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Ausland.

Bern, 20. September. Der Bundesrath beschloß, um Versuche zu einem Ausgleich zu machen, Vertrauens­männer beider Parteien im Tessin zu einer Conferenz einzu- berufen. Das Cavallerie-Regiment Nr. 8 marschirt am 27. September event. früher nach dem Tessin. Die Jn- fanteriebataillvne 40 und 42 werden aus den 3. October einberufen, um eventuell noch vor dem Tage der Volksab­stimmung (5. October) als Verstärkung in Tessin einzurücken oder später die dortigen Truppen abzulösen. Das Bun­desgesetz über die Wahlen in den Nationalrath ist innerhalb der gesetzlichen Frist nicht angefochten worden und wird da­her für in Kraft getreten erklärt.

Wien, 20. September. Den neuesten Dispositionen zu­folge trifft Kaiser Wilhelm am 1. October, Morgens 9 Uhr, hier ein und begibt sich zur Hofburg, später nach Schönbrunn. Nach derPolit. Corr." berührt das österreichische Geschwader von Kiel aus auf der Rück­reise einen französischen und einen italienischen Hafen und trifft gegen Ende October in Pola ein. Dort wird ab- gerüstet und durch das übliche Winterescadre ersetzt. Anders lautende Meldungen seien unbegründet.

Paris, 20. September. Die hiesige portugiesische Gesandtschaft demcntirt in formellster Weise die Gerüchte betreffs eines Militärausstandcs in Portugal. In Folge der durch den englisch-portugiesischen Vertrag' verursachten' Crisc herrsche wohl Erregung, aber die Armeedisziplin sei intact ; ebensowenig existire eine republikanische Agitation im Lande.

Nr. 221

Dienstag den 23. September

1890

7517

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sowie König Albert von Sachsen begaben sich vom Manöver­gelände direct nach Liegnitz, wo die hohen Herrschaften um 1 Uhr ein Frühstück einnahmen, woraus die gegenseitige Ver­abschiedung der Fürstlichkeiten erfolgte. Kaiser Franz Josef reiste gegen 3 Uhr Nachmittags nach Wien zurück und kurz nachher verließ auch Kaiser Wilhelm Liegnitz und begab sich zunächst nach Schloß Kreisau, woselbst er dem Generalfeld­marschall Grafen Moltke einen Besuch abstattete. Von Kreisau reifte der Kaiser weiter nach Schloß Klitschdorf, wo er bis zum Montag Abend zu verweilen gedachte, um dann zunächst einen mehrtägigen Jagdausflug nach Ostpreußen zu unter­nehmen.

Ueber die politischen Ergebnisse der Kaiserzusammenkunft von Rohnftock hat bis jetzt noch nicht das Geringste verlautet, nur findet der überaus lebhafte und sehr herzliche Verkehr, der zwischen dem Reichskanzler von Caprivi und dem Grafen Kalnoky während der Kaisertage gepflogen worden ist, allseitige Beachtung. Daß diese Besprechungen die vollständige Ueber- einstimmung der beiden Staatsmänner über die allgemeine Politik der verbündeten Reiche gezeigt haben, wie in Wiener unterrichteten Kreisen angenommen wird, steht allerdings nicht im Entferntesten zu bezweifeln, ob indessen bei den Conferenzen zwischen Caprivi und Kalnoky irgendwelche neue Vereinbar­ungen getroffen worden sein sollten, ist mehr als zweifelhaft, da ein Grund hierzu nicht vorlag. Politisch dürfte daher durch die Entrevue von Rohnstock in keiner Beziehung etwas geändert worden sein, dagegen kann die Annahme nicht ohne Weiteres zurückgewiesen werden, daß bei der Kaiserbegegnung in Schlesien wirthschaftliche Fragen zur Besprechung gelangt sind, deren Lösung die politische Allianz der zwei mitteleuro­päischen Kaiserreiche nur noch inniger gestalten könnte.

Der in Halle a. S. versammelt gewesene deutsche Berg­mannstag hat am Freitag seine Sitzungen beendigt. Als das bemerkenswertheste Ergebniß der Berathungen erscheint der Beschluß, einen allgemeinen deutschen Bergmannsverband zur Wahrung der Interessen der deutschen Bergleute zu begründen und ist zu diesem Behuse von den Delegirten eine Commission zur Ausarbeitung eines entsprechenden Organisationsentwurfes niedergesetzt worden. Gewiß ist es nur das gute Recht der deutschen Bergleute, sich zu einer derartigen Vereinigung zu­sammenzuschließen, von der sie eine Verbesserung ihrer wirth- schaftlichen Lage erhoffen.

In der alten pfälzischen Reformationsstadt Speyer erfolgte am Freitag in feierlicher Weise der erste Spatenstich zu der von den deutschen Protestanten zur Erinnerung an die Prote- station von Speyer vom Jahre 1529 zu erbauenden Kirche.

