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25.4.1890
 
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Freitag den 25. April

1890.

Der fictoier Aujeiger icichcint täglich, m Ausnahme des MontagS.

Die Gießener

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Amtlicher Theil.

Gießen, 23. April 1890. Letir. - Verminderung der rabenartigen Vögel.

Las Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Grotzh. Bürgermeistereien -e- KreifeS.

Bei der im vorigen Jahr durch uns angeordneten Ver- minberung der Raben sind zwar im ganzen Kreis nach den bei uns eingelaufenen Berichten zusammen 470 alte Raben, M junge Raben und 1764 Rabeneier vernichtet worden, trop em sind aber drese Vögel und ebenso die Krähen, Dohlen, Wer und in manchen Gegenden auch die Elstern noch immer in übergroßer Zahl vorhanden. Wir ordnen deshalb hier- toidi zunächst an, daß gleich wie im vorigen Jahr im lau» send- n Frühjahr die Nester dieser Vögel durch zuverlässige Personen im Beisein von Forstdieuern oder, insoweit es außer­halb der Waldungen geschehen soll, im Beisein von Feld- föutcn ausgehoben werden. Die hierdurch entstehenden Kosten sch in Gemäßheit des Art. 12 der Verordnung vom 7. April 183i Reg.-Blatt S. 255 auf die Gemeindetaffe zu übernehmen.

Bezüglich des Abschusses der Raben u. s. w. in den ßemoarhingen, in welchen die Jagdpächter unserer Aufforde­rung vom 17. Januar l. I. Kreisblatt 20 nicht iiachMkommen sind, werden wir im einzelnen Fall besondere Slnorbnung treffen.

Auch wenn eine solche besondere Verfügung nicht er- wollen Sie jedoch die Jagdpächter auffordern, dem Ab- Ms der Raben und rabenartigen Vögel, sowie der Eich­hörnchen fortgesetzt ihre Aufmerksamkeit zu widmen und be- (oimö darauf hinwirken, daß die brütenden Raben u. s. w. diif Den Nestern abgeschoffen werden.

Ende Juni l. I. wollen sie berichten, wie viele Raben iinb rabenartigen Vögel, alte, junge und Eier, sowie Eich­hörnchen in Ihren Gemeinden vertilgt worden sind.

v. Gagern.

Gießen, 23. April 1890. $etr.: Die Vertilgung der Blutlaus.

Las Großherzogliche Kreisamt Gießen in die Crotzh Bürgermeistereien bezw. Orts polizeibeamten des Kreises.

Nach dem in obiger Angelegenheit erlassenen Reglement M 3. Februar 1888 Kreisblatt 32 hat im Laufe

Fenilleton.

Kronschatz des Sultans in Konstantinopel

(Schluß.)

Die schöne Odaliske, welcher einst mit diesen Wedeln tton dienstbaren Selavinnen Kühlung gefächelt wurde, be- .iArte nicht mehr mit verführerischem Lächeln ihren holden Mieter, beide weilen längst in Allahs Freudenreiche, sie ijdioirten der Vergessenheit an, während ihre Gerätschaften si! l.is aus den heutigen Tag in Jugendfrische überdauert 'hlitLn, damit sie dereinst der Nachwelt Zeugniß von dem chjchmack der Dahingeschiedenen ablegen sollten. Aus ihnen, in der Schatzkammer regellos vertheilten Taburets "Iten wirklich schöne Raritäten, welche durch ihre gediegene ikpilerische Ausführung überraschten, zum andächtigen Be- ftlliiien ein.

Welchen Geschlechtern verkündete jene Uhr dort den ftulLschlag der Zeit? Welche Favoritin des Sultans fMckten einst diese Agraffen, Colliers, Armspangen und h$e? Kunstvoll geschnitzte Gemmen, Schreibzeuge, welche Ullmcht ehedem die Zeugen wichtiger politischer Abschlüsse taran, von feinstem, durchsichtigem Porzellan bemalte Tassen, 'lii denen der Sultan sein Lieblingsgetränk mit Wohlbehagen fcllürft hatte, Tablets, Vasen, Jubiläumsbecher, kurz alles, die Einbildungskraft sich denken mag, war hier m Homer Formvollendung vertreten. Man könnte glauben, daß Amtliche erystallhellen Steingebilde, gleichsam in poetischer IdKärung die Thränen der Mutter Erde um ihre mehr und Nhm fortschreitende Erstarrung, aus dem verborgenen Schooße Vi OErdiunern sich hier einen würdigen Sammelplatz im Lause ki: Jahrhunderte gegeben hätten, so überreich waren die Üotmrwunder in der Schatzkammer ausgestreut. Herrliche Stüde von LapiS-Lazuli, Onyx, Malachit, Achat, Korallen Kii Perlmutter, die hier vom Sonnenstrahl allein begrüßt »Men, hätten das Entzücken jedes Geologen und Natur- ftHers erregt. Aus einem anderen Tischchen stand ein

des Monats Mai durch die zu bestellende Commission eine Untersuchung der Apfelbäume auf das Vorhandensein der Blutlaus ftattzusinden. Wir beauftragen Sie, diese Unter­suchung vornehmen zu lassen und über das Resultat zu Ende Mai zu berichten. In die Commission sind möglichst die­selben Männer zu wählen wie in früheren Jahren, da bei denselben eine bessere Erfahrung im Ausfinden der Blutlaus vorausgesetzt werden darf. Besondere Aufmerksamkeit muß bei der Besichtigung denjenigen Bäumen geschenkt werden, an welchen in den letzten Jahren die Blutlaus gefunden wurde. In den Berichten ist anzugeben, ob sie sich hier wieder ge­zeigt hat.

