1890
Freitag den 24. Octobcr
Mr. 248
Amts-- nnb Anzeigeblatt für den ICrei« Gieren.
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Feuilleton
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Vanahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für den fslgenden Tag erscheinenden Nummer bir Bonn. 10 Uhr.
Die Gießener
Rieben dem Anzeiger nDeutlich dreimal heigelegt.
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(H4e*er Kn^ser ^scheint iäglich, «wt Ausnahme deS Montags.
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jher. Freie Stimmun'-. ranzunterbaltungenefc. 'ransportkosten). [8220
Neuenweg 9.
wird hinzugefügt, daß man aus diesem Umstande ersehen kann, daß die Besserung der freundschaftlichen Grenzbeziehungen kein leeres Wort mehr sei.
Aus Elsaß-Lothringen, 21. October. Aus Altmünsterol, der Grenzstation auf deutscher Seite, wird dem Mülhauser „Expreß" gemeldet, daß zu dem Begräbniß des dortigen Eisenbahnvorstehers Berthold die Chefs de gare von Bel-
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Durch die Post bezog,» 2 Mark 50 Pfg.
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und darum auch für die oberste Verwaltung von Deutschost- asrika besonders befähigt erscheint.
Die angekündigte Begegnung zwischen dem Reichskanzler von Caprivi und dem italienischen Ministerpräsidenten Crifpi soll nunmehr feststehen und versichern Berliner Meldungen, Herr v. Caprivi werde sich zu diesem Behuse innerhalb der nächsten Wochen nach Italien begeben.
In der Türkei ist die durch den griechischen Patriarchen in Constantinopel angeordnete Schließung sämmtlicher griechischen Kirchen auch für den vergangenen Sonntag aufrecht erhalten geblieben. In Constantinopel selbst ist indessen dieser Tag ohne bemerkenswerthen Zwischenfall vorüber gegangen und auch in anderen Theilen des türkischen Reiches mit vorwiegend griechischer Bevölkerung scheint die Schließung der Kirchen keinerlei Ruhestörung hervorgerusen zu haben. Aber offenbar ist die genannte Maßregel ein sehr bedenkliches Pressionsmittel des griechischen Patriarchen, um bei der türkischen Regierung die Bewilligung seiner kirchenpolitischen Forderungen durchzudrücken und man kann nur hoffen, daß die zwischen der Pforte und dem griechischen Patriarchen bestehenden Schwierigkeiten ihre baldige Lösung finden werden.
Schon wieder gehen Gerüchte über ein auf den Kaiser von Rußland unternommenes Attentat um. Es soll bei der Rückreise der russischen Kaiserfamilie von den Jagden in Polen nach Petersburg ein Reisender auf einer kleinen Station auf den Czaren geschossen haben, ohne ihn jedoch zu treffen. Es ist selbstverständlich, daß auch diese neuesten Attentatsgerüchte nur mit größter Zurückhaltung aufzunehmen sind.
Amerikanische Iportverirrungen.
Von Philipp Berges.
(Schluß.)
