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C Aus dem Kreise Schotten, 21. October. Nachdem die leidige Maul - und Klauenseuche während des Sommers in verschiedenen Orten ausgetreten und evident lähmend aus den Handel gewirkt, glaubte man nach Aushebung der ver­hängten Sperranordnungen, sie sei endlich erloschen. In der That schien auch das immer seltener werdende Austreten der Seuche aus ihr Erlöschen hinzudeuten. Jetzt tritt dieselbe aber mit noch größerer Vehemenz auf. In einer großen Reihe Ortschaften ist sie ausgebrochen und behördlicherseits sind Gemarkungssperren verordnet worden. Für eine Anzahl Märkte, so für die heutigen in Schotten und Büdingen und den am 27., 28. und 29. d. M. zu Ortenberg stattfindenden Markt, ist der Auftrieb von Rindvieh, Schafen, Schweinen und Ziegen untersagt worden.

Vermischte».

* Wetzlar, 20. October. Ein schändlicher Streich ist im Brauhause eines hiesigen Bierbrauereibesitzers verübt worden. Durch Oeffnung eines Verschlusses von unbefugter Hand ist ein ganzer fertiger Sud Bier aus dem Kühlschiff sortgelausen. Der Schaden ist nicht unbedeutend. Hoffentlich gelingt es, den Urhebern dieser boshaften That aus die Spur zu kommen.

* Marburg, 20.October. Ein Dieb in der Falle. Heute Morgen war der Dienstknecht Naumann, welcher bei dem hiesigen Fuhrmann I. G. in Diensten steht, mit dem Ausladen von Sand in den städtischen Sandgruben am Kaff beschäftigt, als Plötzlich der Sand ins Rutschen kam und der Knecht bis unter die Arme im Sande verschüttet wurde und hilflos darin stecken blieb. Auf das Jammergeschrei des Ver­unglückten nahte jedoch bald ein Retter in Gestalt des Flurhüters H., welcher dem Sanddiebe zwar aus der Klemme hals, denselben aber gleichzeitig auch zur Anzeige brachte.

* Marburg, 21. October. Der communalständische Landes-Ausschuß hat beschlossen, mit Rücksicht auf die Höhe des Reservefonds für rotzkranke Pferde, Esel, Maulthiere und Maulesel, sowie für lungenseuchekrankes Rindvieh auch für das Jahr 1891 von der Erhebung jeglicher Viehseuchen­abgabe abzusehen.

* Frankfurt a. M., 21. October. Bei Schloßborn ereignete sich gestern aus der Treibjagd ein bedauerliches Unglück. Ein Müller schoß statt eines durchbrechenden Hirsches einen Treiber. Der Getroffene war sofort tobt.

* Metz, 19. October. Ein dem Trünke ergebener Arbeiter, Namens Karl Philipp Großhardt, verübte vorgestern ein scheußliches Verbrechen. Nachdem er während des ganzen Tages mit seiner Frau gezankt und sie mißhandelt hatte, so daß sie flüchten mußte, warf er Abends sein zwanzig Monate altes Kind aus dem zweiten Stockwerk auf die Straße. Der Unmensch wurde in Haft genommen, das Kind, schwer verletzt, befindet sich in Pflege.

* Wie sich ein fideler Student die Alterszulagen denkt. Lieber Alter! In den Zeitungen ist jetzt so viel vonAlters­zulagen" die Rede. Mein colossaler Fleiß erlaubt mir nicht, mich näher darüber zu informiren. Jedoch glaube ich dies Wort nicht anders erklären zu können, als durchZulagen, welche ein guter Alter seinem studirenden Sohne zum monat­lichen Wechsel macht". In der Erwartung, daß Du Dich als Fortschrittsmann der allgemeinen Bewegung anschließen wirst, verharre ich mit besten Grüßen Dein Sohn Carl."

