fit. 94
1890
Donnerstag den 24. April
Gießener Anzeiger
Kenerat-Mnzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Areis Gieren
chratisöeikage: Gießener Jamitienökätter
das
mit
Feuilleton
eim Mnes kaleidoskopartiges Bild eingeprägt- meine Wande
rn iW durch die Stadt der Moscheen führten mich überall
MsB S
Königssitz
sondern die
nnutoli'.tt begegneten. Die herrlichen Bettempel der Muha-
U 1880.
ansehnliche Stadt aus.
An dem Haupteingange wurden
unEfilei glich en, dicken Mauern den Kronschatz des Sultans
> V0« *
Die imposanten Thorflügel
ein Prachtstück für sich —
der um
mesäuicT.' hatte ich andächtig bewundert und die Vergleiche, weÄIK lich zwischen den verhältnißmäßig schmucklosen christ- licklhit Kirchen und den poesievollen, manchmal sogar prnnk- übvMvnen Gotteshäusern der Muselmänner im Geiste an- 'steM fielen zu Gunsten der letzteren aus, sobald ich die
daß auf
der ßrbiöt entdeckt hatte, so wollte auch ich mit der nnschätz- ;t baE Wewührung des Sultans, welche den Orientreisenden sonrßl immals, selten sogar den höchsten türkischen Staats- becitmtn; und Würdenträgern zugänglich ist, die dicken Mauern devt illm Burg des „Stambul" durchbrechen und mit dieser
welche reiche Fayenceverzierungen trugen, waren in ein Mauerwerk von blendend weißem Marmor eingelassen. Ein
Im ahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den (ilgcnbcn Tag erscheinenden Nummer bis Vorm. 10 Uhr.
Die Gießener )inlikienötäller lebt n dem Anzeiger ilikaitlich dreimal beigelegt.
Der
Eichener Anzeiger 'escheint täglich, it Ausnahme deS
Montags.
Bir Kronschatz des Julians in Konstantinopel.
3hdei Tage weilte ich in der Hauptstadt des otto-
«. ittfi,
d. für letztwillige Verfügungen, wenn der Verfügende durch Vorlage einer Bescheinigung seiner Ortsbehörde den Nachweis führt, daß sein Vermögen keine 2000 Mk. übersteigt;
e. daß diese Vergünstigung nicht nur den Minderjährigen, sondern «auch anderen unter Curatel stehenden Personen, mit Ausnahme Abwesender, zu Theil werde-
f. für Zurücknahme hinterlegter Gegenstände, auch von Testamenten, ein Stempel nicht zu erheben sei - großer Majorität die Zustimmung des Hauses.
Bezüglich der an die Kammer gerichteten Vorstellung Gerichtsvollzieher-Aspiranten im Großherzogthurn Hessen Aendcrung ihrer gegenwärtigen Aneiennitätsverhältnisse
Schatzkammer der „Beherrscher aller Gläubigen" geworden ist. Von einer hohen Mauer umgürtet, welche mit Zinnen und Thürmchen besetzt ist. dehnte sich der Palast wie eine
nicht mehr der „Serail"
rung der unteren und mittleren Beamten. Die Gesetzen! würfe betreffend die Erweiterung und Vervollständigung des Staats-Eisenbahnnetzes und den weiteren Erwerb von Privat- eisenbahnen für den Staat wurden in zweiter Lesung ge nehmigt. Nächste Sitzung morgen 11 Uhr. Verschiedene Anträge.
Seitens Großh. Regierung antwortet Staatsminister Finge r, Excellenz, daß die Großh. Regierung nicht in der Lage sei, dem zu entsprechen, was hier gewünscht werde. Es erheische die vaterländische Pflicht, daß auch den gut gedienten Unteroffizieren Gelegenheit gegeben werde, in den Civildienst ein- zntreten.
Der Ausschuß hat beantragt: Großh. Regierung zu ersuchen, sie wolle von jetzt ab die frei werdenden Gerichtsvollzieherstellen ausschließlich mit Civilaspiranten, welche vordem 9. December die Prüfung bestanden haben, von da aber wie seither diese Stetten abwechselnd zwischen Civil- und Militäranwärtern besetzen.
