Ausgabe 
25.5.1890 Zweites Blatt
 
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1) lausende Nummer (nach Jahrgängen),

2) Namen,

3) Stand,

4) Wohnort,

5) Begleitung des Fremden,

6) Tag der Ankunft,

7) Tag der Abreise,

und der Polizeibehörde oder ihren Beauftragten auf Er­fordern jeder Zeit vorzulegen ist.

Die Fremdenbücher müssen paginirt sein und dürfen nicht eher in Gebrauch genommen werden, als bis sie von der Polizeibehörde abgestempelt und mit Vermerk über die Seitenzahl versehen sind.

2) Die Fremden sind verpflichtet, den Gast- und Her- bergswirthen die zur ordnungsmäßigen Führung der Fremden­bücher verlangte Auskunft zu ertheilen.

V. Strafbestimmungen.

Es wird bestraft:

a) nach Art. 6 des Gesetzes vom 4. December 1874 mit Geldstrafen von zwei bis dreißig Mark:

wer den in I, 13 aufgeführten gesetzlichen Vorschriften über Meldung von Zuzügen und Wegzügen zuwiderhandelt;

b) nach Art. 85 des Polizeistrasgesetzes mit Geld­strafen von 1 bis 1 Mark 70 Pfennige:

wer die in I, 4 und 6 vorgeschriebenen An­zeigen unterläßt;

derselben Strafe unterliegt, wer die in I, a vorgeschriebene Anzeige unterläßt;

c) nach Art. 89 des Polizeistrafgesetzes mit Geld­strafe von einer Mark:

wer unterläßt, die in I, 7 bezeichnete Meldung eines Diensteintritts oder Dienstaustritts zu machen;

derselben Strafe unterliegt, wer die in I, 8 vorgeschriebene Anzeige unterläßt;

d) nach Art. 82 des Polzeistrafgesetzes mit Geld­strafe von 1 Mark 70 Pfennige bis 8 Mark 50 Pfennige:

wer den I, 9 und IV, 1 zuwiderhandelt;

e) nach Art. 83 und 86 des Polizeistrafgesetzes mit Geldstrafe von 1 Mark 70 Pfennige bis 17 Mark: wer der Vorschrift des IV, 2 zuwiderhandelt; Derselben Strafe unterliegt, wer ohne An­zeige zu machen, ein ortsfremdes Kind in Pflege nimmt (I, 10).

Gießen, den 10. Mai 1890. I

Großh. Polizeiamt Gießen.

Frefenius. '

vermischtes.

* Die Studenten und der 1. Mai. Nachträglich vom 1. Mai theilen dieBurschenschaftlichen Blätter" in folgendem Scherzartikel mit: Die Furcht der verbündeten Regierungen, daß es am 1. Mai, dem neuen Feiertage für die arbeitenden Klassen, zu Ausschreitungen auch in akademischen Kreisen kommen könnte, gab die Veranlassung, daß von sämmtlichcn Universitätscuratoren Berichte über etwaige Arbeitseinstellungen eiugefordert wurden. Der an den Bundesrath ergangene Bericht theilt mit, daß am 1. Mai auf allen deutschen Hoch­schulen circa 8000 Studenten nicht gearbeitet hätten. Das gäbe aber keinerlei Grund zu Bedenken, denn erstensmal sei das die gewöhnliche Zahl, welche täglich auf deutschen Hoch­schulen schwänze, zweitensmal könne von eigentlicher Arbeits­einstellung ernt 1. Mai gar nicht die Rede sein, da die meisten Studenten bis dahin die Arbeit überhaupt noch nicht ausge­nommen hätten. In Jena hätten sreilich die verbündeten thüringischen Regierungen den in der Nacht vom 30. April bis zum 1. Mai üblichen Umzug der Burschenschaften ver­boten, doch sei dies eigentlich nicht nöthig gewesen, denn die Furcht, daß die Jenaischen Burschenschafterachtstündige Arbeitszeit" einführen wollten, sei ein- für allemal ausge­schlossen- es wäre übersdies zweifelhaft, ob die Jenenser Burschenschafter zu denArbeitenden" zu rechnen seien.