* Elend der Großstadt. Wie jedes Jahr am Beginne der Schulzeit, so hat auch heuer der Präsident des Wiener Centralvereins zur Beköstigung armer Schulkinder an die Vorstände der Wiener Schulen sich mit der Bitte gewendet, nach eingehender Prüfung ihm die Namen derjenigen Kinder namhaft zu machen, welchen die Eltern kein Mittagessen zu geben vermögen. Diesem Ersuchen wurde entsprochen und nicht weniger als 4300 Kinder bezeichnet, die in so bedauerns- werther Lage sind. Da der genannte Verein jedoch nur 2870 Kinder verköstigen kann, so sind die übrigen 1430 aus die Mildthätigkeit der Wiener angewiesen oder sie müssen hungern!

Perfekt, unö v »lkrwirthsch afi.

Nach einem Erlaß des Herrn Ministers der öffentlichen Arbeiten ist die Bestimmung, nach welcher Schüler-Zetttarteir zur einmaligen Hin- und Rückfahrt täglich berechtigen, dahin abgeündert, daß Schülerkarten soweit dieselben zur Hin- und Rückfahrt gültig ausgestellt sind an den zulässigen Benutzungstagen zur beliebigen Fahrt auf den in Frage kommenden Bahnstrecken ohne Fahrpreiser- höhung berechtigen.

Nach den statistischen Ermittelungen des Vereins deutscher Eisen- und Stahlinduftrteller belief sich die Roheiserrprodiretiorr des Deutschen Reiches (einschließlich Luxemburgs! im Monat September 1890 auf 363 324 Tonnen, darunter Puddelroheisen und Spiegeleisen 151186 Tonnen, Bessemerroheisen 36 807 Tonnen, Thomasroheisen 128 497 Tonnen und Gießereiroheisen 46 834 Tonnen. Die Production im September 1889 betrug 373 185 Tonnen, im August 1890 371 102 Tonnen. Vom 1. Januar bis 30. September 1890 wurden productrt 3 465 991 Tonnen gegen 3 215 528 Tonnen im gleichen Zeiträume des Vorjahres.

Gefüllte Tomaten. Recht rothe und starke Tomaten schneidet man der Quere nach in zwei Theile, nimmt die Kerne mittelst eines Kaffeelöffels heraus und legt die Früchte, mit den Schnittflächen nach unten, auf ein Sieb, damit der Saft abtropfen kann. Fetter Speck und kaltes gebratenes Kalbfleisch werden mit Champignons, Schalotten, Petersilie und allenfalls Knoblauch fein gehackt; diese Farce gibt man in ein wenig Butter, thut Pfeffer und Salz daran und rührt sie etliche Minuten über mäßigem Feuer um, worauf man sie mit etwas Liebigtz Fleischextract bindet. Mit dieser Farce füllt man die Tomaten, ptacirt letztere auf eine mit Oel be­strichene, die Hitze vertragende Schüssel und stellt das Gericht bis zu völligem Garwerden in den Ofen.

Heber Anlage von Hecken.

Es ist dies gewiß ein vielbesprochener Artikel. Da jedoch die beste Pflanzzeit für Laubbolz auf trockenem Boden wieder heranrückt, der Herbst, nehme ich Veranlassung, lieber Leser, Dich auf eine Heckenpflanze aufmerksam zu machen, die es ihrer guten Eigenschaften wegen werth ist, von Jedem angepflanzt zu werden. Wer über einen trockenen, mageren, sandigen Garten oder Fläche Land verfügt und dieses gerne umfriedigt und etngezäunt wünscht, pflanze, bevor er an andere Einfriedigungen Geld wegwtrft, den schwedischen Boxdorn. Diese einzig in ihrer Art dastehende Heckcnpflanze ist besonders für leichten und leichtesten Boden geeignet, da derselbe fast in jedem Boden fortkommt, rasch wächst, undurchdringlich dichte Hecken bildet, sehr wenig Pflege verlangt und von Wind und Wetter durchaus nicht leidet. Auf völlig freiliegendem Terrain, wo Sturm und Un­wetter so recht ihr Wesen treiben können und deshalb anders keine Hecke emporkommt, kannst Du, lieber Leser, getrost zum schwedischen Boxdorn greifen, der wird Dir seine Dienste nicht versagen und in wenig Jahren eine Schutzwand bilden, die diesen Elementen Einhalt thut, Dein Gemüse und sonstige Saaten emporkommen läßt oder Deinem Vieh Schutz bietet. Der Boxborn ist betreffs Pflege, An­spruchslosigkeit und Schnellwüchsigkett das Gegenthetl des Weiß- oder Hagedorns. Ersterer wächst rasch, gedeiht gut bei wenig Pflege auf schlechtem Boden und hat von Sturm, Frost, Raupen usw. wie gesagt nicht zu leiden; letzterer dagegen verlangt vor allen Dingen kräftigen,