Wird das Jnsect gesunden, so ist mit der Reinigung der Bäume nach den Vorschriften des Reglements alsbald vorzugehen. Wegen der besten Art der Vertilgung verweisen wir auf unser Ausschreiben vom 9. Juli 1887 (Kreisblatt Nr. 160).

v. Gagern.

Gießen, 23. April 1890. Betr.: Die Vertilgung der Raupennester.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Grotzh. Bürgermeistereien bezw. Local­polizeibeamten des Kreises.

Soweit Sie unserer Verfügung vom 1. Februar l. I. Kreisblatt 29 I noch nicht entsprochen haben, erinnern wir Sie an baldige Erledigung.

v. Gagern.

Bekanntmachung,

Hagelschäden betr.

Bei dem Heranwachsen der Feldfrüchte machen wir auf die durch die Hagelversicherungsgesellschaften gebotene Ge­legenheit zur Versicherung gegen Hagelschäden unter dem An- fügen aufmerksam, daß das Collectiren wegen Hagelschäden nicht statthaft ist.

Gießen, 22. April 1890.

Großh. Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Deutsches Reich.

][ Darmstadt, 23. April. Zum solennen Empfang der Königin Victoria von England hatte sich heute früh 9 Uhr die gejammte Großherzogliche Familie nach dem Bahn­

hose der Main-Neckarbahn begeben, allwo bereits die Mit­glieder des diplomatischen Corps, die Civil- und Militär-Be­hörden sich eingesunden harten. Als der königliche Sonderzug punkt 9 Uhr in der Halle einlief, präsentirte die auf dem Perron mit Fahne und Regimentsmusik als Ehrencompagnie ausgestellte Leibcompagnie des 1. Großh. Infanterie - (Leib­garde) Regiments Nr. 115 das Gewehr. Der Zug hielt und der Großherzog trat als der Erste an den Salonwagen der Königin, um den hohen Besuch zu begrüßen. Dann betraten die Mitglieder der Großherzoglichen Familie den Salonwagen und verblieben in bemfeiben, bis die Königin den Wagen verließ. Nachdem sich dieselbe aus dem Perron verschiedene Herren, darunter den Staatsminister Finger, hatte vorstellen lassen, begab sie sich in den Fürstenpavillon und nahm von hier aus den Parademarsch der Ehrencompagnie ab. Dem nächst bestieg die Königin mit dem Großherzog und der Prin zessin Ludwig von Battenberg den aus dem Bahnhofsplatz direct vor dem Pavillon haltenden offenen mit vier Pferden bespannten Galawagen, dem zwei Spitzenreiter voraus eilten. Die auf dem Platze aufmarschirte 5. Escadron des 1. Großh. Dragoner - Regiments (Garde-Dragoner-Regiments) N. 23, schwenkte zur Hälfte vor, zur Hälfte hinter den Wagen ab und eseortierte so die Königin durch die Stadt nach dem Neuen Palais. In einem zweiten Wagen folgten die Prm- zessmen Heinrich von Battenberg, Heinrich von Preußen und Alix, in einem dritten der Erbgroßherzog und der Prinz Heinrich von Battenberg, u. s. w., welche särnmtlich im neuen Palais abgestiegen sind. Im Gefolge der Königin ist der Chef des Cabinets General Ponsonby, die Palastdame Lady Churchill, die Hofdame Miß Fhipps, Major Bigge uud der Arzt Dr. Reed. Neugieriges Aussehen bei dem zahlreich zil- geftrömten Publikum erregte auch die schottische und indische Dienerschaft mit ihren malerischen Costümen. Die Stadt hatte festliches Gewand angelegt und die Bewohner begrüßten die hohen Gäste des Großherzogs mit lebhaften Hochrufen.

nn. Darmstadt, 23. April. Hessischer Landtag. Die Zweite Kammer der Stände tritt heute sofort in die Berathung über die Vorlage Großh. Ministeriums d^r Finanzen, den Gesetz-Entwurf die Herstellung der Nebenbahnen betr.