Am Morgen des 8. Juli hatten sich in der Nähe der kleinen Ortschaft Richburg mehrere tausend Menschen versammelt, die zu ihrer Ueberraschung einen bereits abgesteckten Kampsplatz, den sogen. „Ring", und eine halbkreisförmige, sorgfältig errichtete Zuschauertribüne vorfanden. Um 10 Uhr erschienen die beiden Boxer mit ihren Secundanten und Rückenhaltern auf dem Platze und schüttelten einander unter dem Jubelgeheul der Zuschauer die Hände. Nachdem dies geschehen, trat ein kleiner, mit einem silbernen Brustschilde geschmückter Mann in den „Ring", bei dessen Anblick die Volksmasse in' ein wahres Toben des Beifalls ausbrach. Der kleine Mann war nämlich der Sheriff des Ortes, der Einzige, dem hier das Recht, aber auch die Pflicht der Verhinderung des Zweikampfes oblag — und er war natürlich auch zu keinem anderen Zwecke erschienen, als seiner beschworenen Pflicht zu genügen. Nachdem er sich gegen die Zuschauer, die ihrer Achtung vor dem Vollstrecker des Gesetzes in so zweifelhafter Weise Ausdruck gaben, verneigt hatte, wandte er sich an die Kämpfer und sprach mit vor Lachen erstickter Stimme: „Im Namen des Gesetzes verbiete ich den geplanten Preisfaustkamps. Nöthigenfalls werde ich ihn durch Gewalt zu verhindern suchen und nur der Uebermacht weichen!" Darauf drangen unter großem Jubel etwa hundert Personen auf den Sheriff ein — und er wich der Uebermacht. Dem Gesetze war Genüge geschehen. Ueber den Kamps selbst, welcher nunmehr ohne weitere Störung begonnen und zu Ende geführt wurde, ist wenig zu sagen. Sullivan blieb Sieger und hatte neben der „Weltmeister-
Nerreste Nachrichten.
Wolffs telegraphische- Torrespondenz-Vureau.
Berlin, 22. October. Der Kaiserbefahl, an Moltkes Geburtstage alle Fahnen der Berliner Garnison nach Moltkes Wohnung zu bringen, als Auszeichnung, welche noch nie einem Unterthanen zu Theil geworden ist. Nach dem Gottesdienst begicbt sich der Kaiser, begleitet von dem Stönig von Sachsen, den Großherzögen von Baden und von Hessen, sowie sämmtlichen Prinzen nach Moltkes Wohnung, um demselben seine und des Heeres und der Marine Glückwünsche darzubringen.
Berlin, 22. October. Die heutigen Morgenblätter enthalten Begrüßungsarttkel, welche in warmen Worten anläßlich ihres heutigen Geburtstages die Kaiserin feiern als treue Gattin und Mutter an der Seite ihres kaiserlichen Gemahls und als eine die Wohlthätigkeit pflegende und, wo sie es vermöge, die Noth mildernde Landesmutter.
Berlin, 22. October. Die Ankunft Sr. Majestät des Königs der Belgier erfolgt am 28. d. M., Nachmittags zwischen 4 und 5 Uhr, in Potsdam, wozu großer militärischer Empfang besohlen worden ist. Zur Aufwartung und zum Ehrendienst sind commandirt: Generaladjutant, General der Cavallerie Freiherr von Los, commandirender General des VIII. Armeecorps, Oberstlieutenant von Bachmayr, Comman- deur des Kurmärkischen Dragoner-Regiments Nr. 14, Major Graf von Schmettau vom Großen Generalstabe, Militär- Attache von der Gesandtschaft in Brüssel. Beim Eintreffen des Sonderzuges in Potsdam wird der hohe Gast durch Se. Majestät den Kaiser und König empfangen werden. Eine Compagnie des Garde-Jäger-Bataillons mit der Fahne und den Hornisten des Bataillons wird als Ehrenwache auf dem Bahnsteig aufgestellt. Aus dem Wege vom Bahnhof zum Schloß bilden die Fußtruppen der Garnison Potsdam Spalier.
politische Nebevsicht.
Gießen, 22. October.
Der Kaiser traf am Mittwoch Nachmittag, einer Jagdeinladung des Prinz-Regenten von Braunschweig entsprechend, in Blankenburg am Harz ein; officieller Empfang fand nicht statt. Am Freitag Abend gedachte der Kaiser nach Berlin, resp. Potsdam zurückzukehren.
Der neue preußische Kriegsminister, v. Kaltenborn-Stachau, ist nach einer Bekanntmachung im „Reichsanzeiger" zum Bevollmächtigten Preußens beim Bundesrathe ernannt worden.
