichem Maße ergeben ist. Man darf von ihm in der That behaupten, was sonst nur von gekrönten Häuptern gilt: er steht über den Parteien. Dazu trägt natürlich nicht wenig die Achtung bei, welche der greise Feldmarschall vor einer jeden politischen Meinung zeigt, auch wenn sie der seinigen stracks zuwiderläuft. Ebenso bekannt ist seine Duldsamkeit in consessioneller Hinsicht, wiewohl er selber kirchlich absolut strenggläubig ist. Seine Gefälligkeit einem Jeden gegenüber, welcher sich mit einem Anliegen an ihn wendet, entspricht ganz dieser humanen Lebensanschauung auf den soeben angeführten Gebieten. Besonders hat die Journalistik Veranlassung, Moltke Dank zu wissen, da sie schwerlich von ihm eine ablehnende Antwort erhält, wenn sie einmal seiner bedarf. Das hat sich in dem Kriege gegen Frankreich gezeigt, wo die Berichterstattung an wahrheitsliebende Journale von ihm in einer zuvor nie gekannten Weise gefördert wurde. Was er selbst als Schriftsteller geleistet, ist zu bekannt, um nochmals gewürdigt zu werden. Er hat ^den militärischen Styl, welcher ehedem bepackt war von Ausdrücken, die Niemand verstand, zu einer classischen Reinheit und Gefälligkeit gebracht. Die Nachwelt steht ihm darum mit zwiefacher Aufgabe gegenüber: sie hat sich nicht nur mit dem großen Stratege zu beschäftigen, dessen Thaten mit ehernem Griffel in die Weltgeschichte geschrieben wurden, sondern auch mit
dem Schriftsteller, welcher es verstanden, einen überaus wichtigen Zweig der modernen Literatur von den ihm bisher anhaftenden Mißbräuchen zu befreien.
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Wenn ihm der Berliner etwas nicht verzeiht, so ist eS allein der Umstand, daß man sich von ihm zu wenig zu erzählen weiß. Wittwer, abgeschlossen von der Welt, ernst wie ein Soldat, arbeitsam wie ein Gelehrter, kommt Moltke allerdings wenig oder gar nicht in Berührung mit dem Volke, welches ihn ebenso liebt, wie er ein Herz für dasselbe hat. Aber gleichwohl sähe man es gern, wenn man eine witzige Aeußerung von ihm zu erzählen wüßte, eine Anecdote, geeignet, die Runde am Stammtisch des Wirthshauses zu machen. Die Ausbeute daran fällt für den Sammler überaus kärglich aus, wobei es für den großen Schweiger charac- teristisch ist, daß er in diesen Anecdoten niemals Subject, sondern stets Object derselben ist. „Was für ein Unterschied ist zwischen Moltke und einer Uhr?" lautet eine beliebte Räthselfrage, mit welcher der Berliner gern den Fremden „hineinzulegen" pflegt. Und die Antwort, welche der Fragesteller, wie natürlich immer bei solchen Geistesproducten, selber ertheilen muß, gibt als Auskunft: „Die Uhr macht Tik-Tak und Moltke Tak-tik". Wenn der große Schweiger einmal redend in einem Begebniß angeführt wird, so spricht er selbstverständlich so wenig wie möglich. Als die Franzosen bei Tongking jene bekannte Schlappe erlitten hatten, wurde Moltke bei irgend einer Gelegenheit von einem ihm bekannten Vertreter der „großen Nation" über die damalige Lage deS franco-chinesischen Conflicts interpellirt. „Würde es," fragt er schließlich mit Emphase den berühmten Schlachtendenker, „den deutschen Truppen in der nämlich kritischen Situation etwa besser ergangen sein? Was hätten dieselben an unserer Stelle anders gethan?" — worauf Moltke kurz antwortete: „Gesiegt!"
(Schluß folgt.)