* Die Studenten und der Wirth. 17 Studenten lustigen Humors hielten ein respectables Mahl, wobei sie den dicken, frohlaunigen Wirth mitspeisen ließen. Sie hatten sich aber an eine Tafel gesetzt. Die Striche bezeichneten die Studenten, welche sammt dem am rechten Ende sitzenden Wirth 18 Personen

ausmachen.

2 3 4 5 6 7 8

1

18

17-

Table dhöte.

16 15 14 13 12 11 10

Nachdem das Mahl ziemlich vorüber war, setzte der Student Nr. 1 seine wohlgespickte Börse, aus welcher einige Stücke rollten, mit folgendem Vorschläge auf den Tisch: Heute wird nur einer von uns die Zeche bezahlen und zwar Derjenige, Sie, Herr Wirth, versteht sich mit inbegriffen welcher nicht zufällig frei wird. Dieses Freiwerden von der Zeche soll allemal durch richtiges Abzählen Dem zu Theil werden, auf welchen die Zahl 7 fällt, der sodann als frei ausscheidet. Für meine Freunde bürge ich mit meiner auf dem Tische liegen bleibenden Börse- aber vorher wollen wir

noch etwas Gutes trinken! Der dicke Wirth sah das ihm zurollende Geld als ein gutes Zeichen an, ging mittelst eines Handschlags auf diesen Antrag ein, schaffte noch 18 Flaschen, von seinem besten Wein zur Stelle und lachte der namhaften Zeche wegen ins Fäustchen, denn eine 7 dachte er würde von so vielen ihn doch wohl treffen. Hierauf begann der Student bei Nr. 1.Für meine Bürgschaft und den von mir gemachten Vortheilhaften Vorschlag verlange ich, daß ich das Zählen von meiner Person aus beginnen darf und damit bei dieser Losung keinerlei Jrrthum eintrete, wird Jeder das Zimmer verlassen, auf den eine 7 als Freiloos fällt." Der Student Nr. 1 fängt nun an bei sich bis 7 zu zählen, worauf der Student Nr. 7 als zechfrei das Zimmer verläßt - hierauf beginnt der Student bei Nr. 8 und zählt bei demselben 1, beim Wirth 2, beim Studenten Nr. 10 3- und so bis 7 fort. Auf diese Weise fiel aus jeden ber Studenten ein Freiloos und der Herr Wirth hatte das- Nachsehen.

£ite»atu» und Runst.

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Dingen der AufsatzBrasilien und seine Zukunft" von Hesse-Wartegg, dem berühmten Forscher und Reisenden. Der Autor entwirft in kurzen charakteristischen Strichen ein Bild der Landesverhältnisse und weist auf die Bedeutung Brasiliens für Handel und Industrie hin. Außerdem enthält das Heft u. a.:Am Barbarakreuz", Novelle von A. Hartenstein;Die Neuaufstellung des Museums egypttscher Alterthümer in Kairo" von Prof. Georg Schweinfurth;Wiener Gschnas" (mit vielen Illustrationen) von A. v. Vincenti;Ameri­kanische Lebensbilder" von K. Kudloff;Graf Herbert und Wilhelm Bismarck" von P. Lindenberg; Fortsetzungen des RowansEine Versuchung" von S. Junghans und der NovelleAstrid" von Wilhelm Berger, sowie eine reiche Anzahl kleinerer und interessanter Aufsätze. Der Bilderschmuck ist, wie man es von der vortrefflichen Zeitschrift nicht anders gewohnt, ein vorzüglicher. Der Preis des Heftes (50 Pf.> ist in Anbetracht der Reichhaltigkeit und wahrhaft künstlerischer Aus­stattung desselben ein sehr billiger.

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Gießen, 23. Mai 1890.

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