Der Tag, an welchem Generalfeldmarschall Graf Moltke fein 90. Lebensjahr vollendet, steht vor der Thür und in allen Theilen unseres deutschen Vaterlandes hat man sich gerüstet, den seltenen Ehrentag des „großen Schweigers" festlich zu begehen. Es liegen hierüber zahlreiche Meldungen vor, die erkennen lassen, daß die Feier des 90. Geburtstages des berühmten Feldherrn in der Thar ein nationales Gepräge tragen wird. Den Mittelpunkt aller „Moltke-Festlichkeiten" wird selbstverständlich die Feier in Berlin bilden, da, wie bekannt, der greise Feldmarschall bei derselben auf besonderen Wunsch des Kaisers persönlich zugegen sein wird und kann man als den Gipfelpunkt der Kundgebungen seitens der Berliner Bürgerschaft wohl den angekündigten großen Fackelzug betrachten, der zu Ehren Moltkes für Samstag Abend beabsichtigt ist. Seitens des Kaisers aber ist, wie die „Post" vernimmt, dem Grafen Moltke eine Ehrung zugedacht, wie eine solche noch niemals einem Preußen erwiesen worden ist und darf man demnach dem betreffenden Acte mit Spannung entgegensetzen. (Siehe „Neueste Nachrichten".)
Die dem Reichscommiffar Major v. Wißmann zur Kräftigung seiner Gesundheit gewährte Urlaubszeit neigt sich ihrem Ende zu und wird Herr v. Wißmann am nächsten Montag von Berlin aus die Rückreise nach Ostafrika zur Wiederübernahme seines bislang vom Chef Schmidt verwalteten Postens antreten. Auf demselben verbleibt Major v. Wißmann bis zum 1. April 1891, um welche Zeit die Frage der Organisation und Verwaltung Deutschostafrikas voraussichtlich entschieden sein wird. Wie von verschiedenen Seiten bestätigt wird, steht alsdann die Ernennung Wißmanns zum Gouverneur des deutschostasrikanischen Seegebietes zu erwarten, welches zur Zeit von Emin Pascha mit seiner Expedition näher erforscht wird. Als den künftigen Gouverneur des deutschostafrikanischen Küstengebietes aber bezeichnet man den bisherigen Gouverneur von Kamerun, Freiherrn von Soden, welcher sich schon in seinem bisherigen Wirkungskreise außerordentlich bewährt hat
Deutsches Reich.
Darmstadt, 22. October. Se. Kgl. Hoheit der Großherzog empfingen heute u. A. den Professor Dr. Gottschick, Rector der Landesuniversität, und den Geh. Medicinalrath Professor Dr. Riegel von Gießen.
Darmstadt, 22. October. Se. Kgl. Hoheit der Großherzog begeben sich nächsten Samstag Abend nach Berlin. Im Gefolge werden sich Flügeladjutant Oberst Wernher, beauftragt mit den Functionen des Generaladjutanten, und Major v. Groß gen. v. Schwarzhoff vorn Stabe der dritten Armeeinspection befinden.
Oppenheim, 20. October. An Stelle des Abgeordneten Stephan wurde heute der frühere Bürgermeister Hirsch- Alsheim, nationalliberal, für den Landtagsbezirk Osthofen gewählt.
schäft" den Preis von 25,000 Dollar errungen. — Gegenwärtig bildet dieser schnell wieder verarmten Meisterschaftsboxer sich zum — Schauspieler aus. Ein erfindungsreicher Dankee - Schriftsteller hat eigens für Herrn Sullivan ein „Sensationsstück" geschrieben, in welchem aus der Bühne ein „Preisring" veranstaltet und von wirklichen Meisterboxern ausgefochten wird. Schon in einigen Wochen wird Sullivan in Niblos Theater zu" Newyork sein erstes Debüt feiern.
Der „edlen Kunst der Selbstvertheidigung" stehen die Hahnen-, Hunde- und Rattenkämpfe am nächsten, die sich in den Südstaaten einer fast ebenso großen Volkstümlichkeit erfreuen wie die Stierkämpfe in Spanien. In den größeren Städten von Texas, Louisiana, Mifsisippi, Nord- und Süd- Karolina gibt es Hunderte von Leuten, deren einziges Gewerbe die Veranstaltung dieser Kämpfe bildet.