Die Frage der Wiedereinsetzung der gestürzten clericalen Tessiner Cantonsregierung verschärft sich allmälig. Obwohl der Bundesrath in seiner am Freitag abgehaltenen Sitzung, dem Vernehmen nach, die Verlängerung der dem Bundes- commissar Oberst Künzli übertragenen höchsten Regierungs­gewalt im Tessin bis mindestens zum 5. October, dem Tage der Volksabstimmung über die Verfaffungsrevision, beschlossen hat, vollzieht Casellas, ein Mitglied der früheren Tessiner Regierung, fortgesetzt eigenmächtig Regierungsacte. Es ist dies eine offenkundige Auflehnung gegen die Bundesgewalt und wird der Bundesrath zweifellos gegen Caffelas einschreiten, falls derselbe seine Regierungshandlungen fortsetzt- sollten aber die Conservativen des Tessin Cassellgs gegenüber der Berner Centralregierung unterstützen, dann find blutige Ver­wickelungen im Tessin unvermeidlich.

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Deritsctzes Aeöch.

Berlin, 20. September. Die heute unter der Betheilig­ung von etwa 70 Professoren und Ingenieuren aus Frank­reich, Schweden, Oesterreich-Ungarn, Holland, der Schweiz und Rußland unter Vorsitz von Bauschinger-München hier abgehaltene dritte Conferenz zur Vereinbarung einheit­licher Prüfungs-Methoden für Bau- und Son­st r u c t i o n s - M a t e r i a l i e n erledigte einen großen Theil der Tagesordnung und vertagte die Erledigung des kleineren Theiles auf die nächste, 1892 in Wien abzuhaltcnde Con­ferenz. Die Versammlung schloß mit einem Festmahle im Zoologischen Garten. Morgen wird seitens der Conserenz- mitglieder die Besichtigung der technischen Hochschule in Char- lottenburg unternommen.

Berlin, 20. September. Ueber die von englischen Blättern verbreitete Nachricht, daß Crispi gegen die Abtretung eines Gebietes an Deutschland protestirt habe und daß bei der Besetzung durch die Deutschen Widerstand geleistet worden sei, wodurch die letzteren zum Rückzüge gezwungen wurden, ist in hiesigen amtlichen Kreisen nichts bekannt.

Rohnstock, 20. September. Gestern Abend acht Uhr war Diner im hiesigen Schlosse. Kaiser Wilhelm saß links vom

Bekanntmachung.

Der für den 15. Juli angesetzt gewesene Zuchtviehmarkt mit Prämienvertheilung zu Glieder - Gemünden findet nunmehr nach Erlöschen der Maul- und Klauenseuche m der Umgebung

Donnerstag den 2. Octoder

statt. Mit demselben wird die für den 15. Juli vorgesehene Berlvofung verbunden werden.

Alsfeld, den 7. September 1890.

Großherzogliches Kreisamt Alsfeld.

v. Grolman.

politische Uebevsicht.

Gießen, 22. September.

Die durch die Gegenwart des Kaisers von Oesterreich, des Königs von Sachsen und anderer Fürstlichkeiten ausgezeich­neten Kaisermanöver in Schlesien haben am Samstag früh mit i einem kurzen Schlußgesecht ihr Ende erreicht. Die beiden Kaiser, |

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Kaiser Franz Joseph, Caprivi neben dem Kaiser Franz Josef. Links vom Kaiser Wilhelm saß der König von Sachsen, neben diesem Kalnoky, Kaiser Wilhelm gegenüber Graf Hochberg. Der Reichskanzler war Abends sechs Uhr von Hausdorf aus's Schloß befohlen worden. Beide Kaiser haben den gegen­seitigen Gefolgen zahlreiche Auszeichnungen verliehen. Nach einer Bekanntmachung des Liegnitzer Magistrats treffen die Kaiser heute elf Uhr Vormittags dort ein.

Liegnitz, 20. September. Vor Beginn der heutigen Pa­rade brachte der Kaiser inmitten der Offiziere ein Hoch auf den Kaiser von Oesterreich aus. Die Umgebung stimmte begeistert ein. Der Kaiser Franz Josef dankte sichtlich gerührt und erfreut.

Liegnitz, 20. September. Die beiden Kaiser haben Lieg­nitz verlassen, nachdem sie sich mit Kuß und Umarmung aufs herzlichste und innigste verabschiedet hatten. Eine vieltausend­köpfige Menschenmenge begrüßte die Monarchen und gab denselben längs dem Bahngeleise mit stürmischen Zurufen das Geleite. Der Kaiser von Oesterreich verabschiedete sich besonders herzlich von Caprivi, der auch vom Publikum leb­haft begrüßt wurde.

Kreisau, 20. September. Zum Empfange des Kaisers, der Nachmittags vier Uhr erwartet wird, ist eine besondere Halle erbaut worden. Von hier fährt der Kaiser nach dem Schlosse, wo sämmtliche Familienangehörige Molkt es zu seiner Begrüßung anwesend find. Nach einer Rundfahrt durch den Park ist Mittagstafel.