lockeren, lehmigen Boden, wächst meist nur spärlich, friert sehr oft zurück und siebt manchmal im Sommer wie ein großes Raupennest aus, die mit Vorliebe die Blüthen derselben fressen und den Zaun völlig zu Grunde richten. Als beachtenswerth möchte ich noch hervor- heben, daß dieser Boxdorn lange Stacheln in Menge trägt und seines dichten Wuchses wegen den besten Freunden der Gärten und Wiesen, den gefiederten Sängern ein trautes Heim bietet, das sie vor Katzen, Raubvögeln usw. schützt und ihre Brut sicher beherbergt. Es ist ein­leuchtend, daß diese Pflanze mehr Aufmerksamkeit als bisher verdient und bin ich deshalb gern bereit, Interessenten über Cultur, Bezug usw. nähere Auskunft bereitoiilltgst zu ertheilen.

Tondern (Schleswig).

P. B. Christian, Landschaftsgärtner.

6. HennebergsMonopolseide ist das Beste!

Nur direct! [8835

Ein echter deutscher Mann mag keinen Franzen leiden, doch ihre Weine trinkt er gern". Außer den Weinen bis in die Jüngftzeit auch ihre ßlqueure. Richt allein die Karten unserer Restaurants und Kaffeehäuser zeigten die Namen der französischen Benedicliner und Chartreuse, auch Private suchten etwas darin, ihren Gästen von denEchten" vorsetzen zu können. So ganz Unrecht konnte man ihnen allerdings so lange nicht geben, als man dem fremdländischen, eingeführten Getränke nicht ein mindestens gleich- werthiges, gleich gutes, im Vaterlande hergestelltes Erzeugniß gegen­über zu stellen vermochte. In dieser Hinsicht ist aber viel gegen das Interesse des vaterländischen Gewerbes gesündigt worden. Abgesehen davon, daß man vielfach minderwerthtge Rohstoffe auf möglichst ein­fache Weise oberflächlich mit irgend welchen Essenzen versetzte und sich damit begnügte, diesem Gemisch einen dem echten Liqueur ähn­lichen Geschmack zu geben, kannte man offensichtlich die Zusammen­setzung der französischen Liqueure gar nicht und war so mcht einmal im Stande, dem Getränk die am echten gelobten guten Eigenschaften zu verleihen. Es kann nicht Zweck dieses Berichtes sein, auf irgend solche Fabrikanten, die übrigens meist aus Unwissenheit so gehandelt haben werden, hinzuweisen, wohl aber auf einen deutschen Fabrikanten, dem es gelungen ist, jene Klippen zu vermeiden und dem aus dem Publikum heraus bestätigt wird, daß er das französische Fabrikat, den französischen Benedictiner, die französische Chartreuse, durch ein völlig ebenbürtiges, aber nur halb soviel kostendes deutsches Fabrikat ersetzt bat, nämlich die Dampfdestillation und ßiqueurfabrif von F. W. Oldenburger Nachfolger in Hannover (Inhaber Aug. Gros­kurth). Diese im Jahre 1850 gegründete Firma stellt feinste Kräuter-, Magen- und Tafel-Liqueure und namentlich als Sonderheiten Deutsche« Benedictiner und Deutsche Ehartreuse her. Daß es derselben gelungen ist, den richtigen Geschmack zu finden, beweisen außerdem Urtheile erster Aerzte, u. a. die jüngsten Auszeichnungen derselben (goldene Medaille und Ehrendiplom) auf den beiden letzten Kölner Ausstellungen und die jetzt erlangte Bronce Medaille.

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