Nach Eröffnung der General-Discussion nimmt Abg. W 0 l f s k e h l als Berichterstatter das Wort, um in ein­gehender Weise die Motive zu besprechen, welche die Herbei­führung der Vorlage durch Großh. Staatsregierung ver­anlaßt und die Art und Weise, wie diese sich entwickeln möchten. Er drückt ferner sein Bedauern aus, daß die Vor-

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Prunkservice aus klarem Bergcrystall, welches mit Perlen und Rubinen eingefaßt war. Gold, Edelsteine und Crystall hatte der Künstler in den wohlgefälligsten Formen aus der rohen Masse zu Kleinodien überall umgestaltet.

Zwischen den Glasschränken auf der Gallerte war eine beachtenswerte Waffensammlung aufgestellt. Flinten wunder­licher Construction, Reiterpistolen, blitzende Dolche, Yagatans, Ehrensäbel, alle damascirt, mit Seide gefütterte Kettenpanzer aus lichtem Golde, ehemalige stolze Zierden kriegerischer Herrscher, Pickelhauben mit wallenden Federbüschen, genug, ein ganzes Arsenal von Waffen und Ausrüstungsstücken war in seltener Mannichsaltigkeit aus den verschiedensten Zeit­altern hier zu finden. Darüber hingen an den Wänden Marmorsockel, welche gekrönt wurden von gigantisch gestalteten Vasen ans Porzellan von Sevre, China und Japan, alles Tribute der Verehrung für den Sultan von europäischen und asiatischen Souveränen. Hier in der Schatzkammer bekommt man eine wesentlich andere Vorstellung von demarmen Manne aus dem verschuldeten Throne". Wer aber kauft eine dieser Kostbarkeiten, um ein Königreich dafür an Werth zu bezahlen? Ich glaube keiner.

Tausende kleiner Schätze muß ich unerwähnt lassen, der Geist würde bei Beschreibung derselben ermüden, während sich das Auge nicht genug satt daran sehen kann. Wir durch­schritten nunmehr den zweiten Prunksaal und sanden hier denselben Glanz, dieselbe Herrlichkeit, nur in üariirenben Motiven vor uns ausgebreitet. In der Mitte des Raumes erhob sich eine Pyramide, welche mit großen und kleinen Goldmünzen auf purpursammetnem Untergründe in harmo­nischer Zusammenstellung umkleidet war. Ein Numismatiker hätte seine Freude daran gehabt, sich in das Studium der Münzen vergangener Epochen zu vertiefen/ römische und griechische, byzantinische, persische und arabische Stücke, so­wie sämmtliche muhamedanischen Münzsorten wies die eigen­artige Sammlung auf. In den Glasschränken des unteren Saales war wiederum eine Fülle von Kostbarkeiten auf» gestapelt, namentlich jedoch Bekleidungsgegenstände und

Rüstungen, welche den verschiedenen hervorragenden Paschas angehört hatten, erweckten das lebhafteste Interesse. Diese Ausstellung kann daher ein specifisch türkisches Museum ge­nannt werden. Insbesondere verdient ein Thron, aus Schild­patt und Perlmutter gefertigt, hervorgehoben zu werden. Den Thronsessel, welcher mit Türkisen und Perlen stylvoll geziert war, überschattete ein von vier Säulen getragener Baldachin, auf dessen Kuppel gleich einer Tiara eine Krone von funkelnden Edelsteinen aufgesetzt war. Unweit des Thrones strahlten aus einer Reihe von Glaskästen wunder­bare Crystalle hervor, welche durch ihre ungewöhnliche Größe und den feinsten Schliff auffielen. Ein Smaragd, so groß fast wie ein Straußen-Ei und mit durchweg klarem licht­grünen Glanze übergossen, und ein wasserheller Amethyst in Große einer Orange lagen schöner wie ein Märchen vor meinen kritischen Blicken da. Die Gallerie dieses zweiten Saales enthielt eine Sammlung, welche einzig in ihrer Art und von dem Sultan zusammengestellt war. Die phantastischsten Leibtrachten der Türkenherrscher von dem ersten Sultan seit der Eroberung der Türkei bis auf den Sultan Muhamed, welcher zu Anfang dieses Jahrhunderts in der Hoftracht durchgreifende Aenderungen vornehmen ließ, hingen sorgsam chronologisch geordnet in den sauberen Glas­schränken, zum Andenken an die verflossenen Geschlechter pietätvoll aufbewahrt. Jedem Galakasten des jeweiligen Sultans war ein feingearbeiteter Dolch und ein mit Edel­steinen und Agraffen reich geschmückter Turban beigelegt, dessen hoher Werth die Einkünfte reicher Provinzen übersteigt. Es ist nicht möglich, in alle Details näher einzugehen, welche das Auge allein zu schätzen weiß. Der Verstand arbeitet anders als die Empfindung. Auf dem Kronschatz in Konstantinopel ruht jener eigentümliche Mysticismus, welcher das ganze orientalische Leben vergangener Epochen und auch das heutige noch in ein verführerisches Märchen­dunkel einhüllt. Nie im Leben werde ich die Augenblicke vergeffen, welche mir in der Schatzkammer des Sultans eine-

| in die Wirklichkeit übertragene Märchenwelt erschlaffen.