Die Kammer ist mit dem Anträge einverstanden und genehmigt denselben ohne Debatte mit 23 Stimmen gegen 7 Stimmen.
Der Gesetz-Entwurf, Abänderung des Gesetzes über das Verfahren in Forst- tind Feldrügesachen wird fast ohne Debatte nach der Regierungs-Vorlage angenommen und ist hiermit die heutige Tagesordnung erledigt.
Morgen früh beginnen die Verhandlungen über die Nebenbahn-Vorlagen, welche voraussichtlich einige Tage dauern dürften.
kW Mädchen fürü : gleich.
der Exped. b. A
i, ioiid Sehenswürdigkeiten dem Nordländer auf Schritt
geregelt wird, daß für den Beginn das sechste, und für Ende das vierzehnte Lebensjahr festzusetzen ist.
Berlin, 22. April. Der „Reichsanzeiger" bestätigt, die Einfuhr lebender Schweine aus Dänemark
Alle Annoncen-Burcaux des In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
n-Act-
Neueste Nachrichten.
Wolffs telegraphisches Correspondcnz-Bureau. Berlin, 22. April. Abgeordnetenhaus.
. Ei'/Mknuig äußerer phantasiereicher Symbolik im Glaubensleb. aiuf ein religiöses Gemüth für die Ausnahme sublimer JdMi günstig und vortheilhaft halten mußte. Die Physiog- noiWt Ldes Straßenlebens, welches sich durch das bunte G«^Pgöl von dem mehr nüchternen abendländischen vortheil-
Goldrnllr ier N< erteile in.
Berlin, 22. April. Die Unterrichtseomm ission des Abgeordnetenhauses beschloß, die Staatsregierung um einen Gesetzentwurf zu ersuchen, wodurch der Beginn und das Ende der Schulpflicht für den preußischen Staat derartig
Deutsches Reich.
oini. Darmstadt, 22. April. Hessischer Landtag. Nach Verkündigung einer Anzahl neuer Einläufe tritt die jiDnite Kammer der Stände heute in die Berathung des klntroags der Abgg. Schröder und Genossen und Arnold □out Herabsetzung der Stempel und Gebühren Aus Immobilien, Hypotheken und I n v e»t a r i e n.
Dieser Antrag stand schon in der Sitzung Zweiter Ommer vom 27. Mai v. I. zur Verhandlung, mußte aber intgen der damaligen Beschlußunfähigkeit des Hauses vertagt nutrbem.
Als Berichterstat! er der Majorität des Ausschusses «Mtlact der Abg. Metz- Darmstadt Bericht über die Ausschuß- i nntriijge und hebt hervor, daß auch heute Klarheit in der £od)c nicht eingetreten sei. Die Forderungen der Abgg. DhrÄaer, Arnold und Genossen gingen zu weit. Die Großh. : Ahnung habe die Anträge in eingehender Weise geprüft i ttnb auch der Ausschuß sei in der Ansicht bestärkt worden, i von Großh. Regierung sormulirten und in Aussicht i |i.tnoniineiien Stempel- und Gebührensätze im Wesentlichen l «a: Richtige träfen. Die Anträge der Minderheit des Aus- s chsse- seien zu weitgehend und ohne Schädigung des Staats- l jubjct^ nicht durchführbar.
jload) der Regierungs-Commissär Ministerialrath Dittmar k ran sich nicht mit dem Antrag Schröder und Genossen ein- vwutoeii erklären. In gerechter Weise sei Großh. Regierung ivwrd) Verminderung der Tarifsätze bei den Stempel^ und i «Mim Gebühren den verschiedenen Wünschen entgegen- g a'ümrien. Weiter zu gehen sei unmöglich und liege nicht ! an zui cresse des Staates.
@8 sprechen noch die Abgg. Wasserburg, Möhn, Alnwlld und Dr. Schröder für eine weitere Herabsetzung n «nMch der Hypothekenstempel nnd der damit verbundenen 9''■(betiffifteii.
Mg. Iöckel - Friedberg warnt vor einem allzu großen EiMgkgk'nkommen, das, wenn erst einmal begonnen, zu den wisiltrargendsten Consequenzen führen werde.