Kreisau, 20. September. Während «des Diners erhob sich Moltke, dankte für die ihm wiederfahrene hohe Ehre des kaiserlichen Besuchs und trank auf das Wohl des Kaisers. Der Kaiser fuhr um sieben Uhr ab, Moltke, die übrigen Herren und Frau Major Moltke begleiteten den Kaiser zur Bahn.

Bunzlau, 20. September. Der Kaiser ist um neun Uhr unter allgemeinem Jubel der Bevölkerung, vom Grafen Solms am Bahnhofe begrüßt, hier eingetroffen,- er fuhr im vierspännigen offenen Wagen durch die illuminirte Stadt, in deren Straßen Vereine und Innungen, Fackeln tragend, Spa­lier bildeten.

Stuttgart, 20. September. DerStaatsanzeiger" sagt - Gegenwärtig wird in einem Theil der Presse mit unbegrün­deten Mittheilungen über die militärischen Verhält­nisse Württembergs wahrer Unfug getrieben. Man kann nicht erwarten, daß die Regierung allen unwahren In­sinuationen gegenüber Erklärungen abgiebt. Heute aber fei folgendes constatirt.- Es ist unwahr, daß das Entlasfungs- gesuch des Kriegsministers Steinheil gestellt und abgelehnt wurde, daß bezüglich der Ernennung des Nachfolgers des jetzigen commandirenden Generals irgendwelche Entscheidung getroffen ist, daß die Acten bezüglich der ehrengerichtlichen Untersuchung gegen einige Offiziere in Verlust gerathen sind. Zur anständigen Presse darf vertraut werden, daß sie nicht durch Verbreitung grundloser Erfindungen die Behandlung der schwebenden Fragen erschwert und dadurch Beunruhigung in weiteren Kreisen hervorruft."

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Bekanntmachung,

Amtstage des Großh. Kreisamts Gießen betreffend.

Die unterzeichnete Behörde wird

SamStag den 4. October 1890, Borw. 8 Uhr, einen Amtstag im Rathhause zu Grünberg abhalten und wird den Kreis-Eingesessenen aus den Amtsgericktsbezirken Grünberg, Homberg und Laubach anheimgestellt, etwaige An­liegen in diesem Termine vorzubringen.

Gießen, den 21. September 1890.

Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern.

Gießen, den 21. September 1890. Betr.: Wie vorher.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Großh Bürgermeistereien der in den AmtSgerichtSbezirken Grünberg, Homberg und Laubach gelegenen Gemeinden de- KreifeS Gießen.

Vorstehende Bekanntmachung wollen Sie auf ortsübliche Weise zur öffentlichen Kenntniß bringen.

v. Gagern.

Laudw. Winterschule deS landw. Vereins für die Provinz Oberheffen zu AlSfeid betr.

Die landw. Winterschule zu Alsfeld wird den Unterricht in beiden Klaffen Montag den 27. Oktober l. I., Vor­mittags 10 Uhr, beginnen. Der Unterricht wird von zwei Landwirthfchaftslehrern und vier Hilfslehrern nach dem von der Großh. Oberen landw Behörde vorgeschriebenen Normal­plan ertheilt. In der unteren Klaffe werden dementsprechend hauptsächlich die allgemeinen Bildungsfächer und Naturwissen­schaften mit Rücksicht auf die Landwirthschaft, in der oberen Klaffe vorzugweise rein landw Disciplinen als: Ackerbau (Düngerlehre), Viehzucht (Fütterungslehre), Betriebslehre, Buchführung, Obstbau-, Feldmeffen, Molkereiwesen rc- neben den Naturwissenschaften gelehrt

Ausnahmsfähig sind junge Leute, welche die Volksschule mit Erfolg besucht haben, z. Z ohne besondere Prüfung, im Alter von 1420 Jahren. Aeltere Landwirthe können als Hospitanten ausgenommen werden. In der oberen Klaffe kön­nen nur junge Leute mit den entsprechenden Vorkenntniffen, namentlich solche, welche die untere Classe mit Erfolg besucht haben, Aufnahme finden.

Der Unterricht findet im Anschluß an eine gute Lehr­mittelsammlung statt, welche im vergangenen Jahre wesentlich vergrößert worden ist. Die Schüler werden auch außerhalb der Schulstunden von den Anstaltslehrern beaufsichtigt und in chren Privatwohnungen von denselben besucht. Gegen Ende März findet der Schluß des Cursus mit einer öffentlichen Prüfung statt. Das Schulgeld beträgt 25

Anmeldungen und spectellere Anfragen sind an den Vor­stand der Schule Großh Landwirthschaftslehrer Herrn Leithi- ger in Alsfeld zu richten, welcher auch in Betreff der Unter­bringung der Schüler in Privathäusern nähere Auskunft ertheilt und behilflich ist-

Alsfeld, den 8. September 1890.

Der Aufsichtsrath der landw. Winterschule zu Alsfeld: v. Grolman.