Ganz besonderer Beliebtheit in der Welt der Sporting- men erfreuen sich die sogenannten „Bridgejumpers“ oder „Brückenspringer", deren berühmtestes Mitglied der in Newyork als Gastwirth lebende Steve Brodie ist. Vor der Zunft dieser Bridgejumpers ist keine Brücke der Vereinigten Staaten sicher. Von der großen Hängebrücke zwischen Newyork und Brooklyn, die an ihrer niedrigsten Stelle 135 Fuß hoch über dem East River schwebt, sind seit ihrer Vollendung nicht weniger als neun dieser „Künstler" in die Tiefe gesprungen — von den would de-Selbstmördern gar nicht zu reden. Nur einer der ersteren verlor bei dem Wagniß das Leben, die Anderen kamen wohlbehalten davon, heimsten zunächst die Beträge der auf das Gelingen ihres Vorhabens abgeschlossenen Wetten ein und ließen sich alsdann eine Zeit- lang in den Groschen-Museen für Geld sehen, wo sie vom Volke wie Wunderthiere angestaunt wurden. Die in der edlen Zunft besonders beliebten und des Oefteren erkorenen Brücken stehen unter einer ständigen und scharfen Bewachung seitens der Polizei; die Brückenspringer geben indeß ihren Vettern, den Fanstkämpfern, an Schlauheit nichts nach und
verstehen es nur zu gut, die Aufmerksamkeit der Wachen abzulenken, bis der Sprung in die Tiese vollführt ist.
Unter den nahen Verwandten der Brückenspringer nehmen die „Wasserfallschwimmer" den hervorragendsten Rang ein. Auch ihnen ist es hauptsächlich um jenen Jahrmarktsruhm zn thun, der sie befähigt, in den Wandermufeen Amerikas eine Rolle zu spielen. Aber nicht so gar viele dieser wagehalsigen Gesellen, die es unternehmen, die Riesenwassersälle der neuen Welt, besonders des Niagara, zu durchschwimmen, kommen mit dem Leben und mit gesunden Gliedmaßen davon, der größte Theil ist bei dem Versuche noch stets zu Grunde gegangen. Es verstreicht aber trotzdem (oder eben deßwegen?!) kein Monat, ohne Gerüchte von neuen Niagara-Schwimmern zu zeitigen, von welchen einige in riesenhaften Gummibällen, andere in auswattirten Tonnen und wieder andere in einfachem Schwimmanzug über die wilden, von spitzigen Zacken besäeten Abgründe der Wasserfälle zu gleiten gedenken. Natürlich sind auch die Unternehmungen dieser Art verboten — doch gelingt es der Polizei nur selten, die vom Volke begünstigten Wagehälse von den Ausführungen ihrer tollen Unternehmungen abzuhalten. Dem unbeugsamen, an Wahnsinn grenzenden Todesmuth dieser Sportingmen, ihrer unerhörten Schlauheit und Zähigkeit gegenüber sind Polizei und Gesetze machtlos. Aus dem geistigen Leben des Volkes heraus muß die Aenderung kommen. Erst wenn Bildung und Gesittung in jenen unteren großen Schichten mehr und mehr Gemeingut geworden sind und die Lust am Rohen und Gewagten aus dem Volksgemüth verdrängt haben, so daß das Lebenselement jener Künstler, der Beifall, versiegt, werden die Faustkämpfer, Wafferfallschwimmer, Brücken- springer, und wie alle jene werthlosen „Sportingmen" sich sonst nennen mögen, verschwinden.
fort, von Petit-Croix und Chevremont (die nächsten französischen Grenzstationen) mit etwa 20 Angestellten der französischen Ostbahn in voller Uniform erschienen waren. Sie wurden Beamten aufs Herzlichste empfangen. Es
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