Dg. v. Rabenau, Metz-Gießen, sowie Abg. Bl reim er sprechen für die Ausschußanträge der Majorität.
Noach erfolgter Abstimmung erhalten die Anträge der TMercheit des Ausschusses:
a. . anstatt der festen Stempelabgabe von 4/io pCt. nur 3/10p(St. des Werthes des übergehenden Vermögens zu erheben, sowie den Hypothekenstempel ans 3/2O des Werthgegenstandes zu bestimmen -
b. den seitherigen Taris für letztwillige Verfügungen (6 Mk.) beizubehalten -
c. . daneben zu bestimmen, daß der Stempel nur zur Hälfte zu erheben sei-
dem Seewege behufs Schlachtung in den Ankunftshäfen vom Reichskanzler unter bestimmten Vorsichtsmaßregeln gestattet worden sei.
Hamburg, 22. April. Die „Hamb. Börsenhalle" erfährt, daß Seitens der überwiegenden Mehrzahl der hiesigen industriellen Etablissements gegenüber den am 1. Mai fei ernt) en Arbeitern in ähnlicher Weise vorgegangen werden wird, wie dies von den Staatsbetrieben und dem Eisenbahnbetriebsamt bereits in Aussicht gestellt ist. Ende dieser Woche dürfte die bezügliche Bekanntmachung erscheinen.
Bremerhaven, 22. April. Auf die Ansprache, welche der Vorsitzende des Verwaltungsraths des Norddeutschen Lloyd bei dem Abendessey an Bord der „Fulda" an den Kaiser richtete, erwiderte der K a i s e r etwa Folgendes: Er spreche dankend seine Freude darüber aus, daß es ihm vergönnt sei, das Treiben, Schaffen und Wollen des Lloyd kennen zu lernen- jeder Erfolg des Lloyd erfülle ihn mit Stolz, die Schiffe des Lloyd, welche von dem großen Emporium nach allen Windrichtungen ausgehen, sind der Gegenstand nicht nur unserer, sondern auch fremder Bewunderung und Zeugen der tüchtigen Leistungen der Schiffsbautechnik der Handelsmarine- überall könne sie sich stolz blicken lassen. Selbstredend ist mein Streben auf Frieden gerichtet. Handel und Wandel können blühen, wenn durch den Frieden der sichere Geschäftsgang verbürgt wird. Als Freund des Seewesens verfolge ich die Zeichen der Natur. Als ich das erste Mal die Ostsee mit einem Geschwader befuhr, handelte es sich um einen Curswechsel. Derselbe fand statt, aber die Schiffe wurden dabei im Nebel getrennt. Mit einem Male tauchte aus dem Nebel hoch über den Wolken die deutsche Flagge auf, es war ein überraschender Anblick, der alle zur Bewunderung der Naturerscheinung hinriß, später tauchte das ganze Geschwader, tadellos den neuen Curs steuernd, auf, nachdem sich der Nebel zerstreut hatte. Ich schließe aus diesem Bilde, daß, welche dunkle Stunden auch über unser Vaterland kommen mögen, wir doch in rüstigem Vorwärts- ftreben unser Ziel erreichen, nach dem schönen Grundsatz: Wir Deutsche fürchten Gott und sonst Niemand auf der Welt! Wann in der Presse und im öffentlichen Leben Anzeichen von Gefahren bevorstehen, so denken Sie getrost, daß es lange nicht immer so schlimm ist wie es aussieht - ver-
wir, mein beigegebener Führer, ein junger türkischer Offizier, und ich, von einem General des Snltans mit ausgesuchter Höflichkeit empfangen. Ich betrat den ersten Hof, welcher ringsum von Arkaden in reichem, bildnerischen Schmucke umgeben war. Nachdem ich mit meinen Begleitern an mehreren Kuppelbauten, welche mit ihren hohen Schornsteinen wohl die ehemaligen kaiserlichen Küchen darstellten, vorbeigeschritten war, stand ich nun vor der Burg, vor dem Schatzhause selbst. Endlich war der ersehnte Angenblick gekommen, in das Heilig- thum der türkischen Krone einzutreten. Zwei Soldaten mit blanker Waffe bewachten den Eingang. Man sah es ihren ernsten Mienen an, daß sie sich ihrer hohen, verantwortlichen Aufgabe bewußt waren. Außer diesen beiden Hütern waren an den Seiten des Thores zahlreiche Wachmannschaften grup- pirt, welche Tag und Nacht di» unermeßlichen Reichthümer des Sultans zum Schutze wie eine lebendige Mauer umgaben.
Wachmann empfing vom General den goldenen, wunderlich gestalteten, schweren Schlüssel und öffnete damit das alter- thiimliche Schloß, welches knarrend nachgab. Majestätisch rollten die Thorflügel in den ciselirten Kupsercharnieren und ich betrat mit meinen Begleitern in weihevoller Stille, nicht ohne ein leises Schauern die „Schatzkammer des Sultans". Die Wache kam mit herein und faßte an jeder Thür der beiden inneren Säle schweigend Posto, so lange wir uns im Innern aufhielten. Im ersten Augenblick des Schauens war ich wie geblendet von dem sprühenden Demanten- und Goldglanz, welcher durch den Sonnenstrahl vertausendfacht hell aufblitzte. Die Orientirung in den Räumlichkeiten war leicht geschehen. In zwei Sälen mit quadratähnlichem Grundriß, deren Fenster mit starken Eisenstäben vergittert waren, ruhten die blinkenden Schätze. Malerei, Seulptur und Manufaetur hatten sich vereinigt, um Decken und Wände der ersten Schatzkammer der Welt mit sinniger Pracht auszustatten. Längs den Seitenwänden standen aus Galerien von Cedern- und Ebenholz, zu denen vom unteren Saale einige Porphyrstufen führten, hohe Glasschränke, welche mit den wunderbarsten phantastischen Dingen angefüllt waren. Vergilbte und zerfetzte Standarten, alte, vom Rost zernagte Mstungen, die stummen Zeugen ehemaliger Siege, seltene und werthvolle Geschenke fremder Souveräne, deren Gebrauchs- oder Kunstzweck wir heute theilweise nicht mehr zu erkennen vermögen, hingen und standen in den Glasschränken bunt durcheinander. Jenes intcreffante Chaos zu entwirren und dem Leser zu beschreiben, müßte ich dickleibige Bände in großer Zahl anfüllen. Um mich herum war so viel Schönes und Interessantes zu sehen und das Auge wußte nicht, auf welchen von den Herrlichkeiten es zuerst verweilen sollte. Das kostbarste Stück war entschieden ein prächtiger Thronsessel, welcher in der Mitte des Hauptsaales stand. Em Perserkönig hatte
Sirrttljäfjriger Abonuemcntspreis:
2 Mark 20 Pfg. mit Bringcrlohn.
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2 Mark 50 Pfg.
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119. April IN
Wiinschelrnthe die glänzendsten Reichthümer, zum großen Theile die Andenken einer grauen Vorzeit, aus ihrem tausendjährigen Schlafe erwecken und andächtig beschauen. — Malerisch liegt der „Serail" zwischen dem Bosporus und dem „Goldenen Horn" eingebettet, da, wo ehedem die Akropolis des alten Byzanz stand, welche später das Residenzschloß der mächtigen griechischen Kaiser wurde. An dieser Stelle hatte Muhamed II., der Eroberer, den stolzen Bau aufführen lassen, welcher seit der Regierung Abdul Medjids
hü ritfc, jfliegen die Sagen und Märchenbilder aus „Tausend 9 jhfilinitio einot Nacht" in der Erinnerung empor, und wie einst - Al Mi mit der Wunderlampe reiche, kostbare Schätze tief in
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"i ' ' utcMiijchkn Reiches — an der Quelle echt orientalischen Lebens- üuhSkr Fülle neuer und seltsamer Eindrücke, die im Orient deMiiiHLingeweihten sich überraschend darbieten, hatte sich mir
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gangen ist der Nachtragsetat betreffend die Gehaltsanfbesse-
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lirtts Zimm nhosstraße zu t an die Etved.! lcht zum 1. obei hleneS MdL», geln kann unH: r übernimmt.
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ha v'N mnerschied, regte meine Phantasie lebhaft an. Bei dem a ' Ar_M des alten „Serail", welcher in seinem Schooße hinter 1 ......- ~ " 1 — -


